Ökologische Landwirtschaft

Wie funktioniert die Öko-Landwirtschaft? Infos für Einsteiger und Profis

In Zeiten von Klimakrise, Artensterben und wachsendem Nachhaltigkeitsbewusstsein gewinnt die ökologische Landwirtschaft immer mehr an Bedeutung. Öko-Landwirtschaft stellt eine umweltverträgliche Landbewirtschaftung dar, bei der gleichermaßen ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt werden sollen. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bietet das Öko-Kontrollsystem Transparenz und Sicherheit, für Landwirtinnen und Landwirte kann sie neue Perspektiven eröffnen. Doch wie funktioniert die ökologische Landwirtschaft in der Praxis?

Lernen Sie die Preisträgerbetriebe des BWÖL 2026 kennen:

Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau – jetzt bewerben!

Der Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) startet in die nächste Runde! Ab dem 1. April 2026 können sich Bio-Landwirtinnen und -Landwirte mit ihren innovativen und praxisbewährten Betriebskonzepten bewerben. Bewerbungsschluss ist der 30. Juni 2026.

Mehr Infos zum Wettbewerb und zur Bewerbung 

Was ist ökologische Landwirtschaft? – Definition und Grundprinzipien

Die Grundsätze und Vorschriften für die ökologische Landwirtschaft – auch biologische Landwirtschaft, Bio-Landwirtschaft, Öko-Landwirtschaft oder ökologischer Landbau genannt – sind in der EU-Öko-Verordnung definiert.

Zentrale Ziele des ökologischen Landbaus sind nach der EU-Öko-Verordnung:

  • Umwelt und Klimaschutz: Das Verbot chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel, die begrenzte Düngerausbringung und der möglichst geschlossene Betriebskreislauf haben positive Effekte auf Biodiversität, Klimaschutz, Wasserschutz und Tierwohl.
  • Erhalt der Bodenfruchtbarkeit: Durch eine vielfältige Fruchtfolge, angepasste Bodenbearbeitung oder den Einsatz von organischen Düngern wie Stallmist wird der Humusgehalt des Bodens erhalten bzw. erhöht.
  • Ressourcenschonung: Der Einsatz externer Betriebsmittel wird minimiert, Nährstoffe und Ressourcen werden möglichst im eigenen Betrieb gehalten und wiederverwertet – ganz im Sinne der Kreislaufwirtschaft.
  • Förderung der Biodiversität: Durch vielfältige Fruchtfolgen, Hecken, Blühstreifen und strukturreiche Landschaften sowie Einsatz von vielfältigen Kulturarten und Sorten und der Förderung von Nützlingen gegen Schädlinge wird die biologische Vielfalt auf dem Betrieb gefördert.
  • Hohe Tierschutzstandards: Die Ställe, das Tiermanagement und die Fütterung der Tiere werden an die artspezifischen Bedürfnisse der Tiere angepasst und das Tierwohl gefördert.
  • Keine Gentechnik: In der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft ist der Einsatz gentechnisch veränderter Organismen (GVO) und von aus oder durch GVO hergestellter Erzeugnisse verboten.

In der Definition der Internationalen Vereinigung der ökologischen Landbaubewegung (IFOAM) wird der systemische Ansatz der ökologischen Landwirtschaft deutlich:

"Die ökologische Landwirtschaft ist ein Produktionssystem das die Gesundheit der Böden, der Ökosysteme und der Menschen stärkt und erhält. Sie ist eher an ökologische Prozesse, die Biodiversität und lokal angepasste Kreisläufe gebunden, als an mit nachteiligen Auswirkungen verbundene externe Betriebsmittel und Einträge. Ökologische Landwirtschaft vereinigt Tradition, Innovation und Wissenschaft zum Vorteil der gemeinsamen Umwelt sowie um faire Beziehungen und eine hohe Lebensqualität für alle Beteiligten zu fördern."


Tipps für Verbraucherinnen und Verbraucher
Wer tiefer in die Grundlagen und Begriffe rund um Bio-Produkte, Siegel und Anbauverfahren eintauchen möchte, findet in der Rubrik Bio-Wissen fundierte Antworten auf häufige Fragen rund um die ökologische Landwirtschaft.


Besonderheiten der ökologischen Landwirtschaft

Was muss beim Pflanzenbau in der ökologischen Landwirtschaft beachtet werden?

Im ökologischen Landbau müssen Pflanzen grundsätzlich in Kontakt mit gewachsenem Boden kultiviert werden. Das gilt sowohl im Freilandanbau als auch in Gewächshauskulturen oder unter Folientunneln.

Mehr Infos über die Grundlagen des ökologischen Pflanzenbaus.

Pflanzenschutz im Ökolandbau

Der Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel ist in der ökologischen Landwirtschaft verboten. Stattdessen setzt der Ökolandbau auf präventive Maßnahmen zur Förderung der Pflanzengesundheit und mechanische Unkrautregulierung.

Das Auftreten von Krankheiten und Schaderregern und ein hoher Unkrautdruck müssen möglichst durch vorbeugende Maßnahmen vermieden werden. Pflanzeneigene Abwehrkräfte werden gestärkt und natürliche Regulationsmechanismen unterstützt, etwa durch Förderung von Nützlingen, standortangepasster Arten- und Sortenwahl, zeitgerechte Bodenbearbeitung und eine ausgewogene Düngung.

Testen Sie mit unserer Pflanzenschutz-Akademie Ihr Wissen über den ökologischen Pflanzenschutz.

Unkräuter beugen Bio-Landwirtinnen und -Landwirte durch eine ausgewogene Fruchtfolge und sorgfältige Bodenbearbeitung vor. Darüber hinaus werden Striegel, Hacke und Bürsten zur direkten mechanischen Unkrautregulierung eingesetzt.

Düngung auf Öko-Äckern

Leicht lösliche, synthetische Düngemittel wie zum Beispiel Harnstoff oder Ammoniumnitrat sind im ökologischen Landbau nicht zugelassen. Zur Nährstoffversorgung werden organische Wirtschaftsdünger, wie zum Beispiel Gülle oder Kompost und in natürlicher Form vorliegende mineralische Dünger eingesetzt. Durch die Integration von Leguminosen in die Fruchtfolge wird Stickstoff in den Kreislauf gebracht.

Die ökologische Landwirtschaft setzt auf die Förderung der Bodenfruchtbarkeit. Im Humus gebundene Nährstoffe werden durch die Bodenmikroorganismen in organische Bestandteile zerlegt und in Nährstoffe umgewandelt, die für die Pflanzen leichter aufzunehmen sind. Zusätzlich verbessert Humus die Bodenstruktur, fördert die Wasserspeicherung und belüftet den Boden, was Pflanzenwurzeln eine bessere Durchwurzelung und eine stabile Umgebung bietet.

Was muss bei der Tierhaltung in der ökologischen Landwirtschaft beachtet werden?

Bio-Landwirtschaft verpflichtet sich zu einer artgerechten Tierhaltung. Die Tierhaltung muss so gestaltet werden, dass die Tiere ihren natürlichen Bedürfnissen wie Futteraufnahme, Körperpflege, Sozialkontakten, Fortbewegung und Ruhe nachgehen können. Die Haltung auf Spaltenböden ist verboten, den Tieren muss Einstreu aus organische Materialien zur Verfügung gestellt werden. Die Fütterung erfolgt mit bio-zertifiziertem Futter.

Der Mist, den die Tiere produzieren, kommt im Sinne der Kreislaufwirtschaft wieder auf den Acker und liefert den Pflanzen Nährstoffe. Damit nicht mehr Mist entsteht, als die Pflanzen auf dem Acker brauchen, ist die Anzahl der Tiere, die Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern halten dürfen, begrenzt. Sie ist abhängig von der Fläche des Betriebes. Dies nennt man flächengebundene Tierhaltung. Sie trägt dazu bei, die Belastung von Boden und Wasser einzuschränken.

Wirtschaftliche Aspekte der ökologischen Landwirtschaft

Die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft erfordert Investitionen und eine genaue Planung, kann sich jedoch langfristig lohnen – durch staatliche Förderprogramme, steigende Nachfrage und den Zugang zu einem wachstumsstarken Bio-Markt.

Wer Ökolandbau betreibt, muss mit einem erhöhten Arbeitsaufwand etwa bei der Unkrautregulierung und dem Pflanzenschutz rechnen. Darüber hinaus können je nach angebauter Kultur die Bio-Erträge geringer ausfallen als auf konventionell bewirtschafteten Flächen. Der zusätzliche Aufwand wird aber in der Regel mit höheren Preisen für Bio-Produkte und einer höheren Resilienz des Betriebes und der Wertschöpfungsketten entlohnt.

Vorteile der ökologischen Landwirtschaft für Umwelt und Gesellschaft

Die ökologische Landwirtschaft kann einen positiven Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten – zum Beispiel durch geringere Nitratbelastung, den Schutz des Bodens oder die Förderung der Artenvielfalt. Die Erträge sind jedoch in der Regel geringer als in einer intensiven konventionellen Landwirtschaft. Laut einer Studie spart aber die ökologische Bewirtschaftung 800 Euro Umweltfolgekosten – pro Hektar!

Die ökologische Landwirtschaft leistet also einen vielfältigen Beitrag zum Umwelt- und Naturschutz:

Einstieg in die ökologische Landwirtschaft

Für Landwirtinnen und Landwirte, die eine Umstellung auf den ökologischen Landbau erwägen, sind umfassende Informationen und eine sorgfältige Planung entscheidend.

Die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft verändert einen Betrieb und seine Arbeitsabläufe grundlegend. Während der Umstellungszeit muss der Betrieb sich an die Regelungen der EU-Öko-Verordnung halten, darf aber die Produkte noch nicht als Bio-Produkte vermarkten. Deshalb bekommen Betriebe in Umstellung eine höhere Förderung.

Sie überlegen, Ihren Betrieb auf ökologische Landwirtschaft umzustellen? Hier finden Sie alle notwendigen Informationen:


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