Oekolandbau.de: Welche Kriterien sind aus Ihrer Sicht entscheidend, damit ein landwirtschaftlicher Betrieb erfolgreich in die (ökologische) Edelpilzproduktion einsteigen kann?
Birge Wolf: Ein wichtiger Punkt ist die Begeisterung für Edelpilze. Man muss Spaß daran haben, mit diesem Organismus zu arbeiten. Es muss klar sein, dass Hygiene hier das A und O ist und man viel Zeit in geschlossenen, klimatisierten Räumen verbringt. Es ist definitiv kein Job für draußen. Deshalb ist es auch unser Anliegen, dass wir Seminare anbieten, bei denen diese Tätigkeiten ausprobiert werden können. So haben die interessierten Betriebe danach die Möglichkeit einfacher zu entscheiden, welche Prozesse sie selbst übernehmen und welche sie lieber auslagern wollen. Ob sie beispielsweise Substrat zukaufen und nur die Pilze anziehen oder ob sie wirklich von Anfang an jeden Schritt selbst machen wollen.
In jedem Fall ist es aber wichtig, sich sehr umfassend zu informieren und zu schauen, wo ist genau das, wo der Betrieb Stärken hat. In dem Zuge denke ich, dass es auch sinnvoll sein kann, Experimentierkosten einzuplanen und von einer sicheren Basis aus zu starten. Das funktioniert besonders gut, wenn man einen kleinen Einstieg wählt, sodass die Fehlerkosten nicht so hoch sind. Für einen Einstieg in größerem Maßstab muss man von Anfang an sicherstellen, dass man Substratlieferanten und einen guten Absatz hat, dass man sich beraten lässt oder sich sogar ein Coaching holt, damit Risiken minimiert werden. Vor allem der Absatz sollte geklärt sein, denn es reicht ja nicht nur die Erkenntnis, dass die Menschen in Deutschland gerne Edelpilze essen, sondern es braucht die Sicherheit, dass die Menschen ihre Edelpilze zu einem auskömmlichen Preis von meinem Betrieb und in dieser Region kaufen wollen oder ein anderer passender Vermarktungsweg aufgebaut wird. Wer bereits einen Kundenstamm hat, hat es oft schon ein ganzes Stück leichter.
Oekolandbau.de: Welche Formate und Methoden des Wissenstransfers sind Ihrer Meinung nach besonders wirkungsvoll, um Betriebe beim Einstieg in die Edelpilzproduktion zu unterstützen?
Birge Wolf: Wir haben eine Umfrage gemacht, um genau diese Interessen abzufragen und haben dort auch nach den Formaten gefragt, die gewünscht sind. Wir waren etwas überrascht, dass die Online-Formate auf sehr viel Interesse gestoßen sind. Hier ist es vermutlich die niedrige Einstiegshöhe, die überzeugt. Man kann sich bei solchen Formaten erst einmal ganz unverbindlich informieren, ohne eine große Reise zu machen oder Zeit investieren zu müssen. Deshalb versuchen wir Online-Veranstaltungen abends anzubieten, damit diese zum Beispiel auch nebenberuflich oder nach den Arbeiten auf dem Betrieb möglich sind.
Grundsätzlich sehen wir aber, dass es sehr wichtig ist, eine gewisse Realitätsnähe zu erreichen. Wir möchten also schon auch reale Betriebe besuchen und den Betriebsalltag erlebbar machen. Das Ziel ist es da in erster Linie, die Vielfalt der Geschäftsmodelle aufzuzeigen, die es im Edelpilzbereich gibt – durch möglichst vielfältige Referentinnen und Referenten und Betriebsbesuche. Und was wir ganz wichtig finden sind die bereits angesprochenen Tagesseminare, wo es darum geht, vor allem in die Edelpilzproduktion reinzuschnuppern und sich auszuprobieren.
Ein weiterer Punkt ist für uns die Vernetzung, damit für die Neueinsteigenden auch klar wird: Wer sind denn die Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner in meiner Region? Was machen beispielsweise Landesanstalten zu dem Thema? Welche Angebote gibt es dort? Welche Praxisbetriebe gibt es in meiner Nähe? Wir bieten also auch Orientierung und Vernetzung, sodass die Betriebe gerüstet sind, den nächsten Schritt gehen zu können.
Projekt NuPiWi – Heimische Erzeugung von Nüssen und Pilzen als gefragte und gesunde Eiweißquellen durch Wissenstransfer fördern (NuPiWi)
Die Förderung des Vorhabens erfolgt aus Mitteln des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) aufgrund eines Beschlusses des deutschen Bundestages. Die Projektträgerschaft erfolgt über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Rahmen des Chancenprogramm Höfe.