Projekt NuPiWi: Chancen und Herausforderungen der heimischen Edelpilzproduktion

Projekt NuPiWi: Chancen und Herausforderungen der heimischen Edelpilzproduktion

Edelpilze sind ein aufstrebender Trend in der Ernährung und eröffnen landwirtschaftlichen Betrieben ganz neue Möglichkeiten. Das Projekt "NuPiWi - Nüsse, Pilze, Wissenstransfer" möchte bei diesem Weg unterstützen und bietet kostenfreie Wissenstransfer-Angebote, die gemeinsam mit Expertinnen und Experten sowie Praxisbetrieben organisiert werden. Im Interview erzählt Birge Wolf von der Universität Kassel, welches Potenzial Edelpilze für die heimische Landwirtschaft bieten, wie die Chancen und Herausforderungen für einen Einstieg tatsächlich einzuschätzen sind und wo genau das Projekt NuPiWi Hilfestellung leisten kann.

Birge Wolf ist Agraringenieurin für ökologischen Landbau und engagiert sich bereits seit vielen Jahren im Wissenstransfer und für eine Forschung, die von der Praxiswirkung her gedacht ist. Fachlich beschäftigt sie sich seit zwei Jahren mit Agroforst. Im Förderprojekt NuPiWi des Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) organisiert sie kostenfreie Wissenstransfer-Angebote für die Erzeugung von Walnüssen, Haselnüssen und Edelpilzen gemeinsam mit Expertinnen und Experten sowie Praxisbetrieben, die sich bereits in diesen Themenbereichen engagieren.

Oekolandbau.de: Frau Wolf, können Sie noch einmal kurz skizzieren, welche konkreten Ziele das Projekt NuPiWi – speziell im Bereich Edelpilze – verfolgt ?

Birge Wolf: Edelpilze sind tolle Produkte, denn sie liefern hochwertiges Eiweiß und das schon als unverarbeitetes Produkt. Sie bieten so die Möglichkeit, tierisches Eiweiß zu ersetzen. Zudem haben sie einen hohen Gesundheitswert und einen guten ökologischen Fußabdruck in der Produktion. Das sind alles Ziele in unserem Ernährungssystem, die wir unterstützenswert finden – vor allem im Kontext der regionalen Erzeugung.

Unsere Expertise im Wissenstransfer möchten wir daher nutzen, gemeinsam mit Expertinnen und Experten, mit Landeseinrichtungen und mit Beratenden sowie Praxisbetrieben aus der Branche ein Seminarprogramm zu gestalten, das dazu beiträgt, dass Betriebe entscheiden können, ob sie einen Einstieg in einen neuen Betriebszweig wagen. Dabei sollen sie bei den ersten Schritten eine fachkundige Begleitung haben, ohne gleich zu Beginn für Seminare bezahlen zu müssen. Unser Ziel ist es, dass wir uns ganz eng an dem orientieren, was landwirtschaftliche Betriebe benötigen, um sich mit neuen Betriebszweigen auseinanderzusetzen.

Oekolandbau.de: Welche Chancen sehen Sie für landwirtschaftliche Betriebe in der heimischen, ökologischen Edelpilzproduktion?

Birge Wolf: Der Markt für Edelpilze ist hierzulande auf jeden Fall vorhanden. Die Nachfrage steigt – nicht nur, aber vor allem auch durch den Trend hin zu einer veganen Ernährung. Pilze bringen dabei einen riesigen Vorteil mit, denn sie sie haben – im Gegensatz zu vielen Fleischersatzprodukten – einen hohen gesundheitlichen Wert bei gleichzeitig geringer Verarbeitung. Das Interesse an veganer Ernährung und Bio-Lebensmitteln ist oft zum Teil auch gekoppelt. Allerdings ist weiterhin die Importquote ausgesprochen hoch. Somit besteht definitiv eine Chance, dass sich regionale Erzeugerinnen und Erzeuger am Markt platzieren.

Wir sehen insbesondere für landwirtschaftliche Betriebe Chancen, weil die Edelpilzproduktion gut in die landwirtschaftlichen Stoffkreisläufe eingebettet sein kann, vor allem was das Substrat angeht. Verbrauchtes Substrat lässt sich später als hochwertiger Humusdünger einsetzen und kann auch mit ein bisschen Know-how von den Betrieben selbst hergestellt werden. Das ist ein schöner Beitrag zur Kreislaufwirtschaft. Hinzu kommen die Möglichkeiten zur Umnutzung von Stallgebäuden oder auch eine bereits vorhandene Maschinenausstattung, die nicht extra angeschafft werden muss. Zudem ist es möglich Arbeitsspitzen auszugleichen. Die Pilzsaison ist zwar durch die klimatisierten Räume ganzjährig möglich, aber wenn man sich die Verzehrgewohnheiten anschaut, dann ist im Herbst, Winter und Frühling die Hochsaison für die Produktion. Pilze können außerdem die eigene Produktpalette bereichern, insbesondere wenn der Betrieb schon bestehende Vermarktungsstrukturen hat. Generell kann man also sagen, dass landwirtschaftliche Betriebe gut aufgestellt sind, um Edelpilze produzieren zu können. Aber unser Blick, den wir bisher in der Branche gewonnen haben, deutet auch darauf hin, dass es Risiken gibt, mit denen man bewusst umgehen muss.

Oekolandbau.de: Welche Risiken beziehungsweise Herausforderungen sind das?

Birge Wolf: Zum einen ist der Markt für Edelpilze ein sehr vielfältiger Markt, wo durchaus starke, auch internationale, Konkurrenz herrscht. Zum anderen besteht ein großes Risiko bei der Zahlungsbereitschaft der Kundinnen und Kunden – besonders in Zeiten der Inflation. Edelpilze sind ein hochwertiges und damit auch hochpreisiges Produkt, worauf gegebenenfalls verzichtet wird.

Vergessen darf man zudem nicht die gestiegenen Energiekosten sowie die Lohnkosten durch das Mindestlohngesetz und gegebenenfalls die schwere Verfügbarkeit von Arbeitskräften. Auch ein Engpass bei Substratlieferungen kann eine Rolle spielen. Das könnte aber gleichzeitig eine Chance sein, sich als Betrieb dem Bereich Substrat zu widmen, auch wenn dieser viel Kompetenz erfordert. Insgesamt ist die Kompetenz ein wichtiger Punkt, der nicht vergessen werden sollte. Man muss einfach wissen, dass Pilze keine Produkte sind, die man nebenbei erzeugt und die ohne viel Wissen einfach so funktionieren. Hier ist schon Spezialwissen gefragt. Daher müssen gerade größere Betriebe mit Bedacht agieren, denn je größer der Betrieb und damit die Skalierungsstufe von der man startet, desto höher sind am Ende auch die Fehlerkosten, wenn zum Beispiel in einer ganzen Charge plötzlich ein Hygieneproblem auftritt und die Pilze nicht fruchten. Und genau da wollen wir auch ansetzen und mit kompetenten Referentinnen und Referenten den landwirtschaftlichen Betrieben solche Infos aus erster Hand mitgeben.

Oekolandbau.de: Welche Kriterien sind aus Ihrer Sicht entscheidend, damit ein landwirtschaftlicher Betrieb erfolgreich in die (ökologische) Edelpilzproduktion einsteigen kann?

Birge Wolf: Ein wichtiger Punkt ist die Begeisterung für Edelpilze. Man muss Spaß daran haben, mit diesem Organismus zu arbeiten. Es muss klar sein, dass Hygiene hier das A und O ist und man viel Zeit in geschlossenen, klimatisierten Räumen verbringt. Es ist definitiv kein Job für draußen. Deshalb ist es auch unser Anliegen, dass wir Seminare anbieten, bei denen diese Tätigkeiten ausprobiert werden können. So haben die interessierten Betriebe danach die Möglichkeit einfacher zu entscheiden, welche Prozesse sie selbst übernehmen und welche sie lieber auslagern wollen. Ob sie beispielsweise Substrat zukaufen und nur die Pilze anziehen oder ob sie wirklich von Anfang an jeden Schritt selbst machen wollen.

In jedem Fall ist es aber wichtig, sich sehr umfassend zu informieren und zu schauen, wo ist genau das, wo der Betrieb Stärken hat. In dem Zuge denke ich, dass es auch sinnvoll sein kann, Experimentierkosten einzuplanen und von einer sicheren Basis aus zu starten. Das funktioniert besonders gut, wenn man einen kleinen Einstieg wählt, sodass die Fehlerkosten nicht so hoch sind. Für einen Einstieg in größerem Maßstab muss man von Anfang an sicherstellen, dass man Substratlieferanten und einen guten Absatz hat, dass man sich beraten lässt oder sich sogar ein Coaching holt, damit Risiken minimiert werden. Vor allem der Absatz sollte geklärt sein, denn es reicht ja nicht nur die Erkenntnis, dass die Menschen in Deutschland gerne Edelpilze essen, sondern es braucht die Sicherheit, dass die Menschen ihre Edelpilze zu einem auskömmlichen Preis von meinem Betrieb und in dieser Region kaufen wollen oder ein anderer passender Vermarktungsweg aufgebaut wird. Wer bereits einen Kundenstamm hat, hat es oft schon ein ganzes Stück leichter.

Oekolandbau.de: Welche Formate und Methoden des Wissenstransfers sind Ihrer Meinung nach besonders wirkungsvoll, um Betriebe beim Einstieg in die Edelpilzproduktion zu unterstützen?

Birge Wolf: Wir haben eine Umfrage gemacht, um genau diese Interessen abzufragen und haben dort auch nach den Formaten gefragt, die gewünscht sind. Wir waren etwas überrascht, dass die Online-Formate auf sehr viel Interesse gestoßen sind. Hier ist es vermutlich die niedrige Einstiegshöhe, die überzeugt. Man kann sich bei solchen Formaten erst einmal ganz unverbindlich informieren, ohne eine große Reise zu machen oder Zeit investieren zu müssen. Deshalb versuchen wir Online-Veranstaltungen abends anzubieten, damit diese zum Beispiel auch nebenberuflich oder nach den Arbeiten auf dem Betrieb möglich sind.

Grundsätzlich sehen wir aber, dass es sehr wichtig ist, eine gewisse Realitätsnähe zu erreichen. Wir möchten also schon auch reale Betriebe besuchen und den Betriebsalltag erlebbar machen. Das Ziel ist es da in erster Linie, die Vielfalt der Geschäftsmodelle aufzuzeigen, die es im Edelpilzbereich gibt – durch möglichst vielfältige Referentinnen und Referenten und Betriebsbesuche. Und was wir ganz wichtig finden sind die bereits angesprochenen Tagesseminare, wo es darum geht, vor allem in die Edelpilzproduktion reinzuschnuppern und sich auszuprobieren.

Ein weiterer Punkt ist für uns die Vernetzung, damit für die Neueinsteigenden auch klar wird: Wer sind denn die Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner in meiner Region? Was machen beispielsweise Landesanstalten zu dem Thema? Welche Angebote gibt es dort? Welche Praxisbetriebe gibt es in meiner Nähe? Wir bieten also auch Orientierung und Vernetzung, sodass die Betriebe gerüstet sind, den nächsten Schritt gehen zu können.

Sie interessieren sich für den Einstieg in die Produktion von Edelpilzen oder Nüssen? Dann machen Sie jetzt mit bei der Umfrage und teilen Sie Ihre Interessen und Wünsche für ein Wissenstransfer-Angebot dem Team des NuPiWi-Projektes mit. Hier geht's zur Umfrage

Projekt NuPiWi – Heimische Erzeugung von Nüssen und Pilzen als gefragte und gesunde Eiweißquellen durch Wissenstransfer fördern (NuPiWi)

Die Förderung des Vorhabens erfolgt aus Mitteln des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) aufgrund eines Beschlusses des deutschen Bundestages. Die Projektträgerschaft erfolgt über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Rahmen des Chancenprogramm Höfe.

Online-Seminarreihe: Einstieg in die Edelpilzerzeugung – Chancen und Herausforderungen:

Einstieg in die Edelpilzerzeugung – passt das zu mir und meinem Betrieb?

Mittwoch 14. Januar 2026 – 18:30 bis 21:00 Uhr

Dieter Völkers und Matthias Illg von der Magdeburger Pilzmanufaktur berichten aus der Praxis der Edelpilzerzeugung. Sie beleuchten die betrieblichen Voraussetzungen, Chancen und Risiken – vom Substrat bis zum geernteten Pilz-Fruchtkörper. Verschiedene Pilzarten - Shiitake, Austern- und Kräuterseitling, Rosen- und Limonen-Seitling und Löwenmähne werden mit ihren unterschiedlichen Anforderungen in der Erzeugung und Vermarktung vorgestellt.

Edelpilzerzeugung – mit klarem Blick durch die ökonomische Brille betrachtet

Donnerstag 22. Januar 2026 – 18:30 bis 21:00 Uhr

Björn Wenzel, Pilzbauberater der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, wird einen umfangreichen Einblick in die Produktions- und Investitionslosten in der Edelpilzerzeugung geben. Das bietet mehr Klarheit für eine betriebliche Entscheidung und eröffnet Handlungsspielräume für einen gut durchdachten Einstieg.

Edelpilze – von der Vermarktung her gedacht

Donnerstag 05. Februar 2026 – 18:30 bis 21:00 Uhr

In diesem Seminar vermittelt Leonie Sulk, Vermarktungsexpertin der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, wichtiges Handwerkszeug für eine erfolgreiche Vermarktung von Edelpilzen. Der Impuls "Vermarktungskosten im Griff – Wie Sie Ihre Preise richtig kalkulieren" gibt Ihnen eine fundierte Grundlage für die Planung Ihrer Vermarktung. Der zweite Impuls "Vom Nischenprodukt zum Verkaufsschlager: Edelpilze clever vermarkten" vertieft mögliche Absatzwege und Produktideen bis zur erfolgreichen Marketingkommunikation.


Letzte Aktualisierung 28.11.2025

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