Oekolandbau.de: Welche Erwartungen oder Vorurteile begegnen Ihnen im Berufsalltag noch, und wie gehen Sie damit um?
"Die Kritik rund um die klassischen Hausarbeiten. Wenn beispielsweise Besucher kommen und das Regal verstaubt ist, würden alle sofort sagen, was ist denn das für eine Frau, die hier eingeheiratet hat. Es würde keiner sagen „Oh der Jungbauer hat das Haus hier aber nicht im Griff“. Solche Dinge werden immer der Frau angelastet. Von dem Mann erwartet das niemand."
Stephanie Strotdrees: Oder auch in der Erntezeit ist es bei uns immer noch üblich, dass die Mitarbeitenden mit Essen und Trinken versorgt werden. Und da wird bis heute zu 100 Prozent erwartet, dass die Frauen das übernehmen. Man könnte ja meinen, dass das heute eher in der Familie ausdiskutiert wird, wer für was zuständig ist. Aber ich bin tatsächlich erschrocken, wenn ich sehe, wie junge Kolleginnen auf Instagram einen Wettbewerb veranstalten, wer das beste Ackercatering macht. Da denke ich mir, dass im Erntestress sowieso schon alles Kopf steht, die Frauen im Stress sind und dann müssen sie auch noch wetteifern? Man könnte auch einfach dazu stehen und sagen, dass vielleicht gerade alles ein bisschen viel ist und so etwas aktuell keinen Platz mehr hat.
Oekolandbau.de: Welche politischen oder gesellschaftlichen Maßnahmen wären nötig, um mehr Frauen für die Landwirtschaft, insbesondere für Leitungsrollen, zu gewinnen?
Stephanie Strotdrees: Tatsächlich finde ich politische Forderungen immer enorm schwierig, denn eigentlich muss in erster Linie gesellschaftlich und (inner-)familiär etwas passieren. Grundsätzlich halte ich eine Quotenregelung nicht unbedingt für die beste Lösung oder das Ideal, aber sie ist ein gutes Vehikel, um überhaupt erst einmal weiterzukommen. Das ist besonders in der Verbandslandschaft, in der ich selbst so lange tätig war, sehr eindrücklich. Ich spreche dabei nicht nur von den Bauernverbänden, sondern auch von den Bio-Verbänden, in denen es höchste Zeit wird, dass da etwas in Richtung Parität passiert. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Aus- und Schulbildung, in der dieses Thema stärker aufgegriffen werden muss. Und dann dürfen wir nicht vergessen, dass es auch betriebswirtschaftliche Möglichkeiten oder eben Gesellschaftsformen geben muss, in denen es möglich ist, dass ein Paar zusammen einen Betrieb führen kann.