Anna-Lena Dworschak ist 2024 zur Bayerischen Bio-Königin gekürt worden. Als Botschafterin der bayerischen ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft repräsentiert sie die bayerische Biobranche. Ihr Ziel ist es, die Menschen in Bayern für regionale Bio-Lebensmittel zu begeistern. Anna-Lena ist auf einem ökologischen Gemüsebau- und Milchviehbetrieb bei Nürnberg aufgewachsen und hat dann Wirtschaftsingenieurwesen, Agrarmarketing & Management an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf studiert. Nun ist sie Betriebsleiterin des elterlichen Milchviehbetriebs. Im Interview mit Oekolandbau.de hat sie erzählt, wie sie Geschlechterrollen in der Bio-Branche wahrnimmt und was ihr als Frau und Betriebsleiterin wichtig ist.
Oekolandbau.de: Du bist viel im Bio-Bereich unterwegs und bekommst ja auch einiges mit. Wie nimmst du Geschlechterrollen in der Bio-Branche wahr?
Anna-Lena: Ich bin viel auf verschiedenen Höfen, bei Podiumsdiskussionen und auf Messen – und ich merke schon: Die Bio-Branche ist oft etwas offener, aber ganz frei von klassischen Rollenbildern ist sie nicht. Uns Frauen traut man immer noch zu wenig zu. Es gibt viele starke Frauen, und auch wenn sie nicht so oft im Vordergrund stehen, wissen wir alle: Hinter einem starken Mann steht eine noch stärkere Frau! Wir Frauen spielen seit Generationen eine zentrale Rolle in der Landwirtschaft. Wir arbeiten mit Kopf, Hand und Herz, treffen Entscheidungen und halten Abläufe zusammen – oft selbstverständlich, oft im Stillen, aber immer mit tiefem Herzblut.
Oekolandbau.de: Du bist selbst in den elterlichen Betrieb eingestiegen. Glaubst du denn, dass es einen Unterschied macht, ob ein Betrieb von einer Frau oder einem Mann geleitet wird? Und gibt es vielleicht Dinge, die umsetzen oder ändern willst, weil du eine Frau bist?
Anna-Lena: Ich glaube nicht, dass Frauen grundsätzlich "besser" oder Männer "schlechter" führen. Aber ich glaube, dass unterschiedliche Perspektiven den Unterschied machen. Ich selbst bin Betriebsleiterin unseres Bio-Milchviehbetriebs und in unserem Bio-Gemüsebaubetrieb mit circa 110 Mitarbeitenden in der Saison unter anderem für das Personal zuständig. Mir ist eine transparente Kommunikation im Team und eine Mitarbeiterführung auf Augenhöhe wichtig. Vielleicht liegt es daran, dass Frauen Beziehungen und Kommunikation stärker in den Mittelpunkt stellen. Ich merke jedenfalls, dass ich sehr viel Wert auf Austausch lege – im Team, mit Kunden sowie mit Berufskollegen. Und ja, es gibt Dinge, die ich bewusst anders angehe: Ich möchte zeigen, dass eine junge Frau selbstverständlich einen Milchviehbetrieb führen kann – modern, betriebswirtschaftlich kompetent und gleichzeitig empathisch und mit viel Herzblut.
Oekolandbau.de: Welche Veränderungen / Maßnahmen sind deiner Meinung nach nötig, um die Bio-Branche diverser und eventuell gerechter für Frauen zu gestalten?
Anna-Lena: Folgende Dinge sind hier meiner Meinung nach wichtig:
- Sichtbarkeit erhöhen: Wir brauchen mehr Frauen auf Podien, in Vorständen und als Betriebsleiterinnen.
- Hofnachfolge neu denken: Noch immer wird der Hof oft automatisch dem Sohn übertragen. Hier braucht es einen Bewusstseinswandel in den Familien.
- Netzwerke stärken: Netzwerke wie das BioFrauen*netzwerk sind sehr wichtig für den Austausch untereinander.