Umso wichtiger wären Agrarpolitiken, die Gleichstellung systematisch mitdenken. Doch laut dem FAO-Bericht verfolgen nur 19 Prozent der weltweit analysierten Agrarpolitiken die Gleichstellung der Geschlechter oder die Rechte von Frauen als explizites Ziel.
Neben politischen Reformen spielen auch technologische Lösungen eine Rolle. Die FAO weist unter anderem darauf hin, dass bis heute viele landwirtschaftliche Maschinen für Männer konzipiert sowie für und von Männern getestet werden. Eine geschlechtergerechte Gestaltung von Technik kann Frauen den Zugang zu bestimmten Arbeiten erleichtern, Abhängigkeiten reduzieren und ihre Position auf den Betrieben stärken. Denn durch die Unterstützung von Maschinen könnten Frauen Arbeiten verrichten, die bis heute überwiegend von Männern erledigt werden.
Wie steht es um die Gleichstellung in der deutschen Landwirtschaft?
Laut Thünen Institut waren im Jahr 2023 von rund 876.000 Beschäftigten in der Landwirtschaft etwa 310.000 Frauen, was einem Anteil von gut 35 Prozent entspricht. Das entspricht ziemlich genau dem Prozentsatz, den Frauen global in der Landwirtschaft einnehmen. Allerdings liegt er damit immer noch deutlich unter dem Frauenanteil insgesamt über alle Berufssparten, der 2023 bei 47 Prozent lag.
Besonders deutlich wird die Ungleichheit bei der Betriebsleitung: Rund 90 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe wurden im Jahr 2020 von Männern geführt (Thünen Institut). Im europäischen Vergleich zählt Deutschland damit zu den Ländern mit einem besonders niedrigen Frauenanteil in Führungspositionen.