Was tun Sie für Bäuerinnen, Frau Ministerin?

Was tun Sie für Bäuerinnen, Frau Ministerin?

Die UN hat 2026 zum Jahr der Landwirtin ausgerufen. Zum Weltfrauentag am 8. März hat oekolandbau.de fünf Landwirtschaftsministerinnen verschiedener Bundesländer gefragt, wie sie Bäuerinnen sehen und fördern. Die Ministerien selbst sind überwiegend in Frauenhand. Da sollte doch etwas gehen…

Bayern: Bäuerinnen sind auch im Freistaat eine tragende Säule der landwirtschaftlichen Betriebe

Bäuerinnen leisten Tag für Tag Enormes – im Betrieb, in der Familie und im Haushalt. Auf den Höfen sind sie Stabilitätsanker und Zukunftsgarantinnen zugleich. Außerdem engagieren sich in Bayern mehr als 12.000 Bäuerinnen, 65 Prozent, ehrenamtlich als Ortsbäuerin oder Stellvertreterin. Um die starke Rolle der Landfrauen weiter zu festigen, unterstützen wir auf vielfältige Weise. Mit der 2021 veröffentlichten bayerischen Bäuerinnen-Studie haben wir die Lebens- und Arbeitssituation der Bäuerinnen im Freistaat sichtbar gemacht.

Wir ermöglichen Qualifizierung und Diversifizierung

Wir eröffnen auch Chancen durch Bildung und Diversifizierung. Mit unseren Aus-, Fort- und Weiterbildungsangeboten schaffen wir Perspektiven durch Qualifizierung und Diversifizierung. Netzwerke wie das Unternehmerinnenfrühstück oder das Landfrauen-Forum stärken den Austausch vor Ort und die Vernetzung untereinander. Daneben gibt es Gesprächs- und Hilfsangebote in belastenden Lebenslagen. Und seit mehr als 20 Jahren zeichnet Bayern herausragende Bäuerinnen als Unternehmerin des Jahres aus, um Frauen durch starke Vorbilder Mut zu machen, ihren eigenen Weg zu gehen. Auch bei einer Gründung steht die Landwirtschaftsverwaltung mit Rat und Tat zur Seite. Im UN-Jahr der Landwirtin stellen wir beispielsweise in sieben Filmen Frauen vor, die einen Betrieb übernommen haben.

Michaela Kaniber (CSU), Bayerische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus

Schleswig-Holstein: Bäuerinnen leisten nach wie vor einen großen Teil der unbezahlten Arbeit

Bäuerinnen sind heute Unternehmerinnen, Fachkräfte und Innovatorinnen. Sie führen Betriebe, treffen strategische Entscheidungen, entwickeln neue Einkommensstandbeine, engagieren sich im Dorf und sind das Rückgrat vieler familiengeführter landwirtschaftlicher Betriebe. Viele Bäuerinnen leisten nach wie vor einen großen Teil der unbezahlten Arbeit – im Betrieb oder in der Familie. Das muss sichtbar gemacht und wirtschaftlich abgesichert werden.

Landwirtinnen müssen stärker gehört werden

Mir ist es deshalb wichtig, sie gezielt zu stärken. Aus Landes- und EU-Mitteln fördern wir Vorträge, Seminare und Fortbildungen, damit Bäuerinnen ihr Fachwissen vertiefen und tragfähige Netzwerke aufbauen können. Dafür erhält der LandFrauenverband Schleswig-Holstein jährlich 8.000 Euro.

Darüber hinaus werden über das EU-Förderprogramm für nachhaltige Entwicklung im Ländlichen Raum (ELER) Fortbildungen der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein gefördert, an denen bereits zu 35 bis 40 Prozent Frauen teilnehmen. Speziell für Frauen gibt es dort auch gezielte Qualifizierungsangebote wie etwa die "BüroAgrarFachFrau".

Der enge Austausch unter Landwirtinnen ist mir besonders wichtig. Ihre wertvollen Erfahrungen, Perspektiven und Anliegen müssen stärker gehört werden – in der Landwirtschaft ebenso wie in politischen Entscheidungsprozessen. Dafür setze ich mich ein.

Cornelia Schmachtenberg (CDU), Ministerin für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz des Landes Schleswig-Holstein (MLLEV)   

Saarland: Bäuerinnen beleben den ländlichen Raum und kurbeln die lokale Wirtschaft an

Mehr als ein Drittel der Arbeitskräfte in der deutschen Landwirtschaft sind Frauen, die in Betrieben eine zentrale Position mit vielfältigen Funktionen und Aufgaben einnehmen. Landwirtinnen tragen unternehmerisch wesentlich dazu bei, ländliche Räume zu beleben, Arbeitsplätze zu schaffen und die lokale Wirtschaft anzukurbeln. Zugleich sind sie besonders engagiert und innovativ, räumen dem Umweltschutz und der Bildungsarbeit für künftige Generationen einen hohen Stellenwert ein. Sie machen die Landwirtschaft zukunftssicher. Dies gilt es weiterhin zu fördern und zu sichern.

Wir fördern Agrarbotschafterinnen, um Landwirtschaft sichtbar zu machen

Mein Ministerium unterstützt verschiedene Initiativen und bietet Förderungen für Frauen in der Landwirtschaft an. Darunter den Haushaltstitel für Agrarbotschafterinnen, der dazu dient, Frauen in der Landwirtschaft auszubilden und diese in Schulen oder Kommunen sichtbarer zu machen. Dazu sind wir bestrebt, – wo möglich – mit dem Verband SaarLandFrauen zusammenzuarbeiten, der Kurse und Workshops anbietet. Zudem befürworte ich den Stammtisch der Frauen in der Landwirtschaft, damit sich diese besser zusammenschließen und austauschen können.

Petra Berg (SPD), Ministerin für Umwelt, Klima, Mobilität, Agrar und Verbraucherschutz im Saarland

Niedersachsen: Aktive Betriebsleiterinnen sind Vorbilder

Weltweit übernehmen Frauen 40 Prozent der landwirtschaftlichen Arbeit. Viel zu oft geht im Alltag unter, was Frauen tatsächlich leisten und am Laufen halten. Mir ist es eine persönliche Herzensangelegenheit, dieses Engagement zu unterstützen. Dazu zählen beispielsweise meine Sommerreise zu Betriebsleiterinnen, eine Themen-Ausstellung in meinem Ministerium oder auch die gezielte Einbeziehung von Frauenverbänden bei Delegationsreisen. Frauen sollten viel mehr Aufmerksamkeit in der Presse und Öffentlichkeit erhalten und aktive Betriebsleiterinnen als Vorbilder in der Öffentlichkeit präsent sein.

Wir ermöglichen Frauen mehr Mitwirkung in politischen Ausschüssen

Frauen sind in politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsstrukturen unterrepräsentiert. Wir haben Frauen mehr Mitwirkung in politischen Ausschüssen ermöglicht. Dazu haben wir beispielsweise bereits das Gesetz über die Landwirtschaftskammer geändert, so dass jetzt auch Teilzeitbeschäftigte eine ehrenamtliche Tätigkeit in der Kammerversammlung und in ihren Ausschüssen übernehmen können. Da Frauen auf landwirtschaftlichen Betrieben oftmals in Teilzeit tätig sind, waren sie in der Realität leider oft von einem solchen Amt ausgeschlossen.

Miriam Staudte (GRÜNE), Niedersächsische Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Thüringen: Überdurchschnittlich viele Betriebe in weiblicher Hand

Rund 16 Prozent der Thüringer Landwirtschaftsbetriebe werden laut Förderstatistik von Frauen geführt – damit liegt der Freistaat deutlich über dem Bundesdurchschnitt von elf Prozent. Keine Frage also: Landwirtinnen sind erfolgreiche Unternehmerinnen, die Betriebe eigenverantwortlich leiten und prägen.

Bei der Niederlassungsförderung werden Junglandwirtinnen bevorzugt

Selbstverständlich stehen den Landwirtinnen alle Förderprogramme offen: So erhalten zum Beispiel junge Landwirtinnen über die Junglandwirte-Einkommensstützung finanzielle Hilfe bei Betriebsübernahme oder -neugründung. Zudem wird bei der Niederlassungsförderung bei Punktgleichstand im Auswahlverfahren die Entscheidung zugunsten der Junglandwirtin getroffen. Beim Programm zur "Förderung von Qualifizierung, Demonstrationsvorhaben und Verbreitung von Informationen" können gezielt auch die Belange von Unternehmerinnen in der Landwirtschaft aufgegriffen werden.

Zur Stärkung von Frauen im ländlichen Raum fördert Thüringen seit den 1990er Jahren den Thüringer LandFrauenverband e. V., der allein rund 2.000 Mitglieder aufweist.

Insgesamt zeigt sich: Thüringen ist beim Thema "Frauen in der Landwirtschaft" auf einem guten Weg. Der überdurchschnittliche Anteil von Landwirtinnen in Führungspositionen belegt das Rahmenbedingungen und Förderung wirken.

Colette Boos-John (CDU), Thüringer Ministerin für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlicher Raum

Text: Jutta Schneider-Rapp, Ökonsult GbR


Letzte Aktualisierung 02.03.2026

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