Weltweit arbeiten 36 Prozent der erwerbstätigen Frauen im Agrar- und Ernährungssektor. Mit dem "Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft" machen die Vereinten Nationen auf die zentrale Rolle und oft unterschätzte Bedeutung von Landwirtinnen aufmerksam. Ein Blick nach Deutschland zeigt: Auch hier bleiben ihre Leistungen häufig unsichtbar und Führungspositionen sind weiterhin überwiegend von Männern besetzt. Bei vielen Frauen stehen dennoch eher grundlegende Herausforderungen für landwirtschaftliche Betriebe im Vordergrund.
Um über die Rolle von Frauen sowie ihre Erfahrungen, Lebens- und Arbeitsbedingungen zu diskutieren, luden die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) und die Koordinationsstelle Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau Landwirtinnen aus dem Netzwerk sowie Vertreterinnen des Rheinischen LandFrauenverbands zu einer Gesprächsrunde ein. Das Treffen fand am 6. März auf dem Stautenhof in Willich‑Anrath statt, einem Betrieb aus dem Netzwerk der Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau.
"Lassen Sie uns das 'Jahr der Frauen in der Landwirtschaft' als Auftakt verstehen: für mehr Chancengerechtigkeit, Sichtbarkeit und Repräsentanz für Frauen in der Agrar-Branche", begrüßte Dr. Margareta Büning-Fesel, Präsidentin der BLE, die Gäste.
Dabei betonte sie, dass Anlaufstellen, Austausch und Unterstützung für Frauen extrem wichtig seien, um sich gegenseitig zu stärken und die Anliegen nach außen zu tragen. Die anwesenden Landwirtinnen griffen diese Einladung unmittelbar auf und brachten ihre Themen und Erfahrungen ein.
Theresa Coßmann vom Stautenhof ist ausgebildete Landwirtin. Sie hatte nie das Gefühl, sich auf dem Betrieb ihrer Eltern gegen die männlichen Kollegen durchsetzen zu müssen.
"Bei uns war und ist es immer normal, dass Frauen auf dem Hof mitarbeiten."
Viel stärker beschäftigt sie derzeit die geplante Hofübernahme, die sie gemeinsam mit ihrem Mann angeht. "Natürlich habe ich Respekt vor dieser neuen und großen Aufgabe. Eine Hofübernahme ist nicht nur emotional, sondern auch betriebswirtschaftlich komplex: Investitionen, Liquiditätsplanung, Risikomanagement, langfristige Strategien." Sie hat das Glück, dass ihre Eltern, Beate und Christoph Leider, ihr das Vertrauen schenken, eigene Wege zu gehen und weiß: "Das ist nicht selbstverständlich."
Anne Panzer sprach als Vertreterin des Rheinischen LandFrauenverbands die bestehende strukturelle Benachteiligung von Frauen an.
"Zu oft stoßen Frauen noch auf strukturelle Hürden in Bezug auf den Zugang zu Gründungsunterstützung, Finanzmitteln, Land und politische Mitbestimmung."
Sie forderte mehr Anerkennung, Gleichberechtigung und gute Zukunftsperspektiven.
Akzeptiert und anerkannt
In der Gesprächsrunde wurde deutlich, wie verschieden Landwirtinnen Gleichberechtigung und Anerkennung erleben. Viele Frauen fühlen sich in ihrer täglichen Arbeit auf dem Betrieb respektiert und wertgeschätzt. Gleichzeitig berichteten nahezu alle, dass sie von Besucherinnen und Besuchern auf dem Hof zunächst nach dem "Betriebsleiter" gefragt wurden.
Ulla Tigges führt gemeinsam mit ihrem Mann den Tiggeshof, ein Demonstrationsbetrieb in Arnsberg. Sie betonte die partnerschaftliche Zusammenarbeit: "Bei uns im Betrieb hat jeder seine Aufgaben. Da muss sich keiner hervortun, wir sind ein Team." Bärbel Bird vom Biolandhof Frohnenbruch, Demonstrationsbetrieb in Kamp-Lintfort, hat ähnliche Erfahrungen. Sie hat im Betrieb unter anderem die Direktvermarktung aufgebaut, ihre Tochter steigt jetzt ebenfalls in den Betrieb mit ein.
"Wir werden als Frauen gesehen und anerkannt."
Einstimmige Forderung: Mehr Planbarkeit und Zukunftsperspektiven
Viele Punkte, die als besonders herausfordernd benannt wurden, sind keine reinen Frauenthemen: Unzureichende Zukunftsperspektiven, schlechte Planbarkeit, die Komplexität einer Hofübergabe oder -übernahme und fehlende soziale Absicherung machen allen in der Landwirtschaft zu schaffen. Darüber berichtete auch Simone Schmitz, die im Jahr 2022 den Biohof Büsch, Demonstrationsbetrieb in Weeze, übernommen hat. Die Zuversicht lässt sich die Betriebsleiterin und alleinerziehende Mutter trotz hoher Belastungen jedoch nicht nehmen:
"Ich wachse mit meinen Aufgaben."
Was kann das UN-Jahr für die Frauen in der deutschen Landwirtschaft erreichen?
In der Öffentlichkeit braucht es mehr Sichtbarkeit für die Leistungen der Frauen in der Landwirtschaft. Darin waren sich alle einig. Neben der Arbeit auf dem Betrieb sollten dabei auch die ehrenamtlichen Tätigkeiten, die viele Landwirtinnen ganz selbstverständlich leisten, nicht übersehen werden. Eine wichtige Rolle spielt für viele auch die schwierige Vereinbarkeit von Familie und Beruf. An diesen Themen muss – auch über das UN-Jahr hinaus – gearbeitet werden.
Quelle: Pressemitteilung Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL)







