Dialogforum für mehr Bio in Sachsen

Mit vereinten Kräften für mehr Bio in Sachsen!

Mehr als 50 Verantwortliche aus Landes- und Kommunalpolitik, Verwaltung und Ernährungswirtschaft kamen Anfang September zum ersten Dialogforum der Initiative BioBitte in Leipzig zusammen. Das erklärte Ziel: Wege aufzeigen für mehr Bio- Lebensmittel in Sachsens öffentlichen Küchen.

Wie kann der Anteil an Bio-Lebensmitteln in der sächsischen Außer-Haus- Verpflegung (AHV) erhöht werden? Von welchen guten Beispielen können wir lernen? Was sind wegweisende Ideen und Konzepte? Es ging um zentrale Zukunftsfragen beim Dialogforum in Leipzig.

Eine Veranstaltung mit Signalwirkung

Für Heiko Rosenthal, Bürgermeister der Bio-Stadt Leipzig, ist seine Stadt nicht allein wegen des innovativen Umfelds der geeignete Ausrichtungsort für das erste BioBitte Dialogforum. Vielmehr macht sich Leipzig seit seinem Eintritt in das Bio- Städte-Netzwerk in 2017 für eine regionale und biologische Lebensmittelproduktion stark. Dabei prüft die Stadt auch, wie sich das Bio-Angebot in der Gemeinschaftsverpflegung, insbesondere in der Schul- und Kita-Verpflegung, kontinuierlich erweitern lässt. "Der Weg zu mehr Bio in öffentlichen Küchen ist ein Prozess, den Politik, Verwaltung und Praxis gemeinsam gestalten. Daher ist der Austausch und das Stärken von Netzwerken auf Veranstaltungen wie dem BioBitte Dialogforum begrüßenswert und richtungsweisend.", so Rosenthal, der auch das Forum eröffnete. Und er erklärte weiter: "Wir wollen den Bio-Anteil in sämtlichen kommunalen Gemeinschaftsverpflegungen und auf städtischen Veranstaltungen erhöhen und damit einen höheren Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit und aktiven Klimaschutz mit Signalwirkung für den gesamten Freistaat leisten."

Fachlicher Input, Vernetzung, Austausch und Dialog

Nach der Eröffnung und den Grußworten ging es weiter im Programm, und das war vielfältig: Es bot dem Fachpublikum unter anderem aktuelle Erkenntnisse zur Bio-Versorgung in Sachsen, einen Ausblick auf zukünftige Einsatzmöglichkeiten von Öko- und Regionalprodukten in der öffentlichen AHV und Beispiele gelungener Praxis.

So präsentierte Joachim Lenz von EkoConnect – Internationales Zentrum für den Ökologischen Landbau Mittel- und Osteuropas e.V. die Anfang 2020 durchgeführte "Marktstudie zum Einsatz von Öko- und Regionalprodukten in Einrichtungen der Außer-Haus-Verpflegung in Sachsen". Ein Ergebnis: Der Großteil der befragten Lieferunternehmen, Küchen und Cateringunternehmen gab an, Bio-Produkte bisher eher sporadisch einzusetzen. Der höhere Preis für Bio-Produkte und der Aufwand für das Bio-Zertifizierungsverfahren seien einige der häufig benannten Hindernisse für eine Erhöhung des Bio-Anteils – zumal die Nachfrage der Verbraucherinnen und Verbraucher in Sachsen noch unter dem bundesdeutschen Durchschnitt sei. Um dem entgegenzuwirken, hat Lenz konkrete Empfehlungen formuliert, wie unter anderem ein Konzept zur Beratung von Küchen, Mitarbeitendenschulungen und Aufklärungsarbeit für Verbraucherinnen und Verbraucher sowie für Mitarbeitende in Küchen, Verwaltung und im Bildungsbereich. Die Maßnahmen sollten Teil einer landesweiten Ernährungsstrategie sein, heißt es in der Studie.

Kantine der Zukunft Berlin: Nachhaltigkeit und Currywurst

Ein beispielhaftes Konzept zur Förderung des Einsatzes regionaler Bio-Produkte in der AHV sei laut der EkoConnect-Marktanalyse die "Kantine Zukunft Berlin". Philipp Stierand, Leiter der Kantine Zukunft, stellte das Projekt in Leipzig vor und zeigte auf, wie mehr Bio in öffentlichen Küchen gelingen kann. Ein Schlüssel sei hier eine intensive Beratungsleistung mit praxisnahen Seminaren, Workshops und Vernetzungsveranstaltungen. Das Angebot ist nach den konkreten Bedarfen der Berliner Gemeinschaftsgastronomie ausgerichtet und hat zum Ziel, diese nachhaltig und kostenneutral zu optimieren. Gesellschaftlicher Wandel, nachhaltige Entwicklung und Currywurst, so das Motto.

Impressionen vom Dialogforum

Praxisnah und interaktiv: Die Foren

Am Nachmittag hatten die Gäste die Auswahl zwischen mehreren Foren. Aktive Mitarbeit und Diskussion waren hier gefragt: Die Teilnehmenden konnten sich zu Qualitätsstandards im Vergabeverfahren für die AHV, über Erfahrungen, Hürden und Erfolgsfaktoren austauschen oder aber in der Gruppe Wertschöpfungsketten weiterentwickeln und Lösungen anstoßen, um Lücken bei der nachhaltigen Beschaffung zu schließen.

Sina Zeißig ist Vertriebsleiterin beim Unternehmen RWS Caterinservice, einem mittelständischen Unternehmen in der Gemeinschaftsversorgung, das in ganz Ostdeutschland etwa 40 Küchen betreut, vorwiegend im sozialen Bereich, darunter Pflegeheime, Behinderteneinrichtungen und Krankenhäuser. Sie hat sich ganz bewusst für das Forum zum Thema Vergaberecht entschieden: "In unseren Küchen kochen wir bereits mit einem Bio-Anteil von bis zu 20 Prozent. Bio und Nachhaltigkeit spielen am Markt aber eine immer größer werdende Rolle, diese Themen sind unseren Kundinnen und Kunden wichtig. Deswegen fand ich es toll, hier mit Personen in den Austausch zu kommen, die auf kommunaler Ebene Prozesse und Ausschreibungen mitgestalten. Was genau steht hinter den ausgeschriebenen Erwartungen in puncto Tierwohl, Regionalität oder Nachhaltigkeit – die Begrifflichkeiten sind mir jetzt viel klarer. Und wir wollen und können uns gut darauf einstellen."

Das Dialogforum in Leipzig war eine Veranstaltung der Initiative BioBitte in Zusammenarbeit mit der BioStadt Leipzig, dem Kooperationspartner WERTvoll und Mitwirkende wie dem Ernährungsrat Leipzig. Termine für die nächsten Dialogforen der Initiative BioBitte finden Sie unter den Veranstaltungsterminen.


Letzte Aktualisierung 23.09.2020

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