Regionale Bio-Produkte für den Bio-Fachhandel in Ostdeutschland

Regionale Bio-Wertschöpfungsketten in sechs Bundesländern gleichzeitig aufbauen? Das hört sich nach einer Mammutaufgabe an, besonders in Regionen, in denen es an handwerklichen Verarbeitungsbetrieben mangelt. Wertschöpfungskettenmanagerin Anja Ettner hat sich dieser Aufgabe dennoch motiviert angenommen und berichtet im Interview von den bisherigen Erfolgen und Herausforderungen.

Kurzinfo

  • Produkte: Verschiedene Produkte für den Bio-Fachhandel, zum Beispiel Leguminosenprodukte wie Tempeh, Milch aus kuhgebundener Kälberaufzucht, Fleisch aus der Milchviehhaltung („Brudertierprodukte“)
  • Wertschöpfungskettenbereich: Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel, Außer-Haus-Verpflegung
  • Bundesland: Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt

Projektsteckbrief

Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten im Osten Deutschlands

Das Projekt widmet sich dem Auf- und Ausbau regionaler Bio-Wertschöpfungsketten von der Landwirtschaft über die handwerkliche Bio-Verarbeitung bis zum Bio-Fachhandel. Kernregion des Projekts ist der Osten Deutschlands. Die Projektbeteiligten aus dem Bio-Großhandel und dem Bio-Fachhandel entwickeln gemeinsam mit dem Bioverband Biokreis regional und ökologisch erzeugte Lebensmittel und bringen diese in den Markt. Dabei orientieren sie sich insbesondere am Bedarf der Kundschaft des Bio-Fachhandels. Außerdem werden bestehende Wertschöpfungsketten ausgebaut und mit höherem Volumen ausgebaut. 

Die wichtigste Aufgabe der Koordinationsstelle liegt in der Vernetzung der verschiedenen regionalen Marktakteure entlang der Wertschöpfungsketten. Zu Beginn der Projektlaufzeit wurden der Vernetzung dienende Initialveranstaltungen in Berlin und Leipzig durchgeführt. Diese stellten den persönlichen Kontakt zwischen den Akteuren her und initiierten den Aufbau neuer Wertschöpfungspartnerschaften. Aus der Vernetzungsarbeit entstanden wichtige Impulse, um die Marktentwicklung für Bio zu fördern, Produktstandards weiterzuentwickeln und Produkte zu entwickeln, die den Erwartungen qualitätsbewusster Verbraucherinnen und Verbrauchern entsprechen. Dabei werden auch bestehende Erzeugungs- und Vertriebswege wo immer möglich nachhaltig verbessert.

Im Zuge des Projekts werden Inhalte aus der Landwirtschaft so aufbereitet, dass sie öffentlichkeitswirksam kommuniziert werden können und das Verständnis für den Öko-Landbau in der Verbraucherschaft fördern.

Mehr Infos zum Projekt

Interview mit Wertschöpfungskettenmanagerin Anja Ettner

Anja Ettner

Anja Ettner arbeitet seit Sommer 2021 im Wertschöpfungskettenprojekt des Biokreis. Die ausgebildete Gärtnerin war zuvor lange Jahre im Bio-Fachhandel beschäftigt und ist daher mit verschiedenen Teilen der Wertschöpfungskette bereits gut vertraut. Ihre praktischen Kenntnisse in der Gärtnerei und ihr Wissen um die Erfordernisse und Notwendigkeiten im Fachhandel lässt sie in ihre Arbeit als Wertschöpfungskettenmanagerin einfließen.

Oekolandbau.de: Um was geht es bei dem Projekt?

Anja Ettner: Das Projekt entwickelt regionale Wertschöpfungsketten, vom Acker bis zum Teller. Daraus sollen Leuchtturm-Produkte mit besonderem Mehrwert für Natur, Tier und Region entstehen, die ihren Weg in den Bio-Fachhandel finden. Dafür greifen wir die Themen auf, die die Bio-Branche von der Landwirtschaft bis zum Handel aktuell beschäftigen, zum Beispiel die muttergebundene Kälberhaltung und die Aufzucht der Bruderkälber in der Milchviehhaltung, aber auch die Erzeugung veganer Alternativprodukte.

Oekolandbau.de: Welche Ziele sollen erreicht werden?

Ettner: Wir wollen Produkten in den Handel verhelfen und bestehende Hindernisse für die erfolgreiche Vermarktung aus dem Weg räumen. Eine Voraussetzung dafür ist die Vernetzung der Akteure und Akteurinnen entlang der Wertschöpfungskette: der landwirtschaftlichen Betrieben mit den herstellenden Unternehmen, der Bäckereien, Mühlen und Metzgereien mit dem Fachhandel. Erst wenn allen Beteiligten klar ist, wo entlang der Kette welche Notwendigkeiten und Herausforderungen bestehen, kann man gemeinsam stabile neue Wertschöpfungsketten bauen.

Zudem habe ich den Auftrag, das Projekt und den Wert von Bio-Produkten in eine möglichst breite Öffentlichkeit zu tragen. Dafür besuche ich viele Veranstaltungen und beteilige mich an Podiumsdiskussionen und Netzwerktreffen.

Oekolandbau.de: Was sind die besonderen Herausforderungen in diesem Projekt?

Ettner: Die Region, für die ich zuständig bin, ist sehr groß, sie umfasst Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Wenn es um die Veredelung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse geht, ist diese Region strukturell zudem eher strukturschwach: Es gibt zu wenige handwerkliche Betriebe wie Bäckereien, Molkereien oder Metzgereien. Deshalb ist es ein wesentlicher Teil meiner Arbeit, Strukturen ausfindig zu machen oder Alternativen zu entwickeln. Denn mit den Verarbeitungsstrukturen steht und fällt auch die Regionalität der Wertschöpfungsketten.

Oekolandbau.de: Was ist Ihre Aufgabe in dem Projekt?

Ettner: Ich stoße neue Vermarktungswege für vorhandene Produkte an und sorge dafür, dass sie in Schwung kommen. Dafür bin ich ständig mit vielen Menschen in Kontakt. Mit ihnen bespreche ich viele interessante Themen, die in Zukunft in der Landwirtschaft und im Fachhandel eine Rolle spielen könnten. Es geht ja auch darum, die Weiterentwicklung des ökologischen Landbaus zu fördern. Deshalb ist es wichtig, dass ich mich mit Menschen und Institutionen vernetze, die an denselben Dingen arbeiten. Es muss nicht alles allein erledigt werden!

Oekolandbau.de: Welche Projektpartner sind mit im Boot? Was tragen diese Betriebe zum Projekt bei?

Ettner: Als Partner mit dabei sind die Bio-Fachhändler Bio Company in Berlin und BioMAre in Leipzig; außerdem die Bio-Großhändler Naturkost Erfurt und Terra Naturkost. Diese vier Unternehmen sind die größten und wichtigsten Bio-Akteure in der Region, sie beliefern mein gesamtes Gebiet und weit darüber hinaus mit Bio-Lebensmitteln. Für mich sind sie die ersten Ansprechpartner und richtungsgebend für meine Arbeit. Zudem sind sie entscheidend, wenn es darum geht, das fertige Produkt an das Ende der Wertschöpfungskette zu bringen: die Verbraucherschaft.

Oekolandbau.de: Was sind die nächsten Schritte?

Ettner: Aktuell beschäftige ich mich vor allem damit, den Anbau von Leguminosen in meiner Region voranzubringen – also von Kichererbsen, Soja und Bohnen. Das sind wichtige Rohstoffe für vegane Produkte, die im Handel zunehmend gefragt sind. Aber sie werden noch verhältnismäßig wenig angebaut, weil Wissen fehlt. Da versuche ich zu vermitteln. Dabei gehe ich einen Schritt vor, aber manchmal auch wieder einen zurück. Wichtig ist aus meiner Sicht vor allem, dranzubleiben und jedem einzelnen Thema Raum für die Entwicklung zu geben.

Im Rahmen der Richtlinie zur Förderung von Bio-Wertschöpfungsketten (RIWERT) fördert das Bundesprogramm Ökologischer Landbau den Aufbau und die Weiterentwicklung von tragfähigen Wertschöpfungskettenpartnerschaften für heimische Bio-Produkte.

Mehr Informationen über die Förderrichtlinie


Letzte Aktualisierung 23.02.2024

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