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Bio-Wertschöpfungsketten für Fein- und Backsaaten

Der Aufbau und kontinuierliche Ausweitung von Bio-Wertschöpfungsketten für verschiedene Fein- und Backsaaten sowie Tee und Gewürze und die Sicherstellung eines ausreichenden Angebots deutscher Bio-Ware für die Verarbeitung ist das Ziel dieses RIWERT-Projektes.
Kurzinfo
- Produkte: Mohn, Anis, Kümmel, Fenchel, Koriander, Lein und Schwarzkümmel
- Wertschöpfungskettenbereich: Erzeugung, Verarbeitung, Handel
- Bundesland: Bayern/Bundesweit
Projektsteckbrief
Übergeordnetes Ziel des Projektes "Bio-FeinBack – Biowertschöpfungsketten für heimische Tee-, Fein-, Gewürz- und Backsaaten" ist der Aufbau stabiler und tragfähiger Bio-Wertschöpfungsketten für heimische Sonderkulturen aus deutschem Anbau. Dabei werden alle Stufen der Wertschöpfungskette einbezogen – von der Saatgutverfügbarkeit über den Anbau und die Verarbeitung bis hin zu Vermarktung und Handel. Aufbauend auf den Erfahrungen des erfolgreichen Vorgängerprojektes zur Entwicklung einer Wertschöpfungskette für regional erzeugte ökologische Mohnprodukte wird der Fokus nun auf weitere Tee-, Fein-, Gewürz- und Backsaaten ausgeweitet.
Das Vorhaben wird vom Bioland Erzeugerring Bayern e. V. als Zuwendungsempfänger koordiniert und gemeinsam mit den Kooperationspartnern Öko-Korn-Nord w. V., Vermarktungsgesellschaft Bio-Bauern mbH, HERBARIA Kräuterparadies GmbH, OBEG Hohenlohe-Franken eG, SAATBAU LINZ eGen sowie Bioland e. V. umgesetzt. Durch die enge Zusammenarbeit dieser Akteure entlang der Wertschöpfungskette werden die Voraussetzungen für den erfolgreichen Aufbau regionaler Bio-Wertschöpfungsketten geschaffen.
Im Mittelpunkt stehen Kulturen wie Mohn, Anis, Kümmel, Fenchel, Koriander, Lein und Schwarzkümmel. Ziel ist es, diese Kulturen stärker im deutschen Ökolandbau zu etablieren, ihre Sichtbarkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu erhöhen und neue Marktchancen für Erzeuger, Verarbeiter und Vermarkter zu schaffen.
Youtube-Video
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Quelle: Simon Franz
Die projektgebundene Koordinationsstelle vernetzt alle Akteure entlang der Wertschöpfungskette und integriert kontinuierlich neue Anbaubetriebe, Verarbeiter und Vermarktungspartner. Sie ermittelt die Bedarfe der Beteiligten, bündelt Interessen, unterstützt den Aufbau verlässlicher Partnerschaften und begleitet die Entwicklung langfristiger Lieferbeziehungen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der frühzeitigen Vertragsgestaltung zwischen Anbau und Verarbeitung, um Rohwarensicherheit für Verarbeiter sowie Abnahmegarantien für Erzeuger zu schaffen.
Darüber hinaus unterstützt das Projekt die Öffentlichkeitsarbeit und Informationsvermittlung rund um heimische Tee-, Fein-, Gewürz- und Backsaaten. Die Kulturen sollen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – vom Acker bis auf den Teller – sichtbar gemacht und ihr Potenzial für Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt vermittelt werden.
Neben ihrer wirtschaftlichen Bedeutung leisten viele der Kulturen einen wichtigen Beitrag zu einer vielfältigen und resilienten Landwirtschaft. Sie erweitern Fruchtfolgen, fördern die Biodiversität durch attraktive Blühangebote für Insekten und verfügen häufig über tiefreichende Wurzelsysteme, die eine bessere Anpassung an Trockenperioden ermöglichen. Dadurch bieten sie Perspektiven für den Anbau klimaangepasster Sonderkulturen in Deutschland.
Das Projekt richtet sich an ökologische Anbaubetriebe, Verarbeiter, Händler und Vermarkter, die Interesse am Aufbau neuer regionaler Bio-Wertschöpfungsketten haben. Ziel ist die Etablierung langfristiger Kooperationen und die Förderung regional erzeugter Biozutaten für Lebensmittel aus deutschem Anbau.
Mehr Infos zum Projekt
01.01.2026 - 31.12.2028
Bundesweit
Bioland Erzeugerring Bayern e. V.
Simon Franz, simon.franzbiolandde
Interview mit Simon Franz
Oekolandbau.de: Um was geht es bei dem Projekt?
Simon Franz: Im Projekt Bio-FeinBack dreht sich alles um den Aufbau und die Weiterentwicklung regionaler Bio-Wertschöpfungsketten für heimische Tee-, Fein-, Gewürz- und Backsaaten. Dabei betrachten wir nicht nur den Anbau der Kulturen, sondern die gesamte Kette – von der Saatgutverfügbarkeit über den Anbau und die Aufbereitung bis hin zur Verarbeitung, Vermarktung und dem Handel.
Das Projekt baut auf den Erfahrungen des erfolgreichen WSK-Mohn-Projekts auf. Während dort der Fokus auf regional erzeugtem Bio-Mohn lag, erweitern wir den Ansatz nun auf weitere Kulturen wie Lein, Anis, Kümmel, Fenchel, Koriander oder Schwarzkümmel. Je nach Kultur unterscheiden sich die Herausforderungen – mal geht es darum, den Anbau auszubauen, mal stehen Fragen der Aufbereitung oder der Vermarktung im Mittelpunkt.
Gemeinsam mit unseren Projektpartnern begleiten wir diese Kulturen entlang der gesamten Wertschöpfungskette und schaffen die Voraussetzungen dafür, dass sie sich langfristig erfolgreich am Markt etablieren können. Bio-FeinBack versteht sich dabei als Bindeglied zwischen Landwirtschaft, Verarbeitung und Vermarktung.

Simon Franz hat an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf den Bachelorstudiengang Landwirtschaft mit der Studienrichtung Ökologische Landwirtschaft abgeschlossen. Seit März 2024 bewirtschaftet er gemeinsam mit seinem Vater den elterlichen Betrieb in Form einer GbR. Die Schwerpunkte des Betriebs liegen in der Saatgutvermehrung, dem Feldgemüsebau sowie dem Anbau von Sonderkulturen wie Mohn.
Durch den Mohnanbau war Simon bereits von Beginn an eng in das Vorgängerprojekt WSK Mohn eingebunden und konnte die Entwicklung der Wertschöpfungskette aus der Perspektive eines Anbaubetriebs von Anfang begleiten. Dadurch kennt er die Herausforderungen und Potenziale der Kulturen nicht nur aus der Projektarbeit, sondern auch aus der landwirtschaftlichen Praxis.
Seit dem 1. Mai 2026 arbeitet Simon beim Bioland Erzeugerring Bayern e. V. als Wertschöpfungskettenmanager im Projekt Bio-FeinBack. Dort bringt er seine Erfahrungen aus der Praxis und der Projektarbeit zusammen.
Oekolandbau.de: Welche Ziele sollen erreicht werden?
Simon Franz: Bio-FeinBack verfolgt das Ziel, heimische Tee-, Fein-, Gewürz- und Backsaaten langfristig im deutschen Ökolandbau und auf dem Lebensmittelmarkt zu etablieren. Dafür sollen Kulturen wie Mohn, Lein, Anis, Kümmel, Fenchel, Koriander oder Schwarzkümmel stärker in Deutschland angebaut und als regionale Bio-Rohstoffe verfügbar gemacht werden.
Ein wichtiges Ziel ist außerdem der Aufbau verlässlicher und langfristiger Partnerschaften entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Landwirtinnen und Landwirte, Verarbeiter, Händler und Vermarkter sollen enger zusammenarbeiten und frühzeitig miteinander planen können. So entstehen stabile Lieferbeziehungen, die den Betrieben Planungssicherheit geben und gleichzeitig eine zuverlässige Rohwarenversorgung für die Verarbeitung gewährleisten.
Darüber hinaus möchten wir neue Marktchancen für heimische Bio-Sonderkulturen schaffen. Dazu gehört, bestehende Absatzwege auszubauen, neue Verarbeitungsmöglichkeiten zu entwickeln und die Verwendung regional erzeugter Rohstoffe in Lebensmitteln weiter voranzubringen. Langfristig sollen diese Kulturen sowohl für landwirtschaftliche Betriebe als auch für die verarbeitende Wirtschaft wirtschaftlich attraktiv sein.
Neben den wirtschaftlichen Aspekten verfolgt das Projekt auch ökologische Ziele. Viele der Kulturen tragen zu abwechslungsreicheren Fruchtfolgen bei, bieten Nahrung für Insekten und sind aufgrund ihrer Eigenschaften gut an die Herausforderungen des Klimawandels angepasst. Dadurch können sie einen Beitrag zu einer vielfältigeren und resilienteren Landwirtschaft leisten.
Letztlich möchten wir erreichen, dass sich dauerhaft funktionierende Bio-Wertschöpfungsketten etablieren, von denen alle Beteiligten profitieren – von den Anbaubetrieben über die Verarbeitung und den Handel bis hin zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern.
Oekolandbau.de: Was ist Ihre Aufgabe in dem Projekt?
Simon Franz: Meine Aufgabe im Projekt Bio-FeinBack ist es, dafür zu sorgen, dass die verschiedenen Akteure entlang der Wertschöpfungskette erfolgreich zusammenarbeiten. Dabei bin ich Ansprechpartner für ökologische Anbaubetriebe, Verarbeiter, Händler und Vermarkter und begleite sie von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt.
Oft beginnt meine Arbeit schon vor dem eigentlichen Anbau. Wenn Landwirtinnen und Landwirte Interesse an einer Kultur haben, unterstütze ich sie bei der Suche nach geeignetem Saatgut, gebe Hinweise zum Anbau, stehe während der Vegetationsperiode bei Fragen zur Verfügung und besuche die Betriebe, um gemeinsam die Bestände zu beurteilen. Das ist essentiell, um frühzeitig einen Überblick über die zu erwartenden Mengen und Qualitäten zu erhalten.
Ein wichtiger Teil meiner Arbeit besteht außerdem darin, die richtigen Partner zusammenzubringen. Manche Betriebe suchen Absatzmöglichkeiten für ihre Ernte, während Verarbeiter auf der Suche nach heimischer Bio-Rohware sind. Ich vermittle zwischen beiden Seiten und unterstütze dabei, langfristige und verlässliche Lieferbeziehungen aufzubauen. Auch nach der Ernte begleite ich die Betriebe weiter. Ich helfe bei der Organisation der Aufbereitung und vermittle passende Aufbereitungsbetriebe aus unserem Netzwerk. Darüber hinaus unterstützen wir Verarbeiter dabei, neue Produkte mit heimischen Bio-Tee-, Fein-, Gewürz- und Backsaaten erfolgreich am Markt zu etablieren.
Neben der direkten Arbeit mit den Projektpartnern spielt auch die Öffentlichkeitsarbeit eine große Rolle. Wir präsentieren das Projekt auf Fachmessen wie der BIOFACH, den Öko-Feldtagen oder Bäckermessen und planen Veranstaltungen auf landwirtschaftlichen Betrieben, um Verbraucherinnen und Verbrauchern den heimischen Anbau dieser Kulturen näherzubringen.
Oekolandbau.de: Welche Partner sind mit im Boot? Was tragen diese zum Projekt bei?
Simon Franz: Im Projekt Bio-FeinBack arbeiten mehrere Partner zusammen, die unterschiedliche Erfahrungen und Kontakte einbringen. Entscheidend ist dabei, dass nicht jeder Partner nur für einen einzelnen Bereich zuständig ist. Viele verfügen bereits über praktische Erfahrung mit Feinsaaten und begleiten mehrere Schritte – vom Anbau über die Aufbereitung bis zur Vermarktung.
Die Projektkoordination liegt beim Bioland Erzeugerring Bayern e. V., der zugleich mein Arbeitgeber und Zuwendungsempfänger des Projekts ist. Dort bin ich sowohl in das Marktteam als auch in das Anbauberatungsteam eingebunden. Dadurch habe ich ein sehr gutes Netzwerk auf der Seite der landwirtschaftlichen Betriebe, aber auch in Richtung Bündelung, Verarbeitung und Vermarktung. Diese Verbindung ist für meine Arbeit besonders wertvoll, weil sich viele Fragen nur gemeinsam mit den verschiedenen Beteiligten lösen lassen.
Weitere Projektpartner sind Öko-Korn-Nord w. V., die Vermarktungsgesellschaft Bio-Bauern mbH und die OBEG Hohenlohe-Franken eG. Sie verfügen über umfangreiche Erfahrungen in der Bündelung, Aufbereitung und Vermarktung von Bio-Rohwaren und unterstützen uns dabei, neue Absatzwege für heimische Tee-, Fein-, Gewürz- und Backsaaten zu entwickeln sowie Erzeuger und Abnehmer miteinander zu vernetzen.
Mit der HERBARIA Kräuterparadies GmbH ist außerdem ein erfahrener Verarbeitungsbetrieb für Bio-Kräuter und Gewürze beteiligt. Herbaria bringt die Sicht eines Unternehmens ein, das konkrete Anforderungen an Rohwaren, Qualitäten und Verfügbarkeit hat. Das ist wichtig, damit der Anbau nicht unabhängig vom Markt geplant wird, sondern frühzeitig berücksichtigt wird, welche Kulturen und Qualitäten tatsächlich benötigt werden.
Die SAATBAU LINZ eGen ist nicht nur wegen ihrer Erfahrungen mit Saatgut beteiligt. Sie verfügt insbesondere im Bereich Mohn über umfangreiches Wissen im Anbau, in der Aufbereitung und in der Vermarktung. Darüber hinaus begleitet sie auch weitere Kulturen und bringt damit wertvolle praktische Erfahrungen aus bereits bestehenden Wertschöpfungsketten in das Projekt ein. Von diesem Wissen können wir beim Aufbau neuer Strukturen für andere Tee-, Fein-, Gewürz- und Backsaaten profitieren.
Auch Bioland e. V. unterstützt das Projekt mit seinem Netzwerk und seinen Erfahrungen in der Beratung, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit.
Der regelmäßige Austausch ist ein wichtiger Bestandteil der Zusammenarbeit. In vierteljährlichen Treffen informieren wir alle Projektpartner über den aktuellen Stand, besprechen Herausforderungen und stimmen die nächsten Schritte gemeinsam ab. Die Partner können dabei ihre jeweiligen Erfahrungen einbringen und an wichtigen Entscheidungen mitwirken. Genau diese unterschiedlichen Perspektiven machen das Projekt stark.
Oekolandbau.de: Was waren die ersten und wichtigsten Schritte?
Simon Franz: Zu Beginn des Projekts haben wir zunächst an die Erfahrungen aus dem erfolgreichen Vorgängerprojekt WSK Mohn angeknüpft. Dort waren bereits funktionierende Strukturen und ein starkes Netzwerk entstanden, auf dem wir aufbauen konnten.
Ein erster wichtiger Schritt war deshalb, den Kontakt zu den bestehenden Anbaubetrieben, Verarbeitern und Vermarktungspartnern aufzunehmen und gemeinsam zu analysieren, wo bereits funktionierende Wertschöpfungsketten bestehen und an welchen Stellen noch Handlungsbedarf besteht. Dabei haben wir uns angeschaut, welche Kulturen bereits angebaut werden, wie hoch der Bedarf am Markt ist und wo sich neue Potenziale ergeben.
Parallel dazu haben wir begonnen, weitere Kulturen wie Lein, Anis, Kümmel, Fenchel, Koriander oder Schwarzkümmel näher zu betrachten. Gemeinsam mit unseren Projektpartnern haben wir bewertet, welche Kulturen sich für den Ausbau regionaler Wertschöpfungsketten besonders eignen und wo erste Maßnahmen sinnvoll sind.
Beim Mohn lag der Fokus zunächst darauf, die bestehenden Anbaubetriebe weiterhin zu begleiten und die bereits aufgebauten Strukturen in den Bereichen Anbau, Aufbereitung und Vermarktung zu sichern. Gleichzeitig wurden erste Praxisversuche vorbereitet, um den Anbau weiter zu optimieren und neue Erkenntnisse für die Beratung der Betriebe zu gewinnen. Damit war die Grundlage geschaffen, um bestehende Wertschöpfungsketten weiterzuentwickeln und gleichzeitig Schritt für Schritt neue Kulturen in das Projekt zu integrieren.

Im Rahmen der Richtlinie zur Förderung von Bio-Wertschöpfungsketten (RIWERT) fördert das Bundesprogramm Ökologischer Landbau den Aufbau und die Weiterentwicklung von tragfähigen Wertschöpfungskettenpartnerschaften für heimische Bio-Produkte.



