Aufbau von Bio-Wertschöpfungsketten in Norddeutschland

Kurzinfo

  • Produkte: Freilandtomaten
  • Wertschöpfungskettenbereich: Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel, Außer-Haus-Verpflegung
  • Bundesland: Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern

Projektsteckbrief

Das Ziel des Projektes besteht darin, in der Region Norddeutschland verschiedene langfristige, tragfähige Wertschöpfungsketten aufzubauen. Vorgesehen ist es, eine Wertschöpfungskette für Bio-Freilandtomaten und daraus verarbeitete Erzeugnisse, eine Wertschöpfungskette mit diversen Produkten für die Außer-Haus-Verpflegung im Großraum Hamburg Lüneburg als Teil der Metropolregion Hamburg und eine weitere bedarfsorientierte, noch zu definierende Wertschöpfungskette aufzubauen. 

Die Ziele sind hierbei ein Zuwachs regionaler Bio-Produkte in der Außer-Haus-Verpflegung innerhalb der Metropolregion Hamburg in Lüneburg und Umgebung um mindestens 20 Prozent, sowie der Anbau von Freilandtomaten auf mindestens drei Betrieben in der Projektregion und die Verarbeitung dieser Tomaten zu Produkten wie zum Beispiel Ketchup und Tomatensaft durch mindestens zwei Unternehmen.

Die Koordinationsstelle erfasst und analysiert zunächst die Ausgangslage in der Projektregion im Kontext der jeweiligen aufzubauenden Wertschöpfungskette. Dabei identifiziert sie auch die für den jeweiligen Wertschöpfungsketten-Aufbau relevanten Akteure, zum Beispiel aus den Bereichen Saatguterzeugung, Anbau, Verarbeitung, Vermarktung und Außer-Haus-Verpflegung und spricht diese persönlich an. 

Für einen effizienten und vertrauensbasierten Aufbau stehen in diesem Vorhaben der regelmäßige Austausch der Akteurinnen und Akteure untereinander, initiiert und geleitet durch die Koordinationsstelle. Dazu organisiert und moderiert die Koordinationsstelle mehrere Projekttreffen in Form von Runden Tischen. 

Zusätzlich zu den Treffen der Runden Tische und der kontinuierlichen Prozessbegleitung beim Aufbau der Wertschöpfungsketten organisiert und begleitet die Koordinationsstelle auch Lernreisen für die Beteiligten der Wertschöpfungsketten und potenziell interessierte Akteurinnen und Akteure. Im Rahmen der Lernreise werden bewusst Betrieben, Orte oder Initiativen außerhalb des eigenen gewohnten Kontexts besucht, um von ihnen zu lernen und neue Impulse für den eigenen Prozess mitzunehmen. Daneben dienen diese Lernreisen dem vertieften thematischen Verständnis sowie der weiteren Vernetzung der Akteurinnen und Akteure.

Mehr Infos zum Projekt

Interview mit Georg Neubauer und Malika Uhlmann

Oekolandbau.de: Um was geht es bei dem Projekt?

In dem Projekt Runde Tische für eine nachhaltige Ernährung (RUTINE) ermöglichen wir durch regelmäßige Treffen der Akteur*innen der gesamten Wertschöpfungskette einen Vertrauens- und Austauschraum für konkrete und regional verankerte Themen der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft. Runde Tische bilden hierbei ein kontinuierliches Format, welches Akteur*innen ermöglicht tiefgreifende Veränderungsprozesse anzustoßen und durchzutragen. Aufbauend auf den Runden Tisch für samenfestes Gemüse in Norddeutschland bilden wir aktuell einen Runden Tisch für Freilandtomaten in Deutschland und für Außerhausverpflegung in Lüneburg. 

Malika Uhlmann, Georg Neubauer und Steffi Doll verantworten über den Verein Bio-Initiative Öko-Regional Nord (BIÖRN e.V.) gemeinsam das Projekt "RUTINE".

Malika Uhlmann: Seit vier Jahren begleitet sie freiberuflich den Runden Tisch für samenfeste Sorten im Norden und ist seit Januar beim BIÖRN angestellt, um weitere Runde Tische in die Welt zu bringen. Vorher hat sie verschiedenen Organisationen in ihren Prozessen unterstützt, und hat 2021 einen regionalen Lebensmittellieferdienst in Köln/Bonn mitgegründet.

Georg Neubauer: Aus ihrer unternehmerischen Erfahrung weiß er, was in Bewegung kommen kann, wenn alle Akteure der Wertschöpfungskette zusammen an einem Tisch sitzen. Inzwischen ist er als Herstellerberater bei Bioland und bringt sein Know-How und sein Netzwerk beim Runden Tisch mit ein.

Steffi Doll: Seit April ist sie beim BIÖRN für die Organisation der Runden Tische sowie Netzwerkarbeit angestellt. Zuvor war sie bei verschiedenen Bioland Betrieben im Gemüsebau, in der Direktvermarktung und Agrarpädagogik tätig.

Oekolandbau.de: Welche Ziele sollen erreicht werden?

Bis Ende 2028 sollen drei neue Runde Tische ins Leben gerufen werden. Im Rahmen der Runden Tische soll eine Vertrauensebene zwischen den Akteur*innen der Wertschöpfungsketten geschaffen werden. Darüber hinaus ist es ein Ziel die Öko-Freilandtomaten in Deutschland so weit zu etablieren, dass sie auf mindestens drei Betrieben angebaut und in zwei Produkten verarbeitet wird. Für das Thema AHV in Lüneburg nehmen wir uns zum Ziel 20% mehr Bio in die Außerhausverpflegung im Kreis Lüneburg zu erreichen. 

Oekolandbau.de: Was ist Ihre Aufgabe in dem Projekt?

Im Zentrum unserer Projektarbeit steht die Aufgabe, die relevanten Akteur*innen entlang möglicher Wertschöpfungsketten aufzuspüren, anzusprechen und dafür zu gewinnen, gemeinsam mit uns und untereinander in einen echten Austausch zu treten. Wir wollen sie dazu bewegen, sich an einen Tisch zu setzen und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Konkret heißt das für uns: Netzwerke knüpfen, Veranstaltungen konzipieren und durchführen.

Mit unseren Runden Tischen schaffen wir bewusst Räume, in denen Vertrauen wachsen und eine kooperative Zusammenarbeit entstehen kann. Grundlage hierfür ist die Haltung und Methoden der Theorie U von Scharmer und Käufer.

Dabei nehmen wir bewusst eine externe Position ein – wir sind nicht selbst Bestandteil der Wertschöpfungskette, sondern begleiten den Prozess als Moderation und Vernetzungsstelle auf dem Weg zu einer funktionsfähigen Struktur. Ergänzend zu den Runden-Tisch-Formaten konzipieren wir praxisorientierte Lernreisen, die den Beteiligten konkrete Einblicke vor Ort ermöglichen.

Oekolandbau.de: Welche Partner sind mit im Boot? Was tragen diese zum Projekt bei?

Aktuelle Projektpartner sind Voelkel und Grell. Voelkel bringt umfassende Expertise im Bereich der Verarbeitung mit und leistet derzeit Pionierarbeit bei der Tomatenverarbeitung in Deutschland – eine wichtige Grundlage, um den Anbau voranzubringen und die erste Verarbeitungsstufe erfolgreich umzusetzen. Grell wird als Vertreter des Großhandels in den Runden Tisch Außer-Haus-Verpflegung eingebunden. Darüber hinaus ist eine Kooperation mit deren RiWert-Projekt "NordischBioAufgetischt“ in Hamburg vorgesehen.

Mit der Attveta Stiftung sind wir in einem engen Austausch zu der langfristigen Perspektive der Runden Tische und der strategischen Ausrichtung unserer Arbeit. Zusätzlich werden die Kooperationspartner auch Teil des Beirats sein. Dieser ermöglicht eine Außenperspektive auf das Projekt und steht als beratendes Gremium zur Verfügung.

Oekolandbau.de: Was waren die ersten und wichtigsten Schritte?

Der erste und wichtigste Schritt war es, unser internes Team gut aufzustellen. Zu Dritt mit Steffi Doll, Georg Neubauer und Malika Uhlmann, sind wir nun gut aufgestellt, um uns den Themen anzunehmen. Als nächstes war es wichtig die Akteur*innen des ersten und zweiten Runden Tisches herauszuarbeiten und durch Gespräche und Interviews den Bedarf genauer zu analysieren. Erst dann gilt es, zu einem ersten Treffen einzuladen und das Format des Runden Tisches zu etablieren. Hier ist es wichtig, dass nach den ersten drei Treffen ein Selbstverständnis vom Runden Tisch entsteht, damit es als kontinuierliches Format angenommen wird. 

Im Rahmen der Richtlinie zur Förderung von Bio-Wertschöpfungsketten (RIWERT) fördert das Bundesprogramm Ökologischer Landbau den Aufbau und die Weiterentwicklung von tragfähigen Wertschöpfungskettenpartnerschaften für heimische Bio-Produkte.

Mehr Informationen über die Förderrichtlinie

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