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RUTINE: Aufbau von Bio-Wertschöpfungsketten in Norddeutschland

Das Projekt "Runde Tische für eine nachhaltige Ernährung" (RUTINE) stärkt nachhaltige Ernährung und regionale Wertschöpfung in Norddeutschland. Im Fokus stehen Bio-Freilandtomaten und ihre Verarbeitung, regionale Produkte für die Außer-Haus-Verpflegung im Raum Hamburg und Lüneburg sowie eine weitere bedarfsorientierte Wertschöpfungskette.
Kurzinfo
- Produkte: Freilandtomaten
- Wertschöpfungskettenbereich: Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel, Außer-Haus-Verpflegung
- Bundesland: Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern
Projektsteckbrief
Ziel des Projekts ist es, in Norddeutschland langfristig tragfähige regionale Bio-Wertschöpfungsketten aufzubauen. Im Mittelpunkt stehen drei Ansätze:
- der Anbau von Bio-Freilandtomaten und deren Verarbeitung zu Produkten wie Ketchup oder Tomatensaft,
- die Stärkung des Angebots regionaler Bio-Lebensmittel für die Außer-Haus-Verpflegung in Lüneburg und Umgebung
- sowie die Entwicklung einer weiteren, am regionalen Bedarf orientierten Wertschöpfungskette.
Um die Vorhaben umzusetzen, werden zunächst die Ausgangslage und die Potenziale in der Projektregion untersucht. Dabei werden bestehende Strukturen und mögliche Ansatzpunkte entlang der Wertschöpfungsketten erfasst. Auf dieser Grundlage sollen geeignete Voraussetzungen geschaffen werden, um den regionalen Anbau, die Verarbeitung und die Vermarktung von Bio-Produkten weiterzuentwickeln und miteinander zu verbinden
Mehr Infos zum Projekt
01.01.2026 - 31.12.2028
Norddeutschland
BIOERN e. V.
Georg Neubauer, Georg.Neubauerbioernde
Malika Uhlmann, Malika.Uhlmannbioernde
Interview mit Georg Neubauer und Malika Uhlmann
Oekolandbau.de: Um was geht es bei dem Projekt?
Georg Neubauer/Malika Uhlmann: In dem Projekt “Runde Tische für eine nachhaltige Ernährung” (RUTINE) ermöglichen wir durch regelmäßige Treffen der Akteurinnen und Akteure der gesamten Wertschöpfungskette einen Vertrauens- und Austauschraum für konkrete und regional verankerte Themen der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft. Runde Tische bilden hierbei ein kontinuierliches Format, welches Akteurinnen und Akteuren ermöglicht, tiefgreifende Veränderungsprozesse anzustoßen und durchzutragen. Aufbauend auf den Runden Tisch für samenfestes Gemüse in Norddeutschland bilden wir aktuell einen Runden Tisch für Freilandtomaten in Deutschland und für Außerhausverpflegung in Lüneburg.

Malika Uhlmann, Georg Neubauer und Steffi Doll verantworten über den Verein Bio-Initiative Öko-Regional Nord (BIÖRN e.V.) gemeinsam das Projekt "RUTINE".
Malika Uhlmann: Seit vier Jahren begleitet sie freiberuflich den Runden Tisch für samenfeste Sorten im Norden und ist seit Januar beim BIÖRN angestellt, um weitere Runde Tische in die Welt zu bringen. Vorher hat sie verschiedenen Organisationen in ihren Prozessen unterstützt, und hat 2021 einen regionalen Lebensmittellieferdienst in Köln/Bonn mitgegründet.
Georg Neubauer: Aus seiner unternehmerischen Erfahrung weiß er, was in Bewegung kommen kann, wenn alle Akteurinnen und Akteure der Wertschöpfungskette zusammen an einem Tisch sitzen. Inzwischen ist er als Herstellerberater bei Bioland und bringt sein Know-How und sein Netzwerk beim Runden Tisch mit ein.
Steffi Doll: Seit April ist sie beim BIÖRN für die Organisation der Runden Tische sowie Netzwerkarbeit angestellt. Zuvor war sie bei verschiedenen Bioland Betrieben im Gemüsebau, in der Direktvermarktung und Agrarpädagogik tätig.
Oekolandbau.de: Welche Ziele sollen erreicht werden?
Georg Neubauer/Malika Uhlmann: Bis Ende 2028 sollen drei neue Runde Tische ins Leben gerufen werden. Im Rahmen der Runden Tische soll eine Vertrauensebene zwischen den Akteurinnen und Akteure der Wertschöpfungsketten geschaffen werden. Darüber hinaus ist es ein Ziel, die Öko-Freilandtomaten in Deutschland so weit zu etablieren, dass sie auf mindestens drei Betrieben angebaut und in zwei Produkten verarbeitet wird. Für das Thema AHV in Lüneburg nehmen wir uns zum Ziel 20 Prozent mehr Bio in die Außerhausverpflegung im Kreis Lüneburg zu erreichen.
Oekolandbau.de: Was ist Ihre Aufgabe in dem Projekt?
Georg Neubauer/Malika Uhlmann: Im Zentrum unserer Projektarbeit steht die Aufgabe, die relevanten Akteurinnen und Akteure entlang möglicher Wertschöpfungsketten aufzuspüren, anzusprechen und dafür zu gewinnen, gemeinsam mit uns und untereinander in einen echten Austausch zu treten. Wir wollen sie dazu bewegen, sich an einen Tisch zu setzen und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Konkret heißt das für uns: Netzwerke knüpfen, Veranstaltungen konzipieren und durchführen.
Mit unseren Runden Tischen schaffen wir bewusst Räume, in denen Vertrauen wachsen und eine kooperative Zusammenarbeit entstehen kann. Grundlage hierfür ist die Haltung und Methoden der Theorie U von Scharmer und Käufer.
Dabei nehmen wir bewusst eine externe Position ein – wir sind nicht selbst Bestandteil der Wertschöpfungskette, sondern begleiten den Prozess als Moderation und Vernetzungsstelle auf dem Weg zu einer funktionsfähigen Struktur. Ergänzend zu den Runden-Tisch-Formaten konzipieren wir praxisorientierte Lernreisen, die den Beteiligten konkrete Einblicke vor Ort ermöglichen.
Oekolandbau.de: Welche Partner sind mit im Boot? Was tragen diese zum Projekt bei?
Georg Neubauer/Malika Uhlmann: Aktuelle Projektpartner sind Voelkel und Grell. Voelkel bringt umfassende Expertise im Bereich der Verarbeitung mit und leistet derzeit Pionierarbeit bei der Tomatenverarbeitung in Deutschland – eine wichtige Grundlage, um den Anbau voranzubringen und die erste Verarbeitungsstufe erfolgreich umzusetzen. Grell wird als Vertreter des Großhandels in den Runden Tisch Außer-Haus-Verpflegung eingebunden. Darüber hinaus ist eine Kooperation mit deren RiWert-Projekt "NordischBioAufgetischt“ in Hamburg vorgesehen.
Mit der Attveta Stiftung sind wir in einem engen Austausch zu der langfristigen Perspektive der Runden Tische und der strategischen Ausrichtung unserer Arbeit. Zusätzlich werden die Kooperationspartner auch Teil des Beirats sein. Dieser ermöglicht eine Außenperspektive auf das Projekt und steht als beratendes Gremium zur Verfügung.
Oekolandbau.de: Was waren die ersten und wichtigsten Schritte?
Georg Neubauer/Malika Uhlmann: Der erste und wichtigste Schritt war es, unser internes Team gut aufzustellen. Zu Dritt mit Steffi Doll, Georg Neubauer und Malika Uhlmann, sind wir nun gut aufgestellt, um uns den Themen anzunehmen. Als nächstes war es wichtig die Akteurinnen und Akteure des ersten und zweiten Runden Tisches herauszuarbeiten und durch Gespräche und Interviews den Bedarf genauer zu analysieren. Erst dann gilt es, zu einem ersten Treffen einzuladen und das Format des Runden Tisches zu etablieren. Hier ist es wichtig, dass nach den ersten drei Treffen ein Selbstverständnis vom Runden Tisch entsteht, damit es als kontinuierliches Format angenommen wird.

Im Rahmen der Richtlinie zur Förderung von Bio-Wertschöpfungsketten (RIWERT) fördert das Bundesprogramm Ökologischer Landbau den Aufbau und die Weiterentwicklung von tragfähigen Wertschöpfungskettenpartnerschaften für heimische Bio-Produkte.
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Letzte Aktualisierung 26.10.2026


