Wertschöpfungskette für Frischmilch, Käse aus Bio-Heumilch und Ziegenfrischkäse

Dieses RIWERT-Projekt zielt darauf ab, die Wertschöpfung von Bio-Milch in der Regoin zu erhöhen, in dem das Produktsortiment weiterentwickelt und mögliche Absatzkanäle ausgeweitet werden.

Kurzinfo

  • Produkte: Bio-Frischmilch, Käse aus Bio-Heumilch und Bio-Ziegenfrischkäse
  • Wertschöpfungskettenbereich: Erzeugung, Verarbeitung (Fokus) und Handel
  • Bundesland: Baden-Württemberg

Projektsteckbrief

Das Ziel des Vorhabens besteht darin, die Wertschöpfung bei den beteiligten und weiteren Akteuren in der Region zu erhöhen. Dazu sollen das Produktsortiment weiterentwickelt und mögliche Absatzkanäle ausgeweitet werden, damit der Anteil der Milch, welcher bis dato als unverarbeiteter Rohstoff an externe Weiterverarbeiter vermarktet wird, zu Gunsten der Käseproduktion reduziert werden kann.

Durch die Nutzung von Synergieeffekten zwischen den beteiligten Akteuren, wird eine deutliche Ausweitung der Produktion von Ziegen- und Kuhkäse und eine entsprechende Vermarktung dieser Produkte ermöglicht. Um dies zu erreichen, wird die Koordinationsstelle zunächst eine enge Vernetzung und Zusammenarbeit von Antragsteller und den Kooperationspartnern herstellen und dann im Projektverlauf weitere Akteure aus dem Bereich der Verarbeitung sowie potenzielle Endabnehmer im Bereich des Einzelhandels in die Wertschöpfungskette integrieren. Der Absatz erfolgt dann an den Einzelhandel, an Marktbeschicker, über den Online-Handel und über die Direktvermarktung von Hofläden von nicht EZG -Mitgliedern. Durch die Gewinnung neuer Abnehmer soll die Nachfrage gleichzeitig entwickelt werden. Durch die direkte Vermarktung ohne wie bisher zwischengelagerte (Groß-)Handelsstufen soll, die Wertschöpfung für die beteiligten Akteure erhöht werden und der Mehrwert der Produkte direkter an Endabnehmer kommuniziert werden. 

Die projektgebundene Koordinationsstelle unterstützt alle Prozesse rund um den Aufbau der Wertschöpfungskette. Sie vernetzt die Akteure untereinander, identifiziert Optimierungspotenziale bei der Bestellabwicklung und Logistik und ist die Schnittstelle zwischen den Kooperationspartnern bei der gemeinsamen Mengen- Bedarfs- und Produktionsplanung. 

So können die Kooperationspartner gemeinsam ein passendes Produktsortiment für die angestrebte Positionierung im Premiumsortiment entwickeln.

Im Rahmen des Projektes wird die Koordinationsstelle gemeinsam mit den beteiligten Akteuren eruieren, ob es sinnvoll für die Erreichung der Projektziele ist eine eigene zentrale Lagerlogistik und Kommissionierung bei der EZG aufzubauen. 

Zur Qualitätssicherung werden von der Koordinationsstelle auftretende Probleme identifiziert und gemeinsam mit den Kooperationspartnern analysiert und behoben. 

Mehr Infos zum Projekt

Interview mit Theraesa Rauneker und Milena Maasz

Oekolandbau.de: Um was geht es bei dem Projekt?

Bei unserem Projekt geht es darum, die Wertschöpfung der Produkte unserer Demeter Heumilchbauern zu steigern. Wir wollen den Anteil der unverarbeiteten Rohmilch, die bisher direkt vermarktet wird, reduzieren. Stattdessen wollen wir mehr eigene verarbeitete Produkte, vor allem Käse, entwickeln und verkaufen. Gleichzeitig arbeiten wir daran, unsere Absatzwege auszubauen, die Qualität zu sichern und durch Partnerschaften mit Käsereien und Logistikpartnern Synergien zu nutzen. Am Ende soll ein resilienteres, wirtschaftlich stärkeres Sortiment stehen, das unseren Betrieben mehr Stabilität gibt.

Oekolandbau.de: Welche Ziele sollen erreicht werden?

Unser übergeordnetes Ziel ist die Steigerung der Wertschöpfung – und das auf mehreren Ebenen. Zum einen geht es darum interne Prozesse zu digitalisieren und zu vereinfachen, um effizienter mit Handelspartnern arbeiten zu können. Gleichzeitig wollen wir neue Kunden gewinnen, etwa durch Messeauftritte oder Handelsvertreter.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Produktsortiment: Wir haben in enger Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung die Zahlen unserer Produkte geprüft, unrentable Produkte aus dem Sortiment genommen und bei anderen die Preise angepasst. Auch die Einführung neuer Produkte prüfen wir. Besonders spannend ist hier die Zusammenarbeit mit der Landkäserei Herzog, mit der wir im Frühjahr zwei Sorten Frischkäse und Scheibenkäse auf den Markt gebracht haben. Hier sind wir aktuell gespannt, wie sich die Produkte am Markt etablieren.

Zur weiteren Steigerung der Wertschöpfung prüfen wir mit unserem Projektpartner „Natürlich vom Höchsten“, ob wir Lagerung und Distribution gemeinsam nutzen können, um Kosten zu sparen.

Oekolandbau.de: Was ist Ihre Aufgabe in dem Projekt?

Als Wertschöpfungskettenmanagerinnen – wir teilen uns die Stelle – sind wir für die Analyse und Optimierung der gesamten Wertschöpfungskette verantwortlich. Das beginnt mit der Einarbeitung in die komplexen Strukturen unseres Vereins: Wir haben uns einen Überblick über alle Prozesse, Kalkulationen und Absatzzahlen verschafft, um Potenziale zu identifizieren.

Ein großer Bereich ist die Prozessoptimierung: Wir möchten Prozesse digitalisieren, vereinfachen und effizienter gestalten und so die Wertschöpfung erhöhen. Gleichzeitig arbeiten wir eng mit unseren Projektpartnern zusammen – sei es mit Käsereien, mit denen wir neue Produkte entwickeln, oder mit Lohnverarbeitern, deren Prozesse wir vor Ort begutachten und die Zusammenarbeit verbessern.

Oekolandbau.de: Welche Partner sind mit im Boot? Was tragen diese zum Projekt bei?

Wir arbeiten mit mehreren wichtigen Partnern zusammen, die jeweils ganz unterschiedliche Stärken einbringen.

  • In Kooperation mit der „Naturkäserei Maucher“ wollten wir eigentlich ein neues Produkt entwickeln. Seit Stellung des Projektantrags hat sich dort einiges verändert, bspw. ist die Käserei an einen neuen Standort umgezogen. Daher verzögert sich die Kooperation, wir sind jedoch weiterhin im Gespräch.
  • Neu dabei ist die „Landkäserei Herzog“. Diese kamen erst nach Projektbewilligung dazu, hatten Kapazitäten, funktionierende Distribution und eine regional günstige Lage. Daher haben wir uns bei der Entwicklung eines neuen Produkts erst mal auf die Landkäserei Herzog konzentriert.
  • Ein weiterer Partner ist „Natürlich vom Höchsten“. Mit der Ziegenkäserei prüfen wir eine gemeinsame Lagerung und Distribution, da wir ähnliche Produkte haben aber gleichzeitig nicht in Konkurrenz stehen, sondern uns gut ergänzen.

Oekolandbau.de: Was waren die ersten und sind die nächsten Schritte?

Am Anfang stand für uns vor allem das Kennenlernen und Verstehen der Strukturen des wirtschaftlichen Vereins und die anschließende Optimierung interner Abläufe im Fokus. Die Demeter MilchBauern Süd sind ein Verein mit historisch gewachsenen, komplexen Abläufen – viele Teilzeitkräfte, Homeoffice, unterschiedliche Zuständigkeiten. 

Erst dann ging der Blick nach außen: Wir haben neue Kunden durch Messen und einen Handelsvertreter gewonnen, die Zusammenarbeit mit Käsereien intensiviert – besonders mit der Käserei Herzog, die uns ideal ergänzt – und prüfen weiterhin, wie wir mit Natürlich vom Höchsten in der Logistik zusammenarbeiten können. Die ersten Monate waren also sehr viel Einarbeitung und Analyse, bevor wir dann konkrete Maßnahmen umsetzen konnten.

Im Rahmen der Richtlinie zur Förderung von Bio-Wertschöpfungsketten (RIWERT) fördert das Bundesprogramm Ökologischer Landbau den Aufbau und die Weiterentwicklung von tragfähigen Wertschöpfungskettenpartnerschaften für heimische Bio-Produkte.

Mehr Informationen über die Förderrichtlinie

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