Bio im Alltag


Mit Patenschaften Biobetriebe unterstützen

Mann steht neben einer Kuh. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Dr. Dietrich Schulz besucht seine Patenkuh Sissi. Foto: Hof Gasswies

Dr. Dietrich Schulz ist seit über einem Jahr Pate von Sissi, einer hübschen braunen Milchkuh vom Biolandhof Gasswies in Südbaden. "Meine ehemaligen Kollegen haben mir die Patenschaft zum Eintritt in den Ruhestand geschenkt. Ich bleibe dabei und habe vor kurzem verlängert." Der 65-Jährige hatte schon bei seiner Arbeit im Umweltbundesamt mit den Umweltwirkungen der Landwirtschaft und mit dem Ökolandbau zu tun. "Das ist jetzt meine persönliche Ökoförderung, über den Kauf von Bioprodukten hinaus", erklärt der Biologe, der dafür 120 Euro pro Jahr hinblättert. Die meisten Tierpatenschaften laufen über ein Jahr.

Der Bauernhof Gasswies investiert das Geld seiner Patinnen und Paten in eine tierfreundliche Milchkuhhaltung mit muttergebundener Kälberaufzucht. "Auch in einem ökologischen Betrieb kann man oft noch mehr für Tierwohl und Landschaftsschutz machen als unbedingt notwendig wäre", findet Bäuerin Silvia Rutschmann.

Patenschaften für Biokühe

Die bayrische Biomolkerei Andechser vermittelt für knapp 100 Euro im Jahr Kuhpatenschaften ihrer Lieferanten. "Mit der Kuhpatenschaft bringen wir Stadt und Land zusammen. Wir informieren die Menschen 'spielerisch' auf emotionaler Ebene über die Besonderheiten und Bedeutung des ökologischen Landbaus. Zudem wird damit die ökologische Wirtschaftsweise der Biobauern unterstützt", erklärt Kristina Thurner vom Marketing der Molkerei.

Als Dankeschön für eine übernommene Patenschaft erhalten die Patinnen und Paten einen Steckbrief mit Bild ihrer Kuh, regelmäßige Informationen über Tier und Hof sowie zweimal jährlich ein Genusspaket mit Biomilchprodukten. Nach Absprache mit dem Betrieb kann man eine Patenkuh natürlich auch besuchen. Außerdem lassen sich Patenschaften gut verschenken: "Das ist ein besonderes Geschenk, nicht 'von der Stange', woran man das ganze Jahr Freude hat," so Kristina Thurner.

Wie wäre es mit einem Patenhuhn?

Huhn auf dem Arm einer Frau. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Vorsicht, Verwechslungsgefahr! Damit die Patin oder der Pate ihre Hühner auch erkennen, bekommen die Hühner ihre persönlichen Paten-Ringe. Foto: Hof Stock

Auch für Hühner lassen sich Patenschaften übernehmen. "Durch die Patenschaften fragen sich die Kundinnen und Kunden nun eher: Wie entsteht 'mein' Ei eigentlich und was kostet das? Das Ei wird plötzlich persönlich und bekommt sozusagen ein Gesicht", erklärt Ina Stock-Tonscheid, Inhaberin von Hof Stock in Sprockhövel. Bei dem Biobetrieb im Ruhrgebiet können sich Verbraucherinnen und Verbraucher aus einer bunten Hühnerschar ihr Lieblingstier heraussuchen, taufen und beringen. Für 158 Euro im Jahr gibt es 300 Eier pro Jahr! Das Abholen der Eier lässt sich dann bestens mit einem Besuch bei seinem Huhn verbinden. Wer mag, kann sein Huhn am Ende seines Lebens auch gegen eine kleine Schlachtgebühr als Suppenhuhn bekommen.

Baumpate werden

Schulklasse übernimmt eine Baum-Patenschaft. Klick führtzu Großansicht im neuen Fenster.
Schulkinder der Siedlergemeinschaft Oberlauchringen erfreuen sich an ihrer neuen Baumpatenschaft. Diese wurde als Dankeschön für eine Hofführung abgeschlossen. Foto: Hof Gasswies

Im Kommen sind auch Baumpatenschaften. Eine Patenschaft für einen Obstbaum können Interessierte für 36 Euro pro Jahr beim Hof Gasswies erwerben. "Dank größerer Reihenabstände sind die Bäume weniger krankheitsanfällig und wir können Aufwendungen für Pflanzenschutz reduzieren. Die extensive Nutzung bringt aber geringere Erträge pro Flächeneinheit", erklärt die studierte Garten-und Landschaftsarchitektin Silvia Rutschmann. Zurzeit seien Patenschaften die einzige Möglichkeit, die geringeren Erntemengen solcher umweltschonenden Produktion zumindest etwas auszugleichen.

Das spanische Crowdfarming-Unternehmen Naranjas del Carmen pflanzt und pflegt im Auftrag ihrer meist deutschen Kundinnen und Kunden Orangenbäume. Das kostet im ersten Baumpflanzjahr 80 und jedes weitere Jahr dann noch 60 Euro. Hinzu kommen die Kosten für den Versand der Früchte von Spanien nach Deutschland. Baumbesitzerinnen und Besitzer können jährlich mit rund 80 Kilogramm Bioorangen rechnen. Alternativ lassen sich über Crowfunding auch Oliven- und Mandelbäume pflanzen oder Bienenvölker adoptieren. Ob Kuh, Baum oder Biene - Patenschaften geben uns ein gutes Gefühl, etwas für Natur, Tiere und ökobewusste Menschen zu tun.


Beispiele von Biobetrieben, die Patenschaften anbieten. Sie können weitere gerne melden. Wer mag, kann auch bei seinem Biobetrieb vor Ort nachfragen, ob er nicht künftig Patenschaften anbieten möchten.

Letzte Aktualisierung: 26.09.2019