Bio im Alltag


Mit Mikrofarming selbst Ökolandbau betreiben

Blumen und viele Gemüsesorten nebeneinander auf dem Feld. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Blumen bereichern die Vielfalt und das Insektenleben. Foto: Gärtnerhof Wanderup

Gewusst wie - lässt sich mit Mikrofarming, auch biointensive Landwirtschaft genannt, auf kleinster Fläche rentabel wirtschaften. Das Konzept dieser biointensiven Landwirtschaft verlangt viel Handarbeit. Im Mittelpunkt steht ein gesunder Boden. Bislang gedeihen Mikrofarmen vor allem in Kanada, den USA und Japan. Hier gibt es eine Vielzahl an Betriebskonzepten, die permakulturelle oder agrarökologische Erkenntnisse und Techniken anwenden. Sie gleichen sich vor allem darin, dass sie eine ganzheitliche Perspektive und das Denken in Kreisläufen in ihren Betrieben kultivieren.

Film auf YouTube "Der Unterschied zwischen Bio und Permakultur"

Angebaut wird in der Regel saisonales Frischgemüse wie Tomaten, Salat oder Frühlingszwiebeln. Denn der Anbau dieser Kulturen per Hand verspricht im Gegensatz zu vielen lagerfähigen Gemüsen wie Kartoffeln oder Möhren mehr Gewinn.

Landwirtschaftliche Grundlagen "Biointensiver Gemüsebau"

Anbau im kleinen, Ernte im großen Stil

Mann erntet Salat auf dem Gemüsefeld. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Salat für Salat: mit der Hand pflanzen, hacken und ernten. Foto: Gärtnerhof Wanderup

Eine kleine Biofarm lässt sich zur Selbstversorgung auf ein paar hundert Quadratmetern betreiben. Ab etwa einem Hektar kann es sich finanziell lohnen. Auch das Startkapital ist überschaubar: weniger als 50.000 Euro reichen. Daher eignet sich Mikrofarming zum einen gut für landwirtschaftliche Projekte im urbanen Raum. Zum anderen bekommen landwirtschaftlich ausgebildete Neueinsteigerinnen und -einsteiger eine Chance, einen eigenen Betrieb aufzubauen.

Vieles auf dem Feld wird in Handarbeit erledigt. Deshalb haben Mikrofarmerinnen und Mikrofarmer im Vergleich zu einer großflächigen maschinellen Bewirtschaftung in normalen Landwirtschaftsbetrieben pro Hektar deutlich mehr Arbeit. Doch da sie nur auf kleiner Fläche wirtschaften, arbeiten sie insgesamt weniger Stunden. Außerdem können ihnen spezielle Kleintraktoren schwere Arbeiten wie die Bodenbearbeitung oder die Beetvorbereitung erleichtern.

Wissen ist wichtig

Feld mit Folientunneln. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Folientunnel verlängern die Gemüsesaison und erhöhen die Ernte. Foto: Gärtnerhof Wanderup

Das grundlegende Anbaukonzept verlangt jedoch viel Fachwissen. Denn im biointensiven Gemüsebau werden dreißig bis fünfzig verschiedene Gemüsearten angepflanzt. Deren Bedürfnisse an Boden und Nährstoffe sollten die Farmerinnen und Farmer kennen. Beispielsweise müssen sie wissen, welches Gemüse sich gut im Mischanbau mit anderen verträgt. Auch der Bodenaufbau, die Planung der Fruchtfolgen oder die Düngung erfordern mehr als einen grünen Daumen. Laien müssen sich zunächst gründlich in die Materie einarbeiten, um eine gut funktionierende Mikrofarm aufzubauen. Denn wirtschaftlich rentabel wird diese Betriebsform erst durch die Kombination vieler einzelner wirtschaftlicher, ökologischer und technischer Praktiken.

Mit den Händen im Boden Zeichen setzen

Besonders junge Menschen reizt der gemeinsame Gemüseanbau auf kleiner Fläche: Sie können gesunde Lebensmittel produzieren und dabei praktische Landwirtschaft sowie Gemeinschaft erleben. So kann im Verbund mit anderen und gemeinsam mit einem professionellen Gärtner oder einer professionellen Gärtnerin ein Mikrofarming-Betrieb eine größere Gruppe mit regionalen Biolebensmitteln versorgen. Das lässt sich als Solidarische Landwirtschaft gut gestalten.

Sofern ein Betrieb Gewinn erwirtschaften will, kann er seine Feldfrüchte auch auf dem Wochenmarkt, in der örtlichen Gastronomie oder direkt vom Hof aus vermarkten.

Eins ist jedenfalls sicher: Mikrofarming fördert durch viel Handarbeit und der direkten Verbindung zum Boden die Beziehung und unser Wissen zur Nahrungsmittelproduktion.

Mikrofarming macht nicht reich, aber glücklich – Drei Fragen an Mikrofarmer Hendrik Henk

Mann mit Schubkarre im Nebel. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Bei Wind und Wetter auf der Mikrofarm: Hendrik Henk. Foto: Gärtnerhof Wanderup

Junglandwirt Hendrik Henk (36 Jahre) gründete 2016 mit seiner Partnerin Judith Oeltze den Gärtnerhof Wanderup mit einer Solidarischen Landwirtschaft für Flensburg. Auf ihren 1,2 Hektar stehen über 50 verschiedene Kulturen: neben Salat, Zucchini und Möhre auch Spezialkulturen wie verschiedene Beerensorten, Ingwer oder Kurkuma. Pro Jahr ernten sie 25 Tonnen Gemüse und versorgen ganzjährig 130 Personen. Der Hof orientiert sich an bio-dynamischen Prinzipien.

Oekolandbau.de: Herr Henk, wieviel Zeit stecken Sie durchschnittlich in die Arbeit auf Ihrem Hof?

Hendrik Henk: Wir haben sehr viel Zeit in den Aufbau unseres Hofes gesteckt. 70 bis 80 Stunden die Woche kamen da schon mal zusammen. In dieser Zeit haben wir nach dem Versuch- und Irrtum-Prinzip sehr viel gelernt. Als wir hier anfingen, gab es keinen vergleichbaren Betrieb. Faktoren wie die Auswahl der Kulturen oder die Form der Vermarktung spielen für Arbeitsplanung und -aufwand eine wichtige Rolle. Im Frühjahr und Sommer arbeiten wir heute noch 50 bis 60 Stunden die Woche. In der nächsten Saison wollen wir effizienter und damit weniger arbeiten. Man wird als biointensiver Gemüsebauer zwar nicht reich, hat dafür aber eine sehr hohe Lebensqualität durch die Arbeit im Freien und aufgrund der selbst kultivierten, frischen Lebensmittel. Außerdem sehen wir uns als Teil einer weltweiten Graswurzelbewegung, die den Anbau von Lebensmitteln zum Positiven verändern wird.

Oekolandbau.de: Was ist unbedingt zu beachten, wenn man eine Mikrofarm aufbauen möchte?

Hendrik Henk: Erfahrung im Gärtnerhandwerk ist eine elementare Grundvorrausetzung. Man sollte mindestens ein Jahr im landwirtschaftlichen Gartenbau gearbeitet haben. Am besten auf einer Mikrofarm. Außerdem braucht man Ausdauer und Optimismus. Ich würde sagen, in der Regel ist ein Hof nach fünf Jahren auf einem guten Weg und nach zehn Jahren lukrativ. Durch die Vernetzung und den Wissensaustausch kann man aus den Fehlern der anderen lernen und somit diese Phase schätzungsweise halbieren. Die Höhe des Startkapitals ist bei einer Mikrofarm relativ überschaubar. Trotzdem braucht es das richtige Land, sehr guten Kompost und vor allem ein gut ausgearbeitetes und strukturiertes Betriebskonzept.

Oekolandbau.de: Welche Anfängerfehler würden Sie heute vermeiden und was raten Sie Neueinsteigerinnen und Neueinsteigern?

Hendrik Henk: Erstmal sollte man klein einsteigen. 1500 bis 2000 Quadratmeter kann eine Person gut bewirtschaften. Wir sind damals schon mit 6000 Quadratmetern eingestiegen und hatten dadurch sehr viel Arbeit. Der Preis für einen Solawi-Anteil sollte wohlüberlegt kalkuliert sein. Anfangs haben wir unseren Mitgliedsbeitrag viel zu niedrig kalkuliert. Es ist wichtig, gerade zu Anfang eine angemessene Zeit in die nötige Infrastruktur zu stecken. Bevor die eigentliche Bewirtschaftung beginnt, sollte zum Beispiel ein Folientunnel aufgestellt werden oder eine Gemüsewaschstation eingerichtet sein. Recherche und Fortbildung sind wichtig, es gibt sowohl gute Bücher als auch interessante Online-Kurse zum Thema Mikrofarming. Am besten ist es immer noch, direkten Kontakt zu Menschen zu suchen, die bereits eine Mikrofarm betreiben und sich mit ihnen auszutauschen.

Homepage des Gärtnerhof Wanderup

Letzte Aktualisierung: 15.07.2019