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Hof mit Zukunft: Umweltaktive im Dialog mit Landwirtinnen und Landwirten

Bei der Aktion "Hof mit Zukunft – Aktivismus trifft Landwirtschaft" reden Aktive aus Natur- und Umweltschutz mit Landwirtinnen und Landwirten. Aber nicht theoretisch, sondern bei der Arbeit im Stall, im Gewächshaus oder auf dem Acker. Oekolandbau.de war beim Gespräch zwischen der Betriebsleiterin einer Bio-Gärtnerei und zwei interessierten Verbraucherinnen dabei.
Konsumentinnen ackern im Bio-Gemüse-Anbau und ernten Wissen
Nur zwei Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland arbeiten in der Landwirtschaft, aber Landwirtschaft und Ernährung betreffen uns alle. Wie sieht der Arbeitsalltag auf den Betrieben aus? Wie beeinflussen politische Entscheidungen den Hofalltag? Und wie lassen sich Lebensmittel möglichst umwelt- und tierfreundlich herstellen?
Diese Fragen haben auch Petra Fatsch aus der Nähe von Villingen-Schwenningen und Alex Schäfer aus Koblenz umgetrieben. Die beiden haben zwei Tage lang bei der Gemüsegärtnerei Glabbich in Vaihingen an der Enz mit angepackt. Am Ende der Aktion haben sie sich mit der Gemüse-Gärtnermeisterin Silke Pérel über ihre Erfahrungen ausgetauscht.
Öffentlichkeitsarbeit für den Ökolandbau
Oekolandbau.de: Warum habt ihr bei der Aktion "Hof mit Zukunft" mitgemacht?
Petra: Ich habe mich bewusst für eine Gärtnerei entschieden, die so biologisch wie möglich arbeitet. Ich wollte wissen, wie so ein Betrieb abläuft. Ich spreche in meinem privaten Umfeld viel über Bio, bin aber nicht dogmatisch. Ich würde mich weniger als Aktivistin, sondern eher als engagierte Verbraucherin bezeichnen.
Alex: Bei mir ist das ähnlich. Wie und wo Lebensmittel produziert werden, ist mir für eine bewusste Kaufentscheidung wichtig zu wissen. Nachhaltigkeit und umweltschonende Produktion spielen für mich dabei eine große Rolle. Deswegen habe ich mich bewusst für den Betrieb Glabbich beworben.
Silke: Mein Motiv ist es, zu zeigen, wie das Gemüse entsteht und wie viel Aufwand das bedeutet. Das erklärt, warum manche Produkte so teuer sein müssen. Wir Gärtnerinnen und Gärtner wollen ja auch leben und nicht nur Gurken zweiter Wahl essen. Unsere Hofbesucherinnen und Hofbesucher sollen unser Gemüse direkt vom Feld probieren. Das schmeckt viel frischer. Wir machen viel Öffentlichkeitsarbeit, veranstalten auch Hoffeste oder Ferienprogramme. Am Ende begeistert sich jeder. Wir Menschen haben Freude daran, Pflanzen wachsen zu sehen und etwas zu produzieren.
Abwechslungsreiche Aufgaben
Oekolandbau.de: Was habt ihr gemacht? Wie war die Arbeit?
Silke: Die beiden sollten erleben, wie vielfältig und anstrengend unsere Arbeit ist, aber ich wollte niemanden vergraulen. Deswegen habe ich sie nicht einen ganzen Tag auf einem Feld Unkraut hacken lassen, sondern ihnen ganz viele verschiedene Aufgaben gegeben. Ich habe sie einfach machen lassen. Selbst etwas zu tun, bringt am meisten. Als wir gestern die Gurken bei der Hitze geduscht haben, war schnell zu merken, wie schwülheiß es in einem Gewächshaus sein kann.
Petra: Auf dem Feld haben wir Petersilie gehackt. Im Gewächshaus haben wir Gurken und Melonen um eine Kletterhilfe gewickelt, Bohnen mit der Hand ausgesät, Zucchini geerntet und Knoblauch für den Verkauf im Hoflädle geputzt.
Alex: Die Arbeit war wirklich sehr abwechslungsreich. Wir waren sogar bei der Auslieferung der Ware an den Naturkostgroßhandel hakopaxan dabei. Da haben wir auch gesehen, wie die Kette weiterläuft. Es ist ein tolles Gefühl, das Gemüse im Geschäft zu sehen, welches du kurz davor selbst geerntet hast.
Bewusstseinsbildung und Quereinstieg?
Oekolandbau.de: Was habt ihr voneinander gelernt?
Alex: Ich nehme ganz viele AHA-Momente für meinen eigenen Konsum mit. Ich habe diese Woche im Laden regionale Bio-Tomaten gekauft und dachte, ich komme jetzt hier in eine Pracht voller roter Tomaten. Tatsächlich sind hier die Tomaten noch alle grün. Silke hat mich aufgeklärt, dass regionale Tomaten im Juni noch aus beheizten Gewächshäusern stammen. Die reguläre Tomate ist jetzt noch gar nicht reif. Auch dass in Deutschland Honigmelonen wachsen, war für mich neu. Unser Aufenthalt war ganz viel Bewusstseinsbildung. Silke hat uns über alles ehrlich Auskunft gegeben.
Petra: Ja, auch über das Spannungsfeld zwischen den hehren Prinzipien eines Ökoanbauverbandes und ihrer Praktikabilität. Wir haben auch praktische Dinge gelernt. Zum Beispiel die vielen Arbeitsschritte, um Melonen zu produzieren: säen, pflanzen, Triebe einkürzen, um die Rankhilfe wickeln, wässern, wieder wickeln und vieles mehr. Beim Einkauf sehen wir das ja gar nicht.
Silke: Mir wurde wieder bewusst, dass es viele Dinge gibt, die die Bevölkerung nicht über den Gemüseanbau weiß. Ansonsten war es für mich eine simple Kommunikation, weil die beiden schon ein Grundwissen hatten und bereits ökologisch einkaufen.
Oekolandbau.de: Könntet ihr Euch vorstellen, selbst eine Landwirtschaft zu betreiben?
Alex: Ich sehe einen großen Wert in der umweltfreundlichen Lebensmittelproduktion und theoretisch könnte mir schon vorstellen, Bauer zu sein…
Silke: Gärtnerin bitte, ich bin gelernte Gemüse-Gärtnermeisterin, ich fühle mich nicht als Bauer.
Alex: Stimmt, Fachbegriffe haben wir auch gelernt.
Petra: Im Moment kann ich mir dies hauptberuflich nicht vorstellen. Die Arbeit ist so komplex. Es beginnt bei der Anbauplanung und geht weiter bei der Kalkulation, wie viele Früchte ich überhaupt von einer Pflanze ernte. An einer Melonenpflanze wachsen maximal vier bis fünf Früchte. Aber vielleicht wird sie krank oder wächst nicht richtig. Die Arbeit ist faszinierend, bedeutet aber auch eine große Verantwortung. Als Saison- oder Teilzeitkraft mitzuhelfen, könnte ich mir schon vorstellen.
Alex: Ich auch, Silke hat uns jedenfalls nicht abgeschreckt. Wir wurden gehegt und gepflegt wie die Pflänzchen.
Oekolandbau.de: Würdet ihr noch einmal mitmachen?
Alex: Ja, ich würde gerne noch einmal mitmachen. Vielleicht auf einem Milchviehbetrieb.
Petra: Es wäre spannend, auch einmal auf einen konventionellen Hof zu gehen und zu diskutieren.
Silke: Es ist immer ein Aufwand, Menschen aufzunehmen. Auch unsere Mitarbeitenden haben einen Teil der Betreuung übernommen. Umgekehrt ist es so, dass jeder, der hier mitarbeitet, hilft. Wenn ihr nicht da gewesen wäret, hätte ich die Bohnen erst nächste Woche ausgesät. Jetzt sind sie schon im Boden. Also habe auch ich etwas zurückbekommen. Und ja, ich würde es nächstes Jahr wieder machen. Es darf auch ein kritischer Mensch oder Demeter-Gegner kommen. Damit kann ich umgehen. Bisher habe ich noch jeden überzeugt.
Hintergrund
Die Dialog-Aktion “Hof mit Zukunft” startet immer im Juni auf landwirtschaftlichen Betrieben in ganz Deutschland. Die Idee stammt vom Bündnis "Wir haben es satt", das den Austausch zwischen kritischen Geistern mit Menschen aus der Landwirtschaft fördert. 2026 waren 33 Höfe und 60 Aktive dabei. Wer Lust hat 2027 mitzumachen, kann sich schon jetzt auf die Vormerkliste setzen. Das gilt für landwirtschaftliche Betriebe und Gärtnereien genauso wie für Umweltaktive.
Betriebsinfo
Die Demeter-Gemüsegärtnerei Glabbich (ehemals Gärtnerei Willmann) in Vaihingen an der Enz wirtschaftet seit Jahrzehnten biologisch-dynamisch. Auf einer Fläche von fünf Hektar Freiland plus 0,5 Hektar im Gewächshaus entstehen aus samenfestem Saatgut Gemüse vieler Art von Aubergine bis Zucchini. Die Gärtnerei vermarktet ihre Früchte im eigenen Hofladen (rund um die Uhr geöffnet) und in Bio-Läden der Region.
Weitere Mitmachmöglichkeiten auf dem Hof und in der Stadt:
Weitere Infos im Web:
Letzte Aktualisierung 08.07.2026






