Abfallvermeidung im Ökolandbau – Verwerten statt verschwenden

Abfallvermeidung im Ökolandbau – Verwerten statt verschwenden

Ökolandbau heißt auch Kreislaufwirtschaft. Beispielsweise kommt der Mist von Biotieren als wertvoller Dünger auf den Acker. Doch auch bei der Lebensmittelherstellung fallen verwertbare Reste an. Fachleute sprechen hier von Nebenprodukten. Dazu gehört alles, was nach der Ernte oder der Verarbeitung übrigbleibt: Dinkelspelz, Sojamolke oder Ölkuchen, aber auch nicht mehr verkäufliche Lebensmittelreste wie altes Brot. "Durch den anhaltenden Boom in der Biobranche mit seinen zweistelligen Wachstumsraten wächst natürlich auch das Aufkommen von Nebenprodukten", betont Friedhelm von Mering vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW).

Die lassen sich energetisch nutzen, verfüttern oder zu anderen Produkte verarbeiten. Hierbei arbeiten zahlreiche Bioverarbeitungsbetriebe vorbildlich, sagt von Mering: "Vielen Biounternehmen geht es nicht nur darum, Rohstoffe aus ökologischem Anbau zu verarbeiten, sondern auch um einen ressourcenschonenden Umgang mit Rohstoffen und Energie oder die Umsetzung ganzheitlicher Nachhaltigkeitskonzepte."

Altbrot und Molke für den Futtertrog

Lebensmittelreste an Schweine zu verfüttern, war früher gang und gäbe. Schweine sind von Natur aus Allesfresser. Richtig aufbereitet ergeben Biomolke oder -altbrot ein nahrhaftes Futter. "Das senkt nicht nur die Futterkosten, sondern entschärft die Nahrungsmittelkonkurrenz zwischen Menschen und Nutztieren", betont Bioland-Schweineberater Martin Kötter-Jürß und plädiert dafür, viel mehr von den wertvollen Nebenprodukten aus der Lebensmittelherstellung zu verfüttern.

Für den Bioland-Schweinehalter Raimund Bäumer aus Tecklenburg ist dies schon lange selbstverständlich. Seit 2009 bekommen seine rund 500 Mastschweine Altbrot aus einer nahegelegenen Biobäckerei. Das zerkleinerte Brot wird mit anderen Futterkomponenten zu einem bedarfsgerechten Futter gemischt: das Brot liefert viel Energie. Statt mit Wasser verflüssigt der Biobauer das Futter mit angesäuerter Hafermolke und Sojamolke. Beides versorgt die Schweine mit hochwertigem Eiweiß.

Reststoffe aus heimischer Sojaherstellung

Neben Sojamolke entsteht beim Herstellen von Tofu als weiteres Nebenprodukt Sojapülpe, auch Okara genannt. Dahinter verbergen sich die Pflanzenfasern und die Schalenstoffe der Sojabohnen, die nach dem Einweichen, Vermahlen und Aufkochen der Sojabohnen und dem anschließenden Sieben übrigbleiben. "Für Okara gibt es in einer Tofurei keine sinnvolle Verwendung mehr. Wegen ihrer Rohfasern und des hohen Rohproteinanteils lässt sich Biosojapülpe aber noch gut als Futter im Ökolandbau einsetzen", sagt Lina Cuypers von der Taifun-Tofu GmbH. Daher gibt der Freiburger Biotofuhersteller die anfallende Sojapülpe an einen Tierfutterhersteller ab. Das Gute daran ist: Wenn Biotiere Sojapülpe fressen, resultiert daraus keine Konkurrenz um Nahrungsmittel, wie dies beim Verfüttern von Sojabohnen der Fall ist.

Feine Proteinmehle aus der Ölmühle

Um Biorapsöl oder Bioleinöl herzustellen, werden Raps- oder Leinsamen kalt gepresst. Laut Bundesverband Dezentraler Ölmühlen und Pflanzenöltechnik e.V. ergeben drei Kilogramm Raps- oder Leinsaat etwa ein Liter Öl für die Menschen und zwei Kilogramm Ölkuchen für Schwein und Kuh.

Doch zum Verfüttern findet Judith Faller-Moog, Inhaberin der Bio Planète Ölmühle Moog, den eiweißreichen Ölpresskuchen zu schade. Seit 2017 bietet der sächsische Hersteller von regionalen Bioölen deshalb auch Proteinmehle an. Was nach dem Kaltpressen von Walnüssen, Kürbiskernen und Leinsamen übrigbleibt, vermahlt die Ölmühle zu einem naturbelassenen Pulver, reich an Ballaststoffen und hochwertigen Proteinen. Wer sich vegetarisch oder vegan ernährt oder einen erhöhten Proteinbedarf hat, kann dieses Proteinpulver als Eiweißquelle nutzen. Zudem eignen sich viele Mehle zum glutenfreien Kochen und Backen. Vor allem aber sieht Ökounternehmerin Faller-Moog darin einen Beitrag gegen Lebensmittelverschwendung.

Dinkelspelzen beheizen ein Dorf

Ein klimaneutrales Biounternehmen, unabhängig von jedweder externen Energiezufuhr – das ist eine Zukunftsvision von Volker Krause, Inhaber der Bohlsener Mühle: "Langfristig wollen wir unsere Öfen und Gebäude nur noch mit Nebenprodukten aus unserer eigenen Produktion beheizen."

Bereits heute ist der niedersächsische Spezialist von Biobackwaren und -getreideprodukten Wärmelieferant für das Dorf Bohlsen. Die Verfeuerung von Dinkelspelzen beheizt das Nahwärmenetz, an das rund 80 Haushalte der Genossenschaft Bürgerenergie Bohlsen eG angeschlossen sind.

Der nachwachsende Brennstoff fällt in großen Mengen in der Biomühle an, da sie das Getreide selbst schält und mahlt. Mit der wachsenden Nachfrage nach Biodinkelbackwaren steigt die Menge an Dinkelspelz weiter. Damit lässt sich halb Bohlen nachhaltig mit Wärme versorgen, ganz ohne fossile Brennstoffe.


Letzte Aktualisierung 24.09.2019

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