Oekolandbau.de: Der Leitfaden zur Beschaffung formuliert keine verbindlichen, sondern nur angestrebte Ziele. Was war der Grund für diese Vorgehensweise?
Verena Fiedler: Wir haben uns bewusst für einen Leitfaden entschieden, um den Dienststellen Orientierung und Unterstützung zu geben, ohne sie in ihrer organisatorischen Flexibilität einzuschränken. Der Leitfaden soll motivieren und praxisnah aufzeigen, wie nachhaltige Beschaffung Schritt für Schritt umgesetzt werden kann – also als Hilfestellung und nicht als starre Vorgabe.
Oekolandbau.de: Welche Bio-Anteile konnten in der Schul- und Kita-Verpflegung sowie in der Rathauskantine bisher erreicht werden?
Verena Fiedler: In der Rathauskantine werden aktuell rund 25 Prozent der Lebensmittel – gemessen am Warenwert – in Bio-Qualität eingesetzt. Seit Juli 2024 ist die Küche biozertifiziert. Ausschließlich aus biologischem Anbau stammen beispielsweise Eier und Milch, sämtliche Kaffee-, Kakao- und Teeprodukte, diverse Getränke sowie Brötchen und Gebäck.
Oekolandbau.de: Wie kommt das bei den Tischgästen an?
Verena Fiedler: Die Kantine hat sich als beliebter Treffpunkt zur Verpflegung der städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern etabliert. Insbesondere der Frühstücksverkauf zeigt unter dem Verkauf von belegten Bio-Brötchen und Bio-Gebäck einen starken Aufwärtstrend. Seitens der Gäste wird viel Wert auf ein ausgewogenes, nachhaltiges und bezahlbares Mittagsessen gelegt.
Oekolandbau.de: Und welche Bio-Anteile konnten in der Kita- und Schulverpflegung erreicht werden?
Verena Fiedler: In den städtischen Kitas stammt Fleisch stets zu 100 Prozent aus dem Ökolandbau. Bei allen anderen Lebensmitteln liegt der Bio-Anteil immer bei mehr als 50 Prozent. Bei Gemüse beispielsweise bei 60 Prozent, bei Vollkornnudeln bei 100 Prozent. Im Durchschnitt aller Gerichte liegt der Bio-Anteil bei rund 75 Prozent. Bei der Verpflegung von Kitas und Schulen müssen alle Caterer die DGE-Qualitätsstandards erfüllen. In den meisten Schulen liegt der Bio-Anteil zwischen 10 Prozent und 30 Prozent. An einer Schule wird bereits die Hälfte der Lebensmittel in Bio-Qualität eingesetzt.
In gemeinsamen Gesprächen mit den Catering-Unternehmen wird nach Möglichkeiten gesucht, in wieweit der Bio-Anteil gesteigert werden kann. Es wird derzeit angestrebt, bis Schuljahresbeginn 2026/27 an allen Erlanger Schulen einen Bio-Anteil von mindestens 30 Prozent umzusetzen.
Oekolandbau.de: Das heißt, die Stadtverwaltung setzt hier auf eine mehr dialogische Vorgehensweise und nicht auf harte Vorgaben. Welche Erfahrungen machen Sie damit?
Verena Fiedler: Die dialogische Vorgehensweise hat sich sehr bewährt, weil sie auf Beteiligung, Austausch und Motivation setzt. Wir erleben, dass dadurch mehr Akzeptanz entsteht und die Kolleginnen und Kollegen die Ziele nachhaltiger Beschaffung stärker mittragen. So können wir Veränderungen gemeinsam gestalten und praxisnah umsetzen – das ist auf lange Sicht oft wirksamer als reine Vorgaben.