Biostadt Erlangen: Mehr Bio in Kita, Schule und Rathauskantine

Biostadt Erlangen: Mehr Bio in Kita, Schule und Rathauskantine

Die Stadt Erlangen will den Anteil biologischer und fair gehandelter Produkte in der Mittagsverpflegung der eigenen Einrichtungen weiter steigern. Richtschnur dafür ist ein 2025 beschlossener Leitfaden zur nachhaltigen Beschaffung von Lebensmitteln und Catering. Verena Fiedler erläutert im Interview die Details.

Durch den Einsatz von Bio-Lebensmitteln sollen mehrere Ziele erreicht werden. Zum einen will die Stadt für alle Beteiligten eine gesunde und ausgewogene Ernährung sicherstellen; zum anderen will sie damit einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten. Ein vom Stadtrat 2025 beschlossener Leitfaden formuliert die Ziele für die Beschaffung:

  • Angestrebt wird in städtischen Einrichtungen ein Bio-Anteil von 100 Prozent, mindestens sollen 70 Prozent Bio-Produkte erreicht werden.
  • Bevorzugt sollen Produkte eingesetzt werden, die in der jeweiligen Jahreszeit und in der Region verfügbar sind. Damit sollen die Treibhausgas-Emissionen reduziert sowie die lokale Landwirtschaft und regionale Wirtschaftskreisläufe gestärkt werden.
  • Produkte aus beheizten Treibhäusern sowie Flugwaren sollen möglichst vermieden werden.
  • Die Stadtverwaltung strebt an, folgende Produkte ausschließlich aus fairem Handel zu beziehen: Zucker, Schokolade, Kaffee, Tee, Reis, Bananen und weitere exotische Früchte sowie daraus hergestellte Säfte.
  • Bei Veranstaltungen der Stadt soll beim Catering mindestens ein vegetarisches und ein veganes Gericht angeboten werden.

Ziele, Hemmnisse, Lösungen: Dialog zur nachhaltigen Beschaffung

Was wurde von diesen Zielen bislang erreicht? Welche Hemmnisse und welche Lösungen gibt es für die Herausforderungen auf diesem Weg der Stadt Erlangen? Wir sprachen dazu mit Verena Fiedler aus dem Amt für Umweltschutz und Energiefragen.

Oekolandbau.de: Der Leitfaden zur Beschaffung formuliert keine verbindlichen, sondern nur angestrebte Ziele. Was war der Grund für diese Vorgehensweise?

Verena Fiedler: Wir haben uns bewusst für einen Leitfaden entschieden, um den Dienststellen Orientierung und Unterstützung zu geben, ohne sie in ihrer organisatorischen Flexibilität einzuschränken. Der Leitfaden soll motivieren und praxisnah aufzeigen, wie nachhaltige Beschaffung Schritt für Schritt umgesetzt werden kann – also als Hilfestellung und nicht als starre Vorgabe.

Oekolandbau.de: Welche Bio-Anteile konnten in der Schul- und Kita-Verpflegung sowie in der Rathauskantine bisher erreicht werden?

Verena Fiedler: In der Rathauskantine werden aktuell rund 25 Prozent der Lebensmittel – gemessen am Warenwert – in Bio-Qualität eingesetzt. Seit Juli 2024 ist die Küche biozertifiziert. Ausschließlich aus biologischem Anbau stammen beispielsweise Eier und Milch, sämtliche Kaffee-, Kakao- und Teeprodukte, diverse Getränke sowie Brötchen und Gebäck.

Oekolandbau.de: Wie kommt das bei den Tischgästen an?

Verena Fiedler: Die Kantine hat sich als beliebter Treffpunkt zur Verpflegung der städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern etabliert. Insbesondere der Frühstücksverkauf zeigt unter dem Verkauf von belegten Bio-Brötchen und Bio-Gebäck einen starken Aufwärtstrend. Seitens der Gäste wird viel Wert auf ein ausgewogenes, nachhaltiges und bezahlbares Mittagsessen gelegt.

Oekolandbau.de: Und welche Bio-Anteile konnten in der Kita- und Schulverpflegung erreicht werden?

Verena Fiedler: In den städtischen Kitas stammt Fleisch stets zu 100 Prozent aus dem Ökolandbau. Bei allen anderen Lebensmitteln liegt der Bio-Anteil immer bei mehr als 50 Prozent. Bei Gemüse beispielsweise bei 60 Prozent, bei Vollkornnudeln bei 100 Prozent. Im Durchschnitt aller Gerichte liegt der Bio-Anteil bei rund 75 Prozent. Bei der Verpflegung von Kitas und Schulen müssen alle Caterer die DGE-Qualitätsstandards erfüllen. In den meisten Schulen liegt der Bio-Anteil zwischen 10 Prozent und 30 Prozent. An einer Schule wird bereits die Hälfte der Lebensmittel in Bio-Qualität eingesetzt.

In gemeinsamen Gesprächen mit den Catering-Unternehmen wird nach Möglichkeiten gesucht, in wieweit der Bio-Anteil gesteigert werden kann. Es wird derzeit angestrebt, bis Schuljahresbeginn 2026/27 an allen Erlanger Schulen einen Bio-Anteil von mindestens 30 Prozent umzusetzen.

Oekolandbau.de: Das heißt, die Stadtverwaltung setzt hier auf eine mehr dialogische Vorgehensweise und nicht auf harte Vorgaben. Welche Erfahrungen machen Sie damit?

Verena Fiedler: Die dialogische Vorgehensweise hat sich sehr bewährt, weil sie auf Beteiligung, Austausch und Motivation setzt. Wir erleben, dass dadurch mehr Akzeptanz entsteht und die Kolleginnen und Kollegen die Ziele nachhaltiger Beschaffung stärker mittragen. So können wir Veränderungen gemeinsam gestalten und praxisnah umsetzen – das ist auf lange Sicht oft wirksamer als reine Vorgaben.

Bio-Status auf einen Blick

BereichBio-Status (monetär)
Rathauskantine30 %, Bio-AHV-Logo in Bronze
Kitas100 % Bio-Fleisch, mind. 50 % bei anderen Lebensmitteln
Schulen10 – 50 %, weitere Steigerung geplant
Märkte und FesteZiel 25%

Oekolandbau.de: Wo liegen die besonderen Herausforderungen, mehr Bio in der Gemeinschaftsverpflegung einzusetzen?

Verena Fiedler: Die gestiegenen Kosten für Lebensmittel stellen derzeit eine große Herausforderung dar – sowohl für die Betreiberinnen und Betreiber der Küchen als auch für Eltern und Tischgäste. Hinzu kommt, dass es mitunter schwierig ist, Bio-Lebensmittel überhaupt in der benötigten Menge und Qualität zu beziehen.

Der Markt ist regional sehr unterschiedlich ausgeprägt, und insbesondere bei bestimmten Produktgruppen bestehen noch Lücken in der Verfügbarkeit. Auch die Lieferstrukturen sind teilweise noch nicht so ausgebaut, dass sie die Bedürfnisse größerer Einrichtungen zuverlässig abdecken können.

Oekolandbau.de: Was braucht es, um hier Lösungen zu finden?

Verena Fiedler: Entscheidend ist eine enge Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von den Erzeugerbetrieben über den Handel bis zu den Küchen. Regionale Netzwerke und Bündnisse können hier eine wichtige Rolle spielen, um Angebot und Nachfrage besser aufeinander abzustimmen. Gleichzeitig braucht es Planungssicherheit, zum Beispiel durch langfristige Abnahmeverträge oder eine klare politische Unterstützung auf kommunaler Ebene. Auch Schulungen und Qualifizierungsmaßnahmen für Küchenpersonal helfen, Bio-Produkte effizient und kreativ einzusetzen, sodass die höheren Einkaufspreise durch eine angepasste Speiseplanung teilweise kompensiert werden können.

Oekolandbau.de: Was empfehlen Sie anderen Kommunen, die sich auf einen ähnlichen Weg wie Erlangen begeben möchten?

Verena Fiedler: Wichtig ist, schrittweise vorzugehen und alle Beteiligten frühzeitig einzubinden – von den Küchenleitungen über die Träger bis hin zu Eltern und Gästen. Eine offene Kommunikation und das Aufzeigen der Vorteile von Bio – etwa im Hinblick auf Qualität, Geschmack und Umweltwirkungen – fördern die Akzeptanz.

Ebenso hilfreich ist es, sich mit anderen Kommunen zu vernetzen, um Erfahrungen auszutauschen und voneinander zu lernen. Und nicht zuletzt: Erfolge sichtbar machen! Kleine Schritte und messbare Fortschritte motivieren, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen.

Bio in Topf und Kopf

Sie sind als Lehrkraft auf der Suche nach einem Leitfaden für die Berufsschulpraxis für Fachlehrkräfte, um Bio-Lebensmittel erfolgreich in Profi-Küchen, Bäckereien und Metzgereien einzuführen? Dann ist Bio in Topf und Kopf genau das richtige für Sie! 

Zum Leitfaden Bio in Topf und Kopf

Der neue Leitfaden gibt Tipps für mehr Nachhaltigkeit entlang der Wertschöpfungs-kette im Lebensmittelhandwerk und in Ernährungsberufen. 

Argumente für eine nachhaltige Beschaffung

Text: Andreas Greiner


Letzte Aktualisierung 12.11.2025

Nach oben
Nach oben