Großen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit haben auch die angebauten Kulturen. Neben Weizen erwiesen sich vor allem Soja, Körnermais, Zuckerrüben und Kartoffeln als besonders lukrativ. Die beteiligten Betriebe experimentieren auch regelmäßig mit neuen Kulturen wie Mohn, Kürbis oder Kichererbse. "Das ist sinnvoll, wenn es in der Region geeignete Abnehmer gibt", sagt Toews-Mayr. Allerdings sollten Anbauversuche nur auf kleinen Flächen stattfinden, um die Verluste bei schwachen Erträgen möglichst kleinzuhalten.
Investitionen in Hackroboter können bei attraktiven Kulturen wie Zuckerrüben Kosten sparen. Einem Netzwerk-Betrieb ist es gelungen, mithilfe der Robotertechnik und den verfügbaren Familienarbeitskräften komplett auf externe Saisonkräfte zu verzichten. Dadurch konnte er seine Kosten verringern und hatte deutlich weniger Bürokratieaufwand.
Wirtschaftlichkeit kann nur individuell optimiert werden
Allgemeingültige Empfehlungen zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit sind laut Toews-Mayr trotz der vielen bisherigen Erkenntnisse schwierig, da Bio-Betriebe sehr vielfältig und individuell aufgestellt sind. Für die Landwirtinnen- und Landwirte im Netzwerk waren die wichtigsten Erkenntnisse bisher, bei wenig Leistung auch den Input gering zu halten, Fruchtfolgen mit möglichst erlösstarken Kulturen zu etablieren und die Kosten viel stärker im Blick zu behalten.
Besonders im Ackerbau sind zudem die Erträge entscheidend für die Wirtschaftlichkeit. „Viele Betriebe denken, als Bio-Betrieb hat man automatisch geringe Erträge. Aber auch im Ökolandbau ist Leistung wichtig und wirkt direkt auf die Betriebsbilanz. Der Schlüssel dafür ist eine gute Nährstoffversorgung“, betont die Forscherin. Sie verweist auf einen sehr erfolgreichen Betrieb, der mithilfe von Biogassubstrat im Schnitt 75 Prozent der konventionellen Erträge erreicht.
Buchführungsanalyse ist für jeden Betriebe sinnvoll
Aufgrund der bisherigen Erfahrungen im Netzwerk rät die Expertin allen Bio-Betrieben ihre Buchführungsergebnisse zu analysieren und Rückschlüsse für betriebliche Entscheidungen daraus zu ziehen. Eine professionelle Vollkosten- und Betriebszweiganalyse durch spezialisierte externe Dienstleister liefert zusätzlich wichtige Informationen und ist vor allem für Betriebe sinnvoll, die sich gezielt weiterentwickeln wollen oder vor großen Weichenstellungen stehen. "Diese Analysen sind zwar nicht günstig. Aber sie geben einen tiefen Einblick in den eigenen Betrieb und zeigen sehr deutlich, wo genau Kosten eingespart werden können", sagt Toews-Mayr.
Gleichzeitig betont sie, dass Bio-Betriebe im langfristigen Durchschnitt wirtschaftlich besser abschneiden als konventionelle Betriebe und auch stabilere Ergebnisse erzielen. Aber die Anforderungen an die Betriebsführung sind im Ökolandbau größer und die Risiken nehmen zu. Gleichzeitig benötigen die Landwirtsfamilien ein ausreichendes Einkommen.
Betriebe sind dankbar für Empfehlungen
Deshalb plädiert sie dafür, betriebswirtschaftliche Themen im Ökolandbau noch stärker in den Fokus zu rücken: "Hier gibt es noch viel Potenzial und Luft nach oben, auch in der Beratung. Und im OekoNet-Projekt sehen wir, wie dankbar die Betriebe für Empfehlungen in diesem Bereich sind und wie schnell sie diese auch umsetzen."
Text: Jürgen Beckhoff