Wie Bio-Betriebe wirtschaftlicher arbeiten können

Wie Bio-Betriebe wirtschaftlicher arbeiten können

Bio-Betriebe erwirtschaften im Schnitt höhere und stabilere Einkommen als konventionelle Betriebe. Dennoch gibt es auch im Ökolandbau größere Potenziale für eine bessere Wirtschaftlichkeit. Wo Bio-Betriebe konkret ansetzen können, wurde im Netzwerk OekoNet in Bayern untersucht.

Wie können Bio-Betriebe ihre Wirtschaftlichkeit verbessern? Diese Frage versucht ein Forschungsteam der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) zusammen mit der Landesvereinigung für ökologischen Landbau in Bayern (LVÖ) im Projekt OekoNet zu beantworten. Das Projekt läuft von 2022 bis 2026. Bisher wurden zwei Anbaujahre ausgewertet, die Ergebnisse aus dem Wirtschaftsjahr 2024/25 sind noch in Bearbeitung.

Zum Netzwerk gehören 16 bayerische Bio-Betriebe aus vier verschiedenen Anbauverbänden. Sie erklärten sich bereit, ihre Buchführungsdaten für eine wirtschaftliche Analyse offenzulegen, um sie mit anderen Betrieben zu vergleichen und Empfehlungen für Optimierungen abzuleiten. Jeweils acht Betriebe des Netzwerks betreiben schwerpunktmäßig Ackerbau und Milchviehhaltung.

Alle Betriebszweige werden durchleuchtet

Um die Wirtschaftlichkeit der Betriebe auf einer möglichst breiten Datengrundlage bewerten zu können, wurden die Buchführungsergebnisse intensiv ausgewertet und zusätzlich eine Betriebszweiganalyse durchgeführt, in der die Vollkosten für jeden einzelnen Bereich des Betriebs detailliert berechnet wurden.

Bei regelmäßigen Treffen der Betriebsleitenden mit dem Forschungs- und Beratungsteam diskutierten die Beteiligten die Ergebnisse und erarbeiteten für jeden Betrieb individuelle Empfehlungen.

Große Unterschiede beim Gewinn

"Die bisherigen Auswertungen zeigen sehr große Unterschiede beim Gewinn zwischen den verschiedenen Betrieben, aber auch bei den Jahresergebnissen einzelner Betriebe", sagt Gerlinde Toews-Mayr von der LfL, die das Projekt mitbetreut. So lag die Spanne beim Gewinn pro Kuh auf den Milchviehbetrieben im ersten Jahr zwischen -16 und 2.600 Euro. Im zweiten Jahr wurden Gewinne zwischen 412 und 2.600 Euro pro Kuh erzielt.

Bei den Ackerbaubetrieben lagen die Gewinne pro Hektar im ersten Wirtschaftsjahr zwischen 84 und 1.100 Euro, im zweiten Jahr zwischen -269 und 955 Euro. Diese Schwankungen waren zum Teil bedingt durch größere Investitionen, schwache Preise oder Witterungseinflüsse wie Trockenheit und Überschwemmungen. Aber auch das Management hatte nach Einschätzung der Expertin großen Einfluss.

Gute Gewinne auch auf ungünstigen Standorten möglich

"Die besonders erfolgreichen Betriebe verhalten sich kostenbewusst, haben gute Leistungen beziehungsweise Erträge und passen die Förderangebote optimal an ihren Betrieb und die Standortbedingungen an", sagt Toews-Mayr. Das ist für sie auch der Grund, warum auch Betriebe mit ungünstigeren Standortbedingungen wie schwachen Böden oder Mittelgebirgslage ähnlich gute Ergebnisse erzielen wie Betriebe in Gunstlagen. "Wenn die Strategie zum Standort passt, können Bio-Betriebe überall eine gute Wirtschaftlichkeit erreichen", ist ein Fazit der Forscherin.

So haben sich zum Beispiel einige Netzwerk-Betriebe mit ungünstigen Voraussetzungen auf den Vertragsnaturschutz spezialisiert und kombinieren die Öko-Prämien der gemeinsamen europäischen Agrarpolitik (GAP) mit Umwelt-Fördermitteln auf Landesebene. Andere Betriebe haben sich auf schwachen Standorten eine Nische geschaffen, etwa durch die Erzeugung von hochwertigem Pferdefutter.

Betriebsgröße senkt Kosten

Größere Bio-Betriebe profitieren zudem von den Effekten einer Kostendegression. Laut Toews-Mayr gelingt es den meisten Betrieben mit guter Flächenausstattung und größerer Milchviehherde die Kosten auf einen höheren Output zu verteilen. Das wirkt sich positiv auf die ökonomischen Ergebnisse aus.

Der Knackpunkt für größere Betriebe ist jedoch häufig die optimale Ausgestaltung der Arbeitswirtschaft. Denn ab einer gewissen Größe muss ein Betrieb entscheiden, ob sich die Einstellung externer Arbeitskräfte lohnt. "Bei einem Netzwerk-Betrieb zeigten die Zahlen eindeutig, dass zusätzliche Mitarbeitende für ihn nicht rentabel waren. Als Konsequenz hat er den entsprechenden Betriebszweig eingestellt und erledigt die Arbeit im Betrieb heute wieder selbst“, berichtet Toews-Mayr.

Was können Betriebe beeinflussen?

Für die Verbesserung der Wirtschaftlichkeit gibt es grundsätzlich zwei Hebel: höhere Erlöse oder weniger Kosten. Welcher besser ist, hängt von der betrieblichen Situation ab. Häufig können Betriebe nicht beide Hebel in gleichem Umfang beeinflussen. So sind die Preise bei klassischen Ackerkulturen und Milch in der Regel von außen vorgegeben. Wenn höhere Erlöse möglich sind, etwa durch höhere Preise für die Haupterzeugnisse, eine bessere Vermarktung oder eine optimierte Prämienkombination, steigen die Gewinne jedoch schnell an.

Für Milchviehbetriebe lohnt es sich, gute Milchqualitäten zu erzeugen. Denn bei festen Basispreisen der Molkereien machen vor allem hohe Fett- und Eiweißgehalte den Unterschied auf der Erlösseite aus. Sie erklären auch die große Differenz bei den Auszahlungspreisen der Netz-Betriebe, die in beiden Wirtschaftsjahren bei bis zu neun Cent pro Liter Milch lag.

Gute Milchqualitäten verbessern Erlöse

Für die Milchqualität sind vor allem gute Futterqualitäten und hohe Grundfutterleistungen entscheidend. Aber auch durch Spezialisierungen können Betriebe ihre Erlöse verbessern. So hat sich ein beteiligter Betrieb auf einem reinen Grünlandstandort erfolgreich auf Heumilch spezialisiert.

Mehr Einfluss haben Betriebe meist bei ihren Kosten. Hier gibt es in jedem Betrieb gewisse Einsparpotenziale. So zeigte sich im Projekt, dass viele Höfe übermechanisiert sind und ihre Maschinen nicht genügend auslasten. Deshalb rät das Forschungsteam dazu, eine stärkere überbetriebliche Auslastung zu prüfen, Maschinen gemeinsam mit Nachbarbetrieben zu kaufen oder mehr Feldarbeiten auszulagern.

Arbeit ist großer Kostenfaktor

Der zweite große Kostenfaktor ist die Arbeit. Auf den untersuchten Milchviehbetrieben wurden große Unterschiede bei den Arbeitskosten sichtbar, die überwiegend vom Haltungssystem beeinflusst werden. Insbesondere intensive Weidehaltung, kleine Bestände und veraltete Stallgebäude führen zu deutlich erhöhtem Arbeitsaufwand. "Hier kann es je nach betrieblichen Voraussetzungen Sinn machen, in einen Entmistungsroboter oder einen Melkroboter zu investieren, um die Arbeitskosten zu reduzieren", meint Toews-Mayr.

Auch bei den Ackerbaubetrieben gibt es nach Einschätzung von Gerlinde Toews-Mayr viele Möglichkeiten zur Optimierung. So hatten intensiv wirtschaftende Betriebe mit hohem Input häufig sehr hohe Lohnkosten bei nicht ausreichenden Erträgen und Erlösen. Hier kann es Sinn machen, die Intensität zu verringern. Auch nicht beantragte Prämien wegen Arbeitsüberlastung oder Krankheit schmälerten die Ergebnisse einzelner Betriebe. "Prämien sind für Bio-Betriebe grundsätzlich wichtiger als für konventionelle", sagt Toews-Mayr.

Stärker auf lukrative Kulturen setzen

Großen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit haben auch die angebauten Kulturen. Neben Weizen erwiesen sich vor allem Soja, Körnermais, Zuckerrüben und Kartoffeln als besonders lukrativ. Die beteiligten Betriebe experimentieren auch regelmäßig mit neuen Kulturen wie Mohn, Kürbis oder Kichererbse. "Das ist sinnvoll, wenn es in der Region geeignete Abnehmer gibt", sagt Toews-Mayr. Allerdings sollten Anbauversuche nur auf kleinen Flächen stattfinden, um die Verluste bei schwachen Erträgen möglichst kleinzuhalten. 

Investitionen in Hackroboter können bei attraktiven Kulturen wie Zuckerrüben Kosten sparen. Einem Netzwerk-Betrieb ist es gelungen, mithilfe der Robotertechnik und den verfügbaren Familienarbeitskräften komplett auf externe Saisonkräfte zu verzichten. Dadurch konnte er seine Kosten verringern und hatte deutlich weniger Bürokratieaufwand.

Wirtschaftlichkeit kann nur individuell optimiert werden

Allgemeingültige Empfehlungen zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit sind laut Toews-Mayr trotz der vielen bisherigen Erkenntnisse schwierig, da Bio-Betriebe sehr vielfältig und individuell aufgestellt sind. Für die Landwirtinnen- und Landwirte im Netzwerk waren die wichtigsten Erkenntnisse bisher, bei wenig Leistung auch den Input gering zu halten, Fruchtfolgen mit möglichst erlösstarken Kulturen zu etablieren und die Kosten viel stärker im Blick zu behalten.

Besonders im Ackerbau sind zudem die Erträge entscheidend für die Wirtschaftlichkeit. „Viele Betriebe denken, als Bio-Betrieb hat man automatisch geringe Erträge. Aber auch im Ökolandbau ist Leistung wichtig und wirkt direkt auf die Betriebsbilanz. Der Schlüssel dafür ist eine gute Nährstoffversorgung“, betont die Forscherin. Sie verweist auf einen sehr erfolgreichen Betrieb, der mithilfe von Biogassubstrat im Schnitt 75 Prozent der konventionellen Erträge erreicht.

Buchführungsanalyse ist für jeden Betriebe sinnvoll

Aufgrund der bisherigen Erfahrungen im Netzwerk rät die Expertin allen Bio-Betrieben ihre Buchführungsergebnisse zu analysieren und Rückschlüsse für betriebliche Entscheidungen daraus zu ziehen. Eine professionelle Vollkosten- und Betriebszweiganalyse durch spezialisierte externe Dienstleister liefert zusätzlich wichtige Informationen und ist vor allem für Betriebe sinnvoll, die sich gezielt weiterentwickeln wollen oder vor großen Weichenstellungen stehen. "Diese Analysen sind zwar nicht günstig. Aber sie geben einen tiefen Einblick in den eigenen Betrieb und zeigen sehr deutlich, wo genau Kosten eingespart werden können", sagt Toews-Mayr.

Gleichzeitig betont sie, dass Bio-Betriebe im langfristigen Durchschnitt wirtschaftlich besser abschneiden als konventionelle Betriebe und auch stabilere Ergebnisse erzielen. Aber die Anforderungen an die Betriebsführung sind im Ökolandbau größer und die Risiken nehmen zu. Gleichzeitig benötigen die Landwirtsfamilien ein ausreichendes Einkommen.

Betriebe sind dankbar für Empfehlungen

Deshalb plädiert sie dafür, betriebswirtschaftliche Themen im Ökolandbau noch stärker in den Fokus zu rücken: "Hier gibt es noch viel Potenzial und Luft nach oben, auch in der Beratung. Und im OekoNet-Projekt sehen wir, wie dankbar die Betriebe für Empfehlungen in diesem Bereich sind und wie schnell sie diese auch umsetzen.

Text: Jürgen Beckhoff


Letzte Aktualisierung 26.03.2026

Nach oben
Nach oben