Durch die Erzeugung von Biogas, den Betrieb eines Hofladens oder die Verarbeitung von Milch, Getreide oder Fleisch können sich Betriebe neue Einkommensquellen erschließen. Im Jahr 2023 erzielten 54 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland Einnahmen aus landwirtschaftsnahen Tätigkeiten. Zusätzliche Betriebszweige können den Betrieb widerstandsfähiger gegen Krisen in einem Wirtschaftsbereich machen. Dadurch kann das Verlustrisiko verringert werden.
Welche Einkommenskombinationen sind bei Landwirtschaftsbetriebe am beliebtesten?
- Erzeugung Erneuerbarer Energien: 47 Prozent
- Forstwirtschaft: 27 Prozent
- Direktvermarktung: 26 Prozent
- Arbeiten für andere landwirtschaftliche Betriebe: 23 Prozent
- Pensionspferdehaltung: 12 Prozent
- Be- und Verarbeitung von Holz: 11 Prozent
- Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse: 7 Prozent,
- Fremdenverkehr, Beherbergung, Freizeitaktivitäten: 7 Prozent
- Gesundheits-, Sozial- oder Bildungsleistungen: 3 Prozent
Hinweis: Die Prozentzahl bezieht sich auf alle Betriebe mit Einkommenskombinationen, Quelle: Destatis
Voraussetzungen für den Aufbau außerlandwirtschaftlicher Betriebszweige
Die Voraussetzung für den Einstieg in einen außerlandwirtschaftlichen Betriebszweig ist eine gute Planung. Diese muss die Marktchancen des neuen Angebots analysieren und das erzielbare Zusatzeinkommen, die notwendigen Investitionskosten und den Arbeitszeitbedarf realistisch einschätzen. Von besonderer Bedeutung ist auch die Kenntnis von relevanten Rechtsvorschriften (zum Beispiel im Gewerbe- oder Baurecht) sowie gegebenenfalls die frühzeitige Beantragung von notwendigen Genehmigungen für das Vorhaben.
Persönliche Neigungen und Fähigkeiten spielen beim Aufbau eines neuen Betriebszweigs eine große Rolle. Die verantwortliche Person muss von dem neuen Betriebszweig begeistert sein und über die entsprechenden Fähigkeiten zur Umsetzung verfügen. Insbesondere bei Projekten wie dem Betrieb eines Hofladens oder der Integration pädagogischer oder sozialer Angebote sind kommunikative Fähigkeiten und Kontaktfreudigkeit von zentraler Bedeutung. Auch alle anderen Mitglieder des Betriebes müssen in den Aufbau des neuen Betriebsweiges eingebunden werden, seien es Familienmitglieder oder Mitarbeitende auf dem Betrieb.
Gibt es Förderungen für Diversifizierungsmaßnahmen auf landwirtschaftlichen Betrieben?
In vielen Bundesländern gibt es Förderungen für den Aufbau von Einkommensalternativen auf landwirtschaftlichen Betrieben. Die Förderung von Investitionen in den Landtourismus und die Direktvermarktung ist bundesweit möglich. Die einzelnen Länder können dabei unterschiedliche Finanzierungsinstrumente nutzen und nach Bedarf kombinieren. Die meisten Bundesländer nutzen Mittel der Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" (GAK) zur Kofinanzierung.
In Niedersachsen gibt es zum Beispiel seit Ende 2024 eine Fördermaßnahme, die Betriebe unterstützt, die ihren Tierbestand teilweise oder in Gänze abstocken und in ihre Diversifizierung investieren. Das können beispielsweise die Anschaffung einer (mobilen) Obstmosterei, einer mobilen Käserei mit Direktvermarktungsmöglichkeit oder auch Investitionen in die Landtouristik oder eines Hofladens/Hofcafés sein. Hier finden Sie mehr Informationen: Fördermaßnahme zur Diversivizierung. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen bietet auch eine Beratung für Direktvermarktung, Bauernhofurlaub, Hofgastronomie und Bauernhofpädagogik an.
In Baden-Württemberg werden zum Beispiel Investitionen in Gebäude und technische Anlagen zur Verarbeitung oder Vermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse (zum Beispiel Hofläden oder Hofkäsereien) oder zur Bereitstellung von Dienstleistungen insbesondere in landwirtschafts- und hauswirtschaftsnahen Bereichen (zum Beispiel Bau von Ställen für Pensionspferdehaltung oder Ferienwohnungen) gefördert. Hier finden Sie mehr Informationen zu dieser Fördermaßnahme.
Bayern unterstützt zum Beispiel im Rahmen der Einzelbetrieblichen Investitionsförderung (EIF) Investitionen, um zusätzliche Einkommensquellen aus selbstständiger Tätigkeit im ländlichen Raum zu schaffen. Ziel ist es, die Wirtschaftskraft des ländlichen Raumes zu erhalten.
Im Saarland werden zum Beispiel Investitionen in die Diversifizierungsbereiche Pensionspferdehaltung, Direktvermarktung, Urlaub auf dem Bauernhof oder Gastronomieangebote gefördert. Hier finden Sie mehr Informationen.