Problemunkraut Erdmandelgras: Bekämpfung im Ökolandbau

Es wirkt auf den ersten Blick unscheinbar, hat aber das Potenzial, ganze Flächen für den Anbau unbrauchbar zu machen. Das Erdmandelgras ist ein neues Problemunkraut, das sich schnell ausbreitet und nur schwer zu bekämpfen ist. Wie sich die Pflanze vermehrt und welche Ansätze zur Eindämmung derzeit empfohlen werden, zeigt der Überblick.

In Kürze: Maßnahmen zur Bekämpfung von Erdmandelgras

  1. Flächen gut kontrollieren und Befallsnester markieren. 
  2. Maschinen nach jedem Einsatz intensiv reinigen.
  3. Verschleppung über Erntegut wie Kartoffeln und Zuckerrüben vermeiden.
  4. Bei Auftreten Fruchtfolge anpassen und gegebenenfalls Schwarzbrache durchführen.
  5. Flächen intensiv hacken, insbesondere nach der Getreideernte.

Das Erdmandelgras (Cyperus esculentus) hat sich in den letzten Jahren vor allem in Norddeutschland massiv ausgebreitet. Von 2021 bis 2026 stieg die befallene Fläche von etwa 10.000 Hektar auf geschätzte 250.000 Hektar. Bundesweit geht man von einer Ausbreitung auf etwa 300.000 Hektar Ackerfläche aus. Auch in Nachbarländern wie den Niederlanden, Belgien und der Schweiz wird eine zunehmende Ausbreitung beobachtet.

Erdmandelgras erkennen

Erdmandelgras ist leicht mit anderen Sauergräsern Seggen oder Hirsearten zu verwechseln. Die Pflanze wächst in der Regel 30 bis 70 Zentimeter hoch und bildet Blütenstände mit gelb- bis goldfarbenen Rispen, die von Juli bis September blühen. Auffällig ist der dreikantige Stengel, der keine Knoten aufweist. Das wichtigste Erkennungsmerkmal sind die langen, unterirdischen Rhizome, an deren Ende Speicherorgane in Form von Knöllchen (Erdmandeln) mit 5 bis 15 Millimeter Durchmesser gebildet werden.

Betroffen sind vor allem Flächen, auf denen regelmäßig Hackfrüchte wie Mais, Zuckerrüben, Kartoffeln und Gemüse angebaut werden. Das Erdmandelgras ist eine sogenannte invasive Art, die ursprünglich aus Ostafrika stammt. Bei stärkerer Ausbreitung der konkurrenzstarken Pflanze kann es zu Ertragsausfällen von bis zu 60 Prozent kommen, auch Totalausfälle sind möglich.

Erdmandelgras ist sehr schwer zu bekämpfen

Die Pflanze gilt aus mehreren Gründen als echte Bedrohung für den Ackerbau. So hat Erdmandelgras eine sehr hohe Reproduktionsrate, ist überaus robust und lässt sich nur schwer zurückdrängen. Das beruht vor allem auf der vegetativen Vermehrung der Pflanze über unterirdische Sprossachsen (Rhizome), die an den Enden Knöllchen ausbilden, sogenannte Erdmandeln, denen die Pflanze ihren Namen verdankt. Aus diesen Knöllchen treiben im Folgejahr neue Pflanzen aus.

Der größte Teil der Erdmandeln bildet sich in der obersten Bodenschicht von 0 bis zu 15 Zentimetern Tiefe. Sie können aber auch bis zu 30 Zentimeter tief liegen und mit den ausgebildeten Trieben die Oberfläche erreichen. Erdmandeln sind frostresistent und können drei bis sechs Jahre lang im Boden überdauern. Zudem keimen sie antizyklisch, das heißt, in jedem Jahr bildet nur ein Teil der im Boden liegenden Knöllchen eine oberirdische Pflanze, was die Bekämpfung zusätzlich erschwert und langjährig macht.

Extrem hohe Reproduktionsrate

Vor allem aber bildet die Pflanze extrem viele keimfähige Erdmandeln. Bis zu 700 Stück wurden in Topfversuchen pro Pflanze und Jahr gezählt. Größere Knollen können sogar zwei- bis dreimal neu austreiben, nachdem die Triebe abgetrennt wurden. Zwar verbreitet sich die Pflanze auch über Samen. Aber die Besiedlung neuer Flächen erfolgt zu großen Teilen über mit Erdmandeln belastete Bodenreste, die bei Maschineneinsätzen von Fläche zu Fläche getragen werden.

Bisher konnte die Ausbreitung des Erdmandelgrases mit keiner der gängigen Bekämpfungsmaßnahmen nachhaltig gestoppt werden. Selbst die Anwendung von chemisch-synthetischen Herbiziden im konventionellen Bereich brachte keinen anhaltenden Erfolg, da die Wirkstoffe sehr schlecht an der wachsartigen Oberfläche der Blätter anhaften.

Bekämpfung nur über kombinierte Maßnahmen möglich

Im ökologischen wie im konventionellen Anbau raten Expertinnen und Experten deshalb dazu, verschiedene Maßnahmen strategisch zu kombinieren und sie konsequent über mehrere Jahre umzusetzen. Der wichtigste Schritt ist, die Verschleppung der Knöllchen soweit wie möglich zu unterbinden. Dafür müssen vor allem die Maschinen nach jedem Einsatz oder Flächenwechsel sehr gründlich von Erde befreit werden. Auch Pflanzgut, Saatgut oder zugekaufter Kompost müssen intensiv kontrolliert werden.

Entfernung per Hand bei geringem Befallsdruck

Genauso wichtig ist es, die Ackerflächen regelmäßig zu prüfen und austreibendes Erdmandelgras möglichst frühzeitig zu erkennen. Im Idealfall sollten auftretende Nester in der Schlagkartei oder per GPS markiert und schnell entfernt werden. Bei geringem Befallsdruck ist das am besten per Hand möglich, auch wenn das mit großem Aufwand verbunden ist. Denn um alle Knöllchen sicher zu entfernen, muss die Pflanze bis zu 40 Zentimeter tief in einem Radius von einem Meter ausgegraben und anschließend sorgfältig entsorgt werden.

Tritt das Unkraut nesterweise auf, sollten die betroffenen Bereiche auf dem Feld gesondert gerodet werden. Bei stärkerem Befall kann auch eine vorübergehende Umwidmung der Fläche als Grünland sinnvoll sein.

Bei großflächigem Befall bleibt als letzte Maßnahme eine Schwarzbrache, bei der die betroffene Fläche zwischen Mai und September sechs bis acht Mal 10 bis 15 Zentimeter tief gegrubbert oder gefräst wird. Ab Herbst folgt dann die Einsaat von Wintergetreide oder eine Gründüngung.

Schwarzbrache als letztes Mittel

In Praxisversuchen konnte der Befall mit einer Schwarzbrache im ersten Jahr durchschnittlich um 50 Prozent reduziert werden, im zweiten Jahr um 70 Prozent. Allerdings ist das Verfahren mit vielen Nachteilen verbunden. So entfällt die Fläche für den normalen Anbau und die intensive Bodenbearbeitung führt zu einem starken Abbau organischer Substanz. Hinzu kommt, dass es bisher in Deutschland noch nicht gelungen ist, eine stark befallene Fläche komplett zu sanieren.

Um eine starke Ausbreitung frühzeitig zu unterbinden, ist es sinnvoll, die Fruchtfolge auf gefährdeten Standorten anzupassen. Statt auf Hackfrüchte sollten Betriebe hier stärker auf Wintergetreide, Rispenhirse, mehrjähriges Kleegras oder Hanf setzen, die das Erdmandelgras bei durchgängig dichten Beständen gut unterdrücken können. Als weniger geeignet haben sich dagegen Dinkel, Roggen, Raps und Sonnenblumen erwiesen.

Hacken so oft es geht

Grundsätzlich haben alle Hackgeräte eine Wirkung gegen das Erdmandelgras. Deshalb sollte auf betroffenen Flächen jede Möglichkeit zum Hacken in der Fruchtfolge genutzt werden. Besonders wichtig sind mehrere Hackeinsätze nach der Getreideernte, weil sich das Unkraut zu dieser Zeit in der Abreifephase befindet und besonders viele Erdmandeln bildet.

Fazit

Die Bekämpfung von Erdmandelgras ist sehr aufwändig und langwierig. Entscheidend für eine erfolgreiche Eindämmung des Unkrauts ist eine konsequente Hygiene beim Maschineneinsatz, eine Anpassung der Fruchtfolge und intensives Hacken über mehrere Jahre. Genauso wichtig sind regelmäßige Kontrollen der Flächen und schnelles Handeln, wenn das Unkraut entdeckt wurde.


Letzte Aktualisierung 24.07.2026

Autor: Jürgen Beckhoff

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