Die erste Station der Rundfahrt war der Gemischtbetrieb von Ronny Rebisch. Der Betriebsleiter hat viele Ansätze der "regenerativen Landwirtschaft" in seinen Ackerbaubetrieb integriert. Er arbeitet seit mehreren Jahren pfluglos und setzt effektive Mikroorganismen auf dem Ackerland ein. Für den Umbruch von Luzerne-Kleegras Gemenge nutzt er einen Schneidgrubber, mit dem er sehr gute Erfahrungen gemacht hat. Die Arbeitswerkzeuge des Grubbers sind horizontal geführte, rotierende Scheiben, die sehr präzise, flach und flächig schneiden.
Junges Agroforstsystem mit Zukunftspotenzial
Ronny Rebisch zeigte den Teilnehmenden außerdem einen neu angelegten Agroforststreifen mit Pappeln. Zwischen den Pappeln werden später in größeren Abständen noch Obstbäume gepflanzt. Finanziell unterstützt wird die Pflanzung von der Firma CarboCert, mit der der Betrieb schon länger beim Humusaufbau zusammenarbeitet. Die Ziele von Agroforststreifen sind sehr vielfältig. Dazu gehört vor Allem der Verdunstungsschutz durch Beschattung und Reduzierung von Winden, die Erhöhung der Biodiversität und die Nutzung der aufwachsenden Gehölze bzw. die Ernte von Obst und anderen Früchten.
Weitere Praxisinfos zu Agroforstsystemen
Winterlein als hilfreiche Alternative der Beikrautregulierung
Anschließend wurden Getreidebestände wie Schälhafer, Weizen und Emmer besichtigt. Letzterer wird für eine regionale Bio-Mühle angebaut, die daraus vorrangig Haushaltmehle herstellt, die in der Region vertrieben werden. Als Alternative für den im Betrieb angebauten Sommerlein kam der Hinweis aus der Beratung den Winteröllein auszuprobieren. Der Vorteil von Winterlein ist eine gute Beikrautunterdrückung, wenig Befall mit Erdflöhen, tiefe Durchwurzelung im Frühjahr und damit sichere Wasserversorgung während der Blüte. Mehrjährig gute Erfahrungen mit Winterlein hat Eckhard Voigt, der einen Gäa Ackerbaubetrieb bei Leisnig bewirtschaftet. Als Ergebnis des mehrjährigen Projektes "Linovit" zum Ölleinanbau im Rahmen des Bundesprogramm ökologischer Landbau wurde ein Merkblatt zum Winterölleinanbau erstellt.
Praxisnahe Tipps zum Sonnenblumenanbau
Zu einem Projekt der Beikrautregulierung, welches eine Mitarbeiterin der HTW Dresden als EIP-Projekt durchführte, konnte Prof. Schmidtke anhand des Sonnenblumenbestandes im Betrieb Ergebnisse weitergegeben. Demnach können Samenunkräuter in der Reihe durch ein frühes Zuhäufeln im Keimblattstadium mit Überdeckung der Keimblätter effizient reguliert werden. Allerdings müssen dann für die folgenden drei bis vier Tage trockene Bedingungen herrschen, so dass die Sonnenblumen den Boden wieder durchstoßen können. Das Anhäufeln der Sonnenblumenpflanzen ab dem Vier-Blatt-Stadium (gemeint sind echte Laubblätter nicht Keimblätter), ist dann ohne Ertragsverluste möglich. Die Sonnenblume ist eine sehr wertvolle Sommerung und kann, dort wo sie klimatisch anbauwürdig ist, die Fruchtfolge als Hackkultur bereichern und auflockern. Ihre Pfahlwurzel reicht mit Beginn der Blüte, sofern es die Bodenverhältnisse zulassen, bis einen Meter in die Tiefe.