Feldrundfahrt: Ökologischer Ackerbau in Ostsachsen

Feldrundfahrt: Ökologischer Ackerbau in Ostsachsen

Über 20 Landwirtinnen und Landwirte sowie Beraterinnen und Berater trafen sich Ende Juni zu einer Feldrundfahrt rund um den ökologischen Ackerbau in Ostsachsen. Bei dem beliebten Format des praxisnahen Wissenstransfers konnten sich Beteiligte aus Praxis, Beratung und Forschung intensiv austauschen.

Begleitet wurde die Rundfahrt von Prof. Knut Schmidtke (Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden), der den Teilnehmenden zu jeder der besichtigten Kulturen wichtige fachliche Hinweise weitergegeben hat. Den Dialog mit der Praxis schätzt Prof. Schmidtke sehr, da er wichtige Anregungen für Forschungsprojekte, die Studierenden auf Praxisbetrieben durchführen werden, mitnehmen kann.

Die erste Station der Rundfahrt war der Gemischtbetrieb von Ronny Rebisch. Der Betriebsleiter hat viele Ansätze der "regenerativen Landwirtschaft" in seinen Ackerbaubetrieb integriert. Er arbeitet seit mehreren Jahren pfluglos und setzt effektive Mikroorganismen auf dem Ackerland ein. Für den Umbruch von Luzerne-Kleegras Gemenge nutzt er einen Schneidgrubber, mit dem er sehr gute Erfahrungen gemacht hat. Die Arbeitswerkzeuge des Grubbers sind horizontal geführte, rotierende Scheiben, die sehr präzise, flach und flächig schneiden.

Junges Agroforstsystem mit Zukunftspotenzial

Ronny Rebisch zeigte den Teilnehmenden außerdem einen neu angelegten Agroforststreifen mit Pappeln. Zwischen den Pappeln werden später in größeren Abständen noch Obstbäume gepflanzt. Finanziell unterstützt wird die Pflanzung von der Firma CarboCert, mit der der Betrieb schon länger beim Humusaufbau zusammenarbeitet. Die Ziele von Agroforststreifen sind sehr vielfältig. Dazu gehört vor Allem der Verdunstungsschutz durch Beschattung und Reduzierung von Winden, die Erhöhung der Biodiversität und die Nutzung der aufwachsenden Gehölze bzw. die Ernte von Obst und anderen Früchten.

Weitere Praxisinfos zu Agroforstsystemen

Winterlein als hilfreiche Alternative der Beikrautregulierung

Anschließend wurden Getreidebestände wie Schälhafer, Weizen und Emmer besichtigt. Letzterer wird für eine regionale Bio-Mühle angebaut, die daraus vorrangig Haushaltmehle herstellt, die in der Region vertrieben werden. Als Alternative für den im Betrieb angebauten Sommerlein kam der Hinweis aus der Beratung den Winteröllein auszuprobieren. Der Vorteil von Winterlein ist eine gute Beikrautunterdrückung, wenig Befall mit Erdflöhen, tiefe Durchwurzelung im Frühjahr und damit sichere Wasserversorgung während der Blüte. Mehrjährig gute Erfahrungen mit Winterlein hat Eckhard Voigt, der einen Gäa Ackerbaubetrieb bei Leisnig bewirtschaftet. Als Ergebnis des mehrjährigen Projektes "Linovit" zum Ölleinanbau im Rahmen des Bundesprogramm ökologischer Landbau wurde ein Merkblatt zum Winterölleinanbau erstellt.

Praxisnahe Tipps zum Sonnenblumenanbau

Zu einem Projekt der Beikrautregulierung, welches eine Mitarbeiterin der HTW Dresden als EIP-Projekt durchführte, konnte Prof. Schmidtke anhand des Sonnenblumenbestandes im Betrieb Ergebnisse weitergegeben. Demnach können Samenunkräuter in der Reihe durch ein frühes Zuhäufeln im Keimblattstadium mit Überdeckung der Keimblätter effizient reguliert werden. Allerdings müssen dann für die folgenden drei bis vier Tage trockene Bedingungen herrschen, so dass die Sonnenblumen den Boden wieder durchstoßen können. Das Anhäufeln der Sonnenblumenpflanzen ab dem Vier-Blatt-Stadium (gemeint sind echte Laubblätter nicht Keimblätter), ist dann ohne Ertragsverluste möglich. Die Sonnenblume ist eine sehr wertvolle Sommerung und kann, dort wo sie klimatisch anbauwürdig ist, die Fruchtfolge als Hackkultur bereichern und auflockern. Ihre Pfahlwurzel reicht mit Beginn der Blüte, sofern es die Bodenverhältnisse zulassen, bis einen Meter in die Tiefe.

Fußkrankheiten bei Leguminosen bekämpfen

Die nächste Station der Feldrundfahrt führte uns zum benachbarten Biohof von Marco Schmole in Nucknitz. Die Körnerleguminosen sind eine wichtige Grundlage für die Ernährung seines Schweinebestandes. Aus diesem Grund konnten mit Ackerbohnen, Erbsen und der Weißen Lupine drei verschiedene Leguminosenarten jeweils als Feldbestand besichtigt werden. Diskutiert wurde das Thema Leguminosenmüdigkeit, die oft nach mehrjährigem Anbau hervorgerufen durch einen Komplex von verschiedenen Fußkrankheiten zu beobachten ist. Die Erreger sind verschiedene Pilzarten, die mehrere Jahre im Boden überdauern können, und bestimmte Leguminosenarten (Rotklee, Lupinen, Erbse) befallen.

Betriebe mit Körnerleguminosenanbau (außer Soja) müssen den Anbau sehr sorgfältig planen, bei Erbse und Lupine Anbaupausen von mindestens sieben bis neun Jahren einhalten und möglichst auch auf diese Leguminosenarten in den Zwischenfrüchten verzichten, die als Wirtspflanzen zur Vermehrung dieser Pilzarten beitragen. Weitere Hinweise zur Begrenzung von Fußkrankheiten bei Erbse und Ackerbohne sind ebenfalls in einem Praxismerkblatt zusammengefasst.

Die Sojabohne ist bisher von Fußkrankheiten verschont geblieben und kann deshalb für Betriebe in günstigen Anbaulagen, bei genügend Wasservorräten im Boden zur Blüte und im Betrieb vorhandener Hacktechnik, eine Alternative im Anbau sein.

Wie sieht der Markt für Bio-Druschfrüchte aus?

Nach dem Mittagsimbiss bei Biohof Marco Schmole gab Steffen Mucha von der Erzeugergemeinschaft Ökobauernhöfe Sachsen GmbH, dem Mitinitiator der Feldrundfahrt, einen Ausblick auf die Marktsituation der ökologisch erzeugten Druschfrüchte. Er konnte berichten, dass sich Preise und Nachfrage bei ökologisch erzeugten Druschfrüchten im Vergleich zu den vergangenen Jahren deutlich erholt haben und z.B. Schälhafer und Backweizen mit guter Qualität besonders gefragt sind.

Getreideanbau auf leichtem und trockenem Standort

Anschließend fuhr die Gruppe zum Biohof Steffen Morche nach Ober-Praußke. Der Betrieb wirtschaftet auf einem sehr leichten und trockenen Standort. Besichtigt wurde hier ein Weizenbestand der Sorte "Roderik", einer ökologischen Züchtung, die unter genannten Bedingungen durch ihr hohes Nährstoffaneignungsvermögen durchaus Speisequalität erreichen kann. Die Empfehlung für den Anbau auf leichten Standorten ist, die Aussaatstärke bei Weizen, Gerste und Winterrogen stark zu reduzieren (um etwa 50 Prozent der üblichen Aussaatstärke), um vorhandene knappe Ressourcen im Boden besser in Ertrag und Qualität umzusetzen. Dies kann sehr gut und ohne großes Risiko probeweise auf einem Teilstück des Schlages ausprobiert werden. Nach Aussage von Prof. Schmidtke werden in dichten Beständen die wenigen Ressourcen zu einem großen Teil für die Pflanzenentwickung, inklusive der Bestockung verbraucht und fehlen dann bei der Kornbildung und in der Kornfüllungsphase. Dies führt häufig zu vergleichsweise geringen Erträgen und Qualitäten.

Besichtigt wurde auch ein Luzernebestand, der bereits vier Jahre im Betrieb zur Futterkonservierung und für die Beweidung genutzt wurde. Dazu wurde empfohlen die Nutzung von Luzernegrasbeständen auf maximal zwei Jahre zu begrenzen, da die Erträge nach zwei Jahren Nutzung deutlich nachlassen. Zweijähriger Futterleguminosenanbau lässt sich im Fokus auf Beikrautmanagement und Stickstoffversorgung der Folgekulturen sehr gut in die Fruchtfolge integrieren. Im Anschluss klang bei Kaffee und Kuchen der fachlich für alle Beteiligten sehr informative Tag aus.

Text: Ulf Müller, Gäa e.V.

Die Feldrundfahrt ist eine Veranstaltung aus der Reihe der Wissenstransferveranstaltungen. Diese sind eine Maßnahme des Bundesprogramms Ökologischer Landbau (BÖL), initiiert und finanziert durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH). Die Projektträgerschaft erfolgt über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Als Auftragnehmer organisieren Biokreis, Bioland, BÖLW, ECOVIN, FiBL, Forschungsring, Gäa und Naturland die Veranstaltungen. Der BÖLW koordiniert den Auftrag.

Letzte Aktualisierung 11.08.2025

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