Ein weiteres Großprojekt mit einer Laufzeit von sieben Jahren war das VITIFIT-Projekt zur Bekämpfung von Falschem Mehltau im Öko-Weinbau. Gab es hier größere Erkenntnisse, die für die Praxis relevant sind?
Dorothee Hahn: Absolut! Weil viele unterschiedliche wissenschaftliche Einrichtungen gleichzeitig an aktuellen Herausforderungen der Praxis gearbeitet haben, wurden hier große Fortschritte erzielt, vor allem bei der Züchtung und Etablierung pilzresistenter Sorten (PIWIs) im Öko-Weinbau. Das verbessert die Produktionssicherheit von ökologisch wirtschaftenden Weinbaubetrieben. Auch hier waren Praxisbetriebe beteiligt. Durch die ungewöhnlich hohe Zahl der eingebundenen Fachinstitutionen sowie der Beratung und Verbandsarbeit und der langen Laufzeit hatte das Projekt auch eine sehr große Strahlkraft. Das zeigten die vielen Veröffentlichungen der Ergebnisse und die sehr große Beteiligung an der VITIFIT-Konferenz 2025 mit über 200 Teilnehmenden, einschließlich dem früheren Bundeslandwirtschaftsminister.
Werden große, transdisziplinäre Praxis-Forschungsnetzwerke deshalb zukünftig stärker gefördert?
Dorothee Hahn: Nein. Solche großen Projekte erfordern natürlich auch einen entsprechenden Mittelaufwand. Das BÖL wird weiterhin auf einen gesunden Mix achten, um den Forschungsbedarf in der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaftauch in der Breite abzudecken. Das heißt, es wird auch in Zukunft viele kleinere Forschungs- und Entwicklungsprojekte mit maximal drei Jahren Laufzeit geben und auch längere Projekte über fünf Jahre, etwa im Bereich der Züchtung. Große Praxis-Forschungsnetzwerke wie NutriNet werden die Ausnahme bleiben und sich auf Themen beschränken, die längere Laufzeiten und eine starke Beteiligung der Praxis zwingend benötigen. Aber es wird sie weiterhin geben. Schon im Herbst 2025 werden wir neue Praxis-Forschungsnetzwerke fördern. Zudem planen wir weitere Bekanntmachungen. Worum es dabei inhaltlich geht, kann ich vor der endgültigen Bewilligung und Freigabe leider noch nicht sagen.
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