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25 Jahre BÖL – 25 Jahre Forschung für den Ökolandbau

Seit seiner Gründung im Jahr 2001 hat das Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) rund 1.500 Forschungsprojekte und Innovationsvorhaben umgesetzt. Grund genug, auf einige ausgewählte Projekte und ihre Bedeutung für die Praxis zurückzuschauen.
Vor 25 Jahren wurde das Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) gegründet mit dem Ziel, die ökologische Land- und Ernährungswirtschaft zu stärken und weiterzuentwickeln. Neben der Information Interessierter und allen Beteiligten der Bio-Branche über den Ökolandbau und seine Produkte bildete dabei vor allem die Förderung von Forschungsprojekten den Schwerpunkt der Arbeit des BÖL.
Praxisnahe Forschung entlang der Wertschöpfungskette
So praxisnah wie möglich und immer am konkreten Bedarf der Branche orientiert – Diesen Anspruch hat das Bundesprogramm bis heute bei allen geförderten Projekten. Genauso wichtig war es von Anfang an, Forschungsbedarf auf allen Ebenen der Wertschöpfungskette auszumachen, also von der Erzeugung über die Verarbei-tung bis zur Vermarktung von Bio-Lebensmitteln.
Diesen Ansatz zeigen die nachfolgenden Projekte aus den letzten 25 Jahren exemplarisch. Die Auswahl erhebt weder Anspruch auf Vollständigkeit, noch ist sie als Bewertung zu verstehen. Sie zeigt aber, was gezielte, praxisnahe Forschungsarbeit leisten kann. Nämlich handfeste Ergebnisse liefern, die Praktikerinnen und Praktiker in der Öko-Branche bei ihrer täglichen Arbeit voranbringen.
Ausgewählte BÖL-Forschungsprojekte der letzten 25 Jahre
Laufzeit
2009 bis 2021
Inhalt
Das Netzwerk der Pilotbetriebe zur Klimawirkung, Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz von ökologischen und konventionellen Betrieben war eines der größten und längsten Projekte des BÖL. In zwei Projektphasen wurden von 2009 bis 2021 bundesweit auf je 40 Betrieben beider Produktionsformen Daten erhoben und berechnet, wie klimawirksam und nachhaltig die Betriebssysteme sind, wie effizient Nährstoffe und Energie eingesetzt werden und wie sich Betriebssysteme optimieren lassen.
Ergebnisse
Im Projekt wurde deutlich, dass Öko-Betriebe deutlich weniger Energie pro Hektar einsetzen und entsprechend geringere CO2-Emissionen haben. Allerdings erreichen sie im Schnitt nur 60 Prozent der konventionellen Erträge und liegen auch bei den durchschnittlichen Milchleistungen deutlich unter dem konventionellen Niveau. Deshalb ist die produktbezogene Energieeffizienz in beiden Bewirtschaftungsformen ähnlich. Eindeutig günstiger fällt dagegen die Treibhausgasbilanz der Öko-Betriebe aus und auch die Stickstoffverluste sind geringer.
Nutzen für die Praxis
Bis heute gibt es kein vergleichbares Projekt in dieser Breite. Die umfangreichen Daten zeigen, dass es bezüglich wichtiger Nachhaltigkeitskriterien in beiden Produktionsformen sehr große Unterschiede zwischen den Betrieben gibt. Das heißt, das Management hat großen Einfluss auf die Nachhaltigkeit der Erzeugung. In beiden Systemen gibt es für Betriebe viele Möglichkeiten, die Erzeugung nachhaltiger und energieeffizienter zu gestalten. Zudem gilt für beide Wirtschaftsformen: Gemischtbetriebe mit Tierhaltung haben eine bessere N-Effizienz als reine Ackerbaubetriebe.
Laufzeit
2020 bis 2023
Inhalt
Im Gegensatz zu echten Sorten mit genetisch identischen Pflanzen haben die Pflanze einer sogenannten Population ein unterschiedliches Erbgut. Deshalb kann sich Populations-Weizen an die Bedingungen eines Standorts anpassen, wenn er hier über mehrere Jahre nachgebaut wird. Durch die breite, genetische Basis sind die Bestände weniger homogen, aber widerstandsfähiger und ertragsstabiler bei Wetterextremen und anderen schwierigen Anbaubedingungen. Das konnte in mehreren BÖL-finanzierten Projekten nachgewiesen werden. Im dreijährigen BÖL-Projekt BAKWERT überprüften Forschende, ob das Mehl von Populationen auch für die Verarbeitung geeignet ist. Dafür wurden zehn Bio-Betriebe, drei Mühlen und 14 Bäckereien eingebunden, die als regionale Wertschöpfungsketten zusammenarbeiteten.
Ergebnisse
Mit wenigen Anpassungen ließen sich die Teige aus dem Mehl der Populationen genauso gut verarbeiten wie Teige aus sortenreinem Mehl. In einem Geschmackstest beurteilten Kundinnen und Kunden die Backwaren aus Populationsweizenmehl durchweg positiv. Auch die beteiligten Mühlen und Bäckereien waren zufrieden mit der Qualität.
Nutzen für die Praxis
Populationsweizen kann ertraglich und qualitativ mit den üblichen Weizensorten mithalten und ist damit besonders interessant für Bio- und auch konventionelle Betriebe, die Brotweizen an schwierigen Standorten anbauen. Fünf der 14 beteiligten Bäckereien möchten über das Projekt hinaus Mehl aus Populationsweizen beziehen. Auch die drei eingebundenen Mühlen sind offen dafür, zukünftig verstärkt Populationsweizen zu verarbeiten.
Laufzeit
2010 – 2012
Inhalt
Die Preisgestaltung war für den Ökolandbau schon immer ein zentrales Thema. Im Jahr 2010 startete deshalb ein zweijähriges BÖL-Projekt, in dem Forschende der Universität Gießen untersuchten, welche Gruppen regelmäßig Bio-Lebensmittel kaufen und wie sich Preisveränderungen auf die Nachfrage auswirken.
Ergebnisse
Die typische Kundschaft von Bio-Lebensmitteln hatte zur Zeit der Untersuchung ein überdurchschnittliches Einkommen und Bildungsniveau. In Städten war die Wahr-scheinlichkeit für den Kauf von Bio-Lebensmitteln höher als auf dem Land. Auch Haushalte mit Kleinkindern griffen häufiger zu Bio-Ware. Vielkäuferinnen und -käufer von Bio-Lebensmitteln reagierten nur schwach auf Preisanreize, während Selten- und Gelegenheitskäuferinnen und -käufer deutlich preissensibler waren.
Bei etablierter Bio-Produktgruppen wie Milch, Eier und Gemüse reagierten Kundinnen und Kunden ähnlich oder weniger sensibel auf höhere Preise als bei konventioneller Ware. Allerdings gilt das nur für Bio-Vielkäuferinnen und -käufer. Bei da-mals weniger etablierten Produktgruppen wie Bio-Fleisch und Tiefkühlware beeinflussten Preisänderungen dagegen allen Kaufschichten stärker.
Nutzen für die Praxis
Das Fazit der Forschenden war damals, dass Käuferinnen und Käufer bei Bio-Lebensmitteln insgesamt "normal" auf Preisänderungen reagieren. Preisnachlässe und Sonderaktionen sind nach ihrer Einschätzung nur sinnvoll bei weniger etablierten Bio-Produkten und zur Ansprache von Gelegenheitskäufern. Bei Bio-Vielkäuferinnen und -käufern sind dagegen moderate Preiserhöhungen ohne Absatzeinbußen möglich.
Laufzeit
2011 bis 2018
Inhalt
Bereits ab dem Jahr 2011 setzte das BÖL auf Forschungsprojekte, die offene Fragen zum praktischen Sojaanbau in Deutschland beantworten sollten. Denn klimatische Veränderungen machten den Anbau der wärmeliebenden Kultur auch in Deutschland grundsätzlich möglich. Zudem ist das qualitativ besonders hochwertige Protein der Sojabohne sehr interessant für die ökologische Tierernährung und auch für die Lebensmittelindustrie.
Ergebnisse
In zahlreichen Einzelprojekten wurden viele praxisnahe Empfehlungen erarbeitet zum Anbau (Sortenwahl, Saatzeitpunkt, Saatdichte), zur optimalen Aufbereitung und zur Verwertung von Soja als Futtermittel und im Lebensmittelbereich. Zudem schufen die Forschenden wichtige Grundlagen für die Züchtung kühletoleranter Sojasorten und lieferten verlässliche Zahlen zur Wirtschaftlichkeit des Anbaus.
Nutzen für die Praxis
In Kombination mit vielen Veranstaltungen zum Wissenstransfer für Bio- und konventionelle Betriebe unterstützten die Projektergebnisse die Ausweitung des Anbaus. So stieg die Anbaufläche für Soja in Deutschland von 7.500 Hektar im Jahr 2013 auf 43.300 Hektar im Jahr 2025. Davon machen Bio-Flächen etwa ein Drittel aus.
Laufzeit
2012 bis 2015
Inhalt
Schlachtreife Rinder auf der Weide mit einem Gewehr zu töten, klingt nach Wildem Westen. Aber Fachleute sind sich einig, dass der sogenannte Kugelschuss auf der Weide die tierfreundlichste Art der Schlachtung ist und optimale Fleischqualitäten garantiert. Allerdings ist das Verfahren aufwendig und stellt hohe Ansprüche an die Beteiligten, vom korrekt angesetzten Schuss bis zur schnellen Weiterverarbeitung des Tieres. Deshalb förderte das BÖL schon im Jahr 2012 ein dreijähriges Projekt an der Universität Kassel-Witzenhausen, um bessere Voraussetzungen für eine breitere Anwendung des Verfahrens in der Praxis zu schaffen.
Nutzen für die Praxis
Der Kugelschuss auf der Weide beziehungsweise der Bolzenschuss auf dem Betrieb ist heute eine anerkannte Methode als Teil der mobilen Schlachtung. Seit 2021 ist diese Methode auch EU-weit geregelt. Eine Online-Befragung von knapp 258 Betrieben in Deutschland ergab, dass hier im Jahr 2023 etwa 8.000 Rinder per Kugel- oder Bolzenschuss getötet wurden. Zudem bieten diverse Einrichtungen inzwischen Sachkundelehrgänge für den vorschriftsmäßigen Weideschuss auf Nutztiere an.
Weitere Infos zu den Ergebnissen der Online-Befragung (PDF-Dokument)
Laufzeit
2007 bis 2011
Inhalt
In der ökologischen Milchviehhaltung werden Kühe besonders artgerecht gefüttert und gehalten. Ob dieser Ansatz auch zu einer besseren Tiergesundheit beiträgt, wurde in der bis dahin umfassendsten Studie zum Thema vom Thünen-Institut in Trenthorst untersucht. Dafür nahmen die Forschenden Daten auf 106 Bio-Milchviehbetrieben bundesweit auf. Anschließend gaben sie den Betrieben Empfehlungen zur Optimierung ihrer Haltung und prüften die Wirksamkeit der betrieblichen Anpassungen.
Ergebnisse
Im Schnitt lag die Zahl klassischer Erkrankungen wie Mastitis oder Stoffwechselstörungen auf den untersuchten Bio-Betrieben auf einem ähnlichen Niveau wie im konventionellen Bereich. Zwischen den einzelnen Betrieben gab es jedoch erhebliche Unterschiede. Durch gezielte Maßnahmen wie ein verbessertes Hygienemanagement im Stall und beim Melken sowie eine optimierte Fütterung konnten die Betriebe den Gesundheitsstatus ihrer Herden deutlich verbessern.
Nutzen für die Praxis
Die BÖL-Studie zeigte eindrücklich, dass artgerechtere, ökologische Haltungssysteme in der praktischen Milchviehhaltung nicht automatisch zu einer besseren Tiergesundheit führen. Auch im Ökolandbau trägt die Qualität des betrieblichen Managements entscheidend zur Gesundheit der Tiere bei.
Weitere Infos (PDF-Dokument)
Laufzeit
2019 bis 2025
Inhalt
Mit dem VITIFIT-Projekt förderte das BÖL das bisher größte Praxisforschungsnetzwerk im Öko-Weinbau. Zum ersten Mal arbeiteten dabei alle führenden Einrichtungen der deutschen Weinbauforschung gemeinsam mit Öko-Anbauverbänden sowie Praxispartnern aus der Wirtschaft und dem Öko-Weinbau in einem Verbundprojekt zusammen. Das Ziel: Maßnahmen für den praktischen Weinbau entwickeln für gesündere Reben und weniger Kupfereinsatz im Weinberg.
Ergebnisse
Vor allem die Versuche zur Nutzung und Verbraucherakzeptanz pilzwiderstandsfähiger Sorten, sogenannter PIWIs, erwiesen sich als wichtiger Beitrag für einen verringerten Aufwand im Pflanzenschutz. Bei der Bekämpfung des Falschen Mehltaus ließen sich mit PIWIs 50 bis 80 Prozent der üblichen Wirkstoffmengen einsparen und bis zu 65 Prozent des Arbeitsaufwandes. Auch neue Formulierungen wie Kupferkapseln (CuCaps) zeigten in den Versuchen eine gute Wirkung und haben Potenzial, den Kupfereinsatz zu reduzieren.
Nutzen für die Praxis
Durch zahlreiche Verkostungen von PIWI-Weinen und Diskussionen mit Multiplikatoren aus der Gastronomie und unterschiedlichen Verbrauchergruppen konnte die Akzeptanz für die neuen Sorten deutlich erhöht werden. Alle Beteiligten zeigten sich sehr offen für PIWI-Weine. Aus Sicht der Bio-Winzerinnen und -Winzer sind die Vorteile der PIWIs im Anbau eindeutig. Jetzt kommt es nach Einschätzung beteiligter Fachleute darauf an, gute Qualitäten und Verkaufsstrukturen für PIWI-Weine aufzubauen. In der Abschlussveranstaltung des Projekts lobte der damalige Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir das Projekt und hob auch das große internationale Interesse am Projekt hervor.
Laufzeit
2011 bis 2014
Inhalt
Dass Möhren nicht immer orange sein müssen, haben vor allem regelmäßige Bio-Kundinnen und -Kunden schon früh gewusst. Um die wachsende Nachfrage nach farbigen Bio-Möhren mit heimischer Bio-Ware auch ohne Hybridsorten decken zu können, förderte das BÖL 2011 ein Projekt am Julius-Kühn-Institut Quedlinburg.
Ergebnisse
Die Forschenden sichteten das verfügbare Sortiment an farbigen Möhren-Genotypen und prüften sie auf ihr Potenzial für eine weitere Züchtung. Neben ge-schmacklichen und sensorischen Eigenschaften standen dabei auch pflanzenbauliche Aspekte wie die Widerstandsfähigkeit gegen verbreitete Krankheiten und die Lagerfähigkeit im Vordergrund.
Nutzen für die Praxis
Die erarbeiteten Daten zum vorhandenen Zuchtmaterial erwiesen sich als wertvolle Grundlage für die weitere Züchtungsarbeit. Auch wenn bunte Möhren nach wie vor eine Nische sind, gehören sie heute zum Standard-Angebot auf Bio-Märkten und im Bio-Handel.
Laufzeit
2018 bis 2021
Inhalt
Die angestrebte 100-Prozent-Fütterung im Öko-Bereich ist speziell bei Jungtieren in der Mast herausfordernd. Denn in den möglichen Rationen mangelt es oft an essenziellen Aminosäuren wie Methionin, Cystein oder Lysin. Der Grund: Nur wenige heimische Kulturen liefern Eiweiß mit ausreichenden Mengen dieser Aminosäuren. Eine Ausnahme bildet die Rispenhirse. Das BÖL förderte deshalb ein Projekt, in dem der Anbau verfügbarer Sorten und Linien der Kultur an drei Standorten getestet wurde. Auch Fütterungsversuche mit Legehennen waren Teil der Studie.
Ergebnisse
Die untersuchten Sorten und Linien lieferten auf gut erwärmbaren Standorten zum Teil überdurchschnittliche Erträge. Die Kultur erwies sich zudem als sehr tolerant gegenüber Trockenheit. Die Gehalte an den gewünschten essenziellen Aminosäuren wie Methionin und Lysin lagen meist über den Erwartungen. Das günstige Verhältnis von Methionin zu Rohprotein ermöglicht es, bei der Rationsgestaltung weniger Rohprotein einzusetzen, was Leber und Nieren der Tiere entlastet. In den Fütterungsversuchen stieg die Legeleistung der Hennen um vier Prozent gegenüber der Kontrollgruppe.
Nutzen für die Praxis
Bereits während der Versuche zeigten viele ökologische Geflügel- und auch Schweinemastbetriebe großes Interesse am Einsatz von Rispenhirse. Einige Bio-Betriebe setzen die Kultur bereits regelmäßig in ihren Futterrationen ein. "Mit Rispenhirse lässt sich der Anteil einheimischer Komponenten in der Ration erhöhen", meint Projektleiter Werner Vogt-Kaute. Aufgrund der großen Nachfrage startete die Saatgutvermehrung für besonders interessante Sorten bereits kurz nach Abschluss des Projekts.
Bewegte Einblicke: Filme aus BÖL-Forschungsprojekten
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Text: Jürgen Beckhoff
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Letzte Aktualisierung 04.03.2026








