Anbau von Erbsen und Ackerbohnen: Es geht voran!

Anbau von Erbsen und Ackerbohnen: Es geht voran!

2016 startete das Demonstrationsnetzwerk Erbse/Bohne innerhalb der Eiweißpflanzenstrategie des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Gemeinsam mit Landwirtinnen und Landwirten sowie Fachleuten aus Wissenschaft, Beratung, Verarbeitung und Handel sollte der Anbau und die Verarbeitung der Leguminosen ausgeweitet und verbessert werden. Zentrale Ergebnisse stellten die Beteiligten nun auf einer Online-Abschlussveranstaltung vor.

Etwa 150 Teilnehmende diskutierten, wie sich der Anbau und die Märkte in den letzten sechs Jahren entwickelt haben. Tenor der Veranstaltung: Es wurde bereits viel erreicht. Aber um den Anbau heimischer Körnerleguminosen voranzubringen, muss weiter in das Anbau-Know-how und in Wertschöpfungsketten rund um Erbse und Ackerbohne investiert werden.

Petra Zerhusen-Blecher von der Fachhochschule Südwestfalen in Soest erinnerte in ihrem Vortrag an die ungünstige Ausgangslage im konventionellen Erbsen- und Bohnen-Anbau zum Start des Netzwerks im Jahr 2016. Leguminosen hätten in diesem Jahr den Anbautiefpunkt gehabt, eine interne Verwertung von Körnerleguminosen als Futtermittel habe es nur vereinzelt gegeben. Eine externe Vermarktung war mangels Nachfrage kaum möglich.

Angebot und Nachfrage haben zugenommen

Hier habe sich in den letzten Jahren vieles verbessert, auch wenn sich die großen "Player" am Markt noch zurückhielten. So lohne sich inzwischen der Einsatz heimischer Körnerleguminosen als Proteinkomponente in der Fütterung und auch in der menschlichen Ernährung. Zudem funktioniere die Vermarktung gut, vor allem auf regionaler Ebene. "Aber auch in überregionalen Wertschöpfungsketten haben Angebot und Nachfrage deutlich zugenommen", sagte Zerhusen-Blecher.

Das führte sie unter anderem auf die wachsende Nachfrage nach veganen Produkten zurück, für deren Herstellung Körnerleguminosen benötigt werden. Die Preise hätten sich deshalb kontinuierlich nach oben entwickelt. Wurde eine Dezitonne Ackerbohnen 2016 noch mit etwa 15 Euro gehandelt, zahlten die Abnehmer im Jahr 2021 bereits um die 25 Euro. Bei Erbsen habe man vor allem im laufenden Jahr einen deutlichen Anstieg verzeichnet.

Im Bio-Bereich sei die Ausgangssituation zum Start des Netzwerks dagegen eine andere gewesen, betonte Werner Vogt-Kaute, Berater des Naturland-Verbandes. "Körnerleguminosen waren hier als Futtermittel fest etabliert mit Rationsanteilen von 30 Prozent", sagte der Experte. Die Selbstversorgung sei in den letzten Jahren leicht gestiegen auf 50 bis 60 Prozent. Die Preise für Erbsen und Bohnen lägen mit 40 bis 44 Euro pro Dezitonne auf konstant hohem Niveau. Insbesondere regionale Bio-Ackerbohnen seien stärker gefragt gewesen.

Weiterer Schub durch 100-Prozent-Bio-Fütterung

Spannend werde die Entwicklung im nächsten Jahr, wenn ab dem 1. Januar 2022 eine 100-Prozent Öko-Fütterung gilt. "Statt des bisher häufig als Ergänzung eingesetzten konventionellen Kartoffelklebereiweißes könnte es neue konzentrierte Eiweißprodukte geben auf Basis von Bakterien oder aus Bohnenprotein", sagte Vogt-Kaute.

Grundsätzlich profitiere auch der Öko-Landbau von einer deutlich besseren Logistik für das Schälen und Aufbereiten von Bio-Körnerleguminosen. Das beschleunige die Entwicklung neuer Produkte für den Lebensmittelbereich und erhöhe die Chancen, für die Nutzung einheimischer Körnerleguminosen. Bisher werde die wachsende Nachfrage nach Bio-Ware überwiegend mit Importen gedeckt, insbesondere aus China.

Wie ein wirtschaftlicher Anbau und die Verwertung von Körnerleguminosen aussehen kann, stellten vier Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter vor, die als Demonstrationsbetriebe in das Netzwerk eingebunden waren. "Die Ackerbohne ist eine tolle Kultur", sagte Paul Prassler vom Gut Westerwald bei Montabaur. Dort werden etwa 30 Hektar Ackerbohnen konventionell anbaut.

Neue Sorten mit mehr Ertragspotenzial

Prassler schätzt neben der Auflockerung der Fruchtfolge und der Eignung zur Direktsaat vor allem den hohen Vorfruchtwert der Bohne. Je nach Flächengüte und Witterung komme er auf Erträge zwischen 15 und 60 Dezitonnen pro Hektar. "Die neuen Sorten ermöglichen aber nochmal einen Sprung nach oben beim Ertrag", sagte Prassler. Die Vermarktung sei anfangs schwierig gewesen, mittlerweile laufe es aber gut. Die Nachfrage vom lokalen Landhandel übersteige derzeit das Angebot.

Astrid Hansen baut die Ackerbohne auf ihrem 275 Hektar-Bio-Betrieb im ostholsteinischen Bentheim vor allem zur Vermehrung als Saatgut an. "Hier haben wir im Öko-Landbau eine kontinuierliche Nachfrage", sagte Hansen. Für die schweren, tiefgründigen Böden und das maritime Klima der Region sei die Bohne bestens geeignet.

Um den Qualitätsanforderungen für Saatgut zu genügen, müsse eine Keimfähigkeit von mindestens 80 Prozent erreicht werden. Außerdem sei ein vorsichtiger Drusch bei relativ hoher Feuchte zwischen 15 und 18 Prozent notwendig, damit die Körner nicht brechen. Als Nachteil des Bohnenanbaus sieht Hansen die relativ hohen Ertragsschwankungen. Je nach Schädlingsbefall und Niederschlagsmenge ernte man auf dem sehr guten Standort zwischen 25 und 40 Dezitonnen pro Hektar.

Wilke Claus nutzt die Ackerbohne auf seinem Betrieb in Verden bei Bremen als Proteinkomponente für seine Mastschweine. Er baut die Bohne immer nach einer Zwischenfrucht ohne Kreuzblütler an, weil diese zum Teil erst im Frühjahr aufgehen und die Saatbettbereitung beeinträchtigen. Wie die anderen Betriebe habe auch er mit Schädlingsbefall zu kämpfen, etwa durch den Blattrandkäfer oder die Bohnenlaus. "Meine Erfahrung ist aber, dass sich zum Beispiel der Blattfraß durch den Blattrandkäfer bei guter Pflanzenentwicklung auswächst. Einen stärkeren Schädlingsbefall sehe ich vor allem in Stressjahren mit Hitzestress und Trockenheit", sagte Claus.

In diesem Jahr habe er bei ausreichenden Niederschlägen knapp 70 Dezitonnen pro Hektar geerntet. Im trockenen Jahr 2018 mit starkem Schädlingsbefall waren es dagegen nur 20 Dezitonnen pro Hektar. Die Lagerung im Blechsilo mit Lüftung und das Mahlen mit einem Vier-Millimeter-Lochsieb sei völlig problemlos. "Das Mehl ist perfekt und sehr gut rieselfähig", berichtete Claus.

Nachhaltigkeit der Ackerbohne wird nicht honoriert

Beim Rohproteingehalt kommt er im Schnitt auf 26 Prozent. Je nach Mastphase füttert er die Bohne mit Anteilen zwischen zwei und zwölf Prozent zu. Dabei sieht er weder Vor- noch Nachteile im Vergleich zur Fütterung mit Soja. Aber er bedauert, dass die besondere Nachhaltigkeit heimischer Leguminosen in der Fütterung nicht beim Verkauf der Schweine honoriert wird.

Bei der Bauernland GmbH in Grimma bei Leipzig setzt Geschäftsführer Wolfgang Vogel seit 2013 auf den Anbau von Erbsen. "Für die Ackerbohne ist unser Standort zu trocken", sagte Vogel. Er habe sich von Anfang an intensiv um die Vermarktung gekümmert und deshalb im Jahr 2016 eine Erzeugergemeinschaft gegründet. Dazu gehören heute 75 Betriebe der Region, die auf etwa 400 Hektar Erbsen im Vertrag anbauen.

"Ich bin fest davon überzeugt, dass Erzeugerinnen und Erzeuger und Abnehmerinnen und Abnehmer von einer langfristigen Partnerschaft im Vertragsanbau profitieren", sagte Vogel. Bei durchschnittlichen Erträgen von 43 Dezitonnen pro Hektar und Preisen von über 20 Euro/Dezitonne komme man auf Deckungsbeiträge von 1.200 Euro/Hektar. Damit seien alle Betriebe zufrieden. Die Erzeugergemeinschaft würde gerne weitere Betriebe für den Anbau gewinnen. Aber viele Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter tun sich laut Vogel schwer mit dem Einstieg.

Im abschließenden Schwerpunkt zu den Herausforderungen in der Vermarktung wurden als wichtigste Hemmnisse für eine Anbauausdehnung fehlende Strukturen in der Verarbeitung, niedrige Preise im konventionellen Bereich und eine fehlende Preistransparenz genannt.

Regionale Vermarktung dominiert

Maximilian von Weichs, Gründer der digitalen Handelsplattform Cropspot begründete dies damit, dass es beim Handel mit Körnerleguminosen noch keine klassischen Strukturen wie etwa beim Weizen gebe. Zudem gebe es noch viele kleine Marktteilnehmende, die vor allem regionale Märkte bedienten.

Diana Lehmitz von der Bauernland GmbH plädiert deshalb bei externer Vermarktung für den Aufbau von Erzeugergemeinschaften. Das sei allerdings schwierig. Lehmitz: "Sie brauchen Gewissheit, dass die Anforderungen an die vereinbarten Mengen und Qualitäten eingehalten werden. Da müssen alle beteiligten Erzeugerinnen und Erzeuger dahinterstehen." Eine weitere Herausforderung sei zudem die Notwendigkeit einer Zwischenlagerung der Erbsen, die größere Verarbeitungsunternehmen einfordern. Viele Betriebe könnten das nicht leisten.

Bei der regionalen Vermarktung komme es dagegen vor allem darauf an, die Vorteile heimischer Leguminosen in Bezug auf die Nachhaltigkeit aktiv zu kommunizieren, sagte Karl-Adolf Kremer, Ackerbauer und Gründer des Vereins Rheinische Ackerbohne e.V. und Netzwerklandwirt im DemoNetErBo.

"Für uns ist die Regionalität deshalb ein Vorteil, weil wir nah an der Kundschaft sind und wir sie direkt mit unserer Öffentlichkeitsarbeit erreichen", sagte Kremer. So arbeite der Verein heute zum Beispiel mit fünf Bäckereiketten zusammen, die ein Brot aus Ackerbohnen und Dinkel anbieten. Kremer: "Bei Kooperationen wie diesen ist eine Aufklärung über die Vorzüge heimischer Eiweißträger das A und O, um einen Fuß in die Tür zu bekommen."

Lesetipp:

Broschüre: Erbsen und Ackerbohnen anbauen und verwerten

Die Broschüre gibt praktische Hinweise und Tipps für den Anbau und die Verwertung von Ackerbohnen und Erbsen. Wichtige Krankheiten und Schädlinge werden beschrieben und anhand von Bildmaterial vorgestellt. Die Wirtschaftlichkeit innerhalb der Fruchtfolge wird erläutert.

  • Erscheinungsjahr: 2021
  • Herausgeber: BLE
  • Autorinnen und Autoren: Werner Vogt-Kaute, Irene Jacob, Janina Herrmann, Julia Herrle, Lena Heilmeier, Katrin Stevens, Petra Zerhusen-Blecher, Ralf Mack, Carina Bichler, Martin Kötter-Jürß, Ulrich Quendt, Kerstin Spory, Hella Hansen, Heike Gröber, Annkathrin Gronle
  • Bestellung / Download: BLE-Medienservice

Letzte Aktualisierung 04.11.2021

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