Sarah Wiener Stiftung: Praxisnahe Bildungsarbeit für nachhaltige Essgewohnheiten

Sarah Wiener Stiftung: Praxisnahe Bildungsarbeit für nachhaltige Essgewohnheiten

Die Sarah Wiener Stiftung fördert praxisorientierte Ernährungsbildung, damit Kinder nachhaltige und gesunde Ernährung kennenlernen. Mit kostenlosen Programmen für Kitas, Schulen Familienzentren und Familien lernen sie kochen, Lebensmittel wertzuschätzen und umweltbewusst zu essen. Im Interview erklärt Geschäftsführerin Christina Mersch, wie die Stiftung Ernährung, Klimaschutz und Gesundheit verbindet und welche politische Unterstützung sie sich wünscht.

Christina Mersch ist Geschäftsführerin der Sarah Wiener Stiftung und für die Leitung des über 40-köpfigen Teams verantwortlich. Zuvor war die Erziehungswissenschaftlerin unter anderem Vorständin der Stiftung Kinder forschen, die sie maßgeblich mitaufgebaut hat. Zudem leitete sie den Bereich Ausbildung bei der Deutschen Industrie- und Handelskammer.

Oekolandbau.de: Die Sarah Wiener Stiftung bietet eine Vielzahl von Bildungsangeboten, um Kinder frühzeitig für eine bewusste und nachhaltige Ernährung zu sensibilisieren. Können Sie diese kurz vorstellen?

Christina Mersch: Unser Ziel ist es, dass Kinder in Kitas, Schulen, Familienzentren, auf dem Bauernhof oder in der Küche zuhause erleben, woher unsere Lebensmittel kommen, mit Freude kochen und essen lernen – und gesund aufwachsen.

Dafür haben wir Bildungsprogramme entwickelt, die wir dank unserer Förderpartner deutschlandweit kostenfrei anbieten.

Mit unseren Angeboten Ich kann kochen!, Essen entdecken!, Genussbotschafter:innen für Familien und Ernährungslots:innen richten wir uns an pädagogische Fachkräfte und Eltern. Wir zeigen ihnen, wie sie eine vielfältige und nachhaltige Ernährung von Kindern fördern können. Dabei setzen wir auf das praktische Erleben und Tun: Die Kinder kochen selbst, probieren, entdecken, woher die Lebensmittel kommen und entwickeln so ein Bewusstsein für eine gute und nachhaltige Ernährung.

Oekolandbau.de: Inwiefern berücksichtigen Sie bei Ihrer Arbeit die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Klimawandel und Umweltschutz?

Christina Mersch: Mit einer nachhaltigen Ernährung fördern wir nicht nur unsere eigene Gesundheit, sondern schonen gleichzeitig das Klima, die Natur und unsere Ressourcen. Das erleben Kinder ganz praktisch mit unseren Bildungsprogrammen rund ums Essen und Kochen.

Sie erfahren, warum es sinnvoll ist, regional und saisonal zu essen, wie aus Bio-Lebensmitteln schmackhafte Gerichte werden und wie viel Freude es macht, gemeinsam zu kochen.

Bei unserem Programm "Essen entdecken!" erleben Kinder die Verbindung zwischen gesunder Ernährung und einer intakten Umwelt hautnah, indem sie entweder an Exkursionen zu ökologisch wirtschaftenden Betrieben teilnehmen oder selbstgewählte Erlebnisorte der Lebensmittel-Produktion und -Verarbeitung besuchen. Das kann ein Bio-Laden, die Obstwiese oder eine Molkerei sein. Sie sehen dort, woher die Lebensmittel kommen und wie sie verarbeitet werden. In der Kita führen sie altersgerechte Gespräche über Regionalität, Saisonalität, nachhaltige Tierhaltung und Lebensmittelproduktion sowie Lebensmittelwertschätzung. Mit allen Sinnen erfahren sie, dass unser Essverhalten direkte Auswirkungen auf das Klima und die Umwelt hat. Mehr Infos zum Programm gibt es auf unserer Webseite.

Oekolandbau.de: Berichten Kinder, Jugendliche, Eltern sowie Pädagoginnen und Pädagogen von konkreten Veränderungen im Essverhalten, im Alltag oder im Verständnis von nachhaltiger Ernährung, die durch Ihre Projekte entstanden sind? Welche Indikatoren verwenden Sie, um den Erfolg der Ernährungsbildungsmaßnahmen zu messen?

Christina Mersch: Wir erleben sehr häufig positive Veränderungen: Kinder, die plötzlich Lebensmittel probieren, die sie zuvor selbst zubereitet haben – oft sogar solche, die ihnen vorher gar nicht geschmeckt haben. Kinder, die zum ersten Mal erleben, wo und wie etwas wächst und den Wert von Lebensmitteln ganz anders schätzen. Eltern, die familientaugliche Rezepte aus unseren Angeboten zuhause zusammen mit ihren Kindern nachkochen oder Einrichtungen, die mit unserer Unterstützung Ernährungsangebote ganz niedrigschwellig fest in ihre Abläufe verankern.

Pädagogische Fachkräfte berichten uns, dass sie sich nach unseren Fortbildungen sicherer beim Kochen mit Kindern fühlen und mehr Ideen haben, wie sie das Thema im Alltag einbinden können. Auch bekommen wir Fotos von Kochaktionen zugeschickt – ein schöner Einblick, wie unsere Angebote vor Ort wirken.

Wir erfassen solche Erfolge sowohl qualitativ – durch regelmäßige Rückmeldungen, Interviews und Feedbackbögen – als auch quantitativ, etwa durch Teilnahmezahlen oder Umfragen. Retrospektiven helfen uns dabei, bestehende Angebote weiterzuentwickeln und neue zu konzipieren. Die Wirkung unserer Arbeit ist uns extrem wichtig. Und sie ist uns gleichzeitig ein Riesenansporn.

Oekolandbau.de: Welche Vision verfolgt die Sarah Wiener Stiftung für die Zukunft der Ernährung von Kindern im Hinblick auf ökologische Nachhaltigkeit, Klimaschutz und gesunde Ernährung? Und welche konkreten Unterstützungsmaßnahmen wünschen Sie sich von der Politik, um diese Vision realisieren zu können?

Christina Mersch: Unsere Vision ist, dass jedes Kind gut isst – unabhängig von Herkunft und Hintergrund. Jedes Kind sollte Zugang zu frischem und ausgewogenem Essen haben, Wissen über gesundes Essen erlangen und erleben, wie es selbst etwas zubereiten kann. Uns ist es wichtig, dass es ihnen und der Umwelt gut geht, auch in Zukunft. Das bedeutet: mehr Bildung, mehr praktische Erfahrung, und eine Essensversorgung, die Gesundheit und Umwelt gleichermaßen schützt. Um diese Vision zu erreichen, wünschen wir uns von der Politik, dass Ernährung – als zentraler Baustein für Gesundheit, Chancengerechtigkeit und Klimaschutz – in den Fokus rückt.

Ernährungsbildung sollte als fester Bestandteil des Bildungsauftrags verankert werden, damit alle Kinder das Wissen und die Fähigkeiten erwerben, die sie für ein gesundes und nachhaltiges Leben brauchen.

Oekolandbau.de: Wenn eine Kita, Schule oder ein Privathaushalt mit Kindern auf nachhaltige Ernährung umstellen möchte, wie können Sie dabei unterstützen? Welche Schritte sind dafür notwendig, und fallen dabei Kosten an?

Christina Mersch: Aus unserer Sicht braucht gesunde Ernährung vor allem Bildung. Man muss wissen, wie man zum Beispiel eine Kartoffel zubereitet, wie man Gemüse knackig gart oder mit welchen Kräutern Gerichte verfeinert werden können.

In Ernährungsbildung investieren heißt in Gesundheit und Chancengerechtigkeit investieren. Das ist eine politische und gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Im Vergleich zu hochverarbeiteten Fertiggerichten ist selbstgekochtes Essen oft auch preiswerter. Wenn man regional und saisonal einkauft, schont das auch den Geldbeutel. Aus frischen Zutaten lassen sich einfache und köstliche Gerichte zubereiten. Die Essensplanung spielt auch eine wichtige Rolle, um Lebensmittelverschwendung zu vermeiden.

Die Familienküche, unser kostenfreies Online-Angebot für Eltern, bietet dafür viele Tipps und Materialien: zum Beispiel fertige Essenspläne, ein Kochbuch sowie zahlreiche Anregungen und Videos für das Kochen mit Kindern.

Programme zur Ernährungsbildung für Kinder, Pädagoginnen und Pädagogen sowie Familien


Letzte Aktualisierung 01.09.2025

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