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Wie lassen sich bioregionale Wertschöpfungsketten aufbauen?

Leider gibt es kein einfaches Rezept zum Aufbau von bioregionalen Wertschöpfungsketten, das sich kopieren lässt. Zu unterschiedlich sind die Voraussetzungen in den Regionen. Zahlreiche Praxiserfahrungen bieten jedoch Anregungen und Impulse. Wir haben daraus sieben Bausteine mit Handlungsempfehlungen destilliert.
Der Aufbau bioregionaler Wertschöpfungsketten erfordert eine verlässliche Zusammenarbeit von Betrieben aus Produktion, Verarbeitung, Logistik und Bündelung sowie der Vermarktung beziehungsweise aus der Nachfrage. Im Fokus stehen dabei häufig Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung und Catering-Unternehmen, weil von ihnen auf einen Schlag relevante Nachfrage-Impulse ausgehen können.
Erfolgversprechende Konzepte müssen stets im Lichte der konkreten Ausgangssituation neu erarbeitet werden. Aber bei der Entwicklung solcher Konzepte können interessierte Personen von Erfahrungen aus anderen Regionen profitieren. Aus diesen lassen sich Checkfragen und Empfehlungen für die Vorgehensweise ableiten. In diesem Artikel schlagen wir sieben Bausteine vor, die sich bewährt haben, um tragfähige Wertschöpfungsketten auf- und auszubauen. Auch wenn diese Bausteine aus pragmatischen Gründen nacheinander beschrieben werden, sollten sie zusammen gedacht und in einem Paket umgesetzt werden.
Sieben Bausteine für den Auf- und Ausbau von Wertschöpfungsketten
Begründung
Damit Wertschöpfungsketten auf einer realistischen Grundlage entstehen, muss zunächst die Ausgangsituation des Angebots analysiert werden.
Handlungsempfehlung
- Welche Lieferanten gibt es?
- Welche Mengen in welchen Verarbeitungsgraden können sie liefern?
Manchmal kann es aus pragmatischen Gründen sinnvoll sein, sich zunächst auf einzelne Produkte zu konzentrieren oder zuerst eine mengenmäßig "kleine" und dann eine "große" Wertschöpfungskette aufzubauen. Wichtig ist, dass Angebot und Nachfrage in einem balancierten Verhältnis wachsen. Das "Matching" muss auf Augenhöhe stattfinden.
Begründung
Zur Analyse der Ausgangssituation gehört auch diese Frage, die wir hier in einem eigenen Punkt behandeln. Denn die Mehrheit der GV-Küchen wünscht vorverarbeitetes Gemüse, Salate oder Obst. Hier besteht häufig ein Nadelöhr für den Aufbau von Wertschöpfungsketten. Damit Vorverarbeitungsbetriebe sich darauf einstellen, braucht es relevante Mengen und eine verlässliche Nachfrage.
Handlungsempfehlung
Das Fresh-Cut-Cluster-Projekt in Baden-Württemberg zeigt exemplarisch Bedarfe und Erfahrungen für dieses Bundesland. Daraus lassen sich auch Ansatzpunkte für andere Regionen ableiten.
Oft haben konventionelle Fresh-Cut-Betriebe Interesse an einer Bio-Zertifizierung, wenn sich Absatzmöglichkeiten entwickeln lassen. Dieser Baustein braucht deshalb eine Markterkundung der Nachfrage, die im Folgenden beschrieben wird.
Begründung
Die Nachfrage "zieht" den Aufbau von Wertschöpfungsketten. Die Gemeinschaftsverpflegung kann dafür interessante Impulse bringen. Deshalb ist es sinnvoll, die relevanten Einrichtungen der GV, ihre Essenzahlen und ihre Bedarfe (Mengen, Vorverarbeitungsgrad etc.) zu kennen.
Handlungsempfehlung
Hier sollte jemand Daten im kommunalen Verantwortungsbereich erfassen, sichten und bewerten. Oder wurden bereits solche Informationen gesammelt? Eine Machbarkeitsanalyse für den Landkreis und die Stadt Kassel zeigt beispielhaft die Potenziale für die Nachfrage und Produktion. Eine Marktanalyse für die eigene Region muss dabei weniger einem Vollständigkeits-Anspruch genügen; vielmehr soll sie vor allem erfolgversprechende Ansatzpunkte für den Start identifizieren.
Begründung
Bei der Vergabe von Verpflegungsleistungen für Schulen, Kitas und andere Einrichtungen der GV können die Träger Kriterien definieren, die den Einsatz biologischer Produkte befördern.
Handlungsempfehlung
Die in Vergabeverfahren definierten Kriterien bieten sowohl für die Angebots- als auch für die Nachfrage-Seite eine verlässliche Grundlage. Wie Kommunen dabei zielgerichtet vorgehen können, erfahren Sie im Menüpunkt "Ausschreibungen". Dort wird unter anderem das Prinzip des regionalen Sourcing beschrieben, das beispielsweise die Biostadt Karlsruhe in Vergabeverfahren mit Bonus-Punkten fördert.
Begründung
Beratung und Unterstützung interessierter Küchen können hilfreich sein, um Bio-Produkte dauerhaft und wirtschaftlich tragfähig in die Speisepläne zu integrieren. Denn dies erfordert mehr als den Austausch von Lieferanten.
Handlungsempfehlung
Damit Küchen relevante Bio-Anteile erreichen können, braucht es eine systematische Vorgehensweise. Bewährt haben sich dabei eine kontinuierliche Beratung und Begleitung im Prozess der Umstellung. Wie diese gelingen kann, zeigen inzwischen viele Beispiele.
Begründung
Bündelung und Logistik sind eine besondere Herausforderung beim Aufbau von bioregionalen Wertschöpfungsketten: Je kleinteiliger die Strukturen, um so aufwändiger wird die Beschaffung. Jeder Stopp kostet - unabhängig von den Mengen. Hier besteht ein in der Sache bedingter Zielkonflikt. Eine Schlüsselfrage lautet deshalb: Wie lässt sich eine regionalisierte Logistik auch wirtschaftlich organisieren?
Handlungsempfehlung
Damit eine regionale Beschaffung in wirtschaftlicher Hinsicht mithalten kann, sollten Mengen gebündelt werden. Wer kann diese Bündelungsfunktion übernehmen? Für den Aufbau eines neuen Hubs sind aus dem Stand große und verlässliche Nachfragemengen eine Voraussetzung. Hier können Projekte mit temporärer Förderung scheitern.
Es bietet sich als pragmatische Lösung an, zunächst an bereits vorhandene Bündelungsstrukturen anzuknüpfen. Diese können sein: Landwirtschaftliche und Gemüsebaubetriebe mit eigener Logistik, Betriebe der Verarbeitung oder Vorverarbeitung sowie der Naturkosthandel. Dafür sind verschiedene Modelle denkbar. Am Ende kommt es darauf an: Wer kann und will sich hier engagieren?
Begründung
Weil viele Bedingungen für den Aufbau bioregionaler Wertschöpfungsketten gleichzeitig erfüllt sein müssen und die Preise für Lebensmittel weder die wahren Kosten noch Gemeinwohlleistungen abbilden, führen Marktkräfte häufig nicht zu deren Aufbau im gewünschten Maße. Die Vernetzung verschiedener Marktakteure und verlässliche Beziehungen, von denen am Ende alle profitieren, sind deshalb Schlüsselfaktoren.
Handlungsempfehlung
Am besten funktioniert der Auf- und Ausbau von bioregionalen Wertschöpfungsketten, wenn es für die Vernetzung dauerhafte Strukturen gibt. Temporäre Projekte können Impulse liefern, sind aber auf lange Sicht nicht zielführend. Wer könnte in der Region solche Prozesse dauerhaft koordinieren? Welche Ressourcen gibt es dafür?
Ganz wichtig ist in diesem Zusammenhang Vertrauen aufzubauen. Denn bioregionale Wertschöpfungsketten gedeihen dann, wenn es eine hohe Verbindlichkeit auf beiden Seiten gibt. Dazu braucht es persönliche Kommunikation und kontinuierlichen Austausch und Vernetzung. Digitale Plattformen allein können das nicht leisten.
Informationen und Förderung des Aufbaus von Wertschöpfungsketten durch das BÖL
- Bundesweite Bio kann jeder-Workshops informieren über die Einführung von Bio-Produkten in der Schul- und Kita-Verpflegung.
- Die Initiative BioBitte unterstützt öffentliche Einrichtungen dabei, mehr Bio auf den Speiseplan zu bringen und so einen positiven Beitrag für die Zukunft zu leisten.
- Das BÖL fördert mit mehreren Richtlinien den Aufbau und die Information über bioregionale Wertschöpfungsketten.
- Die Maßnahme "Bio komm´mit" zeigt Kommunen, welche Chancen sich durch das Engagement für Bio eröffnen und welche Handlungsmöglichkeiten die kommunale Verwaltung nutzen kann.
Mehr zum Thema auf Oekolandbau.de:
Mehr Infos im Web:
Letzte Aktualisierung 24.09.2026







