Landwirtschaft


Ökologischer Mark- und Gemüseerbsenanbau

Erbsenwurzel mit Knöllchen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Erbsen haben einen hohen ackerbaulichen Wert, da sie für die Nachfrucht viel Stickstoff hinterlassen. Grund dafür sind Rhizobium-Bakterien, die Stickstoff fixieren und an der Wurzel die Bildung von Knöllchen hervorrufen. Foto: T. Stephan

Erbsen werden vor allem als Tiefkühlware vermarktet. Der Frischmarkt hat in der Direktvermarktung eine geringe Bedeutung. Erbsen werden früh im Jahr gesät. Nach rund 75 bis 85 Tagen ist das Feld im Juni geräumt, sodass anschließend noch eine Zweitkultur angebaut werden kann.

Fruchtfolge 

Erbsen werden in der Regel als Glied einer Ackerbaufruchtfolge angebaut. Als geeignete Vorfrüchte gelten Getreide (außer Hafer), Hackfrüchte (außer Zuckerrübe und Körnermais) und Zwischenkulturen. Als Anbaupause ist eine Unterbrechung von mindestens sechs Jahren ratsam. Ungeeignet als Vorfrüchte sind Leguminosen (auch als Kleegrasmischung), Hafer, Möhren und Zwiebeln.

Da sie reichlich Stickstoff, einen gut durchwurzelten Boden und in der Regel wenig Unkraut auf dem Feld zurücklassen, sind Erbsen beliebte Vorfrüchte: im Ackerbau oft für Wintergetreide oder nach einer Gründüngung auch für Hackfrüchte. Werden Erbsen als erste Kultur früh angebaut, so können Kulturen wie Spinat, Salat, Blumenkohl, Brokkoli, Fenchel oder Lauch als Zweitkultur folgen.

Sortenwahl und Saat 

Bei der Sortenwahl sind folgende Kriterien zu berücksichtigen:

  • Kurze Vegetationszeit mit rascher Jugendentwicklung
  • Wuchshöhe größer als 75 Zentimeter mit kräftigem Laubansatz
  • Geringe Anfälligkeit für Virosen und Pilzkrankheiten, wie Echter Mehltau und Welkekrankheiten

Verfügbarkeit von ökologischem Erbsensaatgut prüfen: organicXseeds.de

Die Saat erfolgt so früh wie möglich, im März oder Anfang April. Erbsen ertragen Fröste bis minus vier Grad und können bereits bei Bodentemperaturen von vier bis sechs Grad gesät werden.

Eine Saatdichte von 90 bis 100 Pflanzen pro Quadratmeter ermöglicht einen guten Ertrag. Die Aussaatmenge ist 1,4-mal höher als die angestrebte Pflanzendichte, um Verluste beim Auflaufen und Striegeln auszugleichen. Die Saat kann in üblicher Drillweite für Getreide oder doppelter Drillweite bei Hacken zwischen den Reihen ausgebracht werden.

Düngung 

Der Stickstoffbedarf kann durch den Bodenvorrat und die Stickstofffixierung gedeckt werden. Werden auf einer Parzelle zum ersten Mal Erbsen kultiviert, so kann eine Impfung mit Rhizobium-Bakterien sinnvoll sein. Die Phosphor- und Kalium-Versorgung kann mit einer Gabe Wirtschaftsdünger oder Kompost zur Vorkultur gesichert werden.

Unkrautregulierung

Erbsen sind eine typische "Striegelkultur", die mit dem Striegel ausreichend unkrautfrei gehalten werden kann. Da Erbsen früh gesät werden, hat eine Unkrautkur vor der Saat kaum eine Wirkung. Erbsen können aber vier bis fünf Zentimeter tief gesät werden, so dass ein flaches Blindstriegeln beim Auftreten erster Unkrautkeimfäden auf maximal zwei bis drei Zentimeter vor dem Auflaufen möglich ist.

Sobald sich das erste Laubblatt entfaltet, kann keimendes Unkraut mit dem Striegel reguliert werden. Weitere Durchgänge sind bei Bedarf bis zum Schließen der Reihen durch die Ranken möglich. Wichtig ist, den Striegeldruck an das Entwicklungsstadium der Pflanzen anzupassen. Gegebenenfalls kann auch zwei Mal hintereinander gestriegelt werden, um bei geringem Zinkendruck dennoch eine gute Wirkung zu erzielen. 

Auf Böden mit erhöhtem Unkrautdruck ist es ratsam, die Erbsen auf doppelte Drillweite zu säen (z.B. 25 Zentimeter), um so auch ein Hacken zwischen den Reihen zu ermöglichen. Dabei bleibt die Saatdichte gleich, so dass bei größerer Pflanzenzahl in der Reihe mit keinen Ertragsverlusten zu rechnen ist.

Um auch das Unkraut in der Reihe zu bekämpfen, können Erbsen ab acht Zentimeter Pflanzenhöhe angehäufelt werden, dabei darf höchstens die Hälfte der Pflanze angeschüttet sein. Da Gemüseerbsen grün geerntet werden, besteht, im Gegensatz zu Futtererbsen, kaum eine Gefahr von Spätverunkrautung beim Abreifen.

Pflanzenschutz

Gesundes Saatgut, rechtzeitiger Anbau im Frühjahr bei günstigen Bedingungen sowie vor allem Einhaltung der Anbaupausen und der übrigen Fruchtfolgeregeln sichern normalerweise eine gesunde Kultur. Direkte Pflanzenschutzmaßnahmen sind im Bio-Anbau für Erbsen nicht vorgesehen.

Mehr Infos zu Schädlingen und Krankheiten von Erbsen

Ernte

Die Ernte für die Verarbeitungsindustrie erfolgt mit speziellen Dreschmaschinen. Der genaue Erntezeitpunkt wird auf Grund der Festigkeit der Erbsenkörner (mit dem Tenderometer) festgestellt. Das Erntegut ist nicht lagerfähig und muss sofort zum Verarbeitungsbetrieb angeliefert werden. Lange Transportwege sind nicht möglich.


Letzte Aktualisierung: 24.07.2017