Landwirtschaft


Wie gut ist der Ökolandbau für den Klimawandel gerüstet?

Hopfenernte. Foto: Dieter Hawlan / iStock / Getty Images Plus via Getty Images
Der Klimawandel stellt Landwirtinnen und Landwirte vor große Veränderungen. Foto: Dieter Hawlan / iStock / Getty Images Plus via Getty Images

Das Jahr 2019 hat bisher eindrucksvoll bestätigt, was sich bereits in den Vorjahren abzeichnete: Das Klima verändert sich in allen Regionen Deutschlands. Fachleute prognostizieren ein verstärktes Auftreten von Frühjahrstrockenheit, heißere Sommer mit längeren Trockenphasen und häufigere Wetterextreme mit Starkregen oder Hagel. Die jährliche Niederschlagsmenge soll zwar insgesamt nicht abnehmen, dafür aber die Verteilung. Vor allem für die Wintermonate wird eine Zunahme erwartet.

Diese Veränderungen haben für die Landwirtschaft allgemein und speziell für die ökologische Bewirtschaftung gravierende Folgen. Und das, obwohl der Ökolandbau grundsätzlich gut gerüstet zu sein scheint für die bevorstehenden klimatischen Veränderungen. Insbesondere die meist breiteren Fruchtfolgen oder die Stärkung der Bodenfruchtbarkeit durch Zwischenfruchtanbau, Kompostwirtschaft und damit verbundenen, höheren Humusgehalten gelten als vorteilhaft.

Großer Einfluss der natürlichen Voraussetzungen

Dennoch werden auch Biobetriebe ihre Bewirtschaftungsweise anpassen und je nach Region und Ausprägung der klimatischen Veränderungen sogar völlig neu ausrichten müssen. Dafür spricht, dass der Einfluss der natürlichen Voraussetzungen im Ökolandbau deutlich stärker zum Tragen kommt als im konventionellen Bereich. Da ein großer Teil der Biobetriebe zudem auf weniger günstigen Standorten wirtschaftet, etwa auf sandigen oder flachgründigen Böden, wird dieser Effekt weiter verstärkt.

Insbesondere der Wassermangel trifft das System Ökolandbau an einer empfindlichen Stelle: Bei der Nährstoffversorgung. Denn die Trockenheit mindert die Stickstofffixierleistung zentraler Kulturen im ökologischen Anbau. Das gilt besonders für Kleegras, das für reine Ackerbau- und Futterbaubetriebe gleichermaßen wichtig ist. Zudem sind auch die Mikroorganismen im Boden auf Wasser angewiesen, um den organisch gebundenen Stickstoff zu mineralisieren.

Trockenheit beeinträchtigt die Stickstoffversorgung

Längere Trockenphasen im Frühsommer beeinträchtigen die Stickstoffversorgung also doppelt in der wichtigsten Wachstumsphase. Die Knöllchenbakterien von Kleegras und anderen Leguminosen binden weniger Stickstoff aus der Luft und es wird weniger Stickstoff aus organischem Material mineralisiert. Dieser Mangel an verfügbarem Stickstoff führt tendenziell dazu, dass die Erträge im Ökolandbau sinken, beziehungsweise stärker schwanken werden als bisher.

Hinzu kommt, dass ein Starkregenereignis nach längerer Trockenheit kurzfristig große Mengen an Stickstoff freisetzen kann (bis zu 70 Kilogramm pro Hektar), die in der Abreifephase oder nach Ernte der Hauptfrucht nicht ausreichend verwertet werden können. Das bedeutet, es ist nicht nur weniger Stickstoff im Kreislauf, sondern teilweise auch zum falschen Zeitpunkt.

Geeignete Winterungen und Winterzwischenfrüchte werden deshalb noch wichtiger, weil sie ungenutzte oder erst später im Jahr mineralisierte Stickstoffmengen organisch binden und im Kreislauf halten. Schließlich steigt durch die erwarteten höheren Niederschlagsmengen im Winter die Gefahr, dass vermehrt Stickstoff ausgewaschen wird.

Direktsaatmaschine. Foto: Burkhard Fromme
Direktsaatverfahren wie hier im konventionellen Anbau ermöglichen die wassersparende Einsaat von Zwischenfrüchten nach Getreide. Foto: Burkhard Fromme

Pflügen als Schwachstelle

Weiterer Schwachpunkt des Ökolandbaus ist die intensive Bodenbearbeitung, insbesondere der Pflugeinsatz zur Saatbettbereitung und Unkrautkontrolle. Denn jeder Pflugeinsatz führt zu einem Verlust von Bodenwasser in der Krume. Pfluglose Verfahren wie eine Direktsaat oder andere Verfahren der Minimalbodenbearbeitung sind im Ökolandbau allerdings schwerer umzusetzen als im konventionellen Bereich und deshalb kaum etabliert. Dabei trägt eine schützende Mulchdecke, etwa bei Direktsaaten, nachweislich dazu bei, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten.

In Gebieten mit sandigen Böden und wenig Sommerniederschlägen wie in Brandenburg wird das Pflügen für Blanksaaten von Zwischen- oder Futterbaufrüchten mittelfristig keine Alternative mehr sein, weil die Wasserverluste zu hoch sind. Spätere Aussaatermine, zum Teil ab September, und eine reduzierte Bodenbearbeitung sind hier wahrscheinlich mittelfristig unumgänglich.

Hohe Humusgehalte bringen Vorteile

Ein großer Vorzug des Ökolandbaus sind vor dem Hintergrund des Klimawandels die im Vergleich zum konventionellen Anbau deutlich höheren Humusgehalte im Boden. Denn Humus ist ein wichtiger Wasserspeicher. Mit jedem Prozent Humusanteil im Boden werden etwa 40 Liter Wasser zusätzlich pro Quadratmeter gespeichert. Umso wichtiger wird es für Biobetriebe sein, ein humusförderndes Anbausystem beizubehalten, obwohl zum Beispiel der dafür erwünschte Anbau von Zwischenfrüchten anspruchsvoller wird.

Zunehmend schwieriger wird voraussichtlich auch die Frühjahrsbestellung. Durch die höheren Niederschlagsmengen werden die Flächen im zeitigen Frühjahr länger nass bleiben und erst später befahrbar sein. Das verzögert die erwünschte frühe Aussaat von Sommerungen wie Hafer und erschwert die mechanische Unkrautkontrolle, vor allem in frühen Wachstumsstadien der Kulturen. Generell werden die Zeitfenster für den Einsatz von Hacke und Striegel voraussichtlich kleiner.

Schlagkraft wird wichtiger

Deshalb erscheint es für Biobetriebe sinnvoll, mehr Schlagkraft vorzuhalten, um die anstehenden Feldarbeiten zukünftig in kürzerer Zeit bewältigen zu können. Darüber hinaus wird es erforderlich sein, die Fruchtfolge zu überdenken und etwa Kulturen mit hohem Wasserbedarf durch Arten mit geringeren Ansprüchen zu ersetzen. So könnten zum Beispiel Ackerbohnen durch Lupinen ausgetauscht werden. Auch bei der Sortenwahl sollte zunehmend auf das Merkmal Trockenheitsresistenz geachtet werden.

Aufgrund der extrem unterschiedlichen Standortvoraussetzungen und der kleinräumig nur schwer absehbaren Auswirkungen des Klimawandels gibt es jedoch keine allgemeingültigen Empfehlungen für alle Betriebe. Jeder Betrieb muss auf Basis intensiver Beobachtung der eigenen Bestände individuelle Anpassungen vornehmen und deren Wirkung überprüfen. Hilfreich sind dabei auf jeden Fall zwei Prämissen der guten fachlichen Praxis des Ökolandbaus: Ertragssicherheit geht vor Maximalertrag und Vielfalt vor Spezialisierung.


Letzte Aktualisierung: 28.08.2019