Kuhstallgespräch mit Norbert Lins zur GAP 2028: Zukunftsorientierte Landwirtschaft absichern

Auf dem Bioland-Betrieb Binsenberghof in Burladingen diskutierten der Europaabgeordnete Norbert Lins, die Betriebsleiterfamilie Riehle sowie Vertreter von Bioland, wie zukunftsorientierte und umweltverträgliche Landwirtschaft auch nach 2028 verlässlich honoriert werden kann.

Norbert Lins (Mitte) mit Familie Riehle, Bioland-Präsident Jan Plagge und weiteren Bioland-Vertretern auf dem Binsenberghof.

Norbert Lins (Mitte) mit Familie Riehle, Bioland-Präsident Jan Plagge und weiteren Bioland-Vertretern auf dem Binsenberghof. Bild: Dominik Strobel/Bioland e. V.

Treffen auf dem Demonstrations- und Musterbetrieb Binsenberghof

Wie Landschaftsschutz und die Erzeugung hochwertiger Bio-Milch Hand in Hand gehen, davon konnte sich der EU-Abgeordnete und stellvertretende Agrar-Ausschussvorsitzende Norbert Lins ein Bild machen. Bei einem Hofbesuch auf dem Bioland-Betrieb Binsenberghof tauschte er sich am 19. Oktober intensiv mit der Familie Riehle, Bioland-Präsident Jan Plagge, Landesgeschäftsführer Christoph Zimmer und dem Landesvorsitzenden Wolfgang Markowis zur Honorierung von Agrarumweltmaßnahmen aus. 

Anlass sind die aktuellen Verhandlungen zur Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028. Die EU-Kommission will die Zuweisung für Agrargelder kürzen. Damit gewinnt die Frage an Bedeutung, welche Prioritäten EU, Bund und Länder mit den verbleibenden Finanzmitteln verfolgen. Die bisherige Agrar- und Umweltförderung ermöglichte es vielen Betrieben, auch auf benachteiligten Standorten erfolgreich zu wirtschaften. Der Bioland-Hof der Familie Riehle zeigt eindrucksvoll, welche Ökoleistungen Landwirtinnen und Landwirte erbringen und wie die Förderung in der Praxis wirkt.

Der Binsenberghof ist "Musterbetrieb für Biodiversität" im Zollernalbkreis (Baden-Württemberg) und Teil des bundesweiten Netzwerks Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau. Die Betriebsleiter Ralf und Micha Riehle bewirtschaften rund 150 Hektar Grünland und 80 Hektar Ackerland. 70 Prozent der Flächen sind als ökologisch besonders wertvolles FFH-Grünland ausgewiesen. Nur durch die regelmäßige und schonende Mahd bleibt der Lebensraum erhalten. 

"Unsere Rinder sind aktive Landschaftsschützer und erzeugen gleichzeitig hochwertige Heumilch", sagt Micha Riehle. Die Wiesen liefern Futter für rund 80 Milchkühe. Anette Riehle, landwirtschaftliche Hauswirtschafterin, engagiert sich neben der Arbeit auf dem Hof im Programm "Lernort Bauernhof": "Alle Schulkinder der Gemeinde kommen zu uns, um praktische Landwirtschaft kennenzulernen." Mit Jacob Riehle steht bereits die nächste Generation bereit. Der angehende Agrarwirt überlegt, nach dem Studium in den Familienbetrieb einzusteigen – und wünscht sich dafür Planungssicherheit.

Welche Pläne gibt es zur GAP ab 2028?

Auch Norbert Lins ist auf einem Milchviehbetrieb aufgewachsen, wie er berichtet. Seither hat sich der Sektor stark verändert, jetzt steht die Landwirtschaft erneut vor einer Zäsur: Die EU-Kommission will Agrargelder stärker in nationale Gesamtbudgets integrieren. Aus Sicht vieler Landwirtinnen und Landwirte droht damit das Ende der bewährten GAP. Sie basiert auf flächengebundenen Direktzahlungen einerseits (EGFL) und Programmen für die Entwicklung des ländlichen Raums und Agrarumweltmaßnahmen andererseits (ELER), die durch Bund und Länder mitfinanziert werden. Bei einem gemeinsamen nationalen Budget würde der landwirtschaftliche Sektor mit anderen Politikbereichen wie Verteidigung oder Bildung konkurrieren und drastische Kürzungen erfahren, so die Befürchtung.

Lins, agrarpolitischer Sprecher der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, spricht sich für den Erhalt der bisherigen Zwei-Säulen-Struktur aus: "Wir brauchen eine starke, eigenständige GAP mit klaren europäischen Leitplanken, weniger Bürokratie und verlässlichen Direktzahlungen." Zu hohe Kofinanzierungssätze hält er für riskant. "Bei einem Satz von 30 Prozent würden selbst Länder wie Bayern oder Baden-Württemberg überlegen, ob sie sich das noch leisten können." Die Programme KULAP und FAKT hätten gezeigt, dass Agrarumweltmaßnahmen sowohl für die Landwirtschaft als auch für den Natur- und Klimaschutz wirksam seien. "Jetzt geht es darum, für diese Budgets zu kämpfen", so Lins.

Auch Landesgeschäftsführer Christoph Zimmer von Bioland Baden-Württemberg betont, dass die Agrarumweltmaßnahmen enorme Bedeutung für eine zukunftsfähige Landwirtschaft haben. "EU-Gelder, die mit der Gießkanne als reine Flächenprämie ausgeschüttet werden, verpuffen weitgehend wirkungslos." Nicht nur für den Erhalt von wertvollen Lebensräumen, auch für die heimische Produktion von Lebensmitteln sei die gezielte Honorierung von Ökoleistungen notwendig, mahnt Bioland-Präsident Jan Plagge: "Biolandbau ist eine tragende Säule der Ernährungssicherung. Substantielle, zweckgebundene Budgets für Agrar- und Umweltmaßnahmen sind auch deshalb unverzichtbar."

Gerade auf Standorten wie dem Binsenberghof zeigt sich, was auf dem Spiel steht. Die Bewirtschaftung der artenreichen Grünlandflächen ist arbeitsintensiv und wirtschaftlich nur sinnvoll, weil Leistungen für Biodiversität, Gewässerschutz und Landschaftspflege honoriert werden. Ausgerechnet jene Betriebe, die überdurchschnittlich viele gesellschaftlich erwünschte Umweltleistungen erbringen, wären besonders stark von Budgetverschiebungen und Kürzungen betroffen. Ob die artenreichen Wiesen des Binsenberghofs auch künftig noch bewirtschaftet werden können und ihr wertvoller Status so erhalten bleibt, hängt damit nicht nur von der Familie Riehle ab. Die Weichen dafür werden derzeit in Brüssel gestellt.

Quelle: Pressemitteilung von Bioland Baden-Württemberg


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