"Thüringen ist ein Bio-Wachstumsland – auf der Nachfrage- wie auf der Angebotsseite“, sagte Thüringens Landwirtschaftsministerin Colette Boos-John. "Jetzt kommt es darauf an, die regionale Wertschöpfung gezielt zu stärken und vorhandene Potenziale auch im Land zu halten."
Die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Thüringen hat sich in den vergangenen zehn Jahren auf rund 64.400 Hektar im Jahr 2024 verdoppelt (2015: 32.600 Hektar). Im Vergleich zum Vorjahr wuchs die ökologische Anbaufläche 2024 im Freistaat um 3,4 Prozent und damit stärker als im bundesweiten Schnitt. "Damit hat sich der Ökolandbau als Bewirtschaftsform strukturell etabliert und ist kein Nischenphänomen mehr", sagte Boos-John. Angesichts der aktuellen Wachstumsdynamik sei sie zuversichtlich, dass Thüringen beim erreichten Bio-Anteil an der Landwirtschaftsfläche weiter zulegen und künftig auch zum Bundesdurchschnitt aufschließen könne. Aktuell liegt Thüringen mit einem Anteil von 8,3 Prozent Bio-Flächen noch gut drei Prozentpunkte unter dem bundesdeutschen Wert von 11,5 Prozent.
Besonders dynamisch entwickelt sich auch die Nachfrage nach Bio-Erzeugnissen: 2024 stiegen die Verbraucherausgaben für Bio-Lebensmittel in Thüringen im Vergleich zum Vorjahr um rund 15 Prozent auf 188 Millionen Euro, während bundesweit lediglich ein Plus von 4,5 Prozent zu verzeichnen war. Insgesamt wurden 2024 in Deutschland mehr als 11,6 Milliarden Euro für Bio-Lebensmittel ausgegeben. Bei frischen Bio-Lebensmitteln nahm Thüringen mit einem Zuwachs von 23,1 Prozent sogar eine Spitzenposition unter allen Bundesländern ein. Allerdings sei das erreichte Niveau von 5,2 Prozent Bio-Anteil bei frischen Lebensmitteln (gegenüber 8,4 Prozent im Bundesdurchschnitt) noch ausbaufähig, so die Landwirtschaftsministerin.
Flaschenhals Lager- und Verarbeitungskapazitäten
"Den Flaschenhals bilden allerdings die Lager- und Verarbeitungskapazitäten im Land", so die Ministerin weiter. Es fehlen leistungsfähige, mittelständische Betriebe zwischen Urproduktion und Verkauf – also in den Bereichen Verarbeitung, Lagerung und Vermarktung. Deshalb verlassen große Teile der Bio-Rohstoffe Thüringen zur Weiterverarbeitung, während veredelte Produkte importiert werden müssen. Daneben machen den Produzentinnen und Produzenten aber auch steigende Kosten und unsichere Absatzperspektiven zu schaffen. "Ziel muss es deshalb sein, die Wertschöpfungstiefe bei ökologisch erzeugten Lebensmitteln im Land weiter auszubauen. Letztlich geht es darum, Thüringer Regionalmarken und -produkte zu entwickeln und besser am Markt zu platzieren", so die Ministerin weiter.
Ein besonderer Fokus der Studie liegt deshalb nicht zu letzt auf der Außer-Haus-Verpflegung (AHV), etwa in Kitas, Schulen, Kantinen oder Pflegeeinrichtungen, über die zusätzliche Nachfrage nach ökologischen und regionalen Erzeugnissen generiert werden kann. Die Analyse belegt, dass ein Bio-Anteil von rund 20 Prozent des Speiseplans grundsätzlich auch ohne nennenswerte Mehrkosten (<1 Prozent Mehrkosten gegenüber konventionellen Lebensmitteln) realisierbar ist.
"Mehr Bio muss nicht mehr kosten. Die Außer-Haus-Verpflegung ist ein zentraler Hebel, um Bio-Nachfrage planbar zu erhöhen und gleichzeitig regionale Wertschöpfung zu sichern“, betont Ministerin Boos-John.
Voraussetzung dafür seien konsequente Anpassungen bei Speiseplanung, Beschaffung und Küchenorganisation.
Der Bio-Marktbericht liefere eine realistische Analyse der Situation des ökologischen Landbaus und Absatzes im Freistaat, sagte die Ministerin. "Es gibt Licht und Schatten – aber klar wird auch: Der Bio-Sektor bietet erhebliche wirtschaftlicher Potenziale, die durch eine gezielte Stärkung der Wertschöpfungsketten erschlossen werden können." Deshalb bleibt der Bericht auch nicht bei der Analyse stehen. Auf Grundlage der Ergebnisse werden jetzt konkrete Handlungsoptionen entwickelt und gemeinsam mit Akteurinnen und Akteuren aus Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel und Außer-Haus-Verpflegung diskutiert.
Weitere Fakten zum Bio-Landbau in Thüringen:
- Laut Auswertung der Agrarförderung für das Jahr 2024 wirtschaften 461 Betriebe mit einer durchschnittlichen Fläche von 135 Hektar ökologisch.
- Die meisten Öko-Betriebe gibt es im Wartburgkreis (61), Saale-Orla-Kreis (46) und im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt (39).
- Die größten Bioflächen finden sich in den Landkreisen Schmalkalden-Meiningen (8.835 Hektar), Gotha (7.563 Hektar) und Saalfeld-Rudolstadt (7.024 Hektar).
- Weizen ist das wichtigste Bio-Getreide im Freistaat. 112 Betriebe bauen Bio-Weizen an, das entspricht 2,1 Prozent der Weizenfläche in Thüringen.
Hier geht es zum Bio-Marktbericht Thüringen. Bio-Marktanalyse für Thüringen unter besonderer Berücksichtigung des Absatzes von Bio-Produkten in der Außer-Haus-Verpflegung (PDF-Datei)
Quelle: Pressemitteilung Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum (TMWLLR)



