Falko Martin: Genuss für alle Sinne sozusagen. Die Menschen fragen, woher unsere Lebensmittel kommen, weil sie anders und gut schmecken. Sie kommen zu uns, weil wir einen besonderen Ort geschaffen haben. Ein schöner Garten, etwas Familiäres und Liebevolles. Die Lebensmittel sind handgemacht, mit Liebe zubereitet, das Konzert und Kultur Angebot ist vielfältig, die gute Energie ist spürbar.
Christian Schöfer und Anne Häßelbarth: Unsere Kundschaft reicht von werdenden Familien bis zu Ruheständlerinnen und Ruheständlern, wir beliefern überzeugte Ökos in Tiny Houses, wohlhabende Paare in top sanierten Eigenheimen, Studierenden-WGs, aufs Land und in die Stadt.
Wieviel Kundschaft haben wir wohl vor Ort in Braunichswalde? Nahezu keine. Der Bedarf an und der Wunsch nach Bio hält sich hier sehr in Grenzen. Bio ist ein grünes Thema, wird von vielen entsprechend pauschal abgelehnt. Wenn man mit den Leuten ins Gespräch kommt, gibt es trotzdem viel Verständnis für das, was wir machen. Für die Leute vor Ort ist auch ein Hindernis, dass wir keinen Laden haben und Bestellungen per Onlineshop aufgegeben werden müssen. Aber ein Laden hat sich für uns nicht gelohnt.
Oekolandbau.de: Welchen Eindruck haben Sie von der Entwicklung des Ökolandbaus im Osten?
Falko Martin: Der Ökolandbau hat es durch die großen Agrarbetriebe hier im Osten durchaus schwer. Die Arbeit der kleinen Biobetriebe ist praktisch nicht bezahlbar - dies sehe ich bei unseren 0,5 Hektar Feingemüseanbau hinterm Haus. Daher braucht es kleine regionale Kooperationen, um Bio hier voranzubringen.
Michael Eichler: Wir arbeiten mit vielen Bio-Betrieben Hand in Hand. Über die Jahre hat sich eine enge Zusammenarbeit mit befreundeten Bauern und Hofläden aufgebaut, deren Getreide, Eier, Milch und jeder erdenkliche Rohstoff geht seinen Weg vom Erzeuger über die Verarbeiter zurück zum Tresen des Erzeugers. Was uns hier vom Rest der Welt unterscheidet: Wir tun das transparent, für jeden nachvollziehbar und ehrlich. Das wird jedes Jahr besser und die Zahlen – sowohl der Erzeuger als auch der Verarbeiter – sprechen für sich.
Christian Schöfer und Anne Häßelbarth: Wir empfinden die aktuelle Entwicklung als schwierig. Die Bioflächen sind schon mal mehr gewachsen. Ein gutes Förderinstrument wäre landeseigene Kantinen mit einer kleinen Quote zu bio-regionalem Obst- und Gemüse zu bewegen. Andere Bundesländer nutzen das, um ihre heimische Biolandwirtschaft zu erweitern.
Die jetzige Landesregierung lehnt das komplett ab, begründet dies mit dem Preis und der schlechten Akzeptanz bei den Bürgerinnen und Bürgern. Wir denken, mit begleitenden Effizienzmaßnahmen in den Küchen kann man die höheren Einkaufspreise ausgleichen.
Es gibt zum Glück aber auch viele Engagierte in Thüringen, die dennoch weiter am Ausbau des Ökolandbaus arbeiten, Inflation, Politik und gesellschaftlicher Stimmung zum Trotz. Wir arbeiten in einem Biowertschöpfungsprojekt mit der Bäckerei Bergmann und der Waldklinik Eisenberg zusammen, um bio-regionale Urprodukte in die Außer-Haus-Verpflegung zu kriegen.
Oekolandbau.de sagt Danke für das Gespräch!