Wie steht es um die Bio-Branche in Ostdeutschland?

Wie steht es um die Bio-Branche in Ostdeutschland?

Der Ökolandbau ist in Ostdeutschland besonders stark vertreten. Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zählen mit hohen Flächen- und Betriebsanteilen zu den Spitzenreitern in Deutschland. Große Strukturen, Förderprogramme und regionale Initiativen treiben die Entwicklung. Besonders Brandenburg profitiert von der großen Bio-Nachfrage in der Hauptstadt.

Die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Deutschland ist auch 2024 weitergewachsen – wenn auch langsamer als in den Jahren zuvor. Nach aktuellen Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) beträgt der Bio-Anteil an der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche nun 11,5 Prozent. Gleichzeitig setzt sich jedoch der Rückgang bei den ökologisch wirtschaftenden Betrieben fort: Ihre Zahl verringerte sich um 2,2 Prozent auf 35.881 Höfe. Auffällig ist zudem, dass die Entwicklung im Ökolandbau deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern aufweist – und auch der Vergleich von West- und Ostdeutschland bringt interessante Details ans Licht.

Während der ökologische Landbau in der DDR keine Rolle spielte wurde, traten nach dem Mauerfall Pionierinnen und Pioniere auf den Plan, die dem Öko-Anbau neuen Schwung verliehen. Seitdem wächst die Bio-Fläche in den östlichen Bundesländern kontinuierlich. Besonders Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zählen mit Flächenanteilen von 17,7 Prozent bzw. 15,4 Prozent sowie hohen Betriebsanteilen von 22,5 bzw. 25,9 Prozent zu den bundesweiten Spitzenreitern. Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt liegen dagegen mit ihren Bio-Flächenanteilen unter dem Bundesdurchschnitt von 11,5 Prozent.

Treiber des Öko-Flächenwachstums sind nicht nur die großen Flächenstrukturen in Ostdeutschland, sondern auch regionale Initiativen und Förderprogramme wie das Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) oder Verbände wie Gäa e.V., Biopark e.V. oder die Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg e.V.

Vorreiterregionen wie das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, in dem mehr als 60 Prozent der Flächen ökologisch bewirtschaftet werden, verdeutlichen die Bedeutung des Ostens als Impulsgeber für die deutsche Bio-Landwirtschaft.

Weniger Betriebe – mehr Fläche

Deutschlandweit nimmt die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ab, während die Durchschnittsflächen pro Betrieb zunehmen – eine Entwicklung, die auch vor den Bio-Betrieben nicht haltmacht. In den östlichen Bundesländern stagnieren die Bio-Betriebszahlen teils, wie etwa in Mecklenburg-Vorpommern, oder gehen leicht zurück, wie in Brandenburg. Sachsen-Anhalt war das einzige östliche Bundesland mit einem Flächenrückgang und einem Minus von 37 Bio-Betrieben bzw. 6 Prozent.

Der durchschnittliche Bio-Betrieb in Deutschland bewirtschaftet im Jahr 2024 nach Daten der BLE etwa 53 Hektar landwirtschaftliche Fläche. Und damit weniger als die konventionellen Betriebe, die im Schnitt 67 Hektar bewirtschaften.

In einigen Bundesländern variieren die Betriebsgrößen jedoch deutlich. So lag beispielsweise die durchschnittliche Flächenausstattung der Bio-Betriebe in Brandenburg im Jahr 2024 bei 197 Hektar. Auch Mecklenburg-Vorpommerns Bio-Betriebe wirtschaften im Schnitt auf über 172 Hektar, mehr als das Dreifache der bundesweiten Größe eines Bio-Betriebs. Die großen Flächen in den genannten Bundesländern kommen sicher auch aus dem großen Anteil von Weideflächen, so ist Mecklenburg-Vorpommern überproportional in der Rinderhaltung vertreten und auch der größte Bio-Rinderhalter findet sich hier.

Die großen Flächen bieten Vorteile bei der Nutzung von moderner Landtechnik, die im eigenen Betrieb ausgelastet und weiterentwickelt werden kann. Auf der anderen Seite aber fehlen Strukturen wie Maschinenringe, so dass für mittelgroße Betriebe nur mit anderen Betrieben zusammenarbeiten können, um Maschinenkosten zu teilen.

Anders als im Westen sind auch die Eigentumsverhältnisse: bei der Nutzung von moderner Landtechnik, die im eigenen Betrieb ausgelastet und weiterentwickelt werden kann. Auf der anderen Seite aber fehlen Strukturen wie Maschinenringe, so dass für mittelgroße Betriebe nur mit anderen Betrieben zusammenarbeiten können, um Maschinenkosten zu teilen. Ein landwirtschaftlicher Betrieb im Osten hat oft wenig Eigentumsfläche und dafür mehrere hundert Verpächter, mit denen jeweils über Pacht und Vertragsdauer verhandelt werden muss.

Verarbeitungsstrukturen fehlen

Neben den strukturellen Vorteilen auf der landwirtschaftlichen Seite gibt es entscheidende Nachteile in der Verarbeitungsstruktur. Nach der Wende wurden viele Lebensmittelverarbeitungen aller Art geschlossen. Besonders große Betriebe blieben teilweise erhalten, aber mittelgroße regionale Verarbeitungsunternehmener fehlen in weiten Teilen und müssten neu aufgebaut werden. So mangelt es noch mehr als in den westlichen Bundesländern m Westen an Mühlen, Schlachthöfen, Fleischzerlegung, Gemüse- und Kartoffelverarbeitung. Daher ist teils teilweise schwieriger regionale Wertschöpfungsketten aufzubauen.

Berlin ist ein wichtiger Absatzmotor

Die Bundeshauptstadt ist der wichtigste Treiber für die Bio-Entwicklung in den östlichen Bundesländern. Nirgendwo sonst in Deutschland ist die Nachfrage nach Bio-Produkten so groß wie in Berlin. 2024 wurden in und um die Hauptstadt deutlich mehr Bio-Lebensmittel verkauft – sowohl der Naturkostfachhandel als auch die klassischen Handelsketten verzeichneten Zuwächse. Laut Analysen der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) auf Basis von YouGov CP Germany erreichte der Marktanteil von Bio-Frischeprodukten in Berlin 2024 einen Wert von 13,2 Prozent – und liegt damit klar über dem Bundesdurchschnitt von 8,4 Prozent. Trotz dieser positiven Entwicklung gibt es noch Lücken im Angebot.

Nach Einschätzung der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau (FÖL) wird in keiner anderen Region Deutschlands mehr Bio umgesetzt als auf dem Berliner Markt. Gleichzeitig sehen die Expertinnen und Experten noch erhebliches Potenzial: Viele Bio-Produkte stammen bislang nicht aus der Region. Um diese Versorgungslücke zu schließen, braucht es neue Produkte, Wertschöpfungsketten und Absatzkanäle. Besonders die Außer-Haus-Verpflegung könnte hier künftig eine tragende Rolle spielen.

Text: Christine Rampold, AMI

Letzte Aktualisierung 22.09.2025

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