Expedition Biobauernhof

Expedition Biobauernhof

Lernen an einem außerschulischen Lernort ermöglicht Schülerinnen und Schülern einen intensiveren Praxisbezug als es das Arbeiten in der Schule vermag. In authentischer Umgebung können sie mit allen Sinnen erfahren und erleben, wie Landwirtinnen und Landwirte arbeiten, wie Tiere auf dem Hof leben, welche Pflanzen wie angebaut werden und welchen Einfluss die Natur auf die Landwirtschaft hat.

Der Besuch eines Bio-Bauernhofes bietet sich hierbei im Besonderen an, da hier Mensch, Tier, Boden und Pflanze stark voneinander abhängig und Tierhaltung und Pflanzenbau eng gekoppelt sind. Stoffkreisläufe werden somit weitgehend geschlossen. Der Projekttag auf dem Hof bietet den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, die Stationen dieses Stoffkreislaufes vor Ort zu erfahren, zum Beispiel in dem sie erkunden, welches Futter das Vieh erhält, woher das Futter stammt, wie die (Futter-)Pflanzen angebaut werden und welcher Dünger verwendet wird.

Die Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau gewähren allen Interessierten einen Einblick in die Öko-Landwirtschaft. Hier finden Sie mehr Informationen, Betriebsporträts und Adressen.

Unterrichtsskizze

Dieser Projektvorschlag bietet Anregungen, um den Besuch eines Bio-Bauernhofes vorzubereiten und durchzuführen. Die Inhalte sollten aber individuell an die Bedürfnisse der jeweiligen Klasse und an die Dauer des Aufenthaltes angepasst werden. Ziel soll es sein, eine wirklichkeitsnahe und ökologische Landwirtschaft zu vermitteln und das Sammeln neuer Erfahrungen zu ermöglichen.

Vorbereitung

Bei der Vorbereitung des Exkursionstages sind viele Dinge zu berücksichtigen. Der Leitfaden kann im Vorfeld die Arbeit vereinfachen.

Zur Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf den Besuch des Bauernhofes können die Sachtexte T 1 bis T 3 genutzt werden. Die Texte thematisieren die häufigsten Produktionsrichtungen von landwirtschaftlichen Betrieben: Milchviehhaltung, Schweinehaltung und Ackerbau. Texte zu anderen landwirtschaftlichen Richtungen und vielen weiteren Themen aus dem ökologischen Landbau können im Ökolandbauportal gefunden werden. Es sollten die Themen behandelt werden, die auf dem Hof, der besucht wird, relevant sind.

Zur Nachbereitung des Bauernhofbesuchs sollen die Schülerinnen und Schüler ein gemeinsames Erlebnistagebuch erstellen. Hierfür ist es notwendig, dass sie sich je nach Interesse nach dem Lesen der Sachtexte in verschiedenen Forschergruppen zusammenfinden. Diese Forscherinnen und Forscher kümmern sich beim Besuch auf dem Bauernhof besonders um einen Themenbereich, den sie beobachten, zu dem sie im Vorfeld Fragelisten erarbeiten und beim Hofbesuch die Antworten suchen. Im Anschluss an die Exkursion soll das Erlebte möglichst vielfältig dokumentiert werden. Mögliche Forscherthemen werden auf Folie F 1 "Forscherthemen" vorgestellt. Die hier genannten Themen decken ein breites Spektrum der Landwirtschaft ab, das auf einem Bauernhof nicht so zu finden ist. Die Folie muss daher an das Angebot des Biobauernhofes angepasst werden, der besucht werden soll.

Die Forscheraufgaben bekommen die Schülerinnen und Schüler im Arbeitsauftrag A 1 "Forscheraufgaben".

Projektdurchführung

Wie die eigentliche Exkursion durchgeführt wird und welche Aktivitäten angeboten werden, sollte mit der Landwirtin bzw. dem Landwirt frühzeitig besprochen werden. Häufig bieten die landwirtschaftlichen Betriebe mehr oder weniger feste Programme zu verschiedenen Themen für Schulklassen an. Hier einige Vorschläge, welche Aktionen in Frage kommen könnten:

Im Stall

  • Sinnexperimente: Die Schülerinnen und Schüler schließen die Augen und halten sich die Nase zu - Was hören sie? Können sie sagen, was es ist?
  • Die Schülerinnen und Schüler schließen die Augen und halten sich die Ohren zu - Was riechen sie? Können sie sagen was es ist?
  • Bei den Kühen und Kälbern: Wer mag, kann einer Kuh ein Büschel Gras oder ähnliches hinhalten und beobachten, mit welcher Technik das Tier das Futter nimmt. Dabei merkt man auch, wie rau die Zunge der Kuh ist. Im Kälberstall können die Schülerinnen und Schüler die Kälber an einem Finger saugen lassen.
  • Bei den Schweinen: Wenn Schweine fressen, wird es laut. Die Kinder können dies testen, wenn sie die Tiere füttern. Interessant ist auch der akustische Vergleich beim Möhrenessen: Wie klingt es bei den Schweinen, wie bei den Kindern? Wer kann es am leisesten?

Auf Äckern und Wiesen

  • Pflanzen bestimmen: Auf Wiese und Feldern wachsen viele Pflanzen, mit Hilfe von Bestimmungsbüchern können die Schülerinnen und Schüler Pflanzen bestimmen. Alternativ werden die Pflanzen gesammelt oder Fotos davon gemacht, die später in der Klasse bestimmt werden.
  • Herbarium: Die Kinder sammeln Gräser und Kräuter von der Wiese. Sie pressen diese und legen ein Herbarium für die Dokumentation an.
  • Spatenprobe: Die Schülerinnen und Schüler führen eine erste Bodenuntersuchung durch: Mit Spaten oder Grabgabel stechen sie ein Stück Boden ab und untersuchen, welche Tiere und ob Pflanzenreste und Wurzeln darin zu finden sind. Sie fühlen, welche Konsistenz die Erde hat, ...

Auf dem Hof

Einige Höfe bieten beispielsweise in einem Hofladen Lebensmittel aus eigener Produktion an. Gegebenenfalls gibt es die Möglichkeit, dass die Kinder hier mit helfen: Brot backen, Käse machen, Saft pressen, ...

Für den ganzen Exkursionstag

Die Schülerinnen und Schüler können mit Suchaufträgen animiert werden, sich den landwirtschaftlichen Betrieb genauer anzusehen. Diese Aufträge können beispielsweise bestimmte Gegenstände auf dem Hof betreffen, die von den Kindern fotografiert werden sollen. Aufträge die die Kreativität der Schülerinnen und Schüler fordern, wären Sammelaufträge wie "etwas Glattes", "etwas Stacheliges", "etwas, das gut riecht", "etwas Grünes/Braunes/...", "etwas mit einem Loch", "etwas, das eine Geschichte erzählen kann", "etwas verdorrtes", ... Auch der Phantasie der Lehrkraft sind hier keine Grenzen gesetzt. Die Suchaufträge sollten auf Karten geschrieben werden und am Ende der Exkursion zusammen mit den gefundenen Dingen oder Fotos in der Klasse ausgestellt werden. Eine solche Ausstellung bietet zudem vielfältige Möglichkeiten die Exkursion nachzubereiten.

Die Forschergruppen widmen sich - gegebenenfalls in einer Freiarbeitszeit - ihrem Forschungsthema, führen die Befragung durch und sammeln Material mit dem sie ihr Thema im Erlebnistagebuch dokumentieren wollen. Die Schülerinnen und Schüler sollten in der Vorbereitung eigene Fragebögen erarbeiten und eigenständig überlegen, wie sie ihr Thema aufbereiten. Alternativ können die Fragebögen A 2 bis A 4  als Bauernhof-Rallye verwendet werden.

Nachbereitung

Im Nachgang zum Projekttag erstellen die Schülerinnen und Schüler gemeinsam ein Erlebnistagebuch über den Besuch auf dem Bauernhof. Die Gestaltung des Buches wurde im Vorfeld in der Klasse vorbereitet. Es wäre schön, wenn eine Gelegenheit gefunden wird, bei der das Buch ausgestellt werden kann, zum Beispiel bei einem Schulfest oder dem Tag der offenen Tür.

Das Buch beinhaltet Zeichnungen und Bilder der Kinder sowie eventuell Fotos und Tonaufnahmen vom Projekttag, die Antworten auf die Fragen an die Betriebsangehörigen und gesammelte Dinge wie Gräser, Getreideähren, getrocknete Pflanzen, Federn. Es ist auch denkbar, die Dokumentation in Form eines Hörspiels mit Interviews und Geräuschen aufzubereiten. Die Ergebnisse und Berichte könnten auch online veröffentlicht werden, auf der Schulhomepage oder beispielsweise unter www.primolo.de.

Die Unterrichtseinheit "Expedition Biobauernhof" können Sie hier als Word-Datei und als PDF-Datei herunterladen.

Empfohlene Fächer

Sachunterricht, fächerübergreifende Ausweitung möglich

Zeitaufwand für die Unterrichtsdurchführung

Ein Projekttag, sowie eine Doppelstunde zur Vor- und zwei Doppelstunden zur Nachbereitung.

Ideen und Anregungen

Für den fächerübergreifenden Unterricht können die Schülerinnen und Schüler Zahlen und Daten, die sie auf dem Biobauernhof gesammelt haben (Anzahl der Tiere, Milchleistung einer Kuh, Futtermenge der Tiere, Fläche der Äcker, ...) Rechenaufgaben für den Mathematikunterricht entwickeln und diese von ihrem Mitschülern lösen lassen.
Beispiele:

  • Wenn eine Kuh 25 Liter Milch pro Tag gibt, wie viel Milch kann Bauer ... dann pro Tag melken?
  • Wenn ein Schwein ... Kilogramm Grünfutter pro Tag frisst und der Bauer ... Kilogramm auf seinen Wiesen ernten kann, wie viele Schweine kann er dann füttern?
  • Zahlenmaterial vom Biobauernhof, der besucht wurde

Aus Detailfotos von verschiedenen Dingen auf dem Bauernhof und entsprechenden Wortkarten zu diesen Dingen kann ein Memo-Spiel gebastelt werden. Die Schülerinnen und Schüler werden damit angeregt auch auf Feinheiten zu achten.

Beispiele für Memo-Motive wären das Ohr einer Kuh, Felgenschrauben am Traktor, der Schuh des Landwirts oder die Haspel des Mähdreschers.

Lehrplanbezug

Aufgrund der Vielzahl der länderspezifischen Lehrpläne für die Grundschule werden in diesem Material exemplarisch die Pläne von Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Bayern zugrunde gelegt:

  • Hamburg: Kompetenzbereich Orientierung in unserer Welt (Räume, Naturphänomene); Kompetenzbereich Erkenntnisgewinnung (Zusammenleben gestalten, Naturphänomene untersuchen); Kompetenzbereich Urteilsbildung (sich mit der Gestaltung von Räumen auseinandersetzen, mit der Natur verantwortlich umgehen)
  • Mecklenburg-Vorpommern: Themenfeld: Naturphänomene erschließen; Themenfeld: Räume entdecken
  • Nordrhein-Westfalen: Bereich: Natur und Leben; Bereich: Technik und Arbeitswelt; Bereich: Raum, Umwelt und Mobilität
  • Bayern: Themenbereich: Leben mit der Natur; Themenbereich: Erkunden der Umwelt; Themenbereich: Zusammenleben

Dieses Unterrichtsprojekt ist so konzipiert, dass die Schülerinnen und Schüler bereits über Lesefähigkeiten und der Fähigkeit in einem vorgegebenen Rahmen eigenständig zu arbeiten, verfügen sollten.

Für die Umsetzung der Einheit in der Sekundarstufe I bietet sich die Anknüpfung an die Themenkomplexe "Tiere und Pflanzen in ihren Lebensräumen" im Fach Biologie und "Landwirtschaft in Deutschland" im Fach Erdkunde an.

Kompetenzziele

Die Schülerinnen und Schüler ...

  • erleben und beschreiben, wo unsere Grundnahrungsmittel erzeugt werden, wie der Biolandwirt arbeitet, wie das Kreislaufprinzip des Ökolandbaus funktioniert.
  • benennen verschiedene Nutztiere und Nutzpflanzen und deren Bedürfnisse und beurteilen den Umgang mit der Natur im Sinne ethischen Verhaltens.
  • nennen Beispiele für natürliche Ökosysteme (Nützlinge, Artenvielfalt, organische Düngung, Schädlingskontrolle).
  • lernen Arbeitstechniken, Produktionsabläufe und den Arbeitsaufwand in einem landwirtschaftlichen Betrieb kennen.
  • begründen und bewerten die Wechselbeziehungen zwischen dem Landwirt und Natur und Umwelt.
  • bereiten einfache Umfragen vor und führen diese durch.
  • planen eigenständig Untersuchungen, Fragen und Versuche zu einem Thema.
  • stellen Daten und Ergebnisse aus ihren eigenen Beobachtungen in einem Erlebnistagebuch dar.
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