Phosphordünger Struvit

Phosphor zurück in den Kreislauf – Struvit als Chance für den Ökolandbau

Sinkende Phosphorgehalte im Boden stellen viele Öko-Betriebe vor Herausforderungen – vor allem, wenn keine hofeigenen Wirtschaftsdünger zur Verfügung stehen. Mit Struvit steht ein potenzieller Recyclingdünger zur Verfügung, der den Kreislauf schließen und die Versorgung sichern kann. Forschungsergebnisse zeigen, wie Struvit in der Praxis wirkt und wo es Potenzial hat.

Phosphor ist ein unverzichtbarer Pflanzennährstoff. Ein  Mangel führt bei zahlreichen Kulturpflanzen zu Ertrags- und Qualitätseinbußen führt. Besonders empfindlich reagieren Futterleguminosen wie Klee, Luzerne oder Ackerbohnen: Sinkt die Phosphorversorgung, reduzieren die Pflanzen ihre biologische Stickstofffixierung, wodurch weniger Stickstoff für die gesamte Fruchtfolge zur Verfügung steht. Das wirkt sich unmittelbar auf Ertrag und Qualität der Folgekulturen aus.

Phosphorgehalte der Böden nehmen ab

Wie verschiedene Studien zeigen, ist seit Jahren ein rückläufiger Trend bei pflanzenverfügbarem Phosphor in ökologisch bewirtschafteten Böden zu beobachten. Besonders betroffen sind vieharme und viehlose Betriebe, die ohne hofeigene Wirtschaftsdünger auskommen müssen. Die durch die Kulturpflanzen entstehenden Phosphorentzüge können dort bislang nur schwer wieder ausgeglichen werden. Wird dieser Verlust langfristig nicht kompensiert, droht ein schleichender Rückgang der Bodenfruchtbarkeit.

Grenzen der Phosphor-Rückführung im Ökolandbau

In der ökologischen Landwirtschaft sind synthetisch-mineralische Phosphordünger wie Superphosphate oder Ammoniumphosphate verboten. Neben Wirtschaftsdüngern stehen Öko-Betrieben in der Regel nur begrenzte Möglichkeiten zur Verfügung, um die Phosphorversorgung der Kulturpflanzen zu stabilisieren.

Kompost aus dem Kompostwerk zum Beispiel ist so eine, immer häufiger genutzte Möglichkeit. Er enthält jedoch nur wenig schnell pflanzenverfügbaren Phosphor und reicht in der Regel nicht aus, um den Bedarf der Pflanzen zu decken.

Eine andere Möglichkeit ist der Einsatz weicherdiger Rohphosphate. Sie weisen im Schnitt Phosphatgehalte von 26 Prozent auf. Sie zeigen jedoch nur auf leichten und eher sauren Böden eine nennenswerte Wirkung und weisen immer häufiger unerwünschte Schadstoffe wie Cadmium oder Uran auf. Hinzu kommt, dass die weltweiten Rohphosphatvorkommen endlich und die noch vorhandenen Reserven immer schwerer zu erschließen sind.

Die derzeitige Phosphor-Düngepraxis ist somit weder nachhaltig noch wird sie dem Kreislaufgedanken des Ökolandbaus gerecht: Der Phosphor, der den Betrieb mit den Ernteprodukten verlässt und über die daraus erzeugten Lebensmittel konsumiert wird, wird nicht wieder über die menschlichen Ausscheidungen auf die Flächen zurückgeführt. So geht der Nährstoff dem landwirtschaftlichen System dauerhaft verloren.

Recycling-Phosphor – die Chance aus dem Klärwerk

Jährlich fallen in deutschen Kläranlagen etwa zwei Millionen Tonnen Klärschlamm an, die insgesamt rund 60.000 Tonnen Phosphor enthalten. Damit ließen sich laut der Technischen Universität Braunschweig rund 40 Prozent des Phosphorbedarfs für die Herstellung von Mineraldünger decken.

Bisher wird der Klärschlamm jedoch überwiegend verbrannt und die phosphorreiche Asche entsorgt. Teils gelangt er auch direkt als Dünger auf landwirtschaftliche Flächen konventionell geführter Betriebe. Das Problem mit Klärschlamm ist jedoch: Er enthält neben wichtigen Pflanzennährstoffen auch Rückstände aus kommunalen und industriellen Abwässern wie Schwermetalle, Arzneimittel, Chemikalien und Plastikpartikel.

Mit der 2017 erfolgten Novellierung der Klärschlammverordnung hat die Bundesregierung die Verwertung neu geregelt: Ab 2029 sind die Betreiber von großen Kläranlagen verpflichtet, Phosphor aus Klärschlamm oder aus der Asche der Klärschlammverbrennung zurückzugewinnen und wiederzuverwerten. Entsprechend wurden in den vergangenen Jahren Verfahren entwickelt, um Phosphor in reiner, schadstoffarmer Form zurückzugewinnen.

Struvit – Eigenschaften und Herkunft

Unter den möglichen Phosphor-Rückgewinnungsprodukten rückt Struvit derzeit besonders in den Fokus. Bei Struvit handelt es sich um ein Magnesium-Ammonium-Phosphat mit der chemischen Formel MgNH₄PO₄·6H₂O. Es enthält rund fünf Prozent Stickstoff, 23 Prozent Phosphat (P₂O₅) und etwa zwölf Prozent Magnesiumoxid.

Struvit zeichnet sich durch eine sehr geringe Wasserlöslichkeit aus, wodurch nahezu keine Auswaschung zu befürchten ist. Gleichzeitig ist der Phosphor zu 84 Prozent neutral-ammonium-citrat-löslich und damit sehr gut für Pflanzenwurzeln mobilisierbar. Die im Struvit gebundenen Nährstoffe werden von den Pflanzen über die Vegetationsperiode hinweg bedarfsgerecht erschlossen. Neben dem Phosphor wirkt auch das enthaltene Magnesium aus dem Struvit positiv auf das Pflanzenwachstum und die Eiweißbildung.

Struvit als hochwertiger Dünger: Ressourcenschonend, schadstoffarm und EU-konform

In der kommunalen Abwasserbehandlung fällt Struvit aus, wenn gelöster Phosphor mit Magnesium und Ammonium reagiert. Die Technische Universität Braunschweig hat in mehreren Forschungsprojekten ein Verfahren entwickelt, bei dem der Nährstoffkomplex gezielt aus dem Rücklaufschlamm von Kläranlagen gefällt werden kann. Das Ergebnis ist ein sehr reines Produkt, das kaum Schwermetalle enthält, frei von organischen Schadstoffen ist und alle Vorgaben der EU-Düngeprodukteverordnung erfüllt.

Durch die kontrollierte Kristallisation wird Struvit nicht nur als hochwertiger Dünger nutzbar, sondern trägt auch zur Vermeidung von Ablagerungen in Rohrleitungen und zu einer stabileren Kläranlagenleistung bei. Die Produktion von Struvit benötigt zudem deutlich weniger Energie und bietet dadurch in Sachen Ökobilanz einen klaren Vorteil gegenüber Mineraldüngern auf Basis von Rohphosphat.

Struvit: Zugelassen im Ökolandbau

Seit 2023 lässt die EU-Öko-Verordnung Struvit als Dünger im Ökolandbau zu, sofern dieser die Anforderungen der EU-Düngeprodukteverordnung (VO (EU) 2019/1009) erfüllt und das von dieser Verordnung vorgesehene Konformitätsbewertungsverfahren erfolgreich durchlaufen hat.

Struvit im Praxistest: Ähnliche Ertragswirkung wie konventionelle Phosphordünger

Mehrere Forschungsarbeiten haben die Wirkung von Struvit auf dem Feld untersucht. Im Projekt "Öko-P" der Landwirtschaftskammer NRW und der Universität Bonn wurde Struvit auf Standorten mit niedriger Phosphorversorgung erprobt. Im ersten Jahr führte die Düngung bei Kleegras zu einer deutlichen Ertragssteigerung und zu höheren Phosphorgehalten in der Biomasse. Bei Mais wurden zwar höhere Phosphoraufnahmen festgestellt, jedoch keine signifikanten Ertragsunterschiede. Im zweiten Versuchsjahr wurden für keine der beiden Kulturen Düngeeffekte festgestellt.

Im Projekt "P-Net" hat das Julius Kühn-Institut zusammen mit anderen Projektpartnern Struvit in pelletierter und granulierter Form unter Praxisbedingungen getestet. In On-Farm-Versuchen mit Mais und Kartoffeln auf insgesamt elf Flächen erreichten die Struvit-Varianten – unabhängig von Bodenart und pH-Wert – vergleichbare Erträge und Phosphoraufnahmen wie die konventionelle Düngung mit Diammonphosphat (DAP) oder Triplesuperphosphat (TSP).

Da sich in dem regional begrenzten Projektgebiet keine geeigneten Praxisflächen mit starkem Phosphormangel finden ließen und – wie die Versuchsergebnisse des Projekts "Öko-P" zeigen – selbst Böden der Gehaltsklassen A oder B oft noch ein sehr hohes Phosphor-Nachlieferungsvermögen besitzen, wurden im Projekt ergänzend sogenannte Mesokosmenversuche angelegt. Dabei handelt es sich um große, im Freiland aufgestellte Container mit einem speziell zusammengesetzten, stark phosphorarmen Substrat aus Quarzsand, Ton und Rindenhumus. Dieses Substrat erlaubt es, die Düngewirkung von Phosphordüngern unter kontrollierten, aber dennoch feldähnlichen Bedingungen zu prüfen.

In den Versuchsjahren 2023 bis 2025 wurde in den Mesokosmen eine Fruchtfolge aus Weidelgras, Mais, Grünroggen und Kartoffeln angebaut. Unter diesen gezielt geschaffenen Mangelbedingungen erzielten die mit Struvit und mit DAP gedüngten Varianten vor allem bei Mais und Kartoffeln, also den Fruchtarten mit schwachem Phosphor-Aneignungsvermögen, signifikant höhere Erträge und Phosphoraufnahmen (P-Gehalte für die Kartoffelernte 2025 liegen zu Redaktionsschluss noch nicht vor) als die Rohphosphatvariante und die ungedüngte Kontrolle. Zwischen Struvit und DAP traten dabei keine signifikanten Unterschiede auf. Die Versuche zeigen somit, dass Struvit auch auf Flächen mit akuter Phosphor-Unterversorgung eine vergleichbare Wirkung wie hochlösliche Mineraldünger entfalten kann.

Anwenderfreundliche Granulate: Struvit in geeigneter Form für den Feldeinsatz

Für die landwirtschaftliche Anwendung ist die physische Form des Düngers entscheidend. Feines Struvitmehl ist staubig und lässt sich nur schwer gleichmäßig ausbringen. In den ersten Praxisjahren wurde daher pelletiertes Struvit eingesetzt. Diese Pellets erwiesen sich jedoch teilweise als zu weich oder zu kantig, was bei bestimmten Düngetechniken zu Verstopfungen führte. Aus diesen Erfahrungen heraus wurde die Produktion auf widerstandsfähigere Granulate umgestellt, die sich mit gängiger Technik problemlos dosieren und ausbringen lassen.

Potenziale und Herausforderungen für die ökologischen Landwirtschaft

Struvit bietet dem Ökolandbau die Möglichkeit, die Phosphorversorgung zu sichern und gleichzeitig den Nährstoffkreislauf zu schließen. Es ist ressourcenschonend herstellbar, regional verfügbar, gut pflanzenverfügbar und weist eine sehr geringe Belastung mit Schwermetallen oder organischen Schadstoffen auf.

Derzeit gibt es einige wenige im Ausland produzierte Struvit-Dünger auf dem deutschen Markt, von denen bislang einer für den Ökolandbau zugelassen ist. Laut Dr. Martina Winker vom Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE), die am Projekt P-Net beteiligt ist, gibt es inzwischen auch einen ersten deutschen Anbieter, der aktuell das für Öko-Düngemittel relevante Konformitätsbewertungsverfahren nach EU-Düngeprodukteverordnung anstrebt. Winker schätzt, dass in naher Zukunft mit einem ersten deutschen Struvit-Düngeprodukt zu rechnen ist, das die Zulassung für den Ökolandbau hat.

Angesichts der in Deutschland ab 2029 verpflichtenden Phosphorrückgewinnung für große Kläranlagen (> 100.000 EW) dürfte das Angebot in den kommenden Jahren deutlich steigen, wenn der erste großtechnische Dauerbetrieb steht. "Großtechnischen Verfahren für die Struvit-Fällung, die auch die gesetzlichen Anforderungen an die Rückgewinnungsquoten erfüllen, gibt es inzwischen von verschiedenen Herstellern", sagt Winker. "Nun gilt es, dass die Kläranlagen diese auch einsetzen."

Ob Struvit irgendwann seinen Platz als Standarddünger im Ökolandbau findet, hängt nicht zuletzt auch davon ab, wie schnell Landwirtinnen und Landwirte Vertrauen in die neue Düngergeneration entwickeln und wie wirtschaftlich der Einsatz gestaltet werden kann, so Winker. Damit Struvit im Ökolandbau langfristig erfolgreich eingesetzt wird, braucht es neben einer gesicherten Produktqualität auch praxisnahe Beratung, um die Potenziale des Düngers optimal zu nutzen.

Autor: Jörg Planer, Meckenheim


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Letzte Aktualisierung 16.09.2025

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