Bio-Rinderfütterung mit der Obsalim-Methode: Sehen und verstehen, was die Kuh von ihrer aktuellen Futterration hält
87772 Pfaffenhausen

Beginnend bei der richtigen Standort- und Sortenwahl spielen im Bio-Kartoffelanbau die Bodenvorbereitung, Düngung, Pflegemaßnahmen, Pflanzenschutzbehandlungen und die Bewässerung eine wichtige Rolle.
Mit diesem Blogbeitrag startet eine Beitragsreihe zum Thema Pflanzenernährung. Eine ausgewogene Pflanzenernährung …
Nacheinander werden wir die essenziellen Pflanzennährstoffe Stickstoff, Phosphor, Kalium, Calcium, Magnesium und Schwefel vorstellen und erklären, welche Funktionen sie in welcher Entwicklungsphase haben und wie sich eine Überschuss- bzw. Mangelsituation auf die Pflanze auswirkt. Welche Interaktionen es zwischen den Nährstoffen und anderen biotischen und abiotischen Faktoren gibt, wird dann in einem zusammenfassenden Beitrag erörtert.
Sie sind gerade auf dem Kartoffelacker unterwegs und haben keine Zeit, sich den Beitrag über die Bedeutung von Stickstoff im Nährstoffmanagement bei Kartoffeln durchzulesen? Diesen Beitrag des Öko-Blogs Kartoffel können Sie sich auch auch unkompliziert anhören! Klicken Sie dafür einfach auf den Play-Button:
Stickstoff (N) ist für verschiedene Lebensprozesse unverzichtbar, zum Beispiel
Im landwirtschaftlichen und gärtnerischen Anbau vieler Acker- und Gemüsekulturen wirkt die N-Versorgung als ertragslimitierender Faktor – insbesondere im Öko-Landbau (Berry et al. 2002), da hier auf eine Anwendung chemisch-synthetischer und leichtlöslicher N-Dünger verzichtet wird. Der Stickstoff für die Fruchtfolge wird vor allem durch den Anbau von (Futter-) Leguminosen (Bindung molekularen Luftstickstoffs durch Knöllchenbakterien) und die Ausbringung organischer Düngemittel bereitgestellt.
Diese Düngemittel müssen dann, in Abhängigkeit von der Bodenaktivität, -temperatur und -feuchtigkeit sowie der Beschaffenheit der Substrate selbst (C/N-Verhältnis), jedoch zunächst mineralisiert werden, damit sie von den Pflanzen aufgenommen und ertragswirksam genutzt werden können. Die Umsetzung einer bedarfsgerechten und zeitlich passgenauen Versorgung einer Kultur mit Stickstoff kann hierdurch und zusätzlich durch die spezifischen Düngungsansprüche zu einer komplexen Aufgabe für Landwirtinnen und Landwirten werden.
Stickstoff gilt als der wichtigste ertragslimitierende Faktor im Bio-Kartoffelanbau (Bucher und Kossmann 2007; Silva et al. 2013). Bei einem ertragsbezogenen N-Bedarf von rund 0,43 kg/dt (Kolbe et al. 2012) und einem geschätzten Ertrag von 300 bis 350 dt/ha ergibt sich ein sortenabhängiger Bedarf von 130 bis 150 kg N/ha.
Der Rohertrag der Kartoffel setzt sich aus drei Komponenten zusammen (De la Morena et al. 1994):
Bezogen auf die Stickstoffversorgung ist das Zusammenspiel aus verfügbarer Menge und dem entsprechenden Zeitpunkt der Pflanzenentwicklung essenziell für einen hohen Ertrag und eine hohe Knollenqualität. Nach 45 Wachstumstagen, also knapp sechs Wochen nach dem Auflaufen, hat die Pflanze bereits über 70 Prozent ihres saisonalen N-Bedarfs aufgenommen (Kolbe et al. 2012).
Während der Bedarf zur Keimung noch relativ gering ist, wirkt Stickstoff in den weiteren Phasen der Blattentwicklung bis zur Blütenbildung ertragsstimulierend. Hier investiert die Pflanze in ihren Blattapparat, also in die Fotosyntheseleistung. Die ertragsstimulierende Wirkung des Stickstoffs beruht insbesondere auf einer Vergrößerung des Blattflächenindex und einer Verzögerung der Alterung. Beides bewirkt eine Steigerung der Blattflächendauer, die eng mit der Ertragsleistung, unter anderem bestimmt durch den Knollenertrag und das Knollengewicht, zusammenhängt (Keller et al. 1999).
Das Hauptmassenwachstum der Knollen beginnt mit dem Erscheinen der ersten Blütenknospen und verläuft bis zum Vergilben der Blätter nahezu linear (Hack et al. 1993). Um nicht nur einen hohen Ertrag, sondern auch eine hohe Knollenqualität zu gewährleisten, ist ein rechtzeitiges Abreifen der Pflanzen wichtig. Vor der Ernte sollten die Knollen etwa drei Wochen in der Erde liegen, um schalenfest zu werden. Da die Kartoffel im Vergleich zu anderen Feldfrüchten, wie zum Beispiel dem Winterweizen, kein determiniertes Wachstum aufzeigt kann die Verzögerung der Alterung, also fehlende Abreife zum Problem werden.
Ferner zeigt die Stickstoffversorgung der Pflanze einen starken Einfluss auf die Inhaltsstoffe der Knollen.
Konkret ergeben sich folgende Konsequenzen aus einer Über- bzw. Unterversorgung mit Stickstoff für die Kartoffelpflanze und ihre Knollen (Kolbe et al. 2012):
Ist die Kartoffelpflanze in den ersten sechs Wochen nach dem Auflaufen nur unzureichend mit Stickstoff versorgt, schlägt sich dies auf das vegetative Wachstum, in Form einer verringerten Blattmasse- und damit auch Fotosyntheseleistung, nieder. Dies ist auf die Beteiligung von Stickstoff an den eingangs aufgeführten Stoffwechsel- und Wachstumsprozessen zurückzuführen. Versuche von Kolbe (2021) haben gezeigt, dass die Merkmale des Blattapparates (Wuchshöhe, Krautdeckungsgrad) sowie die Fotosyntheserate wiederum eng mit der Knollenbildung und dem Knollengewicht korrelieren. Wodurch eine unzureichende N-Versorgung der Pflanze im frühen Entwicklungsstadium zu einer Reduktion des Knollenansatzes und in einer späteren Phase zur Verringerung des Knollengewichts führt.
Proteine (Eiweiße) werden aus Aminosäuren synthetisiert. Diese Säuren wiederum enthalten mindestens eine namensgebende, stickstoffhaltige funktionelle Aminogruppe (-NH2). Die Synthese von Proteinen ist folglich direkt von der N-Verfügbarkeit abhängig. Bei einer unzureichenden Versorgung der Pflanze mit Stickstoff werden weniger Proteine gebildet und in die Knolle eingelagert.
Im Gegensatz dazu ist der Knollengehalt an reduzierenden Zuckern, wie Glucose und Fructose, bei einer unzureichenden N-Versorgung der Pflanze deutlich erhöht. Diese Zuckermoleküle reagieren bei einer starken Erhitzung, beispielsweise beim Frittieren, mit der ebenfalls in den Knollen enthaltenen Aminosäure Asparagin zu Acrylamid. Metaboliten des Acrylamids wiederum, die nach dem Verzehr im Körper entstehen, gelten als krebserregend. Ein erhöhter Gehalt an reduzierenden Zuckern in der Kartoffelknolle ist deshalb durch eine bedarfsgerechte N-Versorgung zu vermeiden. Die höhere Aufnahme von N führt zu einer Verringerung der verfügbaren Mono- und Disaccharide im Pflanzenstoffwechsel, da diese dann für die Synthese von Aminosäuren und Amide, wie Glutamin und Asparagin, verwendet werden (Wilde et al. 2006).
Der Stärkegehalt der Knollen, der sich je nach Kochtyp und Verwertung der Kartoffel unterscheidet und dabei zwischen etwa 10 und 25 Prozent liegt, sinkt bei einer Steigerung der N-Düngung. Möglicherweise handelt es sich dabei um einen indirekten Wachstumseffekt, der auf die ungleichmäßige Verteilung der Stärke in der Knolle zurückzuführen ist. Diese ist insbesondere im Mark, also im Inneren der Knolle konzentriert. Eine erhöhte N-Versorgung regt jedoch vor allem den stärkearmen Cortex, die Rindenschicht der Knolle, zum Wachstum an (Keller et al. 1999).
Weiterhin kann der verminderte Stärkegehalt der Knolle bei einer überhöhten N-Düngung auf die damit einhergehende verzögerte Alterung der Pflanze zurückzuführen sein. Eine hohe N-Verfügbarkeit regt die Pflanze zur Bildung neuer Blätter an und verlängert so ihre Vegetationsdauer. Die Einlagerung von Stärke in die Kartoffelknolle ist jedoch mit dem Abreifeprozess assoziiert.
Die Proteinqualität der Kartoffel ist nach Storey (2007) in etwa mit der eines Hühnereis zu vergleichen und zeichnet sich insbesondere durch den hohen Gehalt an essentiellem Lysin aus. Die biologische Wertigkeit von Protein ergibt sich aus seiner Zusammensetzung – für eine optimale Verwertung im menschlichen Stoffwechsel müssen Komponenten, wie das Reinprotein, freie Aminosäuren und Amide in einem bestimmten Verhältnis zueinander enthalten sein. Die biologische Wertigkeit des Kartoffeleiweißes wird durch den Gehalt an Methionin, eine essenzielle Aminosäure, die nur in geringem Umfang von der Pflanze synthetisiert wird, limitiert.
Bei einem Überangebot von N wird die Synthese von Amiden, wie Glutamin und Asparagin, stärker begünstigt (Keller et al. 1999). Das ist vermutlich auf ihre höhere N-Bindung durch zwei funktionelle Aminogruppen (Methionin und andere AS besitzen lediglich eine Amino-Gruppe) zurückzuführen, wodurch N in einer günstigeren Form, mit niedrigerem C/N-Verhältnis effizienter in der Pflanze gespeichert und transportiert werden kann (Muttucumaru et al. 2013). Das Verhältnis der Proteinkomponenten zueinander wird jedoch zugunsten der Amide verändert, womit die biologische Wertigkeit des Proteins gesenkt wird. Auch die verminderte Schmackhaftigkeit überdüngter Kartoffeln kann mit dem erhöhten Gehalt dieser Verbindungen erklärt werden (Keller et al. 1999).
Wenn der Alterungsprozess der Kartoffel aufgrund einer stetig hohen N-Verfügbarkeit verzögert wurde, kann es passieren, dass Umweltfaktoren (z.B. Krankheiten, wie die Kraut- und Knollenfäule oder Hagelschlag) den (natürlichen) Abreifeprozess abrupt beenden. Die Knollen haben dann ihren sortentypischen Stärke- und Trockensubstanzgehalt noch nicht erreicht und sind somit schlechter lagerfähig. Außerdem haben solche Partien erfahrungsgemäß eine schlechtere Schalenfestigkeit, was die Lagerfähigkeit weiter vermindern kann, da Schalenverletzungen Eintrittspforten für Krankheitserreger sind.
Ein weiteres Qualitätsmerkmal der Kartoffelknolle und ein geeigneter Indikator für eine überhöhte oder verspätete N-Düngung ist der Nitratgehalt der Knolle, da dieser mit einer erhöhten Verfügbarkeit von N ansteigt. Viele Vermarktungspartnerinnen und -partner verlangen jedoch niedrige Werte (Dreyer et al. 2011). Ab 200 mg N/kg Frischmasse können die Gehalte als erhöht eingestuft werden, wobei sie in ökologischen Knollen zumeist nur bei etwa 100 mg/kg liegen.
Wie die (N-)Düngung in der Praxis unter Einsatz verschiedener Düngemittel gelingen kann, wird nach der Vorstellung der anderen Nährstoffe in einem weiteren Blogbeitrag behandelt. Wer sich bis dahin selbst tiefergehend mit der Pflanzenernährung im Bio-Kartoffelanbau auseinandersetzen möchte, findet in den untenstehenden Veröffentlichungen wertvolle Anknüpfpunkte.
Amanda Birkmann (MSc)
Saskia Casper (MSc)
Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde
Fachgebiet Agrarökologie und nachhaltige Anbausysteme
Prof. Dr. Ralf Bloch
Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde
Fachgebiet Agrarökologie und nachhaltige Anbausysteme
Schicklerstr. 5, 16225 Eberswalde
E-Mail: ralf.bloch@hnee.de
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Letzte Aktualisierung 12.04.2024