Oekolandbau.de: Was sind aktuell die größten Herausforderungen für die Bio-Wertschöpfungskette in Sachsen?
Delling: Tatsächlich sind aus unserer Erfahrung die gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen das größte Hemmnis, sowohl für die ökologischen als auch die konventionellen Betriebe. Sowohl die marktwirtschaftlichen, rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen, aber auch Situation auf dem Arbeits- und Fördermarkt sind mit großen Unsicherheiten verbunden. Gleichzeitig fehlt eine breite gesellschaftliche Anerkennung und Wertschätzung der Leistungen von Bio-Unternehmen und das Bewusstsein bei vielen Betrieben, dass es sich lohnt ökologisch zu wirtschaften – sei es nur in Teilbereichen des Unternehmens.
Darüber hinaus fehlt eine umfassende und professionell aufgestellte Logistik zwischen den einzelnen Stufen der Wertschöpfungskette. Die einzelnen Akteurinnen und Akteure sind spezialisiert auf ihr Gewerk, aber verlieren Zeit und Geld, wenn sie zusätzlich ihre Produkte selbst von A nach B bringen müssen.
Oekolandbau.de: Wenn Sie einen Ausblick wagen: Wie steht es um die Bio-Branche in Sachsen in zehn Jahren?
Delling: Die Bio-Branche hat den Generationenwechsel erfolgreich hinter sich gebracht und die jungen Ökos sind mehr in der Verantwortung. All die vielen Projekte und Initiativen, die jetzt bio-regionale Wertschöpfung aufbauen, sind ein voller Erfolg und Bio-Produkte haben auf allen Ebenen eine große Relevanz. Gleichzeitig ist es normal und in Ordnung, wenn Unternehmen sowohl ökologische als auch konventionelle Lebensmittel verarbeiten und die vorhandenen Ressourcen sinnvoll genutzt werden.
Oekolandbau.de. Und zum Abschluss: Wenn Sie einen Wunsch hätten, der morgen in Erfüllung geht, welcher wäre das?
Delling: In der Politik wünsche ich mir viel mehr interdisziplinäres Denken und Handeln, was über die einzelnen Ressorts und Ministerien hinausgeht. Im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung wünsche ich mir, dass wir nicht nur von den jungen Menschen Lernbereitschaft erwarten, sondern alle bereit sind Fehler zu machen und sich weiterzubilden. Denn wir werden alle ein Stückchen schlauer, wenn wir zusammenarbeiten.