Biotrauben

Mehr heimische Biotrauben genießen

Tafeltrauben sind empfindliche Früchtchen. Ein Hagelschauer oder zu viel Regen kann ihre weiche Schale platzen lassen. Wespen können sie leicht durchstechen. Kernproblem im ökologischen Tafeltraubenanbau sind jedoch Pilzkrankheiten wie Mehltau. Um die Früchte zu schützen, ist vorbeugender Pflanzenschutz gefragt. Der beginnt bei der Sortenwahl. Am besten eignen sich pilzwiderstandsfähige Sorten, wie sie im Bioweinbau schon üblich sind. Bioland-Betrieb Martin Gomeringer vom Bodensee setzt beispielswiese auf die weißen Sorten Fanny, Arkadia und Frumoasa Alba und die blaue kernarme Kotrianka. Beim Kollegen Jürgen Winkler aus Brackenheim haben sich als blaue Sorten noch Osella und Muscat bleu bewährt. Der württembergische Wein- und Obstbauer Winkler sucht bereits seit 1995 die optimale Sorte für den regionalen Anbau. Leider sind die bei Verbraucherinnen und Verbrauchern beliebten kernlosen Sorten krankheitsanfälliger und nicht so aromatisch. "Bis die Züchter robustere, kernlose Sorten anbieten, wird es noch ein paar Jahre dauern", schätzt Winkler.

Anbau unter Dach und Netz

Damit der Tafeltraubenanbau gelingt, brauchen sie wie Weintrauben eine gute Lage. Die Fläche sollte vor Spätfrost im Frühjahr geschützt sein und möglichst viele Sonnenstunden einfangen. Eine Hanglage muss es aber nicht unbedingt sein.

Da Tafeltrauben größer als Keltertrauben sind, brauchen sie ein luftiges, weiträumiges Anbausystem. Um die Trauben vor Wind und Feuchtigkeit und damit vor Fäulnis zu schützen, sollten die Reben möglichst überdacht und mit Hagelschutznetzen versehen sein. Beides kostet viel Geld. Da können pro Hektar schon einmal 20.000 Euro Investitions- und Anbaukosten zusammenkommen. Dafür gibt es mit Blattläusen oder anderen Schädlingen weniger Probleme als bei anderen Kulturen. Netze und Vogelscheuchen halten Vögel und Wespen fern.

Ohne Pflanzenschutz läuft es nicht

Aber auch bei bestem Bioanbau geht es nicht ohne Spritzen. Natürlich nur mit Mitteln, die nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Weinbau zugelassen sind: Gegen den Echten Mehltau kommen Gesteinsmehle, Schwefel und Backpulver, gegen den Falschen Mehltau Fenchelöl und Kupfer zum Einsatz.

Wie oft gespritzt werden muss, entscheiden die Witterung und die Robustheit der Sorten. Ganz ohne Kupfer geht es nach Erfahrungen der Praktikerinnen und Praktiker bisher leider nicht. Kupfer lässt zwar die Pilze an den Trauben absterben, schadet aber den Mikroorganismen im Boden. So gilt es, den Kupfereinsatz auf ein Minimum zu beschränken.
Kupfer im Ökolandbau

Deutlich einfacher ist die Düngung. In den Gassen zwischen den Reben wächst ein Mix aus Gras, Kräutern und Leguminosen. Letztere können den Stickstoff aus der Luft binden und für die Reben verfügbar machen. Zusätzlichen Stickstoff bekommen die Pflanzen mit organischen Düngern wie Horngrieß oder Hornmehl.

Heimische Früchte haben ihren Preis

Die Ernte der Trauben selbst ist Handarbeit. Pro Hektar liefern die Reben etwa zehn bis 18 Tonnen Früchte. Je mehr, desto besser. Denn durch die hohen Kosten für Dächer und Netze brauchen die Bioerzeugerinnen und Bioerzeuger je nach Aufwand mindestens zwei bis drei Euro für das Kilogramm Trauben, um kostendeckend zu arbeiten. Italienische Biotrauben sind für den Handel deutlich günstiger und auch in größeren Mengen zu bekommen. Deshalb gibt es bei uns bisher viel mehr Biotrauben aus Italien, Südafrika und anderen südlichen Ländern an als hiesige Ware. "Regionalität ist zwar in aller Munde, aber häufig noch nicht im Regal angekommen", bedauert Jürgen Winkler. Als Abo-Kistenbetrieb kann er 70 Prozent seiner Früchte direkt vermarkten. Für heimische Biotrauben spricht auch, dass sie deutlich weniger Pestizidrückstände enthalten. Nach der nationalen Berichterstattung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) von 2018 erhielten die untersuchten Biotrauben keine Rückstände.


Letzte Aktualisierung 05.05.2020

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