Marketing mal anders: Storytelling als digitales Erlebnis

Mittels aufgedruckter QR-Codes auf Joghurtbechern bietet die Andechser Molkerei Scheitz interessierten Verbraucherinnen und Verbrauchern Zugang zur eigenen, interaktiven 3D-Erlebniswelt. Diese bietet Raum für Storytelling, Information und spielerische Interaktion und zeigt beispielhaft, wie hybrides Marketing funktionieren kann. 

Das Wichtigste in Kürze:

  • Hybrides Marketing verbindet analoge und digitale Kanäle, um der Kundschaft ein einheitliches Markenerlebnis zu bieten und die Kundenbindung zu stärken.
  • Die Andechser Molkerei Scheitz verknüpft Joghurtbecher per QR-Code mit einer eigenen digitalen 3D-Erlebniswelt.
  • Über die Plattform erhalten interessierte Verbraucherinnen und Verbraucher unter anderem weiterführende Informationen zum Produkt, zur Herkunft und allgemeinen Themen der ökologischen Landwirtschaft.
  • Digitales Storytelling und spielerische Elemente sollen dabei komplexe Themen anschaulich, emotional und interaktiv erklären.

Wie funktioniert hybrides Marketing?

Um Zielgruppen gezielt anzusprechen und neue Käuferschichten für Bio-Produkte zu erschließen, braucht es vielfältige Wege im Marketing. Das beginnt beim Blick auf die Mediennutzung der verschiedenen Altersklassen. Während sich jüngere Zielgruppen über digitale Kanäle wie Social Media, Streaming oder Video on Demand unterhalten lassen und Informationen einholen, nutzen ältere Zielgruppen neben den digitalen Kanälen verstärkt analoge Medien wie klassische Print-, Radio- oder Fernsehwerbung. 

Die Brücke zwischen der analogen und digitalen Welt schlägt das Hybride Marketing. Durch die Kombination analoger und digitaler Elemente werden

  • eine größere Reichweite erzielt und mehr Zielgruppen erschlossen,
  • eine stärkere emotionale Bindung über die Ansprache mehrerer Sinne geschaffen,
  • präzise Daten zur Messbarkeit von Marketingmaßnahmen (zum Beispiel über QR-Codes) gewonnen,
  • sowie eine nahtlose Customer Journey durch einen einheitlichen Markenauftritt über alle Kanäle ermöglicht.

Hybrides Marketing vereint analoge und digitale Elemente mit dem Ziel, die Kundschaft effizient anzusprechen und den Rahmen für innovative Marketingstrategien zu stecken. Damit können Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken. Zur Markenbindung können zudem immersive und interaktive Elemente zum Einsatz kommen. Ein Beispiel hierfür ist der digitale Joghurtbecher der Andechser Molkerei Scheitz.

Ein Joghurtbecher als Einstieg in digitale Erlebniswelten

Seit Ende 2025 geht die Andechser Molkerei Scheitz im Marketing und Storytelling mit ihrem digitalen Joghurtbecher neue Wege. Über einen QR-Code auf der Joghurtverpackung erhalten die Verbraucherinnen und Verbraucher Zugang zur firmeneigenen 3D-Erlebniswelt. Die interaktive Plattform geht weit über klassische Produktinformationen hinaus. Dort findet man nicht nur Informationen über die Herkunft der Produkte (Stichwort Rückverfolgbarkeit) und das Mindesthaltbarkeitsdatum, sondern auch über Themen wie Tiergesundheit, Artenvielfalt und ökologische Landwirtschaft sowie Rezepte. Die digitale Initiative verfolgt dabei mehrere Ziele:

  • Informationen bereitstellen, die auf einem physischen Joghurtbecher keinen Platz finden.
  • Transparenz über die Herkunft schaffen: Welchen Weg legen die Produkte vom Bauernhof bis ins Verkaufsregal zurück?
  • Die Markenbindung durch Storytelling und Gamification, dem Einsatz spielerischer Elemente in spielfremden Umgebungen, stärken.

Für Kinder gibt es einen eigenen Bereich mit Spielen wie Memory, die an die ökologische Landwirtschaft heranführen sollen.

Storytelling, die Praxis des Geschichtenerzählens, ist eine Methode, bei der mittels realer oder konstruierter Geschichten Informationen vermittelt werden. Im Marketing verbindet Storytelling eine Marke mit Emotionen, um Aufmerksamkeit, Identifikation und Markenbindung bei der Kundschaft zu schaffen beziehungsweise zu stärken. Unternehmen erzählen beispielsweise Geschichten, die die Werte und Visionen ihrer Marke vermitteln, um damit eine emotionale Bindung und Vertrauen zur Zielgruppe herzustellen. Gutes Storytelling basiert laut Haufe Akademie auf Authentizität, Relevanz, Konsistenz, Dramaturgie und Multimedialität.

Interview mit Maximilian Walkowiak, Andechser Molkerei Scheitz

"Eine Bio-Marke hat viele erklärungsbedürftige Themen"

Maximilian Walkowiak, Brandmanager und stellvertretender Marketingleiter bei der Andechser Molkerei Scheitz, gibt der Redaktion Ökolandbau.de Auskunft über die Idee bis hin zum Feedback des digitalen Joghurtbechers der Marke ANDECHSER NATUR.

Oekolandbau.de: Wie entstand die Idee für den digitalen Joghurtbecher und der dazugehörigen 3D-Erlebniswelt?

Maximilian Walkowiak: Unser Ausgangspunkt war die Frage, wie wir unsere Markenkommunikation im wahrsten Sinne des Wortes über den Becherrand hinaus weiterentwickeln können. Der Joghurtbecher ist für viele Menschen der unmittelbarste Kontaktpunkt mit unserer Bio-Marke. Gleichzeitig gibt es rund um unsere Produkte und unsere Marke viele Informationen, für die auf einer Verpackung naturgemäß nur begrenzt Platz ist. Mit der digitalen Erlebniswelt verbinden wir deshalb die analoge mit der digitalen Welt: Der Becher wird zum Einstiegspunkt in eine weiterführende Markenwelt. Sie ermöglicht es uns, die Werte und Geschichten hinter ANDECHSER NATUR erlebbarer zu machen und dadurch auch die Bindung zur Marke zu stärken.

Oekolandbau.de: Warum setzen Sie gerade jetzt verstärkt auf digitale Formate im Marketing?

Maximilian Walkowiak: Wir sehen digitale Formate vor allem als Ergänzung unserer bestehenden Kommunikation. Gerade bei einer Bio-Marke gibt es viele erklärungsbedürftige Themen und Zusammenhänge. Nachhaltigkeit, Herkunft oder die Entstehung eines Produktes lassen sich nicht immer in einem kurzen Claim oder auf einer Verpackungsseite ausreichend vermitteln. Digitale Formate geben uns den Raum, diese Inhalte ausführlicher zu erzählen und gleichzeitig so aufzubereiten, dass der Zugang leicht und intuitiv bleibt. Entscheidend ist für uns die Verbindung beider Welten: Das physische Produkt bleibt ein zentraler Kontaktpunkt zur Marke, bekommt aber eine digitale Verlängerung.

Oekolandbau.de: Welche Rückmeldungen erhalten Sie bislang von Nutzerinnen und Nutzern? Und welche Inhalte interessieren sie besonders?

Maximilian Walkowiak: Die bisherigen Nutzungszahlen zeigen uns, dass die Bereitschaft vorhanden ist, sich intensiver mit den Inhalten auseinanderzusetzen. Die durchschnittliche Verweildauer in der Experience liegt bei rund eineinhalb Minuten. Besonders interessant ist für uns zudem, dass etwa 30 Prozent der Nutzenden wiederkehren. Das spricht dafür, dass die Erlebniswelt nicht ausschließlich als einmaliger Effekt wahrgenommen wird. Inhaltlich sehen wir einen wichtigen Erfolgsfaktor in der Mischung: Wir verbinden fundierte Nachhaltigkeitskommunikation mit einem leichten, intuitiven Zugang. Gleichzeitig greifen wir Themen auf, die sich auch in anderen Kommunikationsformaten bewährt haben – beispielsweise Rezepte und Genussinhalte. Besonders wichtig sind außerdem interaktive Elemente wie die Rückverfolgbarkeit. Sie ermöglichen Transparenz nicht nur als abstraktes Markenversprechen, sondern machen sie konkret erfahrbar. Genau diese Verbindung aus Information, Inspiration und Interaktion möchten wir weiter ausbauen.

Oekolandbau.de: Gibt es Unterschiede zwischen jüngeren und älteren Zielgruppen in der Nutzung?

Maximilian Walkowiak: Wir haben die Experience bewusst so konzipiert, dass sie nicht ausschließlich eine besonders digitalaffine oder junge Zielgruppe anspricht.

Oekolandbau.de: Welche Rolle spielen digitales Storytelling und interaktive Formate künftig für die Kommunikation von Bio-Marken?

Maximilian Walkowiak: Wir sind überzeugt, dass digitales Storytelling gerade für Bio-Marken weiter an Bedeutung gewinnen wird. Bio-Produkte stehen für Werte und Zusammenhänge, die weit über das Produkt selbst hinausgehen. Dazu gehören beispielsweise Herkunft, Landwirtschaft, Tiergesundheit, Nachhaltigkeit und die Menschen hinter den Produkten. Die Herausforderung besteht darin, diese komplexeren Themen verständlich zu vermitteln, ohne sie zu stark zu vereinfachen. Interaktive Formate bieten hier große Chancen: Nutzerinnen und Nutzer können selbst entdecken, welche Inhalte für sie relevant sind, Zusammenhänge nachvollziehen und beispielsweise über Rückverfolgbarkeit Transparenz unmittelbar erleben. Wenn es gelingt, Information, Transparenz und Erlebnis miteinander zu verbinden, können solche Formate einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Markenbindung und zur glaubwürdigen Kommunikation von Bio leisten.


Letzte Aktualisierung 14.10.2026

Autorin: Birgit Rogge, AMI

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