Berufliche Perspektiven im Bio-Handel

Berufliche Perspektiven im Bio-Handel

Fachkräftemangel, Strukturwandel und veränderte Konsumgewohnheiten stellen auch den Bio-Markt vor große Herausforderungen. Gleichzeitig bietet der Bio-Handel zahlreiche Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für den interessierten Nachwuchs. Welche das sind und wie junge Unternehmerinnen und Unternehmer auf ihren Einstieg in die Bio-Branche blicken, lesen Sie hier.

Der (Bio-) Handel steht vor zahlreichen Herausforderung. Einerseits fehlen laut Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) trotz des Beschäftigungsrückgangs ausgebildete Fachkräfte in Verkaufsberufen, vor allem im Verkauf sowie der Verarbeitung von Fleischwaren. Andererseits wirken sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit einem gedämpften Konsumklima, einer hohen Sparneigung auf Verbraucherseite sowie einer steigenden Nachfrage nach Handelsmarken auf die Branche aus. Speziell der Bio-Fachhandel steht dabei in intensivem Wettbewerb mit dem klassischen Lebensmitteleinzelhandel, Discountern und Drogeriemärkten.

2024 sank die Zahl der Bio-Läden und Bio-Supermärkte in Deutschland laut BÖLW-Branchenreport mit 1.974 Läden erstmals unter die Marke von 2.000. Die Zahl der Beschäftigten in der Bio-Branche wird für das Jahr 2024 auf 388.000 beziffert, was einem Zuwachs von 111 Prozent seit dem Jahr 2009 entspricht. 21 Prozent davon zuletzt waren im Bio-Handel beschäftigt. Bio-Handelsunternehmen sind attraktive Arbeitgeber mit Zukunft, wenn man das Wachstum des Bio-Marktes als Indikator hierfür heranzieht. So entscheiden sich junge Menschen bewusst für eine Ausbildung oder Karriere im Bio-Handel, streben mitunter auch die Betriebsnachfolge an.

Was macht die Bio-Branche als attraktiven Arbeitgeber aus?

Flexibilität und die sogenannte Work-Life-Balance, die Vereinbarkeit von Arbeit und Leben, sind bei der Generation Z, die zunehmend in den Arbeitsmarkt tritt, wichtige Faktoren bei der Wahl des Arbeitsgebers. Zudem spielen Sinnhaftigkeit und Umweltaspekte eine Rolle.

Hier kann die Bio-Branche unter anderem punkten:

  • Sinnstiftende Tätigkeit: Umwelt-, Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind wichtige Bestandteile der Unternehmenskultur
  • Wachstumsbranche: Bio wird auch künftige Arbeitsplätze schaffen
  • Werteorientiertes Umfeld: Fairer Umgang mit Mitarbeitenden und Zuliefernden – Stichwort Fairtrade
  • Soziales Engagement: Integration und Inklusion haben einen hohen Stellenwert

Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten im Bio-Handel

Auszubildende im Groß- oder Einzelhandel können sich beispielsweise schon während ihrer Ausbildung mit dem Onlinekurs Bio-Wissen Basispaket vom FORUM Berufsbildung e.V. auf den Bio-Handel spezialisieren. Daneben bieten zum Beispiel die Weiling-Akademie oder die Demeter Akademie Schulungen zu verschiedenen Themen der Bio-Branche an, unter anderem eine mehrtägige Fortbildung zur Fachkraft für Bio-Lebensmittel mit IHK-Zertifikat.

Zusatzqualifikationen oder Umschulungen können in folgenden Bereichen erworben werden:

  • Naturkostberaterin/Naturkostberater (BNN/IHK/FBB)
  • Fachberaterin/Fachberater in Naturkost- und Reformwaren (IHK)
  • Kauffrau/Kaufmann im Einzelhandel für Bio & Nachhaltigkeit (IHK)

Angeboten werden diese Fortbildungen beispielsweise vom Bildungswerk  des Bundesverbands Naturkost Naturwaren (BNN) e.V. oder dem FORUM Berufsbildung e.V.. Die Kurse finden online oder im Präsenzunterricht statt, berufsbegleitend oder in Vollzeit und schließen mit IHK-Zertifikat, BNN-Zertifikat oder FBB-Zertifikat ab. Daneben bieten die Akademie Gesundes Leben und das Bildungsnetzwerk Naturkost vielfältige Kurse und Seminare zu unterschiedlichen Inhalten an.

Nachwuchs stärken und Nachfolge regeln

Die Junge AöL, ein 2016 gegründeter Arbeitskreis junger Nachfolgerinnen und Nachfolger in Bio-Unternehmen innerhalb der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller (AöL), fördert junge Nachwuchskräfte beispielsweise durch Job-Rotation und Auszubildenden-Camps. Ziel ist es, die Jobs mit einem Blick über den Tellerrand spannend zu gestalten, die Vernetzung junger Menschen zu fördern und sie langfristig an die Bio-Branche zu binden. Auch das Thema Generationswechsel spielt eine wichtige Rolle. Die Junge AöL hat hierzu einen "Leitfaden zur Nachfolge junger Bio-Unternehmer" entwickelt, der den Übernahmeprozess erleichtern soll. Denn oftmals handelt es sich um Pionierunternehmen oder Familienbetriebe, allesamt mit eigenen Idealen und Werten, welche einen Nachfolgenden aus der Familie, dem Unternehmen oder von extern suchen.

Beutelsbacher Fruchtsaftkelterei: "Bio ist kein Trend, sondern Teil unserer Familiengeschichte"

Seit 2024 verstärken die Cousins Marius und Bruno Maier ihre Väter Thomas und Matthias Maier in der Geschäftsführung der Beutelsbacher Fruchtsaftkelterei und führen das Familienunternehmen aus dem baden-württembergischen Beutelsbach in die nächste Generation.

Als vierte Generation im Familienunternehmen Beutelsbacher sind wir mit dem Verständnis aufgewachsen, dass wirtschaftliches Handeln immer auch Verantwortung für Mensch, Umwelt und kommende Generationen bedeutet. Unsere Motivation für ökologische Landwirtschaft entsteht aus der Überzeugung, dass hochwertige Lebensmittel nur im Einklang mit der Natur und ehrlichen Partnerschaften entstehen können. Der Generationenwechsel ist für uns auch eine große Verantwortung. Deswegen stützen wir uns weiterhin auf unsere Grundwerte: Qualität und Nachhaltigkeit. Dieses langfristige Denken weiterzutragen und zukunftsorientiert mutig weiterzuentwickeln, sehen wir als unsere Aufgabe. Dabei wollen wir den Bio-Gedanken zusammen mit den Landwirtinnen und Landwirten weitertragen – mit dem Anspruch, Bio für alle kommende Generationen stark zu machen.
Marius und Bruno Maier

CMD Naturkosmetik: Theorie und Praxis dienten als Vorbereitung

Die Nachfolge des 1994 von Carl-Michael Diedrich gegründeten Familienunternehmens CMD Naturkosmetik ist geregelt. Carolin-Michelle Stirner, Tochter des Firmengründers, ist seit Oktober 2025 Teil der Geschäftsführung.

Oekolandbau.de sprach mit Caroline Stirner über ihre Motivation, in das Unternehmen einzusteigen, ihren Weg in das Unternehmen, über ihre Werte und Erfahrungen in der Branche.

Oekolandbau.de: Was hat Sie dazu bewogen, in das Familienunternehmen einzusteigen?

Carolin-Michelle Stirner: Schon als kleines Mädchen bin ich durch die Räume unseres Familienunternehmens gekrabbelt, und spätestens als Teenager war mir klar, dass meine berufliche Zukunft im Naturkosmetikbereich sein wird. Ich bin damit aufgewachsen und Naturkosmetik war in meinem Alltag stets präsent. Gerade in der heutigen Zeit, wo viele Menschen unter Hautproblemen und Allergien leiden, ist es sehr sinnvoll natürliche Hautpflegeprodukte zu entwickeln und anbieten zu können. Unser Familienunternehmen stellt zertifizierte Naturkosmetik seit über 30 Jahren her und diese Tradition möchte ich gerne weiterentwickeln und fortführen.

Oekolandbau.de: Wie hat Sie Ihre Ausbildung beziehungsweise Ihre bisherige berufliche Erfahrung auf diese Rolle vorbereitet?

Carolin-Michelle Stirner: Da mein Ziel schon früh feststand, habe ich auch meine Ausbildung bewusst darauf ausgerichtet. Das BWL-Studium an der Universität Hamburg mit dem Schwerpunkt Unternehmensführung und Marketing hat mir eine fundierte theoretische Basis vermittelt. Anschließend konnte ich im Einkauf für Naturkosmetik bei einem der größten Handelsunternehmen Deutschlands wertvolle praktische Erfahrungen sammeln. Dazu kam die jahrelange eigene Erfahrung mit Naturkosmetik im täglichen Leben und durch regelmäßige Besuche auf Bio-Messen. Diese Kombination aus Theorie und Praxis war eine sehr gute Vorbereitung für meine Position in der Geschäftsleitung bei CMD Naturkosmetik.

Oekolandbau.de: Welche Werte sind Ihnen aus persönlicher Sicht im Bio- bzw. Naturkosmetik-Kontext besonders wichtig?

Carolin-Michelle Stirner: CMD Naturkosmetik folgt dem Motto Weniger ist mehr. Unsere Produkte enthalten daher nur so viele Inhaltsstoffe wie nötig und so wenige wie möglich. Das macht sie besonders hautschonend. Wir verwenden ausschließlich natürliche Inhaltsstoffe, die – wann immer möglich – aus kontrolliert biologischem Anbau stammen. Die Liebe zur Natur und den natürlichen Bio-Produkten fürs tägliche Leben wurde mir von meinen Eltern bereits in der Kindheit vermittelt und diese Werte möchte ich gerne weitertragen.

Oekolandbau.de: Gab es einen Moment oder eine Erfahrung, die Ihre Entscheidung bestärkt hat, den Schritt in die Geschäftsleitung zu gehen?

Carolin-Michelle Stirner: Nach dem BWL-Studium und drei Jahren in der freien Marktwirtschaft fühlte ich mich bereit diese Verantwortung zu übernehmen und mit neuen Impulsen das Unternehmen in die nächste Generation zu führen. Ich blicke mit großer Vorfreude auf alles, was kommt.


Letzte Aktualisierung 06.03.2026

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