Der Bio-Markt und damit auch die Bio-Branche sind in Bewegung. Nicht nur im Bio-Fachhandel, auch in den Ketten der Supermärkte und Discounter sind Bio-Lebensmittel zunehmend in breiterer Sortimentstiefe gelistet und somit einer größeren Kundschaft präsent. Absatzkanäle sowie Bio-Eigen- und Herstellermarken stehen in direkter Konkurrenz zueinander und verändern den Markt. Während sich Bio-Eigenmarken des Lebensmitteleinzelhandels eher über den Preis und die Verfügbarkeit definieren, stehen Bio-Herstellermarken eher für Vertrauen, Transparenz und hohe Qualität. Inwiefern kann sich der Bio-Fachhandel in diesem Umfeld mit der steigenden Konkurrenz durch Bio-Eigenmarken sowie den veränderten Ansprüchen der Bio-Kundschaft profilieren und seine Stärken ausspielen?
Mit diesen Fragestellungen hat sich der Bundesverband Naturkost Naturwaren e.V. (BNN) basierend auf einer Marktanalyse befasst. Hierzu wurden Daten von fast drei Millionen Online-Interaktionen mit Hilfe Künstlicher Intelligenz ausgewertet, um sich ein Bild über die Bio-Käuferinnen und -Käufer von heute zu machen. Demnach wurden laut BNN drei Hauptgruppen identifiziert:
- Bio-Fachhandel-Kaufende: Bewusst Konsumierende, die Wert auf Nachhaltigkeit, Qualität und soziale Verantwortung legen.
- Supermarkt-Bio-Kaufende: Preisbewusst Kaufende, die Bio als persönlichen Zusatznutzen wahrnehmen.
- Bio-Potentials: Offen für Bio-Kauf, aber auf der Suche nach klarer Kommunikation und einfachem Zugang.
Alle drei Gruppen gilt es gezielt anzusprechend und auf ihre jeweiligen Bedürfnisse einzugehen. Daraufhin wurden diese maßgeblichen Handlungsempfehlungen für den Bio-Fachhandel abgeleitet:
- Genuss stärker betonen, dabei die Markenbindung der Kundschaft nutzen.
- Innovation und Exklusivität beispielsweise bei besonderen Rezepturen oder regionalen Spezialitäten hervorheben.
- Digitale Sichtbarkeit durch gezieltes Storytelling und authentische Inhalte erhöhen, dabei die ganze Vielfalt digitaler Medien und Kanäle ausnutzen. Podcasts und Printformate bleiben für den Bio-Fachhandel wichtig, während Social Media für die Supermarkt-Kundschaft relevant ist.
- Bio-Produkte als Beitrag zum persönlichen Wohlbefinden hervorheben. Die Kundschaft sucht nach spezifischen Mehrwerten wie Gesundheitsvorteilen, Geschmack oder Lifestyle-Komptabilität.
- Klare, leicht verständliche Botschaften, um neue Zielgruppen wie die "Bio-Potentials" gezielt anzusprechen.
Alles in allem bleibt laut BNN eine starke Markenpositionierung essenziell für den Bio-Fachhandel, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Eine gezielte Markenstrategie, emotionales Storytelling sowie der Fokus auf Genuss und Mehrwert spielen dabei eine tragende Rolle.