Ein Beispiel für die erfolgreiche Einführung einer neuen schorfresistenten Apfelsorte ist für Haug die Apfelsorte Natyra. Hier sei es gelungen, eine Sorte mit herausragenden Geschmacks- und Qualitätseigenschaften und einer gewissen Robustheit im Anbau für alle Bio-Obstbaubetriebe zu öffnen und im Handel zu etablieren.
Grundsätzlich ist der Experte überzeugt, dass in den nächsten Jahren marktfähige, polyresistente Sorten verfügbar sein werden, die zumindest für die Direktvermarktung interessant sind. Die großen Handelsstrukturen sind dagegen laut Philipp Haug nicht an einer größeren Sortenvielfalt interessiert, weil es die Vermarktung komplizierter und die Logistik teurer macht.
Handel ist Hemmnis für Sortenvielfalt
Dieser Zugang des Handels ist aus seiner Sicht ein grundlegendes Hemmnis für die Weiterentwicklung des Bio-Obstbaus. Denn eine große Sortenvielfalt auf breiter genetischer Basis gilt als wichtiger Eckpfeiler für widerstandsfähige Obstanlagen und einen ressourcenschonenden Anbau. Die Zurückhaltung des Handels verhindert die Bereitschaft der Anbauerinnen und Anbauer, neue Sorten zu testen und im größeren Umfang aufzupflanzen. Haug: "Aufgrund der derzeitigen Rahmenbedingungen und fehlender Anreize durch den Handel ist das finanzielle Risiko für viele Betriebe zu hoch, in neue Sorten zu investieren."
Um dieses Dilemma zu lösen, sind aus seiner Sicht neue Vermarktungskonzepte notwendig, die eine gezielte Bewerbung der Vorteile ermöglichen und die Bedürfnisse des Handels berücksichtigen. "Leider ist die Kommunikation zur besonderen Nachhaltigkeit dieser Sorten sehr komplex und den Kundinnen und Kunden beim Einkauf schwer zu vermitteln", sagt Haug.
Neue Dachmarke für Schowi-Sorten
Die FÖKO hat deshalb im Jahr 2024 die eingetragene Dachmarke "Bio Stars" ins Leben gerufen. Unter dem Slogan "Vielfalt zum Anbeißen" stehen dabei nicht einzelne Sorten im Vordergrund, sondern vor allem die Kombination von Nachhaltigkeit und besonderen Qualitätseigenschaften wie Geschmack und Knackigkeit.