Walnuss regional entwickeln: Kooperationen von Anbau bis Vermarktung
71083 Herrenberg
Drahtwürmer sind Larven verschiedener Schnellkäferarten, am häufigsten treten der Saatschnellkäfer (Agriotes lineatus), der Dunkle Humusschnellkäfer (A. obscurus), der Garten-Humusschnellkäfer (A. sputator), der Gebräunte Schnellkäfer (A. ustulatus) und A. sordidus auf.
Die Käfer sind 8 bis 10 Millimeter lang, von langgestreckter, flacher Körperform mit einem häufig spitz zulaufenden Hinterleibsende.
Die Larven (Drahtwürmer) wachsen von unter 2 Millimeter auf 2,5 bis 3 Zentimeter an. Sie sind dünn, langgestreckt und von gelber bis gelbbrauner Farbe mit einer festen Außenhaut und dunkelbraunem Kopf. Das Hinterleibssegment ist meist zugespitzt (Gattung Agriotes), seltener aber dunkel gefärbt und zangenartig geformt (Gattung Agrypnus, Selatosomus). Sie verursachen meist bis zu drei Millimeter starke, oft verkorkte Bohrgänge in den Kartoffelknollen, das Drahtwurmloch ist scharf umrandet. Auch in Rüben und dicken Wurzeln finden sich Einbohrungen.
Das Schadbild an Kartoffeln kann mit den "Dry core"-Symptomen der Wurzeltöterkrankheit verwechselt werden. Diese verursacht etwas größere Löcher mit am Rand überstehender Schale und Pilzgewebe in den Hohlräumen. Ebenso können Schäden durch Schnecken ähnliche, doch meist größere runde Aushöhlungen verursachen.
Die Larven können mit den räuberischen Larven von Laufkäfern und Kurzflüglern (also Nützlingen) verwechselt werden, die aber häufig zangenartige Ausformungen am Kopf haben.
Drahtwürmer können an den meisten Kulturpflanzen schädlich werden, besonders an Kartoffeln, Mais und Gemüse wie Salat, Zwiebeln und Karotten. Auch Getreide und Zuckerrüben werden geschädigt. Sie fressen vor Allem an Wurzeln und anderen unterirdischen Pflanzenteilen, aber auch an oberirdischen Pflanzenteilen nahe der Bodenoberfläche. Drahtwürmer sind von April bis Mitte Mai, von Ende Juni bis Mitte Juli und von Mitte August bis Oktober fraßaktiv. Die ausgewachsenen Käfer ernähren sich von Blütennektar, Pollen und Pflanzensäften.
Bei Trockenheit steigt der Schaden durch Drahtwürmer rasch an. Daher kann Beregnung die Schäden verringern, in durchgängig trockenen Jahren aber auch steigern. Durch ihre Empfindlichkeit gegenüber Trockenheit treten sie weniger stark auf (unberegneten) leichten Böden auf. Eine Ausnahme stellt der Glanzschnellkäfer (Selatosomus aeneus) dar, der auf diese Standorte spezialisiert ist. Besonders häufig treten sie auf Flächen mit vorjährigem oder angrenzendem Grünland oder Ackerfutter auf. Die Larven haben einen Aktionsradius von ca. 6 Metern.
Ertragsausfälle an Kartoffeln können bis zu 50 Prozent betragen. Deutlicher wirken sich aber Qualitätseinbußen aus, da bei über 5 Prozent beschädigter Knollen die Partien vom Handel meist nicht mehr angenommen werden. Durch den Knollenfraß können zudem Krankheitserreger eindringen.
Im Juni bis Juli legen die Weibchen ije nach Art 80 bis 300 Eier bis ca. sechs Zentimeter tief in den Boden. Sie bevorzugen Standorte mit schützender Pflanzendecke wie Kleegras, Grünland, Stilllegungen aber auch verunkrautete Getreidebestände.
Einen Monat später (Juli-August) schlüpfen die Larven, die als Pflanzenfresser, aber auch teils räuberisch und als Humusverwerter leben. Bei anhaltender Trockenheit weichen sie auf die wasserreichen Kartoffeln aus und fressen sich in zwei bis vier Millimeter breiten Gängen durch die Knolle. Mit zunehmendem Alter verursachen die Larven größere Schäden. Sie können bis zu einem Jahr ohne Nahrung auskommen. Der gesamte Entwicklungszyklus der Drahtwürmer dauert, abhängig von der Jahreswitterung, etwa drei bis sechs Jahre.
Die Larven verpuppen sich im Hochsommer des letzten Larvenjahres je nach Art in unterschiedlich tiefen Bodenschichten. Die ein bis zwei Wochen später schlüpfenden Käfer überwintern vorwiegend im Boden. Ab März werden sie wieder aktiv und verpaaren sich meist im Mai, seltener im Sommer.
Der Larvenbesatz einer unbestellten Fläche kann festgestellt werden, indem im Frühjahr Kartoffelhälften oder keimender Weizen als Köder in mit Löchern versehenen Behältern vergraben werden. Sind Drahtwürmer fraßaktiv, können sie bei einer Kontrolle, z.B. zehn Tage später, an den Ködern aufgefunden werden.
Schadschwellen sind umstritten, die Fänge können aber einen Aufschluss darüber geben, welche Larvenstadien anzutreffen sind. Bei einjährigen Larven ist geringer Schaden zu erwarten. Sind verschiedene Altersstadien anwesend, liegt ein mehrjähriger Befall vor.
Mit Pheromonfallen können die Männchen der Schnellkäfer abgefangen werden, um den Befall und Flughöhepunkt (Zeit der Eiablage) zu überwachen. Allerdings sollten die Fänge vorsichtig interpretiert werden, da auch Tiere aus der Umgebung angelockt werden. Um die fünf wichtigsten Arten zu überwachen, sind vier unterschiedlichePheromone notwendig.
Kulturführung:
Kleegrasanbau und Grünlandumbruch:
Fruchtfolge:
Praxistipp: Erheben des Drahtwurmbefallsrisikos im Feld
Landwirtschaftskammer NRW: Anbautelegramm Öko-Kartoffel
Letzte Aktualisierung 21.03.2017