Hof Stolze Kuh: Weidebesuch bei unseren Kühen im Nationalpark
16248 Lunow-Stolzenhagen
Die hellbraunen Mücken sind 1,5 bis 2 Millimeter groß und erscheinen ab Mitte Mai. Mücken und Eigelege sind aufgrund ihrer geringen Größe kaum zu erkennen. Zwischen den Herzblättern finden sich die kleinen, springfähigen Larven. Sie sind gelblich-weiß, kopf- und fußlos. Sie schädigen an der Innenseite der Blätter und Blattstiele, wo sich Vernarbungen bilden, während die Blattaußenseite unversehrt bleibt.
Junge Blätter wachsen dadurch verdreht weiter und die Kopfbildung wird gestört. Es können sich neue Seitentriebe und mehrere lockere Köpfe an einer Pflanze bilden. Das Herz der Pflanzen stirbt ab und fault bei feuchter Witterung, die Pflanze wird „herzlos“. Diese Schäden werden oft erst dann deutlich sichtbar, wenn die Mückenlarven selbst schon ihre Entwicklung vollendet und die Pflanzen verlassen haben.
Werden an Raps und Samenträgern Blütenknospen besiedelt, schwellen diese an, die Kelchblätter verdicken sich. Die Kelchblätter und Staubgefäße bleiben klein. Die Schotenbildung bleibt aus.
Mechanische Schäden oder ungünstige Temperaturen können zu einem ähnlichen Schadbild führen wie die Kohldrehherzmücke.
Die Kohldrehherzmücke schädigt alle Kohlarten, besonders empfindlich sind Brokkoli und Blumenkohl bis zur Blumenbildung sowie Kopfkohle bis zur Kopfbildung. Auch Raps, Senf, Chinakohl und Pak Choi sowie kreuzblütige Wildpflanzen gehören zu ihren Wirten, bei denen jedoch kaum Schäden entstehen.
Die Kohldrehherzmücke tritt besonders in intensiven Raps- und Gemüsebauregionen auf. Sie gehört zu den wichtigsten ertragsmindernden Schädlingen im Bio-Kohlanbau, da sie durch ihre geringe Größe und versteckte Lebensweise schwer zu diagnostizieren oder direkt zu bekämpfen ist. Kleinflächige Betriebe, die eingeschränkte Möglichkeiten für Fruchtfolgen und Wahl entfernter Schläge haben, sind besonders betroffen.
Die Mücken überwintern in Feldern mit Vorjahresbefall als Puppe im Boden, oder an überwinternden Raps- oder Kohlbeständen. Sie schlüpfen im Frühjahr ab Mai, in Gewächshäusern oder Frühbeeten unter Vlies auch früher, und breiten sich in niedrigem Flug in einem Umkreis von bis zu einem Kilometer aus. Innerhalb ihrer ein bis drei Tage kurzen Lebensdauer erfolgen Wirtsfindung, Paarung und Eiablage tief in die Hohlräume zwischen den Herzblättern. Die schlüpfenden Larven ernähren sich von Blattgewebe, wobei sie mit dem Speichel Toxine ausscheiden. Diese verursachen Wachstumsstockungen an der Blattinnenseite.
Die Larven lassen sich nach zwei bis drei Wochen Entwicklungsdauer zu Boden fallen und verpuppen sich wenige Zentimeter unter der Bodenoberfläche nahe der Wirtspflanze. Eine verkrustete Bodenoberfläche durch anhaltende Trockenheit verzögert oder verhindert den Schlupf der fertig entwickelten Mücke. Die gesamte Entwicklung dauert etwa einen Monat und wird durch feuchte Witterung begünstigt. Im Jahr treten drei bis fünf Generationen auf, die sich gegenseitig überschneiden können. Die letzte Generation verpuppt sich im Herbst und überwintert als Puppe, wobei einige Puppen auch bis in ein weiteres Jahr überliegen können. Räuberische Tanzfliegen und kleine Spinnen treten als Gegenspieler der Kohldrehherzmückenlarven auf.
In den USA und Kanada wurden viel versprechende Erfahrungen mit der Anwendung entomopathogener Nematoden auf Befallsflächen gemacht. Die Wirksamkeit ist stark von den Umweltbedingungen abhängig und kann daher zwischen verschiedenen Jahren variieren. Die Nematoden werden in Wasser gelöst und durch Gießen oder mit der Beregnung ausgebracht. Auch ein entomopathogener Pilz zeigte in einzelnen Jahren Wirkung.
Der Einsatz von Pheromonen zur Paarungsverwirrung und die Anwendung ätherischer Öle zur Vergrämung der Eiablage werden untersucht.
Der Befall an den Pflanzen sollte in der empfindlichen Phase der Pflanzen regelmäßig geprüft werden. Der Flug der Kohldrehherzmücke kann zudem durch Pheromonfallen überwacht werden. Diese sollte zweimal wöchentlich ausgezählt werden. Schadschwelle im Ökolandbau:
5 Gallmücken je Falle in 3 Tagen.
Überprüfen Sie bitte unbedingt die aktuelle Zulassung und Anwendungsvorschriften, z. B. auf www.pflanzenschutz-information.de!
Das Grüne Lexikon Hortipendium: Steckbrief mit vielen guten Bilder der Kohldrehherzmücke und ihrer Schäden.
Letzte Aktualisierung 09.12.2019