Landwirtschaftlicher Betrieb Matthias Frantz: Kindergarten auf dem Bauernhof
07957 Langenwetzendorf
Im frühen Entwicklungsstadium der Möhre verursachen Möhrenblattflöhe durch ihre Saugtätigkeit Blattkräuselungen.
Der Möhrenblattfloh verdankt seinen Namen der springenden Fortbewegung dieser zu den Pflanzenläusen zählenden Insekten. Sie erreichen zwischen 2,6 und 3,1 mm Körperlänge und haben durchsichtige, in Ruhe dachartig über dem Hinterleib gefaltete Flügel. Die ausgewachsenen Insekten der neuen Generation sind hauptsächlich hellgrün mit gelben Zeichnungen auf Rücken und Hinterleib. Überwinterte Adulte sind deutlich dunkler, häufig an Kopf und Vorderleib orange bis braun, gefärbt. Sie haben halbkugelige Facettenaugen und drei rote Punktaugen.
Einige Blattlausarten, z. B. die Gierschblattlaus, verursachen sehr ähnliche Blattkräuselungen an Möhre. Im Feld gibt es bisher keine Möglichkeit diese Schadbilder sicher auseinander zu halten. Deshalb ist es sinnvoll ein Monitoring mit Gelbfallen in orangener Farbe und Bonituren der Schadsymptome zu kombinieren. Die Fänge auf den Gelbtafeln können erste Indizien liefern, ob überhaupt Befall auf der Fläche vorhanden ist. Außerdem sollte auch nach Blattläusen Ausschau gehalten werden (sowohl auf Gelbfallen als auch im Feld).
Die Unterscheidung von anderen Blattfloh-Arten erfordert eine mikroskopische Untersuchung: die ersten Glieder der Fühler des Möhrenblattflohs sind schwarz gefärbt, und an den Beinen befinden sich drei Dornen.
Der Möhrenblattfloh ist ein Phloemsauger und kann neben seinen Hauptwirten Kulturmöhre und Wilde Möhre verschiedene Doldenblütler wie Pastinake, Fenchel und verschiedene Kräuter, z. B. Koriander, Petersilie, Pimpinelle oder Kerbel, befallen. Von der vollständigen Entfaltung der Keimblätter bis zum fünften Laubblatt (BBCH-Stadien 10 bis 15) sind Möhren besonders empfindlich gegenüber dem Blattfloh-Befall. Berichten aus Skandinavien zufolge kann ein massiver Schädlingsbefall bis zum Totalausfall der Möhrenernte führen. Ein späterer Befall kann durch die Pflanze kompensiert werden und wirkt sich nicht oder nur gering auf den Ertrag aus.
Der Möhrenblattfloh kann außerdem dem Bakterium Candidatus Liberibacter solanacearum (CLs) als Vektor dienen. Da der Möhrenblattfloh aber nicht an Kartoffeln saugt, stellt er keine Gefährdung für eine Verschleppung dieses Erregers zu Kartoffeln dar. Bisher sind die Übertragungswege und die genauen Schadsymptome noch nicht eindeutig geklärt.
Die ausgewachsenen Insekten überwintern an Koniferen, hauptsächlich Fichten. Einzelne Möhrenblattflöhe wandern ab Anfang Mai in die Möhrenbestände ein. Der Hauptzuflug erfolgt zumeist in den Kalenderwochen 21 bis 23 (Ende Mai). Auch spätere Zuflüge oder ein zweiter Anstieg der zufliegenden Insekten zwischen Kalenderwoche 24 und 29 kann manchmal beobachtet werden.
Andere Wirtspflanzen werden vermutlich nur zur Ernährung und als Ruheplätze genutzt, Fortpflanzung findet nur auf den Hauptwirtspflanzen Möhre und Wilde Möhre statt. Nach der Paarung legen die Weibchen mehrere hundert Eier am Blattrand der Fiederblätter der Möhrenpflanze ab. Der Möhrenblattfloh entwickelt sich in fünf Nymphenstadien bis Mitte August zum ausgewachsenen, geflügelten Tier, welches überwintert.
Um Zuflug und Befall zu überwachen, können orangene Klebefallen im Bestand verteilt und mindestens einmal wöchentlich ausgewertet werden. Die Auszählung sollte mit einem Mikroskop erfolgen um Verwechslungen mit anderen Blattflöhen zu vermeiden.
Momentan sind keine Pflanzenschutzmittel verfügbar. Derzeit werden im Rahmen eines Forschungsprojektes verschiedene Wirkstoffe wie Spinosad, Kaolin und Orangenöl für den ökologischen Möhrenanbau getestet.
Im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) werden zahlreiche Forschungsprojekte durchgeführt.
Letzte Aktualisierung 09.12.2019