HEU-HEINRICH: Bergwiesenfest
98724 Neuhaus am Rennweg OT Scheibe-Alsbach
Die adulten Fliegen sind zwei bis drei Millimeter lang, haben rote Augen und einen braun-gelblichen Körper. Das Weibchen besitzt einen scharf gezähnten Legeapparat, mit dem sie die Fruchtschale anritzt, um ihre Eier in der Frucht abzulegen. Die Männchen der Kirschessigfliege haben einen dunklen Fleck nahe der Flügelenden.
Die Larven sind typische weiße Fliegenmaden ohne Kopf oder Beine. Sie werden etwa drei Millimeter lang und lassen sich optisch nicht von anderen Fruchtfliegenarten unterscheiden.
An befallenen Früchten sind sehr kleine Anstechlöcher erkennbar. Die Früchte werden weich und verfaulen durch Sekundärinfektionen zum Beispiel durch Grauschimmel.
Mit ihrer Körperfärbung ähneln Kirschessigfliegen stark den in Europa heimischen Essigfliegen, vor allem der Schwarzbäuchigen TaufliegeDrosophila melanogaster. Diese können ihre Eier jedoch nur in überreife, faulende Früchte ablegen. Ein deutliches Unterscheidungsmerkmal ist der dunkle Flügelfleck der Kirschessigfliegen-Männchen.
Die aus Südostasien stammende Kirschessigfliege trat als Schädling in Deutschland erstmals 2011 in Erscheinung. Innerhalb von drei Jahren konnte sich der invasive Schädling über ganz Deutschland ausbreiten.
Die extrem schnelle Ausbreitung der Kirschessigfliege ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass dieser Schädling in der Wahl der Wirtspflanze wenig wählerisch ist: Drosphila suzukii befällt die meisten weichschaligen Obstarten und rote Traubensorten, insbesondere Kirschen und Beeren. Spät reifende Arten und Sorten sind wegen der starken Vermehrung während des Sommers besonders gefährdet. Bei Weintrauben sind die dunklen Sorten mit dünner Haut und kompakter Traubenstruktur besonders anfällig. Darüber hinaus befällt die Kirschessigfliege aber auch wildwachsende, beerentragende Pflanzen. Äpfel und Birnen können nur bei bereits geschädigter Fruchtschale befallen werden.
Die Kirschessigfliege kann immensen Schaden anrichten. Die Larven entwickeln sich in der Frucht und ernähren sich vom Fruchtfleisch. Befallene Früchte werden dadurch schnell weich und matschig. Durch die beim Anstechen der Frucht entstehenden Löcher kann es zudem zu Sekundärinfektionen kommen. Im Anbau von Beerenobst und Süßkirschen in Frankreich, Italien und Spanien sind in Jahren mit hohem Befall teilweise 80 bis 90 Prozent der Früchte beschädigt worden und auch Totalausfälle aufgetreten. 2014 verursachte die Kirschessigfliege in Deutschland Verluste in Millionenhöhe im Beeren-, Steinobst- und Weinanbau. Aufgrund von Befallsbeobachtungen über mehrere Jahre wurde die Kirschessigfliege mittlerweile als weniger schädlich im Weinbau eingestuft als ihre einheimische Verwandte, die Schwarzbäuchige Taufliege Drosophila melanogaster.
Die adulten Tiere der Kirschessigfliege überwintern in geschützten Verstecken an immergrünen Pflanzen in Hecken und Wäldern. Sie werden bei Temperaturen zwischen 5 und 10 Grad Celsius wieder aktiv. Bei beginnender Reife der Früchte – erkennbar am Farbumschlag – wandern die Fliegen in die Kulturen ein und beginnen mit der Eiablage. Die Weibchen der Kirschessigfliege besitzen einen kräftigen, gezahnten Legeapparat, mit dem sie gesunde Früchte anstechen und mit Eiern belegen können. Ein Weibchen kann 300 bis 600 Eier legen, meist mehrere Eier pro Frucht. Die Larven entwickeln und verpuppen sich später innerhalb der Frucht, in Ausnahmen ist die Verpuppung auch außerhalb der Frucht möglich. Die Fliege bildet Winter- und Sommerformen aus, die sich in ihrer Biologie leicht unterscheiden. Die etwas dunkleren Winterformen mit ihren größeren Flügeln sind kältetolerant und können einige Stunden bei bis zu -10 Grad Celsius überstehen.
Die Fliegen können sich in einem Radius von etwa 125 Metern fliegend verbreiten, das Hauptproblem eines hohen Befalls ist eher in der beständigen Vermehrung innerhalb der Obstanlage als im Zuflug zu sehen. Bei Dauertemperaturen um 25 Grad Celsius dauert ein Generationszyklus nur zehn Tage. Bei feuchter und mäßig warmer Sommerwitterung kann es daher zu einem sehr raschen Populationsaufbau kommen. In Deutschland geht man von fünf bis acht Generationen pro Jahr aus. Die Fliegen können zwischen drei und neun Wochen leben, sodass es zu starken Überlappungen der verschiedenen Generationen kommen kann. Bei heißem Wetter ab 26 Grad Celsius sterben viele Eier und Larven in den Früchten ab, die bei direkter Sonnebestrahlung sehr hohe Temperaturen im Inneren entwickeln können.
In Deutschland werden Kirschessigfliegen nur in geringem Umfang durch spezialisierte parasitoide Wespen befallen. Daneben spielen generalistische Räuber wie Florfliegenlarven und Ohrwürmer eine Rolle als natürliche gegenspieler der Kirschessigfliege.
Folgende geeignete Methoden zur Befallsüberwachung beschreibt das FiBL detailliert auf einer Infoseite.
Flugüberwachung mit Flüssigköderfallen
Früchte auf Larvenbefall untersuchen
In einem laufenden Forschungsprojekt wird ein Prognosemodell namens SIMKEF entwickelt, welches zukünftig das schlagspezifische Befallsrisiko und den erwarteten Befallstermin vorhersagen soll und unter www.isip.de veröffentlicht werden soll.
Die eine, optimale Lösung zur Regulierung der Kirschessigfliege gibt es nicht. Nur ein Bündel verschiedener Maßnahmen kann zum Erfolg führen.
Die bisherigen Erfahrungen im ökologischen Obst- und Weinanbau haben gezeigt, dass der Befallsdruck durch konsequente Hygiene und Bestandspflege erfolgreich reduziert werden kann.
Kulturschutznetze: sehr sicher, aber teuer
Massenfang mit Köderfallen
Zusätzlich befinden sich Lockstofffallen in der Entwicklung, die attraktive Köder mit im Ökolandbau zulässigen Insekiziden verbinden sollen.
Es wurden in der Vergangenheit teilweise Notfallzulassungen für Pflanzenschutzmittel auf Basis von Spinosad zur Anwendung im Obstbau erteilt.
Teilweise gute Erfahrungen aus der Schweiz mit Löschkalk und Kaolin können wegen fehlender zugelassener Pflanzenschutzmittel nicht auf Deutschland übertragen werden.
Über laufende Forschung zu weiteren Bekämpfungsmöglichkeiten der Kirschessigfliege informiert das Wissensportal des JKI.
Letzte Aktualisierung 18.09.2018