Feldrundfahrt ökologischer Ackerbau
01623 Lommatzsch
Der Apfelblütenstecher ist ein braun-schwarzer Rüsselkäfer mit dem typischen rüsselartig verlängerten Kopffortsatz. Der hintere Bereich der Deckflügel ist mit einem hellen, V-förmigen Band gezeichnet. Am oberen Rand der Deckflügel sitzt in der Mitte ein kleiner, weißer Punkt. Der Käfer ist etwa vier bis fünf Millimeter lang und flugfähig.
Zunächst treten an den Blütenknospen kleine Fraßstellen mit austretendem Zellsaft auf. Gegen Ende der Apfelblüte bleiben Blüten kuppelförmig geschlossen, die Blütenblätter verfärben sich rötlich braun und vertrocknen. Das Blüteninnere ist ausgefressen und man findet darin die gelblich weiße Larve des Käfers. Sie besitzt einen dunklen Kopf und keine Beine, der Körper ist stark faltig und meist C-förmig gebogen. Später findet sich in der Blütenknospe die Puppe des Käfers, die hellgelb ist und deutlich die Umrisse des späteren Käfers erkennen lässt. Bei sehr starkem Befall finden sich an jungen Früchten Einbuchtungen im Kelchbereich und Einstichstellen der ab Juni auftretenden Jungkäfer sowie von diesen skelettierte Blätter.
Durch die Knospenschädigungen erfolgt eine natürliche Fruchtausdünnung, die vielfach zu Vorteilen für die Fruchtqualität führt. Nur bei sehr starkem Befall oder geringem Blütenansatz treten relevante Ertragsausfälle auf. Besonders befallen werden Apfelanlagen in Waldnähe.
Adulte Käfer überwintern in Rindenritzen von Obstbäumen und Sträuchern, aber auch an Waldbäumen und im Boden. Im März bei Temperaturen ab sechs Grad, also zur Zeit des Schwellens der Fruchtknospen, nimmt der Käfer seine Aktivität wieder auf. Die Weibchen legen Mitte März nach dem Reifungsfraß die Eier mittels eines Ovipositors in die zukünftigen Blüten.
Die Larve entwickelt sich dann in der Blüte, verpuppt sich und verlässt sie etwa Mitte Juni als adultes Tier. Der Käfer skelettiert Blätter von der Blattunterseite und schädigt einzelne Früchte durch einen später vernarbenden Punktfraß. Ab August sucht er das Winterquartier auf.
Besonders gefährdet sind Apfelanlagen in Waldnähe oder mit Vorjahresbefall. Dort sollte man im Stadium B - C (Knospenschwellen, Knospenausbrechen) Kontrollen durchführen. Die Schadensschwelle ist stark von der Blühstärke abhängig.
Es muss früh, vor der Eiablage, etwa zum Stadium des Aufbrechens der Blütenknospen behandelt werden. Oft reicht eine Teilbehandlung der Flächen, z.B. die dem Waldrand zugewandte Seite der Apfelanlage. Eine frühe und teilflächige Behandlung hilft auch, Nützlinge zu schonen.
Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau: Gesunderhaltung der Kulturpflanzen im Ökologischen Apfelanbau. Broschüre über in der Praxis angewandte Maßnahmen und den Stand der Forschung zur Regulierung verschiedener Apfelschaderreger.
Letzte Aktualisierung 29.08.2018