Birkenhof: Tag der offenen Stalltür
57234 Wilnsdorf

Beginnend bei der richtigen Standort- und Sortenwahl spielen im Bio-Kartoffelanbau die Bodenvorbereitung, Düngung, Pflegemaßnahmen, Pflanzenschutzbehandlungen und die Bewässerung eine wichtige Rolle.
Mit diesem Blogbeitrag setzen wir eine Beitragsreihe zum Thema Pflanzenernährung fort. Eine ausgewogene Pflanzenernährung …
Nacheinander werden wir die essenziellen Pflanzennährstoffe Stickstoff, Kalium, Phosphor, Calcium, Magnesium und Schwefel vorstellen und erklären, welche Funktionen sie in welcher Entwicklungsphase haben und wie sich eine Überschuss- beziehungsweise Mangelsituation auf die Pflanze auswirkt. Welche Interaktionen es zwischen den Nährstoffen und anderen biotischen und abiotischen Faktoren gibt, wird dann in einem zusammenfassenden Beitrag erörtert.
Phosphor gehört zu den Makronährstoffen für Pflanzen und spielt in verschiedensten Lebens- und Stoffwechselprozessen eine unverzichtbare Rolle. Phosphor ist

Kartoffeln haben einen hohen Phosphorversorgungsanspruch. Gleichzeitig gilt ihre P-Nutzungseffizienz aber als sehr ineffizient, was auf das flache Wurzelsystem mit einem niedrigen Wurzel-Spross-Verhältnis und insbesondere mit einem relativ geringen Anteil an Wurzelhaaren zurückzuführen ist (Leonel et al. 2017; Naumann et al. 2019).
In den ersten Wochen des Wachstums ist der Bedarf an Phosphor noch eher gering. Jedoch ist auch das Wurzelwachstum in dieser Zeit nur schwach ausgeprägt. Da Phosphor nur schwer löslich und in Böden deshalb sehr immobil ist – die Wurzel der Kartoffel dem Phosphor also "entgegenwachsen" müsste – kann es typischerweise schon in dieser frühen Wachstumsphase zu einem Phospor-Mangel bei den Pflanzen kommen (Koch et al. 2019).
Diesen Mangel kann die Pflanze auf einem moderaten Level zunächst gut tolerieren. Bei stärkerem Stress durch eine P-Unterversorgung wird dann jedoch die Fotosyntheserate, insbesondere aber die Zellatmung reduziert, sodass sich Kohlenhydrate (Glucose) im Blattgewebe anreichern. Zudem wird das Blattwachstum gehemmt, während die Chlorophyllbildung weniger stark abnimmt. Auf diese Weise erhöht sich der Chlorophyllgehalt des Gewebes und als Symptom eines beginnenden P-Mangels kann eine dunkelgrüne Blattfärbung festgestellt werden (Hecht‐Buchholz 1967). Im weiteren Verlauf des P-Mangels bildet die Pflanze als Reaktion auf die Zuckeranreicherung im Blatt sogenannte Anthocyane. Das sind Pigmente, die unter Stressbedingungen, wie einem Nährstoffmangel zum Beispiel den Fotosyntheseapparat vor überschüssiger UV-Strahlung schützen (Strygina und Khlestkina 2017). Diese Anthocyanine verleihen der unter Phosphormangel leidenden Pflanze eine charakteristische rot-violette Färbung (Grant et al. 2001).
Am 45. Wachstumstag hat die Kartoffelpflanze dann bereits über 50 Prozent ihres Gesamtbedarfs an P aufgenommen, wobei der höchste Bedarf zwischen dem 40. und 60. Tag nach Auflaufen der Pflanze besteht. Eine ausreichende P-Versorgung ist allerdings auch in späteren Wachstumsstadien von Bedeutung, in denen Phosphor die Reife der Knollen fördert (Hopkins et al. 2014; Rosen et al. 2014).
Bei einer erhöhten Versorgung des Bodens mit verfügbarem Phosphor kann auch eine Steigerung des Phosphorgehalts in Kartoffelknollen beobachtet werden (Leonel et al. 2017). Dies hat auf zahlreiche qualitative Eigenschaften der Kartoffeln Einfluss:
Untersuchungen aus dem Jahr 2017 von Leonel et al. bspw. zeigten, dass eine höhere Verfügbarkeit von Phosphor im Boden den Trockensubstanzgehalt von Kartoffelknollen positiv beeinflusst. Auf Grundlage früherer Studien wird dieser Zusammenhang vor allem darauf zurückgeführt, dass Phosphor durch seine bereits genannten Funktionen im pflanzlichen Stoffwechsel zum Wachstum der Pflanze und damit zur Steigerung der Blattfläche und -dichte beiträgt. Das führt wiederum dazu, dass die Pflanze einen höheren Anteil der täglich einfallenden Sonnenstrahlung abfangen, für die Produktion und Verteilung von Assimilaten in den Knollen nutzen und mehr Trockensubstanz aufbauen kann (Jenkins und Ali 1999).
Der Trockensubstanzgehalt der Knollen ist entscheidend für die Qualität und den Ertrag von frittierten und getrockneten Kartoffelprodukten. Ein höherer Feststoffgehalt erhöht die Ausbeute, reduziert die Ölaufnahme, senkt den Energieverbrauch und trägt zur knusprigen Textur des Endprodukts bei (Marwaha et al. 2010; Rommens et al. 2010).
Die Phosphorverfügbarkeit im Boden hat weiterhin einen direkten Einfluss auf den Stärkegehalt von Kartoffelknollen und den Phospor-Gehalt dieser Stärke (Leonel et al. 2016; Leonel et al. 2017). Kartoffeln, die auf entsprechenden Böden wachsen, zeigen oft einen erhöhten Stärke- und darin einen gesteigerten Phosphor-Gehalt. Diese Korrelationen sind zum einen darauf zurückzuführen, dass P an der Aktivierung verschiedener Schlüsselenzyme beteiligt ist, die die Stärkesynthese regulieren. Zum anderen ist Phosphor auch selbst Teil der Stärkezusammensetzung und wird in Form von Phosphatester an die Amylopektin-Fraktion gebunden (Phosphorylierung der Stärke) (Nielsen et al. 1994).
Der Grad dieser Phosphorylierung wirkt sich stark auf die physikalischen und chemischen Eigenschaften der Stärke aus, die insbesondere bei einer industriellen Nutzung und Verarbeitung der Kartoffeln von Bedeutung sind. Noda et al. (2007) konnten in einer Studie zeigen, dass eine Erhöhung des Stärkephosphats zu einem signifikanten Anstieg
führte.
Der Zuckergehalt von Kartoffelknollen ist ein wichtiger Qualitätsparameter. Bei der Herstellung von Produkten, wie Chips oder Pommes frites, reagieren reduzierende Zucker mit der Aminosäure Asparagin unter hoher Hitzeeinwirkung zu Acrylamid (Maillard-Reaktion). Metaboliten des Acrylamids wiederum, die nach dem Verzehr im Körper entstehen, gelten als krebserregend.
Leonel et al. (2017) beobachten, dass der Gesamtzuckergehalt in Kartoffeln, die auf Böden mit höherer Phosphor-Verfügbarkeit angebaut wurden, niedriger ist. Dies ist möglicherweise auf die bereits erwähnte Steigerung des Stärkegehalts der Knollen bei höher Phosphorverfügbarkeit zurückzuführen. Bei der Stärkesynthese werden Monosaccharide, wie Glucose, mit glykosidischen Bindungen zu den Polysacchariden Amylose und Amylopektin verbunden und damit aufgebraucht.
Wie die (P-) Düngung in der Praxis unter Einsatz verschiedener Düngemittel gelingen kann, wird nach der Vorstellung der anderen Nährstoffe in einem weiteren Blogbeitrag behandelt. Wer sich bis dahin selbst tiefergehend mit der Pflanzenernährung im Bio-Kartoffelanbau auseinandersetzen möchte, findet in den untenstehenden Veröffentlichungen weiterführende Informationen:
Amanda Birkmann (MSc)
Saskia Casper (MSc)
Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde
Fachgebiet Agrarökologie und nachhaltige Anbausysteme
Prof. Dr. Ralf Bloch
Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde
Fachgebiet Agrarökologie und nachhaltige Anbausysteme
Schicklerstr. 5, 16225 Eberswalde
E-Mail: ralf.bloch@hnee.de
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Letzte Aktualisierung 04.11.2024