Naturland-Betriebe Neudecker

Innovationskraft pur: die Naturland-Betriebe Neudecker

Sie interessieren sich dafür, wie ein vieharmer landwirtschaftlicher Betrieb eine konsequente Kreislaufwirtschaft betreiben und energieautark werden kann? Die Naturland-Betriebe Neudecker zeigen, wie es gelingen kann. Als Vorzeigeprojekt der ökologischen Landwirtschaft wurden sie im Jahr 2026 als Sieger im Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau ausgezeichnet.

Wir stellen vor: Naturland-Betriebe Neudecker

Barbara und Anton Neudecker sind mit Leib und Seele der Landwirtschaft verbunden, denken in Kreisläufen und führen ihre Betriebsgemeinschaft mit zwei Bio-Betrieben in geteilter Verantwortung. Die Betriebe sind in den letzten Jahren enorm gewachsen, haben mehrere Bereiche als GbR ausgegliedert und auf allen Ebenen herausragende Innovationen entwickelt.

So setzt Anton Neudecker im Ackerbau auf eine breite Fruchtfolge. 80 Prozent der Flächen werden zur Lebensmittelerzeugung genutzt. Ein Schwerpunkt ist der Anbau von Bio-Zuckermais, für den gemeinsam mit einem Verarbeiter eine eigene Vermarktungsschiene entwickelt wurde.

In der betriebseigenen Werkstatt entwickelt der Betrieb regelmäßig Maschinen für den Ackerbau weiter. So wurde zum Beispiel ein Gülletruck so umgebaut, dass Wirtschaftsdünger exakt in der Reihe ausgebracht und per Hackschar eingearbeitet werden kann.

Barbara Neudecker hat auf ihrem Betriebsteil eine Pensionspferdehaltung aufgebaut und das Konzept eines Bewegungsstalls weiterentwickelt. Es sorgt dafür, dass die Pferde auch dann regelmäßig genügend Bewegung erhalten, wenn sie nicht geritten werden.


Film ab: Naturland-Betriebe Neudecker – Preisträger des Bundeswettbewerbs Ökologischer Landbau 2026

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Eine zentrale Rolle spielt die ökologische Biogasanlage für die Betriebsgemeinschaft. Im Verbund mit etwa 20 anderen Bio-Betrieben der Region wird die Anlage zu über 50 Prozent mit Kleegras betrieben. Dazu kommen noch etwa 35 Prozent Mist aus weiteren Kooperationen. Das anfallende Gärsubstrat ist für die Betriebsgemeinschaft und die Kooperationsbetriebe ein hochwertiger, flexibel einsetzbarer Dünger.

Um die Abwärme der Anlage sinnvoll zu nutzen, hat das Betriebsleiterpaar ein ganz besonderes Konzept entwickelt: die Bröselei. Hier werden pro Jahr etwa 2.000 Tonnen Bio-Altbrot getrocknet, gemahlen und als Öko-Kraftfutterkomponente an ein Mischfutterwerk und an Betriebe geliefert. Für den Transport wird ein vollelektrischer 40-Tonnen-Lkw eingesetzt.

Die Energie für den Lkw stammt komplett aus den eigenen Photovoltaikanlagen des Betriebs, die eine Gesamtleistung von 1,8 Megawatt haben. Über die Hälfte davon liefert einer Agri-PV-Anlage im Außenbereich der Legehennenhaltung mit 3.000 Tieren. Die aufgeständerten Module dienen zudem als Beschattung und bieten Schutz vor Greifvögeln.

Ein Grünspeicher mit rund 1.000 Kilowatt Kapazität ermöglicht es, die Betriebsgemeinschaft ganzjährig komplett mit eigenem Strom zu versorgen. Außerdem werden durch Nutzung der Abwärme aus der Biogasanlage und einer Hackschnitzelanlage jährlich etwa 35.000 Liter Diesel und 100.000 Liter Heizöl eingespart.

Begründung der Jury: Siegerbetrieb im Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau 2026

Die Betriebsgemeinschaft Anton und Barbara Neudecker besteht aus zwei landwirtschaftlichen Betrieben mit unterschiedlichen Schwerpunkten, in Hohenpolding im Landkreis Erding als Ackerbaubetrieb und in Landshut im Landkreis als Gemischtbetrieb mit Pferdehaltung.

Mehrere GbRs (Eierlegerei, Maschinerie, Bröselei) und eine GmbH & Co KG (Bio-Biogasanlage) runden das Gesamtkonzept ab.

Die Betriebsgemeinschaft wird von Anton und Barbara Neudecker in geteilter Verantwortung und enger Kooperation geführt, sie ist über die Jahre enorm gewachsen. Beide Betriebsleiter sind Quereinsteiger und waren in anderen Branchen aktiv, bevor sie in die Landwirtschaft gegangen sind.

Der Biohof Neudecker - als erster Betrieb in der Betriebsgemeinschaft - entstand im Jahre 1994 als Anton Neudecker den 70 Hektar Betrieb von seinen Großeltern übernahm und sofort auf ökologische Bewirtschaftung umstellte. Heute werden dort 315 Hektar Acker und 20 Hektar Wald bewirtschaftet. Neben Kleegras werden Zuckermais, Weizen, Dinkel, Soja und Hafer angebaut.

Der Betrieb von Barbara Neudecker wurde 2019 umgestellt. Auch sie hatte, in diesem Fall einen 50-Hektar-Hof 2003 von ihren Großeltern übernommen. Heute werden dort 135 Hektar Acker und 15 Hektar Forst im gleichen Konzept bewirtschaftet wie in Hohenpolding.

Die Betriebsgemeinschaft ist vielfältig innovativ aktiv.

Folgende herausragende Innovationen können beispielhaft angeführt werden:

  • Der Betrieb Neudecker ist seit Jahren einer der größten Anbauer von Bio-Zuckermaiskolben in Deutschland, in Kooperation mit einem Verarbeiter wurde eine eigene Vermarktungsschiene entwickelt.
  • Auf 60 Prozent der Ackerfläche wird aus Gründen des Erosionsschutzes Mulchsaat praktiziert. Aus gleichem Grund erfolgen in erosionsgefährdeten Lagen Kontursaaten mit Hafer.
  • Zur Optimierung des Anbaus wurden in der betriebseigenen Werkstatt mehrere technische Innovationen entwickelt:
    • Umbau eines 40 Jahren alten Geräteträgers zum autonom fahrenden Hackschlepper mit Knicklenk- und Kameralenksystem sowie Section Control,
    • Umbau eines herkömmlichen Trucks zum Gülletrack zur exakten Reihenapplikation mit anschließender Zuhäufelung mittels Hackscharen zur Vermeidung von gasförmigen Verlusten,
    • Bau eines Vollernters für Maiskolben.
  • Seit 2010 wird eine Bio-Biogasanlage betrieben. Das geschieht im Verbund mit anderen 20 Bio-Betrieben der Region im Umkreis von max. 20 km. Mit 55 Prozent ist nicht genutztes Kleegras Hauptbestandteil des Gärsubstrates, gefolgt von Mist aus Kooperationen mit Bio-Betrieben (35 Prozent) und Maisstroh bzw. Silomais (10 Prozent). Der ebenfalls eingebrachte hofeigene Hühnermist führt zu hohen Nährstoffgehalten ins besondere von Stickstoff und Phosphor und macht so die Gärreste besonders wertvoll. Die Verwertung der Kleegrasaufwüchse über die gemeinschaftliche Bio-Biogasanlage ist für die viehschwachen Betreibe in der Region von sehr großem Nutzen, stellt sie doch eine Variante des Cut-and-Carry Konzeptes dar, löst die ineffiziente Grünbache ab und erbringt dafür einen hochwertigen, flexibel einsetzbaren Biodünger, der eine gute Nährstoffversorgung der Böden und im Resultat gute Erträge sichert.
  • Die Abwärme der Biogasanlage wird nicht nur zur Getreidetrocknung und Wärmeversorgung des Wohnhauses genutzt, sondern auch zum Trocknen von Altbrot einer großen Münchner Bio-Bäckerei.
  • Ca. 2.000 Tonnen Altbrot per anno werden so im Kreislauf gehalten, das heißt das Brot wird im Betriebsteil "Bröselei" zerkleinert, getrocknet und gemahlen, um am Ende in einem Futtermischwerk weiterverarbeitet zu werden.
  • Der Transport des Altbrots und der getrockneten Brösel erfolgt mit einem 40 Tonner-eLKW (370 KW), der mit hofeigener Energie betrieben wird, wie auch die vier ePKW auf dem Betrieb sowie die betriebsseits den Mitarbeitenden bereitgestellten eBikes.
  • Darüber hinaus stellt der Betrieb eine öffentlich zugängliche Schnellladesäule zur Verfügung.
  • Der Betriebszweig "Eierlegerei" besteht aus einem 3.000 Legehennenstall, dessen Auslauf in Teilen mit Fotovoltaikpaneelen überdacht ist, so dass die Hennen eine gute Deckung vor Greifvögeln haben und den Auslauf weitgehend gleichmäßig nutzen können.
  • Insgesamt hat die Fotovoltaik des Betriebes ein Leistungskapazität von 1,8 Megawatt, 999 KW davon als Agri-PV im Legehennenauslauf und 800 KW als Aufdachanlagen.
  • Mit Hilfe von zwei Eigenverbrauchsspeichern mit 460 bzw. 650 KW wird künftig die ganzjährige Eigenversorgung mit elektrischer Energie ermöglicht. 
  • Das Einsparvolumen an fossiler Energie durch die betriebseigene Strom- und Wärmeerzeugung (Abwärme der Biogasanlage ergänzt durch eine Hackschnitzelanlage) beläuft sich per anno auf in Summe 30.000 Liter Diesel und 100.000 Liter Heizöl.
  • Vorbildlich und innovativ ist auch die Pensionspferdehaltung, für die ein besonderes Konzept "Aktivstall" entwickelt wurde, das dafür sorgt, dass die Pferde auch an Tagen, an denen sie nicht geritten werden, 'ausreichend' Bewegung erhalten.

Die Betriebsgemeinschaft Barbara und Anton Neudecker zeichnet sich durch Unternehmergeist, eine beeindruckende Innovationskraft gepaart mit konsequentem Denken in Kreisläufen aus. Die Energieautarkie landwirtschaftlicher Betriebe ist hier nicht nur eine Vision, hier ist sie täglicher Alltag.

Die Neudeckers zeigen vorbildlich, wie Kreislaufwirtschaft auf auch viehschwachen, respektive viehlosen Bio-Betrieben funktionieren kann. Der Schlüssel dafür ist vor allem die Nutzung von Kleegras über eine Biogasanlage.  Abschließend und zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Betriebsgemeinschaft Neudecker in den vergangenen 31 Jahren eine enorme Entwicklung genommen hat.

Visionär mit enormer Innovationskraft, viel Pioniergeist, Engagement und Herzblut wurde neue Wege beschritten, Kreislaufwirtschaft, Energieautarkie und Tierwohl mit Leben erfüllt und die Betriebsgemeinschaft zu einem Vorzeigeprojekt der ökologischen Landwirtschaft in Deutschland entwickelt.

Dies verdient besondere Anerkennung.

Kontakt:

Biohof Neudecker, Anton Neudecker und Eierlegerei, Barbara Neudecker
Gurnhub 1
84432 Hohenpolding

mit dem landwirtschaftlichen Betrieb Barbara Neudecker
Haag 13
84036 Landshut

in Verbindung mit dem Verarbeitungsunternehmen

Bröselei ABN GbR am Standort Gurnhub 1

Verband: Naturland

Weitere Gewinner im Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau 2026

Letzte Aktualisierung 22.01.2026

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