Bioland-Hof Obermayer

Das Herz schlägt für die Ziegen: der Bioland-Hof Obermayer

Wie kann es gelingen, einen erfolgreichen Bio-Ziegen-Betrieb aufzubauen? Der Bioland-Hof Obermayer macht es vor. Weil der Betrieb die Anforderungen an eine zukunftsfähige, regionalorientierte, tiergerechte und nachhaltige Landwirtschaft in besonderem Maße erfüllt und erfolgreich umgesetzt hat, ist er 2026 im Bundeswettbewerb Ökogischer Landbau ausgezeichnet worden.

Wir stellen vor: Bioland-Hof Obermayer

"Was die beiden in anderthalb Jahren an Aufmerksamkeit und Ansehen für den Betrieb geschaffen haben, ist mir in 50 Jahren davor nicht gelungen", sagt Landwirt Johannes Schultz. Dieses Lob gilt seinem Sohn Sören und dessen Frau Veronika Obermayer. Das Paar hatte den Hof von Sörens Vater im Jahr 2019 übernommen und seitdem komplett umgekrempelt.

Die alten Wirtschaftsgebäude, die auf konventionelle Schweinemast ausgerichtet waren, wurden aufwändig saniert und umgewandelt. Statt auf Schweine setzten die beiden auf Ziegen. Mit tiergerechten Ställen, einem Melkstand für 16 Tiere und einer eigenen Käserei mit angeschlossenem Hofladen ist es dem jungen Betriebsleiterpaar in wenigen Jahren gelungen, eine komplette Wertschöpfungskette für Produkte aus Ziegenmilch zu schaffen. Dazu gehört auch eine eigene Vermarktungs-GbR.


Film ab: Bioland-Hof Obermayer – Preisträger des Bundeswettbewerbs Ökologischer Landbau 2026

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Die 130 Hektar Ackerland werden vor allem für den ökologischen Anbau von Kartoffeln, Erbsen, Soja und zur Getreidevermehrung genutzt. Hier hat es das Paar geschafft, in kurzer Zeit eine hohe Produktivität zu erreichen, trotz eher schwacher Böden. "Ganz besonders schlägt unser Herz aber für die Ziegen", sagt Sören Obermayer. Und so ist es kein Zufall, dass die Tiere Namensgeber für die Wendland Ziege GbR geworden sind.

Die Herde umfasst etwa 60 Mutterziegen mit Nachzucht. Gehalten werden die Rassen Thüringer Waldziege mit Herdbuchzucht und Toggenburger Ziege. Die Thüringer Waldziege gilt als gefährdete Haustierrasse. Für die Ziegenhaltung hat das Betriebsleiterpaar ein innovatives System der muttergebundenen Kitzaufzucht entwickelt, bei der alle Jungtiere zehn Wochen lang bei der Mutter bleiben dürfen. Zur Optimierung der Fütterung nutzt der Betrieb Laub von eigenen Agroforstflächen.

Das Aushängeschild des Bioland-Hofs sind zahlreiche Ziegenkäsespezialitäten wie Frischkäse, Camembert, Pfannenkäse und sogar Lassi und Ayran aus Ziegenmilch. Die Vermarktung aller Produkte ist komplett regional orientiert und erfolgt im Umkreis von etwa 30 Kilometern. Für den Jogurt und das Lassi hat der Betrieb ein eigenes Pfandsystem auf Glasbasis aufgebaut, das gut etabliert ist.

Die große Bekanntheit des Bio-Hofs beruht nicht nur auf den außergewöhnlichen Produkten, sondern auch auf der Offenheit des Betriebsleiterpaars. Sören und Veronika Obermayer sind sehr gut vernetzt und arbeiten eng mit anderen Betrieben zusammen, aber auch mit Behörden, Kultureinrichtungen und den Menschen vor Ort. Eine aktive Beteiligung an lokalen Kulturfestivals ist genauso selbstverständlich wie regelmäßige Hofführungen und eine enge Partnerschaft mit den Schulen der Region.

Bioland-Hof Obermayer: Sieger im Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau 2026

Begründung der Jury

Der Bioland Hof Obermayer ist ein vielfältiger Familienbetrieb im Süden des Landkreises Lüchow-Dannenberg in Niedersachsen.

Das Betriebsleiterehepaar Veronika und Sören Obermayer übernahmen innerfamiliär den Betrieb 2020 und stellten ihn ab 1. April 2020 auf ökologische Bewirtschaftung um. Mit der Betriebsübernahme und Umstellung erfolgte eine Umstrukturierung des väterlichen Gesamtbetriebes.

Die landwirtschaftliche Nutzfläche umfasst 148 Hektar. Neben dem vielfältigen Ackerbau auf leichten Böden mit 128 Hektar für Getreide-, Kartoffel und Leguminosenanbau (Soja, Erbse) stehen die Herdbuchzucht der gefährdeten deutschen Nutztierrasse Thüringer Wald Ziege, die "Muttergebundene Kitzaufzucht", die Verarbeitung der Ziegenmilchprodukte in der hofeigenen Hofkäserei und die Direktvermarktung über die eigene Vermarktungs-GbR heute im Mittelpunkt des Betriebes.

Eine vollständige Wertschöpfung auf dem Betrieb von der Futtererzeugung (Heu, Laub, Getreide und Leguminosen) über die handwerkliche Verarbeitung bis hin zum Verkauf in der Region kann damit erfolgreich auch in einer strukturschwachen Region umgesetzt werden.

Voraussetzung dafür ist die offene und transparente Zusammenarbeit der Betriebsleitenden auf den verschiedenen Ebenen in der Region mit Kolleginnen und Kollegen, Verbraucherinnen und Verbrauchern, Behörden und Kultureinrichtungen.

Die aktive Beteiligung an regionalen Veranstaltungen, wie zum Beispiel das jährlich stattfindende 12-tägige Kulturfestival "Kulturelle Landpartie", welches täglich mehrere hundert Besucherinnen und Besucher auf den Hof lockt, Hofführungen über das ganze Jahr verteilt und eine enge Zusammenarbeit mit Schulen bringen den interessierten Menschen nicht nur die Produkte nah, sondern auch eine konsequent auf Nachhaltigkeit und Tierschutz orientierte Landwirtschaft.

Seit 2024 ist der BiolandHof Obermayer Demonstrationsbetrieb Ökologischer Landbau und bereits seit 2019 Partnerbetrieb vom Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue.

Besondere Leistungen und Innovationen:

  • Herdbuchzucht der Thüringer Wald Ziege zum Erhalt dieser Rasse (Arche Rasse), Mitglied der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) e.V. und Mitglied im Förderverein Archeregion
  • "Muttergebundene Kitzaufzucht" insbesondere auch Aufzucht der Bocklämmer (bis zum Alter von 6-9 Monaten).
  • Biodiversitätsfördernde Weidehaltung überwiegend im Naturschutzgebiet: Kombination aus Mahd, Ziegenbeweidung und extensiver Grünlandbeweidung durch Rinder
  • Projekt: Futterlauberzeugung aus dem Agroforstsystem, Partnerbetrieb vom Futterlaubprojekt aus dem Agroforstsystem (FuLaWi) seit 2024. Auf den betriebseigenen Flächen wurden zwei Systeme angelegt: Eines auf Grünland und weiteres auf Ackerland.
  • Schaffung einer hohen innerbetrieblichen Diversifizierung. Alle essenziellen Schritte "vom Gras zum Käse und auf den Teller" können auf dem Hof unabhängig gestaltet und weiterentwickelt werden. 
  • Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten: Wertschöpfung/ Vermarktung zu 100 Prozent regional in einem Umkreis von circa 30 km.
  • Aufbau eines innovativen eigenen Pfandsystems auf Glasbasis
  • Aktive Öffentlichkeitsarbeit, zum Beispiel Mitwirkung bei NDR-Hofgeschichten von August 2023 bis Juni 2024, Hofporträt in der Zeitschrift "Land und Forst" März 2024 und anderes
  • Autarke Stromversorgung des Hofes und der Hofkäserei zu circa 70 Prozent durch eigene PV-Anlage mit Speicher seit Mitte 2024.

Die Jury ist der Überzeugung, dass der BiolandHof Obermayer die Anforderungen an eine zukunftsfähige, regionalorientierte, tiergerechte und nachhaltige Landwirtschaft in besonderem Maße erfüllt und erfolgreich umsetzt.

Das Engagement für den Erhalt alter Tierrassen, Innovationen in der Tierhaltung, der Einsatz für die Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten, die aktive Beteiligung an praxisnahen Forschungsprojekten und eine transparente Öffentlichkeitsarbeit machen den Betrieb zu einem Vorzeigebetrieb weit über die Region hinaus.

Kontakt:

Bioland Hof Obermayer
Sören Obermayer

in Verbindung mit dem Vermarktungsunternehmen

Wendland Ziege GbR
Veronika und Sören Obermayer
Bausen 3
29459 Clenze
Niedersachsen

Homepage: www.wendland-ziege.de
Instagram: wendland.ziege

Verband: Bioland

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Letzte Aktualisierung 22.01.2026

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