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Gemeinsam Lebensmittelverschwendung reduzieren

Ziel des Dialogforums war es, mit Groß- und Einzelhändlern Lebensmittelabfälle in ihrem Verantwortungsbereich abzubilden und durch effektive Maßnahmen zu reduzieren. Im Rahmen einer Beteiligungserklärung verpflichteten sich die Unternehmen dazu, aussagekräftige Daten zu erfassen, mit sozialen Einrichtungen zu kooperieren sowie zu weiteren selbst gewählten Maßnahmen in ihren Märkten und an den Schnittstellen zu vor- und nachgelagerten Bereichen. Die Erfolge sollen durch eine Zielvereinbarung verstetigt werden.
Empfehlungen für die Praxis
Für eine wirkungsvolle Reduzierung von Lebensmittel- verschwendung sind folgende Faktoren notwendig:
Zusammenarbeit: Dynamik und Wirkung potenzieren sich, wenn mehrere an einem Strang ziehen. Innerhalb der einzelnen Sektoren müssen sich Unternehmen und Organisationen (z.B. Branchenverbände) austauschen können. An sektorübergreifenden Schnittstellen ist ein Schulterschluss notwendig. Ähnliche Herausforderungen wie Zielkonflikte und Regelungshemmnisse lassen sich so gemeinsam identifizieren und bearbeiten.
Austauschmöglichkeiten: Regelmäßige Treffen (auch virtuell) bieten den notwendigen Raum zum Teilen von Erfahrungen und ermöglichen offene, konstruktive Diskussionen. Falls die Politik diesen Rahmen nicht setzt, ist Eigeninitiative gefragt.
Vertrauen: Kontinuität bei den Ansprechpersonen, die Anwendung von Chatham-House-Rules bei internen Treffen sowie eine Moderation und Ergebnisberichte durch eine neutrale Stelle unterstützen den Austausch auf Augenhöhe. All dies ermöglicht es, die Herausforderungen konstruktiv zu bearbeiten.
Verlässlichkeit: Die Verständigung auf ein gemeinsames Ziel ist Grundlage für geteilte Anstrengungen. Verschriftlichung kann innere wie äußere Wirkung stärken und motivieren.
Transparenz: Ergebnisse breit mit der Öffentlichkeit zu teilen steigert sowohl die Sichtbarkeit als auch die Relevanz der Arbeit. Es empfiehlt sich, Fallstudien und Maßnahmenbewertungen öffentlich zugänglich zu machen, um die Umsetzung weiterer Reduzierungsmaßnahmen zu unterstützen.
Begleitung: Institutionelle Begleitung stärkt Relevanz und Legitimation nach außen. Die Politik sollte z.B. auch gesetzliche Regelungen auf Zielkonflikte überprüfen und Rahmenbedingungen verbessern

"Motiviert und engagiert können Einzelne bereits viel erreichen, doch die großen Hebel können nur gemeinsam in Bewegung gesetzt werden."
Nora Brüggemann, CSCP
Informationen zum Projekt
Um das Nachhaltigkeitsziel 12.3. der Agenda 2030 zu erreichen und die nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung umzusetzen, sind aktive Beiträge aller notwendig. Während im Einzelnen bereits viel erreicht wurde, haben die Erfahrungen des Dialogforums Groß- und Einzelhandel gezeigt, dass regelmäßige Austauschformate notwendig sind für praxisnahen Erkenntnisgewinn, Kompetenzentwicklung und das Lösen gemeinsamer Herausforderungen. Für eine wirkungsvolle Reduzierung von Lebensmittelverschwendung ist dies sowohl in der eigenen Branche notwendig, aber mindestens genauso wichtig an den Schnittstellen zu anderen Sektoren und Akteursgruppen, wie zum Beispiel Primärproduktion-Handel, Handel-Verbraucherschaft oder Handel-Weitergabe.
Im Dialogforum Groß- und Einzelhandel zur Reduzierung von Lebensmittelverschwendung haben 23 Unternehmen:
- individuell und erstmalig gemeinsam eine Datengrundlage über das tatsächliche Ausmaß der Lebensmittelverschwendung geschaffen;
- mehr als 202 Reduzierungsmaßnahmen im internen Verantwortungsbereich und an Schnittstellen zu Lieferantinnen und Lieferanten, zur Kundschaft sowie zu (sozialen) Einrichtungen entwickelt;
- die Effizienz und Effektivität der Maßnahmen in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht bewertet;
- sich zu Hürden bei der Weitergabe (z.B. mit Tafel Deutschland e.V., DUH, lebensmittelrettenden Organisationen sowie Lebensmittelsicherheits- behörden) oder zu Qualitätsanforderungen bei Obst und Gemüse (zum Beispiel mit Umweltbundesamt und Verbraucherzentrale) ausgetauscht, unterstützt durch eine neutrale Moderation;
- eine ambitionierte Zielvereinbarung 2030 erarbeitet, um die gemeinsame Arbeit zu verstetigen.
Vollsortimenter, Discounter, Zustellgroßmärkte, Abholmärkte, Genossenschaften, Bio-Händler und Online- Handel kooperierten im Dialogforum konstruktiv und vertrauensvoll, um ihren Beitrag zum SDG-Ziel 12.3 zu leisten.
Deutlich wurde dabei aber auch, dass u.a. die Themen Maßnahmenwirkung, Potenzialanalysen, Zielkonflikte sowie die Umsetzung von zentralen Maßnahmen an den Schnittstellen zu anderen Sektoren weiterhin Aufmerksamkeit und Orchestrierung erfordern. Hier bestehen Grenzen für einzelne Unternehmen, aber auch Branchen.
Eine konsequente Rahmensetzung der Politik zur Verbesserung der Rahmenbedingungen des Engagements in einem Sektor und ein übergeordneter Austausch entlang der gesamten Lebensmittelversorgungskette sind notwendig, um die Komplexität der Aufgabe mit allen Beteiligten nwirkungsvoll auflösen zu können.
- Nora Brüggemann und Patrik Eisenhauer, Collaborating Centre on Consumption and Production (CSCP) gGmbH, Wuppertal
- Thomas Schmidt, Lia Orr, Marco Heinrich, Friederike Lehn, Manuela Kuntscher, Thünen-Institut für Marktanalyse, Braunschweig.
Nora Brüggemann
Collaborating on Sustainable Consumption and Production (CSCP) gGmbH
Hagenauer Straße 30
42107 Wuppertal
E-Mail: nora.brueggemanncscporg
Telefon: 0049 202 45958-25
08/2019 – 12/2022
Die Inhalte dieser Seite finden Sie hier auch in einem Praxismerkblatt als PDF-Datei.
Letzte Aktualisierung 16.03.2023